Aus Freude an der Aquaristik Wissen, Inspiration und Community

my-fish

Zierfische, Familie Gastromyzontidae

Gastromyzon farragus

Redaktion my-fish, aktualisiert am

Gastromyzon farragus ist ein kleiner, abgeflachter Flossensauger aus der Familie Gastromyzontidae, den Tan & Leh 2006 aus dem Süden von Sarawak beschrieben haben, das größte dort genannte Tier misst 40,2 mm Standardlänge (Länge ohne Schwanzflosse). Der Körper ist dunkelbraun, über den Rücken laufen 9 bis 10 schmale cremefarbene Querbänder, die Flanken tragen feine helle Punkte, die Kopfoberseite ebenfalls.

  • Schwierigkeit: Mittelschwer
  • Gruppenhaltung
  • Friedlich
  • 5 cmEndgröße

  • 20-24 °CTemperatur

  • 6-7,5pH-Wert

  • 1-12 °dGHGesamthärte

  • ab 54 lAquariengröße

Beschreibung

Die Schwanzflosse hat einen breiten dunklen Balken mit rötlichem Einschlag, bei vielen Tieren kommt ein violetter bis bläulicher Schimmer hinzu. Am Grund halten sich die Tiere mit hakenförmigen Unculi (verhornten Fortsätzen) an den Rändern der Brust- und Bauchflossen. Sehr ähnlich ist G. ocellatus, das auf dem Kopf Punkte und Flecken, in der vorderen Körperhälfte Bänder statt Punkte und nur 3 statt 4 bis 5 Bänder vor der Rückenflosse trägt, am lebenden Tier hilft die Schwanzflosse: G. farragus hat meist einen dicken dunklen Balken, G. ocellatus häufiger zwei, Zwischenformen kommen aber vor. Bekannt ist die Art nur aus dem Einzugsgebiet des Sadong im Süden von Sarawak auf Borneo. Sie eignet sich für Aquarianer, die ein eingefahrenes, stark durchströmtes und sauerstoffreiches Becken mit bewachsenen Steinen dauerhaft bieten können.

Haltung und Pflege

Für die Haltung werden 20-24 °C, pH 6,0-7,5 und eine Gesamthärte von 1-12 °dGH empfohlen. Diese Zahlen stammen aus englischsprachigen Artprofilen und stehen dort gleichlautend auch für andere Gastromyzon-Arten. Frank Schäfer nennt für alle Gastromyzon-Arten dagegen 22-28 °C und rät zu mittleren Werten, gemeinsam ist beiden Angaben nur der Bereich 22-24 °C. Eigene Messwerte für G. farragus liegen nicht vor. Nach den Artprofilen werden höhere Temperaturen vertragen, solange der Sauerstoffgehalt hoch bleibt. Sehr weiches, saures Wasser wie in der Natur ist laut Schäfer im Aquarium nicht unbedingt nötig, während der Eingewöhnung kann eine Annäherung daran aber sinnvoll sein. Ein Becken ab 60 cm Kantenlänge und 54 Litern reicht für eine kleine Gruppe. Entscheidend sind sauberes, sauerstoffreiches Wasser und kräftige Strömung: Der Filter sollte überdimensioniert sein und das Beckenvolumen möglichst 10- bis 15-mal pro Stunde umwälzen, zusätzliche Strömungspumpen oder Ausströmer helfen dabei. Als Boden eignen sich Kies, Sand oder eine Mischung aus beidem, darauf kommt eine Lage wassergerundeter Steine und Kiesel in verschiedenen Größen. Altes Holz ist möglich, neues gibt Gerbstoffe ab, die das Wasser färben und Licht schlucken. Die Beleuchtung sollte kräftig sein, damit Algen und Aufwuchs wachsen. Pflanzen fehlen am Naturstandort meist, im Aquarium kommen robuste Gattungen wie Microsorum, Crinum und Anubias am besten zurecht. Aufwuchs darf außer an der Frontscheibe überall stehen bleiben, offene Filterschwämme werden ebenfalls abgeweidet. Regelmäßige Teilwasserwechsel sind Pflicht. Die Art braucht stabile Wasserwerte und darf nur in ein biologisch eingefahrenes Becken. Die Abdeckung muss dicht schließen, weil die Tiere an Glas hochklettern. Importtiere sind oft stark abgemagert: Solche Fische brauchen anfangs ständig geeignetes Futter und ein Becken ohne Nahrungskonkurrenten.

Passt das Wasser bei dir?

Verhalten und Vergesellschaftung

G. farragus ist sehr friedlich. Tiere der Gattung leben in der Natur in lockeren Ansammlungen, deshalb sollten mindestens 4 Tiere zusammen gehalten werden. Bis zu einem gewissen Grad sind sie territorial: Einzelne Tiere verteidigen ihren Platz stärker als andere, oft ist es eine gute Fressstelle. Für die Gattung wird beschrieben, dass Rangeleien untereinander harmlos verlaufen und andere Arten nicht beachtet werden. Die Ansprüche an das Becken schränken die Auswahl der Mitbewohner ein. Infrage kommen kleine Freiwasserfische wie Tanichthys, Danio und Rasbora, strömungsliebende Grundeln der Gattungen Rhinogobius, Sicyopterus und Stiphodon sowie rheophile (strömungsliebende) Welse wie Glyptothorax, Akysis und Hara. Einige Schmerlen und andere Flossensauger passen ebenfalls, andere nicht, das muss je Art geprüft werden. Ungeeignet sind deutlich größere, aggressive oder territoriale Fische und alle, die stark um den Aufwuchs konkurrieren. Zu Garnelen machen die ausgewerteten Quellen keine Aussage. Turmdeckelschnecken lebten in einem Zuchtbecken mit einer anderen Gastromyzon-Art im selben Becken.

Ernährung

G. farragus ist ein Aufwuchsfresser. Gastromyzon-Arten schaben mit einer hornigen Lippenleiste Aufwuchs von Steinen und Wurzeln ab. Was sie dabei vor allem aufnehmen, wird unterschiedlich angegeben: Englischsprachige Artprofile nennen großteils Algen mit den darin lebenden Kleinstorganismen, Frank Schäfer schreibt, es gehe den Tieren weniger um Algen als um Mikrolebewesen. Auch beim Futter im Aquarium weichen die Angaben voneinander ab. Laut Schäfer lassen sich die Fische mit allen möglichen Futtersorten gut ernähren, am besten bekommen ihnen kleine Frostfuttersorten. Die Artprofile nennen gutes Trockenfutter sowie Lebend- oder Frostfutter wie Rote Mückenlarven und warnen vor inneren Problemen bei zu viel Eiweiß. Gut geeignet ist selbst hergestelltes Gelatinefutter mit hohem Anteil an frischem Gemüse und Spirulina (Blaualgenpulver). Für die dauerhafte Haltung sind ein eingefahrenes Becken und viele algenbewachsene Steine am wichtigsten. Bevorzugt werden Kieselalgen und weiche Grünalgen, zähe Rotalgen wie Pinselalgen weniger. Reicht der Aufwuchs nicht, lassen sich in einem kleinen, hell beleuchteten Nebenbecken Steine bewachsen und im Wechsel einsetzen.

Zucht

Die Art wurde nach den ausgewerteten Quellen im Aquarium noch nicht nachgezüchtet. Soweit bekannt laichen Gastromyzon-Arten über grobem Kies, der Laich entwickelt sich im Lückensystem zwischen den Steinchen, Brutpflege gibt es nicht. Genauere Beobachtungen aus der Gattung stammen von dem deutschen Aquarianer Philipp Dickmann (2001), keine davon betrifft G. farragus. Ein Paar von G. scitulus (damals als G. punctulatus bestimmt) laichte in einem 30-Liter-Becken nach reichhaltiger Fütterung, langsamer Erwärmung auf 28 °C und anschließenden kühlen Wasserwechseln auf 25 °C. Dabei gab es mindestens 100 sehr kleine Eier (unter 1 mm), die absanken und nicht klebten. Die Jungfische schlüpften nach etwa 3 Tagen, waren rund 3 mm lang, lichtscheu und brauchten Infusorien (mikroskopisch kleine Einzeller als Erstfutter), sie starben aber nach 3 Wochen, als faulende Pflanzen das Wasser belasteten. Bei als G. monticola bestimmten Tieren erschienen in einem 160-Liter-Becken mit grobem Kies, ohne Filter, mit starker Belüftung, 24 °C und einer Gesamthärte von 10-12 °dGH über 12 Monate immer wieder einzelne Jungfische. Zuchtwasserwerte für G. farragus selbst liegen nicht vor.

