Hyphessobrycon rosaceus Weißflossen-Schmucksalmler
Beschreibung
Der Schmucksalmler (Hyphessobrycon rosaceus, nach neuerer Systematik Megalamphodus rosaceus) ist ein zierlicher, kompakt gebauter Salmler der Familie Acestrorhamphidae mit einer leicht seitlich abgeflachten Körperform. Die Art erreicht eine Maximallänge von etwa 4 cm Standardlänge (SL). Das auffälligste Merkmal ist die Rückenflosse der Männchen: Sie trägt eine ausgeprägte schwarze Flagge mit weisser Spitze, die dem deutschen Trivialnamen „Weissflossen-Schmucksalmler“ entspricht und das Tier im Schwarm unverkennbar macht. Die Grundfärbung ist ein zartes, durchscheinendes Rosa bis Lachs, das unter gedämpftem Licht besonders intensiv leuchtet. Männchen entwickeln im Verlauf der Reife deutlich verlängerte Rücken- und Afterflossen, die der Balz dienen und sie klar von den rundlicheren, unscheinbareren Weibchen unterscheiden.
Im Aquarium hält sich H. rosaceus bevorzugt in mittleren Wasserschichten auf und zeigt dort lebhaftes, synchrones Schwarmverhalten. Wichtiger Hinweis zur Handelsverwirrung: H. rosaceus wird im Handel seit Jahrzehnten auch unter dem Synonym H. ornatus geführt, das ursprünglich bei der Erstimportierung 1933 verwendet wurde. Zusätzlich besteht eine ausgeprägte Verwechslungsgefahr mit H. bentosi. Das sicherste Unterscheidungsmerkmal: H. bentosi trägt einen dunklen Fleck knapp hinter dem Kiemendeckel (Operculum), der bei H. rosaceus fehlt.
Besonderheiten
- Schwarze Rückenflosse mit weisser Spitze (namensgebendes Merkmal, nur beim Männchen voll ausgeprägt)
- Verwechslungsgefahr mit H. bentosi: Unterschied = dunkler Operculum-Fleck bei bentosi, fehlt bei rosaceus
- Synonym H. ornatus im Handel weit verbreitet
- Sehr scheue Art; gedämpftes Licht und dichte Bepflanzung fördern das natürliche Verhalten
- Geringes Springrisiko; dennoch ist ein Deckel empfehlenswert
- Junggarnelen potenziell gefährdet, Schnecken toleriert
- Empfindlich gegenüber Kupfer und kupferhaltigen Medikamenten
Vergesellschaftungshinweise
Hyphessobrycon rosaceus ist ein typischer Schwarmfisch und sollte stets in Gruppen gehalten werden. Als Mindestgruppe werden 6 Exemplare genannt, empfohlen werden 10 oder mehr Tiere, da in größeren Verbänden das natürliche Sozialverhalten am besten zum Ausdruck kommt und Stress minimiert wird. Die Männchen zeigen bei höherer Gruppendichte ausgedehnte Imponierverhalten mit Flossenaufspreizen, ohne dabei in ernsthafte Aggression zu verfallen. Das Temperament ist durchgängig friedlich. Die Art verträgt sich schlecht mit sehr unruhigen oder deutlich größeren Beckenpartnern, da H. rosaceus leicht zu erschrecken ist. Für Gemeinschaftsaquarien eignet sich die Art hervorragend, sofern ruhige, bioregional passende Beifische gewählt werden. Verträglichkeit mit Wirbellosen: Adulte Garnelen werden in der Regel toleriert. Sehr kleine Junggarnelen können gefressen werden. Schnecken sind unproblematisch. Hyphessobrycon rosaceus sollte ausschließlich mit bioregional passenden, friedlichen Arten aus Südamerika vergesellschaftet werden. Geeignete Beifische: andere Hyphessobrycon- und Hemigrammus-Salmler, Bleistiftfische (Nannostomus), Apistogramma und andere Zwergbuntbarsche, Panzerwelse (Corydoras) sowie kleine Loricariiden. Ostafrikanische Hartwasserarten (Malawi-, Tanganjika-Buntbarsche) sind aufgrund vollständig unvereinbarer Wasserwerte nicht geeignet.
Geschlechtsdimorphismus
Männchen sind schlanker und entwickeln deutlich verlängerte Rücken- und Afterflossen. Die schwarze Rückenflossenflagge mit weißer Spitze ist beim Männchen wesentlich ausgeprägter als beim Weibchen. In der Paarungszeit zeigen Männchen intensivere Rosafärbung. Weibchen sind rundlicher, wirken fülliger und besitzen kürzere Flossen. Die Unterschiede sind bei ausgewachsenen Tieren im Schwarm gut erkennbar.
Haltungstipps / Pflege
Wasserwerte: Für eine artgerechte Haltung gelten folgende Parameter: Temperatur 24–28 °C, pH 5,5–7,5, Gesamthärte 1–12 °dGH. Die Art toleriert zwar breitere Bedingungen, zeigt ihre schönsten Farben jedoch in weichem, leicht saurem Wasser. Zur Zucht sind deutlich engere, weichere Werte erforderlich (siehe Zucht-Abschnitt). Beckengröße und Besatz: Mindestbeckengröße 60 cm Kantenlänge (ca. 70 Liter) für eine Gruppe von 10 Tieren. In größeren Aquarien kommen die Schwarmbewegungen besser zur Geltung. Engere Becken begünstigen Stress und sollten vermieden werden. Einrichtung: Das Aquarium sollte an den Seiten und im Hintergrund dicht bepflanzt sein, mit ausreichend freier Schwimmfläche in der Mitte. Feinfiedrige Pflanzen, Javamoos, Wurzeln und Treibholz schaffen naturnahe Strukturen. Ein dunkles Bodensubstrat und gedämpfte Beleuchtung verstärken die Farben der Fische erheblich. Die natürlichen Habitate weisen Tanninbräunung auf; die Zugabe von Erlenzapfen oder Seemandelbaumblättern ist empfehlenswert. Strömung: Gering bis moderat, entsprechend den langsam fließenden natürlichen Lebensräumen.
Zucht und Fortpflanzung
Fortpflanzungstyp: Freilaicher (Eierstreuer). Zucht-Status: gut dokumentiert, aber anspruchsvoll. Zuchtbedingungen: Separates Aufzuchtbecken (20–30 L), sehr schwach beleuchtet oder abgedunkelt. Wasser: sehr weich (GH 1–5 °dGH), sauer (pH 5,5–6,5), Temperatur 27–29 °C (80–84 °F). Osmosewasser oder Torffiltration ist erforderlich, um diese Bedingungen zu erreichen. Aufzuchtbecken-Einrichtung: Dichtes Javamoos oder Spawning-Mops am Boden, alternativ ein feinmaschiges Bodengitter, damit die Eier vor dem Laichfressen geschützt werden. Elterntiere sofort nach der Eiablage entfernen. Laichvorgang: Zucht in Paaren oder kleinen Gruppen möglich. Konditionierung beider Geschlechter durch reichhaltiges Lebendfutter vorab. Die Fische laichen meist in den Morgenstunden. Eier sind lichtempfindlich. Aufzucht der Jungen: Schlupf nach 24–36 Stunden. Freischwimmend nach ca. 3–5 Tagen. Erstfutter: Infusorien, später Mikrowürmer und Artemia-Nauplien. Sehr sanfte Schwammfilterung; Starkströmung vermeiden.
Ernährung/Futterbedarf
In der Natur nimmt H. rosaceus überwiegend kleine Wirbellose auf (Insektenlarven, kleine Krebstiere, Zooplankton). Im Aquarium wird eine abwechslungsreiche Fütterung empfohlen: hochwertige Flockenkost für kleine Salmler als Basis, ergänzt durch feine Lebend- und Frostfuttermittel wie Artemia-Nauplien, Cyclops, Daphnien und Mikrowürmer. Letztere sind besonders zur Konditionierung für die Zucht wertvoll. Kleines, häufiges Füttern ist großen Gaben vorzuziehen.
Natürlicher Lebensraum
Hyphessobrycon rosaceus stammt aus dem Guyana-Schild in Südamerika und ist in Guyana, Suriname und dem nördlichen Brasilien heimisch. Belegt sind Vorkommen im Rio Essequibo, Rio Corantijn und Rio Suriname. Die Art besiedelt überwiegend langsam fließende, bewaldete Seitenarme und ruhige Zuflüsse der Hauptflüsse. Diese Gewässer sind stark durch Laub und Huminstoffe des umliegenden Regenwaldes geprägt, was zu charakteristischer Tanninfärbung, sehr weichem und saurem Wasser sowie geringer Lichtdurchdringung führt. Das Substrat besteht aus feinen Sedimenten, Laubmulm, Wurzelwerk und Totholz. Der größte Teil der im Handel erhältlichen Tiere stammt heute aus kommerzieller Nachzucht (u. a. Osteuropa), da Wildfangimporte wegen hoher Kosten nur noch sporadisch stattfinden. Die Art gilt in der Aquaristik als „Conservation Breeding“-Beispiel, da sie durch kontinuierliche Nachzüchter über Jahrzehnte erhalten wurde. Zusammenfassung (Kurzübersicht)
| Eigenschaft | Wert |
|————-|——|
| Familie | Characidae |
| Max. Größe | 4 cm SL (ca. 5 cm TL) |
| Temperatur | 24–28 °C |
| pH | 5,5–7,5 |
| GH | 1–12 °dGH |
| Beckengröße | 60 cm Kantenlänge (70 L) |
| Mindestgruppe | 6 Tiere (empfohlen: 10+) |
| Lebenserwartung | 3–5 Jahre |
| Schwierigkeit | Einfach |
| Zucht | Freilaicher, anspruchsvoll | Hinweis zur Vergesellschaftung und Wasserchemie
Empfohlene Beifische: ruhige südamerikanische Salmler, Corydoras, Apistogramma und kleine Loricariiden. Keine hartwasserliebenden Arten. Zur Zucht müssen die Haltungswerte gezielt auf sehr weiches, saures Wasser umgestellt werden (GH 1–5 °dGH, pH 5,5–6,5).