Hyphessobrycon rosaceus
Beschreibung
Der Weißflossen-Schmucksalmler (Hyphessobrycon rosaceus) ist ein zierlicher, kompakt gebauter Salmler mit leicht seitlich abgeflachter Körperform. Die Art erreicht eine Maximallänge von etwa 4 cm Standardlänge (SL), im Handel werden gelegentlich 5 cm Totallänge angegeben. Das markanteste Merkmal ist die Rückenflosse der Männchen: Sie trägt eine ausgeprägte schwarze Flagge mit weißer Spitze, die dem deutschen Trivialnamen entspricht.
Die Grundfärbung ist ein zartes, durchscheinendes Rosa bis Lachs, das unter gedämpftem Licht besonders intensiv leuchtet. Männchen entwickeln im Verlauf der Reife deutlich verlängerte Rücken- und Afterflossen. Im Aquarium hält sich H. rosaceus bevorzugt in mittleren Wasserschichten auf und zeigt lebhaftes, synchrones Schwarmverhalten.
Handelsverwirrung: H. rosaceus wird seit Jahrzehnten auch unter dem Synonym H. ornatus geführt. Es besteht Verwechslungsgefahr mit H. bentosi. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal: H. bentosi trägt einen dunklen Fleck hinter dem Kiemendeckel, der bei H. rosaceus fehlt. H. rosaceus zeigt außerdem eine insgesamt dunklere Körperfärbung.
Besonderheiten
- Schwarze Rückenflosse mit weißer Spitze (namensgebendes Merkmal, beim Männchen voll ausgeprägt)
- Verwechslungsgefahr mit H. bentosi: Unterschied = dunkler Operculum-Fleck bei bentosi, fehlt bei rosaceus
- Synonym H. ornatus im Handel weit verbreitet
- Scheue Art; gedämpftes Licht und dichte Bepflanzung fördern natürliches Verhalten
- Eier sind lichtempfindlich
- Geringes Springrisiko; Abdeckung empfohlen
Vergesellschaftungshinweise
H. rosaceus ist ein typischer Schwarmfisch. Mindestgruppe: 6 Exemplare, empfohlen werden 10 oder mehr Tiere. Die Männchen zeigen bei höherer Gruppendichte Imponierverhalten mit Flossenaufspreizen, ohne in ernsthafte Aggression zu verfallen.
Das Temperament ist durchgängig friedlich. Die Art verträgt sich schlecht mit sehr unruhigen oder deutlich größeren Beckenpartnern, da H. rosaceus leicht zu erschrecken ist.
Schnecken werden toleriert. Adulte Garnelen sind in der Regel sicher. Sehr kleine Junggarnelen können gefressen werden.
Geeignete Beifische: andere Hyphessobrycon- und Hemigrammus-Salmler, Bleistiftfische (Nannostomus), Apistogramma, Panzerwelse (Corydoras) und kleine Loricariiden. Ostafrikanische Hartwasserarten sind ungeeignet.
Geschlechtsdimorphismus
Männchen sind schlanker und entwickeln deutlich verlängerte Rücken- und Afterflossen. Die schwarze Rückenflossenflagge mit weißer Spitze ist beim Männchen wesentlich ausgeprägter. In der Paarungszeit zeigen Männchen intensivere Rosafärbung. Weibchen sind rundlicher, wirken fülliger und besitzen kürzere Flossen.
Haltungstipps / Pflege
Empfohlene Wasserwerte: 24–28 °C, pH 5,5–7,5, GH 1–12 °dGH. Die Art zeigt ihre schönsten Farben in weichem, leicht saurem Wasser.
Mindestbeckengröße: 60 cm Kantenlänge (ca. 70 Liter) für eine Gruppe von 10 Tieren. In größeren Aquarien kommen die Schwarmbewegungen besser zur Geltung. Das Becken sollte an den Seiten und im Hintergrund dicht bepflanzt sein, mit ausreichend freier Schwimmfläche in der Mitte. Dunkles Bodensubstrat und gedämpfte Beleuchtung verstärken die Farben erheblich. Erlenzapfen oder Seemandelbaumblätter sind empfehlenswert. Strömung: gering bis moderat.
Zucht und Fortpflanzung
H. rosaceus ist ein Freilaicher ohne Brutpflege. Zuchtschwierigkeit: schwer.
Separates Aufzuchtbecken (20–30 Liter), sehr schwach beleuchtet. Wasser: sehr weich (GH 1–5 °dGH), sauer (pH 5,5–6,5), Temperatur 27–29 °C. Osmosewasser oder Torffiltration erforderlich. Dichtes Javamoos oder Laichmopps am Boden. Elterntiere sofort nach der Eiablage entfernen. Die Eier sind lichtempfindlich.
Schlupf nach 24–36 Stunden. Freischwimmend nach 3–5 Tagen. Erstfutter: Infusorien, später Mikrowürmer und Artemia-Nauplien.
Ernährung/Futterbedarf
H. rosaceus ist ein Allesfresser mit Vorliebe für tierische Kost. Im Aquarium: hochwertige Flockenkost als Basis, ergänzt durch Artemia-Nauplien, Cyclops, Daphnien und Mikrowürmer. Kleines, häufiges Füttern ist großen Gaben vorzuziehen.
Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Natürlicher Lebensraum
Hyphessobrycon rosaceus stammt aus Guyana, Suriname und Brasilien. Die Art bewohnt langsam fließende Seitenarme und kleine, ruhige Zuflüsse mit dichter Beschattung durch das Regenwaldkronendach. Substrat aus feinen Sedimenten, Laubmulm und Wurzelwerk bildet die typische Habitatstruktur.