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Raritäten & Neuimporte im Fokus Vol. 564: Zwischen Strömung, Sand und Wurzelhöhle

Raritäten & Neuimporte im Fokus Vol. 564: Zwischen Strömung, Sand und Wurzelhöhle

Jede Ausgabe der Reihe „Raritäten & Neuimporte im Fokus“ auf my-fish.org beleuchtet eine Auswahl an Zierfischen, die aktuell über den Zierfischgroßhandel erhältlich sind – als Nachzucht, als Wildfang oder als Rarität, die nur selten ihren Weg in die Aquarien findet. Wer Neuimporte und besondere Arten pflegen möchte, sollte vor dem Kauf wissen, welche Ansprüche an Beckengröße, Strömung, Bodengrund, Wasserqualität und Ernährung gestellt werden und welche Mitbewohner sich eignen. Genau hier setzt diese Reihe an: Sie ordnet die Arten sachlich ein, benennt Haltungshürden offen und hilft bei der Entscheidung, ob ein Fisch zum eigenen Aquarium passt. Die Auswahl dieser Ausgabe reicht von Arten, die sehr viel Platz beanspruchen, über Spezialisten für Strömungs- und Sandbecken bis zu einem Klassiker der Gesellschaftsaquaristik, der dennoch eigene Regeln einfordert. So entsteht ein praxisnaher Überblick für alle, die ihr Aquarium gezielt und artgerecht um besondere Zierfische erweitern möchten.

Raritäten und Neuimporte im Fokus Vol. 564
Raritäten und Neuimporte im Fokus Vol. 564

Semaprochilodus kneri – Hochflossen-Schwanzstreifensalmler (NZ)

Dieser Fisch stammt aus dem Einzugsgebiet des Orinoco und gehört zur Familie der Prochilodontidae in der Ordnung Characiformes, die im weiteren Sinne mit den Salmlern verwandt ist. Der Gattungsname (griechisch sema = Fahne, Zeichen) bezieht sich auf die markante Zeichnung der Schwanzflosse. Die Bestimmung innerhalb der Gattung ist allerdings nicht einfach: Nach der letzten umfassenden Revision (Castro & Vari, 2004) werden sechs Arten unterschieden, die sich vor allem bei kleinen Jungtieren kaum auseinanderhalten lassen, weshalb gehandelte Tiere nicht immer eindeutig zugeordnet sind.Die größte Hürde liegt in der Endgröße. Für Semaprochilodus kneri werden in der Literatur bis zu rund 28 Zentimeter Standardlänge genannt, andere Arten der Gattung wie S. laticeps erreichen bis zu 44 Zentimeter; für die Gattung insgesamt gelten im Aquarium 30 bis 40 Zentimeter als realistisch. Die kleinen, noch unscheinbar gefärbten Jungtiere im Handel sollten deshalb von Beginn an nur dann erworben werden, wenn langfristig ein sehr großes, langes Becken mit viel freiem Schwimmraum zur Verfügung steht: Für ein einzelnes ausgewachsenes Tier sind mindestens 150 × 60 × 60 Zentimeter (rund 540 Liter) anzusetzen, für eine Gruppe entsprechend deutlich mehr. Die Wassertemperatur sollte bei etwa 24 bis 28 °C liegen. Da die Tiere ausgezeichnete Springer sind, ist eine dicht schließende Abdeckung unerlässlich.Bei der Ernährung ist zu beachten, dass sich Prochilodontiden in der Natur überwiegend von Aufwuchs und Detritus ernähren. Im Aquarium sollte daher pflanzliche Kost, etwa Algen- oder Spirulinafutter und Gemüse, einen festen Bestandteil des Speiseplans bilden; zarte Pflanzen können dabei in Mitleidenschaft gezogen werden. Gegenüber anderen Arten gelten die Tiere meist als verträglich, als Partner kommen jedoch nur ähnlich große, robuste Arten infrage. Untereinander können sie rangstreitig sein: Eine Gruppe von mindestens sechs Tieren verteilt die Aggression, setzt aber ein entsprechend großes Becken voraus. Wegen der Größe und der entsprechenden Belastung des Wassers sind ein eingefahrenes Aquarium, leistungsfähige Filterung und regelmäßige Wasserwechsel unverzichtbar.


Sewellia sp. „SEW03“ – Sattelfleck-Prachtflossensauger (WF)

Die Prachtflossensauger der Gattung Sewellia stammen aus schnell fließenden Bergbächen in Vietnam und Laos und besitzen stark abgeflachte Körper mit verbreiterten Brust- und Bauchflossen, mit denen sie sich an Steinen festsaugen. „SEW03″ ist ein Handelscode für eine Farbform, die im Handel teils auch unter dem Namen Sewellia breviventralis angeboten wird und vermutlich aus Zentralvietnam (Provinz Huế) stammt; die genaue Herkunft ist unbestätigt. Ob es sich tatsächlich um diese Art oder um eine eigene, noch unbeschriebene Art handelt, ist bislang ungeklärt; die Codes SEW02, SEW03 und SEW04 gehen zudem fließend ineinander über und könnten dieselbe, sehr variabel gefärbte Art betreffen.Mit einer Größe von etwa 6 Zentimetern Standardlänge bleiben die Tiere klein, stellen aber hohe Anforderungen an die Einrichtung: Benötigt wird ein Aquarium ab etwa 75 Zentimetern Kantenlänge mit kräftiger Strömung, vielen glatten Steinen, sauerstoffreichem und organisch möglichst gering belastetem Wasser. Die Wassertemperatur sollte nicht zu hoch liegen, empfohlen werden 22 bis 24 °C. Als Wildfang ist zudem mit einer sorgfältigen Eingewöhnungsphase zu rechnen.In der Ernährung nehmen Sewellia übliches Trocken-, Granulat- und Frostfutter an, sind beim Erbeuten von Lebendfutter aber eher ungeschickt, weshalb auf ausreichende Futtermengen und auf Futterkonkurrenz zu achten ist. Streng genommen sind es keine Algenfresser, nutzen den Aufwuchs auf den Steinen jedoch als Nahrungsquelle; eine starke Beleuchtung, die den Algenaufwuchs fördert, ist daher sinnvoll. Die Tiere sollten in einer Gruppe gehalten werden; untereinander kommt es zu Rangordnungskämpfen, die meist harmlos verlaufen. Gegenüber anderen Arten zeigen sie sich friedlich; als Beckenpartner kommen vor allem Arten infrage, die ebenfalls kühleres, sauerstoffreiches Wasser bevorzugen.

Pseudohemiodon almendarizi – Punktlinien-Flunderharnischwels (WF)

Dieser Harnischwels aus der Unterfamilie Loricariinae wurde erst 2022 wissenschaftlich beschrieben (Provenzano-Rizzi, Argüello & Barriga-Salazar, