Anabas testudineus

Deutscher Name: Kletterbarsch

Quelle: Aquarium Glaser
Herkunft:
Indien, Indonesien, Myanmar, Thailand
Farben:
braun, grau, grün
Schwierigkeit:
Schwierig (Sehr erfahrene Aquarianer)
Art: Anabas testudineus
Gattung: Anabas
Familie: Anabantidae

Beschreibung

Anabas testudineus, der Kletterbarsch, ist ein kompakt gebauter, robuster Labyrinthfisch (Anabantidae) mit einer Maximalgröße von bis zu 25 cm TL, im Aquarium meist 15-20 cm. Die variable Grundfärbung reicht von olivgrün über graubraun bis zu dunkleren Grüntönen; die Bauchseite ist heller. Besonders bei Jungfischen sind zwei dunkle Flecken charakteristisch: einer am hinteren Rand des Kiemendeckels und einer an der Schwanzwurzel. Die Iris zeigt häufig rötliche bis goldene Töne. Die Art besitzt unter allen Anabantidae den relativ größten Labyrinthapparat (suprabranchiales Organ) und gilt als obligater Luftatmer. Sie kann kurze Zeit außerhalb des Wassers überleben, solange die Atemorgane feucht bleiben. Das bekannte „Klettern“ an Bäumen ist ein Mythos: Landwanderungen verlaufen langsam und unbeholfen, gestützt auf Brustflossen und aufgespreizten Kiemendeckeln. In der Trockenzeit wandern die Tiere zu neuen Gewässern oder graben sich in feuchten Schlamm ein.
Sozialverhalten: Einzelgänger
Temperament: aggressiv
Verträglichkeit mit Wirbellosen: schlecht

Besonderheiten

  • Labyrinthapparat (suprabranchiales Organ): obligater Luftatmer, überlebt sauerstoffarme Gewässer
  • Wandert in Trockenzeiten über Land zu neuen Gewässern; „Klettern“ an Bäumen ist Volksmythos
  • Gräbt sich in der Trockenzeit in feuchten Schlamm ein (Ästivation)
  • Territorial und räuberisch; Brutzeitaggressivität erhöht
  • Freiwasserlaicher ohne elterliche Brutpflege (kein Schaumnestbauer!)
  • Hohes Sprungrisiko – Becken zwingend sicher abdecken

Vergesellschaftungshinweise

Anabas testudineus ist territorial und räuberisch. Gegenüber gleichartigen Tieren sowie kleineren Fischen zeigt die Art regelmäßig Aggressionen; Einzelhaltung oder sehr dünn besetzte Großbecken sind die praktikablere Lösung. Während der Brutzeit steigt die Aggressivität deutlich. Kleine Wirbellose (Zwerggarnelen, kleine Schnecken) werden als Beute betrachtet. Als Beifische kommen vorwiegend Arten aus der gleichen Bioregion (Süd- und Südostasien) in Frage: größere Rasboras, Botia-Schmerlen oder vergleichbar robuste Formen. Corydoras stammen aus Südamerika und sind als Beifische ungeeignet. Generell sind Vergesellschaftungen wegen des räuberischen Charakters nur in sehr großen, stark strukturierten Becken sinnvoll.

Geschlechtsdimorphismus

Weibchen sind zur Laichzeit deutlich fülliger im Bauchbereich und werden tendenziell etwas größer. Männchen bleiben schlanker und zeigen während der Laichzeit verstärkte Dunkelfärbung sowie rötliche Schimmer an Bauch- und Brustflossen. Außerhalb der Laichzeit ist die Unterscheidung schwierig.
Größe: bis 25 cm (Aquarium: meist 15-20 cm)

