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Raritäten & Neuimporte im Fokus Vol. 562: Von seltenen Erdfressern bis zum wildfarbenen Kampffisch

Raritäten & Neuimporte im Fokus Vol. 562: Von seltenen Erdfressern bis zum wildfarbenen Kampffisch

Diese Ausgabe vereint einen gesellig schwimmenden Panzerwels, eine echte Erdfresser-Rarität, eine elegante Skalar-Zuchtform, einen wildfarbenen Kampffisch und einen leuchtend roten Regenbogenfisch.

Regelmäßig werfen wir in der Reihe „Raritäten & Neuimporte im Fokus“ auf my-fish.org einen Blick auf aktuell verfügbare Zierfische aus dem Großhandel – von zuverlässigen Nachzuchten über europäische Zuchtlinien bis hin zu echten Wildfängen und ausgesprochenen Seltenheiten. Ziel der Reihe ist es, Aquarianerinnen und Aquarianern eine sachliche Orientierung zu bieten: Welche Art eignet sich für welches Becken, welche Ansprüche stellt sie an Wasserwerte, Ernährung und Vergesellschaftung, und wo liegen mögliche Haltungshürden? Gerade bei selteneren Arten oder Wildfängen lohnt sich ein genauer Blick, da hier oft spezifischere Anforderungen bestehen als bei etablierten Aquarienfischen. Diese Ausgabe spannt den Bogen von einem bodenorientierten Panzerwels über einen großwüchsigen Erdfresser-Cichliden und eine gezüchtete Skalarform bis zu einem naturfarbenen Kampffisch und einem gesellig schwimmenden Regenbogenfisch – eine Auswahl, die unterschiedliche Beckentypen und Erfahrungsstufen anspricht.

Raritäten & Neuimporte im Fokus Vol. 562: Von seltenen Erdfressern bis zum wildfarbenen Kampffisch
Raritäten & Neuimporte im Fokus Vol. 562: Von seltenen Erdfressern bis zum wildfarbenen Kampffisch

Corydoras duplicareus – Orangefleck-Panzerwels (NZ)

Der Orangefleck-Panzerwels stammt aus dem Einzugsgebiet des oberen Rio Negro in Brasilien und zählt zu den auffälligeren Vertretern der artenreichen Panzerwels-Verwandtschaft. Wissenschaftlich wird die Art im Handel weiterhin meist als Corydoras duplicareus geführt; im Zuge einer umfassenden taxonomischen Revision der Unterfamilie Corydoradinae (Dias et al., 2024) wurde sie jedoch in die wiederhergestellte Gattung Hoplisoma überführt und trägt korrekt den Namen Hoplisoma duplicareum. Charakteristisch ist der überwiegend dunkle, fast schwarze Körper mit einem leuchtend orangefarbenen Fleck im Bereich der Rückenflosse sowie einer hellen Schwanzwurzel.

Mit einer Endgröße von etwa 5 bis 6 Zentimetern bleibt die Art vergleichsweise klein und ist für gut eingerichtete Gesellschaftsaquarien geeignet. Als bodenorientierter, sozialer Schwarmfisch sollte der Orangefleck-Panzerwels nicht einzeln, sondern in Gruppen von mindestens sechs Tieren gehalten werden, da erst im Schwarm das arttypische Verhalten sichtbar wird. Die Wassertemperatur sollte, passend zu den weichen, sauren Schwarzwasserbedingungen seiner Heimat, zwischen 24 und 28 °C liegen.

Bei der Fütterung zeigt sich die Art unkompliziert und nimmt sinkendes Futter sowie Frost- und Lebendfutter bereitwillig an. Eine wichtige Haltungsvoraussetzung ist ein weicher, feinkörniger Bodengrund, da die empfindlichen Barteln beim Gründeln durch scharfkantigen Kies verletzt werden können. Wie viele Corydoras-Arten reagiert auch diese Art empfindlich auf schlechte Wasserqualität, weshalb regelmäßige Wasserwechsel und eine stabile Filterung Grundvoraussetzung für eine dauerhaft gesunde Haltung sind.

