Pterophyllum leopoldi
Beschreibung
Leopolds Skalar (Pterophyllum leopoldi) ist die kleinste Art der Gattung Pterophyllum mit einer Standardlänge von ca. 10 cm. Der Körper ist gedrungener als bei P. scalare und weist ein charakteristisches konvexes Nasenprofil auf, die namensgebende „Römernase“, die das wichtigste Erkennungsmerkmal gegenüber den verwandten Arten darstellt. Typisch ist der hochrückige, seitlich stark abgeflachte Körper mit hohen, sichelförmigen Rücken- und Afterflossen.
Die Körperzeichnung umfasst bis zu elf vertikale Streifen auf silbernem Grund, von denen meist nur drei breite Streifen sichtbar sind. Kennzeichnend sind ein dunkler Fleck an der Basis der Rückenflosse sowie über dem Kiemendeckel. Ausgewachsene Tiere zeigen häufig einen rötlich-braunen Farbton auf Rücken und Flossen.
Im Aquarium schwimmt P. leopoldi ruhig im mittleren bis unteren Wasserbereich, häufig in vertikaler Ausrichtung zwischen Pflanzen und Wurzeln. Die Art ist gegenüber Artgenossen territorialer als P. scalare; Rangordnungsstreitigkeiten können intensiver ausfallen. Während der Brutpflege steigt das Aggressionsniveau deutlich an.
Besonderheiten
- Römernase: konvexes Nasenprofil als Haupterkennungsmerkmal gegenüber P. scalare und P. altum
- Bis zu elf vertikale Streifen (meist drei sichtbar); dunkler Fleck am Kiemendeckel und an der Rückenflossenbasis
- Adulte Tiere mit rötlich-braunem Farbton auf Rücken und Flossen
- Territorialer als andere Pterophyllum-Arten; Mindestgruppe vier Tiere
- Ausgeprägte elterliche Brutpflege: Eltern bewachen Eier und Jungfische aktiv
- Kleinste Art der Gattung Pterophyllum (ca. 10 cm SL)
- Geringes Sprungrisiko
Vergesellschaftungshinweise
Pterophyllum leopoldi sollte in einer Gruppe von mindestens vier Tieren gehalten werden. In kleineren Gruppen oder bei Paarhaltung kommt es leicht zu einseitigem Mobbing durch dominante Individuen. Aus einer ausreichend großen Anfangsgruppe bilden sich natürliche Paare.
Das Temperament ist im Alltag überwiegend friedlich, aber gegenüber Artgenossen deutlich territorialer als P. scalare. Während der Fortpflanzungsphase steigt die Aggressionsbereitschaft erheblich. Die Mindestgruppe von vier Tieren ist eine Notwendigkeit, nicht nur eine Empfehlung.
Schnecken sind in der Regel unproblematisch. Adulte Garnelen werden meist toleriert; Junggarnelen und sehr kleine Wirbellose sind durch den Beutedruck gefährdet. Bodenbewohner wie Corydoras und Panzerwelse werden gut vertragen.
Geeignete Beifische sind ruhige bis mäßig aktive südamerikanische Arten: mittelgroße Salmler, Corydoras, kleine Loricariden und Zwergbuntbarsche aus dem Rio Negro- oder Solimões-Raum. Aktive, flossenkneifende oder räuberische Arten sind ungeeignet.
Geschlechtsdimorphismus
Männchen entwickeln häufig etwas längere Flossen sowie bei ausgewachsenen Tieren eine leichte Nackenwölbung (Nukalhöcker). Weibchen sind tendenziell etwas gedrungener und zeigen zur Laichzeit eine gerundete Bauchpartie. Beide Geschlechter erreichen ca. 10 cm SL; Größenunterschiede sind subtil und an der Flossenform sowie Körperstatur besser erkennbar als an der reinen Länge.
Haltungstipps / Pflege
Pterophyllum leopoldi benötigt Wasser mit 25-29 °C, pH 5,0-7,0 und GH 1-5 °dGH. Optimal ist weiches, leicht saures Wasser (pH 5,5-6,5).
Das Becken sollte mindestens 120 cm Kantenlänge und 240 Liter fassen. Die Beckenhöhe ist relevant, um den langen Rücken- und Bauchflossen ausreichend Raum zu geben.
Die Einrichtung sollte großzügig bepflanzt sein: breite, vertikal wachsende Pflanzen (Echinodorus, Vallisneria) und Blätter (Anubias) dienen als Laichsubstrat. Schieferplatten oder aufgestelltes Wurzelholz ergänzen das Angebot an vertikalen Laichflächen. Offene Schwimmzonen im Mittelteil des Beckens sind wichtig. Gedämpfte bis mäßige Beleuchtung, schwache bis moderate Strömung und feiner Bodengrund sind empfehlenswert.
Pterophyllum leopoldi ist in der Aquaristik weniger verbreitet als P. scalare und wird daher gelegentlich verwechselt. Das konvexe Nasenprofil, das Streifenmuster und der dunkle Kiemendeckelfleck sind die entscheidenden Erkennungsmerkmale.
Zucht und Fortpflanzung
Pterophyllum leopoldi ist ein Substratlaicher. Die Zucht erfordert Erfahrung und gilt als schwierig.
Eine Gruppe von mindestens vier bis sechs Tieren wird gehalten, bis sich natürliche Paare bilden. Das Paar kann in ein separates Zuchtbecken (mindestens 80 cm Länge) umgesetzt werden. Zuchtwasserwerte: pH 6,0-6,5, GH 1-3 °dGH. Konditionierung mit proteinreichen Lebendfuttermitteln (Artemia, Mückenlarven) fördert die Laichbereitschaft.
Paare laichen bevorzugt auf vertikalen Oberflächen wie Schieferplatten, breiten Pflanzenblättern oder der Aquarienscheibe. Beide Elternteile bewachen Gelege und Larven intensiv. Regelmäßige Fütterung der Elterntiere beugt Gelegefraß vor. Jungfische werden nach der Dottersackresorption mit Artemia-Nauplien gefüttert.
Ernährung/Futterbedarf
Pterophyllum leopoldi ist ein Allesfresser mit stark tierischem Schwerpunkt. Im Vergleich zu anderen Pterophyllum-Arten nimmt die Art mehr pflanzliche Nahrung an; Berichte über das Abgrasen von filamentösen Algen sind bekannt. Im Aquarium sollte die Ernährung tierisch betont sein: lebende oder gefrorene Artemia, Mückenlarven, Cyclops und ähnliche proteinreiche Angebote bilden die Basis. Hochwertige Flocken und Granulate ergänzen den Speiseplan. Mehrere kleine Portionen täglich sind einer großen Futtergabe vorzuziehen.
Natürlicher Lebensraum
Pterophyllum leopoldi stammt aus Südamerika und kommt im Solimões-System zwischen Manacapuru und Santarém (Brasilien) sowie im Rupununi/Essequibo-System (Guyana) vor. Die Art bewohnt ruhig fließende bis stehende Gewässer mit feinem Substrat, Laubschicht und einer komplexen Struktur aus Totholz und Pflanzen. Vertikale Strukturen werden als Reviergrenzen, Rückzugs- und Laichstellen genutzt.