Artboard 62
Hypancistrus spec. L270 / L307 – Curuá-Una-Zebrawels

Hypancistrus spec. L270 / L307 – Curuá-Una-Zebrawels

L270

Synonym

Schokoladen-Zebrawels

Herkunft

Rio Curuá Una in Pará, Brasilien

Lebensraum
Für eine arttypische Haltung ist es sinnvoll sich mit den Gegebenheiten des Fangortes auseinander zu setzen. Leider sind detailreiche Bilder und brauchbare Beschreibungen sehr selten zu finden. Auch die Ermittlungen nach Fangtiefen und Unterwasseraufnahmen bleiben häufig erfolglos.

An den schmaleren Stellen des Rio Curuá Una reichen Bäume und Sträucher über das klare, leicht bräunliche Wasser und schatten die Uferzonen ab. Abschnittsweise spenden Cahoeiras (Wasserfälle) strömungsstarkes, sauerstoffreiches Wasser und stellen teilweise natürliche Evolutionsbarrieren dar. Der Schokoladen-Zebrawels ist im Rio Curuá Una zwischen Steinspalten vorzufinden.

Beschreibung
Bei dem L 270 / 307 handelt es sich um einen Wels der Gattung Hypancistrus. Diese Art ist wissenschaftlich noch nicht beschrieben worden. Aus diesem Grund wurde dem Wels eine L-Nummer (das “L” steht für Loricariidae) zugeteilt. Er wurde von mehreren Fangstationen exportiert und die genaue Herkunft war zunächst unbekannt. Irrtümlicher Weise hat dieser Wels in Folge dessen zweimal eine solche Nummer erhalten.

Die Männchen besitzen auf dem Schwanzstiel und den Brustflossen längere Odontoden. Auch die Interopercular-Odontoden sind stärker ausgeprägt. Als Odontoden bezeichnet man harte Strukturen aus Zahnbein und Blutgefäßkanälen, Interopercular-Odontoden sind verbunden mit den Zwischenkieferknochen.

Dieser Hypancistrus zeigt kein auffällig aggressives Verhalten und ist für die Vergesellschaftung mit anderen ebenfalls ruhigen Zierfischen besonders geeignet. Zur gezielten Zucht empfiehlt es sich jedoch ihn in einem Artbecken zu pflegen. Den meisten Quellen entnimmt man, dass sich geschlechtsreife Welse dieser Gattung mehrere Monate oder sogar Jahre ohne sich fortzupflanzen zunächst an die Gegebenheiten in dem Aquarium gewöhnen. Inwiefern die Aussage zutrifft oder sich diese auf die Übernahme von Unwissenheiten über die gezielte Vermehrung begründet kann zum aktuellen Zeitpunkt nicht sicher festgestellt werden.

Die Grundfläche des Aquariums sollte 80 x 35 cm bei der Haltung von 5 Tieren mit einer Endgröße von ca. 12cm nicht unterschreiten. Zu der notwendigen Beckeneinrichtung zählen Schieferhöhlen, -überstände und -spalten sowie Tonhöhlen oder andere geeignete Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten. Zur Zucht sollte ein Augenmerk auf die Schiefer- bzw. Tonhöhlen gelegt werden. Besonders empfehlenswert sind an die Größe der Welse angepasste, einseitig geschlossene Tonhöhlen. Diese können nebeneinander gelegt, mit einer entsprechend großen Schieferplatte abgedeckt werden. Mit ein wenig Geschick lässt sich so der Höhleneingang hervorragend abschatten.

Das Aquarium sollte insgesamt nur sehr schwach beleuchtet werden, und es kann auf den Einsatz von Pflanzen verzichtet werden. Eine gute Filterung und eine regelmäßige Kontrolle der Wasserwerte werden dadurch vordergründig wichtig. Abgekochtes Totholz und Wurzeln sind eine hervorragende Ergänzung der Beckeneinrichtung. Der Einsatz von teurer Technik ist nicht zwingend erforderlich. Ein perfekt konditionierter, luftbetriebener “Hamburger-Mattenfilter” ist eine hervorragende Alternative. Ein weiterer Vorteil insbesondere für die Zucht ist, dass das Wasser automatisch mit Sauerstoff angereichert wird.

Temperatur: 26-27
pH: um 6,5
KH:
GH: weich bis mittelhart
Leitwert:
 
Nahrung: Eine Fütterung dieser Allesfresser ist problemlos mit Flockenfutter und Futtertabletten möglich.