Haltungstipps / Pflege

Wasserwerte: Temperatur 22-30 °C, pH 5,5-8,0, GH 2-20 dGH. Das breite Spektrum spiegelt die hohe Anpassungsfähigkeit der Art wider; für die Dauerhaltung sind mittlere Werte (25-28 °C, pH 6,5-7,5, GH 5-15 dGH) optimal. Beckengröße: Mindestens 120 cm Kantenlänge (ca. 240 L) für ein Einzeltier; bei Paarhaltung oder Gruppen entsprechend größer. Einrichtung mit dichter Randbepflanzung, treibenden Pflanzen, Wurzeln und Höhlen für Reviergrenzen und Verstecke. Weicher Bodengrund (Sand, feiner Kies). Geringe bis moderate Strömung. Unbedingt dicht schließender, schwerer Deckel – die Art ist ein fähiger Springer und verlässt das Wasser aktiv. Regelmäßige Wasserwechsel aufgrund hoher biologischer Belastung durch proteinreiche Fütterung. Saisonale Temperaturabsenkungen auf ca. 20 °C können Laichbereitschaft stimulieren. Anabas testudineus ist eine charakterstarke Spezialistenart für erfahrene Aquarianer. Der sicher schließende Deckel ist keine Option, sondern Pflicht. Die häufig genannte Einordnung als „Schaumnestbauer“ ist biologisch falsch; Anabas ist ein Freiwasserlaicher ohne Brutpflege. Die Haltung gelingt am besten als Einzelhaltung in einem großen, strukturierten Biotopbecken mit südostasiatischen Begleitarten.
Wasserhärte:
weich bis hart
pH-Wert
5,5-8,0
Temperatur:
22-30 °C
Beckengröße:
ab 120 cm, 240 Liter

Zucht und Fortpflanzung

Die Zucht im Aquarium gelingt selten; hormonelle Induktion wird häufig eingesetzt. Fortpflanzungstyp: Freiwasserlaicher ohne elterliche Brutpflege. Anabas baut keine Schaumnester. Männchen umklammern die Weibchen, die Eier werden frei ins Wasser abgegeben und treiben an der Oberfläche. Pro Laichereignis werden 5.000-35.000 Eier abgegeben. Die Eier sind nicht klebrig. Schlüpfzeit bei 26-28 °C: ca. 24 Stunden. Larven sind anfangs 2-3 mm groß. Eltern fressen Laich und Larven; Trennung nach dem Ablaichen ist zwingend. Zuchtwasserwerte: Temperatur 26-28 °C, pH 6,5-7,5, GH maximal 15 dGH. Simulation der Regenzeit (Wasserstandsabsenkung, anschließend Auffüllung mit kühlerem Wasser, intensive Fütterung) kann die Laichbereitschaft auslösen. Konditionierung mit Regenwürmern, Insektenlarven und kleinen Fischen.

Ernährung/Futterbedarf

Hauptsächlich karnivore Ernährung mit omnivoren Anteilen. In der Natur: kleine Fische, Insektenlarven, Weichtiere, Würmer, gelegentlich Algen und Pflanzenmaterial. Im Aquarium: Regenwürmer, Insektenlarven, Frostfutter (Muschelfleisch, Tubifex), hochwertige fleischbetonte Pellets. Pflanzliche Ergänzung (Erbsen, Spinat) wird angenommen. Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Ernährungstyp: Fleischfresser (Carnivore)
Alterserwartung
ca. 5-8 Jahre

Natürlicher Lebensraum

Anabas testudineus ist in weiten Teilen Süd- und Südostasiens verbreitet: Indien, Sri Lanka, Bangladesch, Myanmar, Thailand, Malaysia, Indonesien und Südchina. Typische Habitate sind trübe, stehende oder langsam fließende Gewässer mit dichter Vegetation und weichem, schlammigem Bodengrund. Die Art kommt häufig in Teichen, Reisfeldern, Tümpeln und langsam fließenden Flussabschnitten vor. Dank des Labyrinthorgans kann Anabas auch in extrem sauerstoffarmen Bedingungen überleben.

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