Geophagus brachybranchus – Schwarzkehl-Erdfresser (DNZ-Rarität)

Der Schwarzkehl-Erdfresser stammt aus Suriname, wo er im Einzugsgebiet der Flüsse Corantijn und Nickerie beheimatet ist; vermutlich reicht sein Vorkommen auch bis in das Essequibo-System in Guyana. Er ist im aquaristischen Handel bislang nur selten anzutreffen – die Kennzeichnung als Rarität ist hier durchaus wörtlich zu nehmen. Namensgebend ist die bei ausgewachsenen, insbesondere dominanten Männchen auftretende dunkle Kehlzeichnung.

Wie viele Vertreter der Gattung Geophagus zählt auch diese Art zu den größer werdenden Cichliden: In Wildfängen sind rund 14 Zentimeter Standardlänge dokumentiert, in Aquarienhaltung kann sie jedoch bis zu 20 Zentimeter erreichen. Entsprechend sollte ein geräumiges Aquarium ab etwa 180 × 60 Zentimetern Grundfläche eingeplant werden. Arttypisch ist das „Erdfressen“: Der Fisch nimmt Sand auf und siebt ihn zur Nahrungssuche wieder durch die Kiemen aus, weshalb ein feiner, weicher Sandboden zur artgerechten Haltung gehört. Die Wassertemperatur sollte zwischen 26 und 29 °C liegen.

In der Ernährung sollte auf eine abwechslungsreiche Kost aus hochwertigem Sinkfutter sowie ergänzendem Frost- und Lebendfutter geachtet werden. Sozial zeigen Geophagus-Arten häufig eine Rangordnung innerhalb der Gruppe, weshalb eine Haltung im Trupp statt in Paaren oder Einzeltieren empfehlenswert ist. Da es sich um eine im Handel selten verfügbare Art handelt, ist bei der Beschaffung von Nachzuchten oft mit längeren Wartezeiten zu rechnen – ein Umstand, der bei der Beckenplanung entsprechend einkalkuliert werden sollte.

Pterophyllum scalare „Seal Point“ – Skalar-Bulgarian-Green (EUNZ)

Der Skalar zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Cichliden der Aquaristik. Die hier angebotene Zuchtform „Seal Point Bulgarian Green“ ist das Ergebnis gezielter europäischer Nachzucht und zeichnet sich durch eine grüne Grundfärbung mit dunklen, sogenannten „Seal-Point“-Abzeichen an Kopf und Flossenenden aus, die sie von der Wildform deutlich unterscheidet.

Skalare erreichen eine Körperlänge von bis zu 15 Zentimetern; durch die stark verlängerten Rücken- und Afterflossen liegt die Gesamthöhe der Tiere jedoch deutlich darüber und kann bis zu 25 Zentimeter erreichen. Ein ausreichend hohes Aquarium – empfehlenswert sind mindestens 50 bis 60 Zentimeter Höhe bei einem Volumen ab etwa 250 Litern – ist daher für die artgerechte Haltung besonders wichtig. Die Tiere schwimmen bevorzugt in der mittleren bis oberen Wasserzone und bilden im Gesellschaftsaquarium häufig eine soziale Rangordnung innerhalb der Gruppe aus.

Bei der Ernährung ist der Skalar unkompliziert und nimmt Flocken-, Granulat- sowie Frost- und Lebendfutter an. Eine relevante Besonderheit betrifft das Fortpflanzungsverhalten: Haben sich Zuchtpaare gefunden, verteidigen diese ihr Revier deutlich territorial, was bei der Zusammenstellung des Gesellschaftsaquariums berücksichtigt werden sollte. Zudem reagieren Jungtiere empfindlicher auf Schwankungen der Wasserwerte als ausgewachsene Exemplare, weshalb gerade in der Eingewöhnungsphase auf stabile Bedingungen zu achten ist.

Betta cf. siamorientalis – Östlicher Friedlicher Kampffisch (WF)

Bei dieser Art handelt es sich um einen Wildfang aus dem Verwandtschaftskreis des bekannten Betta splendens, beheimatet in Bachläufen, Reisfeldern und Sumpfgebieten im Osten Thailands. Das Kürzel „cf.“ im wissenschaftlichen Namen weist darauf hin, dass die genaue Artzugehörigkeit innerhalb dieses nahe verwandten Artenkomplexes nicht abschließend gesichert ist – ein in der Wildfang-Aquaristik nicht ungewöhnlicher Umstand bei äußerlich sehr ähnlichen Schwesterarten wie Betta imbellis.

Im Gegensatz zu den bekannten, auf Aggressivität und Flossenlänge gezüchteten Schauformen des Kampffisches gelten wildfarbene Vertreter dieses Artenkomplexes als deutlich verträglicher und können unter geeigneten Bedingungen – ausreichend Platz, dichte Bepflanzung und viele Sichtblockaden – auch in kleinen Gruppen gehalten werden, statt zwingend einzeln. Eine Wassertemperatur von 24 bis 28 °C ist für die Art angemessen.

Als Wildfang benötigt diese Art in der Regel eine sorgfältige Eingewöhnung: Die Umstellung auf Aquarienfutter kann anfangs Zeit in Anspruch nehmen, und ein anfängliches Beobachten auf Krankheitsanzeichen ist ratsam. Wie die meisten Vertreter des Splendens-Komplexes ist auch dieser Kampffisch ein Labyrinthfisch mit Zugang zur Wasseroberfläche und bevorzugt weiches, leicht saures Wasser, wie es seinem natürlichen Lebensraum entspricht.

Glossolepis incisus – Lachsroter Regenbogenfisch (NZ)

Der Lachsrote Regenbogenfisch stammt ursprünglich aus dem Sentanisee auf Neuguinea und ist für seine auffällige Farbentwicklung bekannt: Während Jungtiere und Weibchen eher silbrig-grau bis oliv gefärbt sind, entwickeln ausgewachsene Männchen mit zunehmendem Alter eine intensive lachsrote bis orangerote Körperfarbe.

Die Art zählt zu den größeren Regenbogenfischen: Weibchen erreichen etwa 10 bis 12 Zentimeter, ausgewachsene Männchen können bis zu 15 Zentimeter groß werden. Als aktiver Schwarmfisch benötigt sie ein längliches Becken mit viel freiem Schwimmraum, empfehlenswert sind mindestens 120 Zentimeter Kantenlänge beziehungsweise rund 200 Liter für eine Gruppe. Für eine artgerechte Haltung und die volle Ausprägung der Farbenpracht sollte der Lachsrote Regenbogenfisch in Gruppen von mindestens sechs bis acht Tieren bei einer Wassertemperatur von etwa 24 bis 28 °C gepflegt werden.

In der Ernährung zeigt sich die Art als unkomplizierter Allesfresser, der Flocken- und Granulatfutter ebenso annimmt wie Frost- und Lebendfutter. Besonders wohl fühlt sich der Lachsrote Regenbogenfisch in gut eingefahrenen Aquarien mit stabilen Wasserwerten; frisch eingerichtete Becken sollten möglichst vermieden werden. Ansonsten gilt die Art als robust und für gut besetzte Gesellschaftsaquarien mit ähnlich lebhaften Mitbewohnern gut geeignet.

Quelle: Ingo Seidel – aqua-global Zierfischgroßhandel GmbH

Matthais AI

Matthias Wiesensee

Aquarianer, Wirtschaftsinformatiker, Online Marketing Manager. Liebt Fotografie, Badminton & Inlineskating. Nutzt die Freizeit für die Aquaristik, den Gartenteich und den Hund.
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