Natürlicher Lebensraum

G. farragus ist nur aus Bergbächen des Sadong-Einzugsgebiets im Süden des malaysischen Bundesstaats Sarawak auf Borneo bekannt. Der Typusfundort (Fundort des beschriebenen Typusexemplars) ist der Sungai Kuhas bei Serian, weitere Tiere stammen aus dem Sungai Ahi bei Tebedu. Die Art lebt in schnell fließenden, felsigen Bächen. Für die Gattung gilt: Die Tiere leben in flachen, schnellen Bächen mit klarem, sauerstoffgesättigtem Wasser, meist in Stromschnellen und Fließstrecken, oft ober- oder unterhalb von Kaskaden und Wasserfällen. Der Grund besteht aus Kies, Steinen, Felsblöcken oder Fels mit dichtem Aufwuchs. Wasserpflanzen sind selten, am häufigsten sind die Tiere in halb oder ganz beschatteten Abschnitten. Sie sitzen meist mit dem Kopf gegen die Strömung neben, hinter oder unter Steinen. Syntop (am selben Ort) leben unter anderem G. zebrinus, G. scitulus, Homaloptera orthogoniata und Paracrossochilus vittatus. Für die Gattung wird das Wasser in der Natur als sehr weich und oft sauer beschrieben, am Fundort von G. farragus gemessene Wasserwerte liegen in den ausgewerteten Quellen nicht vor. Die IUCN führt die Art seit der Bewertung von 2019 als gefährdet (Vulnerable).

Geschlechtsunterschiede

Erwachsene Weibchen sind deutlich kräftiger gebaut und oft etwas größer als die Männchen. Am besten ist der Unterschied von oben oder von unten durch die Scheibe zu erkennen: Weibchen wirken dort breiter und haben einen runderen Kopf. Das Kopfmerkmal ist eine Gattungsangabe, die an G. ocellatus gezeigt wurde. Für die Gattung wird außerdem eine große Drüsenschuppe am Ansatz der Bauchflosse beim Männchen genannt, für G. farragus ist das nicht eigens belegt.

Gut zu wissen

  • Rücken mit 9 bis 10 schmalen cremefarbenen Querbändern, Flanken mit feinen hellen Punkten: Der Artname leitet sich vom lateinischen farrago (Gemisch) ab
  • Haftorgan sind hakenförmige Unculi (verhornte Fortsätze) an den Rändern der Brust- und Bauchflossen
  • Kann im offenen Wasser kaum schwimmen und bewegt sich kriechend über Steine
  • Aufwuchsfresser: Braucht dauerhaft bewachsene Steine und darf nie in ein neu eingerichtetes Becken
  • Klettert an Glasscheiben hoch, das Becken braucht eine dicht schließende Abdeckung
  • Kommt oft in gemischten Importen unter Sammelnamen in den Handel, die Bestimmung ist nur über Detailmerkmale möglich
  • Nur aus einem Flusssystem bekannt, die IUCN stuft die Art als gefährdet (Vulnerable) ein

Galerie

Häufige Fragen

Wie groß wird Gastromyzon farragus?

Das größte in der Erstbeschreibung genannte Tier misst 40,2 mm Standardlänge (Länge ohne Schwanzflosse), FishBase nennt 3,9 cm Standardlänge. Charles König nennt 5 cm Gesamtlänge (mit Schwanzflosse).

Welche Wasserwerte braucht die Art?

Empfohlen werden 20-24 °C, pH 6,0-7,5 und 1-12 °dGH. Eine zweite Fachangabe nennt 22-28 °C und rät zu mittleren Werten. Beides sind Angaben für die Gattung Gastromyzon, nicht für diese Art gemessen. Wichtig sind vor allem sehr sauberes, sauerstoffreiches Wasser und starke Strömung.

Wie groß muss das Aquarium sein?

Für eine Gruppe reicht ein Becken ab 60 cm Kantenlänge und 54 Litern. Es muss eingefahren sein, stark durchströmt werden und eine dicht schließende Abdeckung haben.

Mit welchen Fischen lässt sich die Art vergesellschaften?

Geeignet sind kleine Freiwasserfische wie Tanichthys, Danio und Rasbora sowie strömungsliebende Grundeln und kleine Welse. Deutlich größere, aggressive oder um Aufwuchs konkurrierende Fische passen nicht. Von der Art selbst sollten mindestens 4 Tiere gehalten werden.