Zucht:

Für eine Laichbildung spielt auch die Ernährung eine tragende Rolle. Insgesamt sollte diesem sich omnivor (pflanzlich und tierisch) ernährenden Wels eine ausgewogene, abwechselungsreiche Kost angeboten werden. Der Einsatz billiger Futtertabletten (auch von nahmhaften Herstellern) ist häufig nicht ratsam. Sie beinhalten in der Regel Lockstoffe welche dem Züchter nur suggerieren, dass sich der Fisch gut ernährt. Der Großteil der Inhaltsstoffe werden von den Tieren nicht verwertet sondern unverbraucht wieder ausgeschieden. Diese Ausscheidungen (Mulm) belasten zunehmend das Aquariumwasser und sorgen für einen größeren Aufwand bei der Pflege der Tiere und dem damit verbundenen Stress bei den Welsen.

Ein kurzfristiges Anheben der Temperatur um max. 2 °C und die großzügige Gabe von diversen Frostfuttern fördert die Laichbildung und löst in den meisten Fällen die Paarungsbereitschaft aus. Mit dem täglichen Wasserwechsel und dem Abkühlen des Wasser auf die Idealtemperatur ist nach wenigen Tagen mit einem Gelege zu rechnen. Wartet man jedoch vergebens, ist es nötig den Zuchtversuch abzubrechen und dem Schokoladen-Zebrawels eine Pause zu gönnen. Gelingt die Nachzucht ist die Abnahme der Wasserwerte und ein Blick auf das Barometer mit einer späteren Notation der Gelegegröße clever. Es handelt sich bei Gelegeabgaben von Welsen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um einen vorherrschenden, tiefen Luftdruck. Die Abhängigkeit des Luftdruckes zur Eiablage ist jedoch wissenschaftlich noch nicht bewiesen.

Die Erklärung für die beschriebende Vorgehensweise ist, dass durch das Anheben der Temperatur eine Trockenperiode und der damit verbundene tiefere Wasserstand im Heimatgewässer vorgetäuscht wird. Häufige Wasserwechsel, das Abkühlen des Wassers und reichhaltige Futtergaben imitieren den tropischen Regenguss. Die Welse nehmen diese Gegebheiten war und die Natur hält es für sinnvoll sich zu diesem Zeitpunkt fortzupflanzen. Dieses Verhalten ist besonders ausgeprägt bei Wildfängen zu beobachten – sogar in Abhängigkeit der Jahreszeit. Ob Nachzuchten in der Lager sind diesen Instinkt zu behalten ist noch unklar. Wichtig ist die innere Uhr der Pfleglinge nicht durch zu häufige Zuchtversuche aus dem Takt zu bringen. Es ist bereits davon berichtet worden, dass es nach “erzwungenen” Gelegen bei einigen Welsarten nicht mehr zur erfolgreichen Nachzucht gekommen ist. Doch der Wahrheitsgehalt dieser Aussage ist auch in diesem Fall in Frage zu stellen.

Zwei, vorzugsweise drei Tage nach der erfolgreichen Eiablage wird die Höhle mit dem brutpflegenden Wels in den Aufzuchtkasten überführt. Auch das Aquariumwasser kann nach der Eiablage wieder seltener gewechselt werden. Die Schlupfzeit ist Abhängig von der Dauer des Paarungsvorganges. Nach frühestens 4, in der Regel 5 bis 6 Tagen (in Ausnahmefällen sogar 8 Tagen) schlüpfen dann die Jungfische. Bis zu diesem Zeitpunkt dreht und wendet das Welsmännchen die Eier mit seinem Maul. Dabei sortiert er unbefruchtete, verpilzte Eier aus und frisst diese. Der Einsatz von Erlenzapfen ist während dieser Phase vorteilhaft. Diese wirken fungizid und vermeiden eine Pilzbildung. Mehr als ein Zapfen je 10 Liter Aquariumwasser sollten jedoch nicht eingehangen werden. Um Erlenzapfen aus der Natur entnehmen zu können, hält man vorzugsweise Ausschau nach Entwässerungsgraben an landwirtschaftlich genutzten Flächen. Dort wurden überwiegend Erlen zur Befestigung gepflanzt. Die Zapfen sollten jedoch nicht vom Boden aufgesammelt sondern in Griffhöhe abgepflückt werden.

Bis zum Freischwimmen der Jungfische dauert es etwas und der brutpflegende L 270 / 307 wird dabei so selten wie möglich gestört. Ein kurzer Augenblick mit der Taschenlampe ist jedoch nicht verwerflich. Nach zehn Tagen schwimmen die ersten jungen Welse aus der Höhle. Es sollte schon kurz vor dem Verzehr des Dottersackes damit begonnen werden die Jungfische zu füttern. Für die spätere Entwicklung der Tiere, ein gleichmäßiges und gesundes Wachstum ist die richtige Ernährung in diesem Stadium ganz besonders wichtig und ebenso problematisch.

Quelle:

L-Welsoase – Inh. Christian Meesters

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