Was frisst Gastromyzon farragus?

Hauptsächlich Aufwuchs von Steinen. Dazu kommen gutes Trockenfutter, kleine Frostfuttersorten, Rote Mückenlarven und Gelatinefutter mit Gemüse und Spirulina. Eine Fachquelle warnt vor inneren Problemen bei zu viel Eiweiß, eine andere nennt kleine Frostfuttersorten als bestes Futter.

Lässt sich die Art im Aquarium nachzüchten?

Eine Nachzucht von G. farragus ist in den ausgewerteten Quellen nicht bekannt. Für die Gattung gibt es Beobachtungen an anderen Arten: Soweit bekannt wird über grobem Kies abgelaicht, Brutpflege gibt es nicht.

Hinweis zu den Daten

Disclaimer

Obwohl wir von my-fish.org uns bemühen, die bereitgestellten Informationen sorgfältig zu sammeln und aktuell zu halten, können wir keine Garantie für deren Vollständigkeit oder Richtigkeit geben. Unsere Daten stammen von Experten, Züchtern und Partnern aus dem Zierfischgroßhandel und basieren auf deren Beiträgen. Bei Abweichungen oder fehlenden Informationen bitten wir um Verständnis. Wir freuen uns über Ergänzungen und Verbesserungsvorschläge von der Community, um die Qualität unseres Angebots kontinuierlich zu steigern. Bitte nutzen Sie unser Formular für Ihre Rückmeldungen und Anregungen.

Quellen (my-fish Content Commons)

In unserer kollaborativen Arbeit nutzen wir die Quellen my‑fish Content Commons. Wir fassen Informationen aus verschiedenen Quellen zusammen – unter anderem aus der Datenbank unserer Partner im Zierfischgroßhandel und aus öffentlichen Datenbanken anderer Projekte – um die Richtigkeit unserer Texte zu validieren. Bitte beachten Sie, dass die Genauigkeit von den bereitgestellten Informationen abhängt und lesen Sie dazu unseren Disclaimer. Alle Links finden Sie hier.

Fragen und Erfahrungen

Noch keine Kommentare. Stell die erste Frage zu dieser Art.

Mitreden können angemeldete Mitglieder. Anmelden oder kostenlos registrieren.

Ähnliche Arten

Aus der Gruppe Flossensauger, ähnlich groß.

Alle Zierfische
Borneo-Flossensauger (Gastromyzon ctenocephalus)

Flossensauger

Borneo-Flossensauger

Gastromyzon ctenocephalus

  • Endgröße: bis 4,5 cm SL
  • Aquarium: ab 54 l
  • Temperatur: 20-24 °C
  • pH-Wert: pH 6-7,5
  • Wasserhärte: weich bis mittelhart
  • Schwierigkeit: Mittel

In der Gruppe halten, friedlich

Rotflossen-Flossensauger

Flossensauger

Rotflossen-Flossensauger

Pseudogastromyzon myersi

  • Endgröße: bis 5 cm
  • Aquarium: ab 112 l
  • Temperatur: 20-24 °C
  • pH-Wert: pH 6-7,5
  • Wasserhärte: weich bis mittelhart
  • Schwierigkeit: Mittel

In der Gruppe halten, friedlich

Rotpunkt-Flossensauger (Erromyzon compactus), Männchen

Flossensauger

Rotpunkt-Flossensauger

Erromyzon compactus

  • Endgröße: 6 cm TL
  • Aquarium: ab 112 l
  • Temperatur: 18-24 °C
  • pH-Wert: pH 6-7
  • Wasserhärte: weich bis mittelhart
  • Schwierigkeit: Mittelschwer

In der Gruppe halten, friedlich

Marmor-Prachtflossensauger (Sewellia marmorata), Männchen

Flossensauger

Marmor-Prachtflossensauger

Sewellia marmorata

  • Endgröße: bis 8 cm
  • Aquarium: ab 112 l
  • Temperatur: 18-24 °C
  • pH-Wert: pH 6-7
  • Wasserhärte: weich bis mittelhart
  • Schwierigkeit: Schwierig

In der Gruppe halten, friedlich

Newsletter

Einmal pro Woche das Wichtigste aus der Aquaristik

Neue Beiträge, Podcastfolgen, Steckbriefe und Termine in einer E-Mail. Jederzeit abbestellbar.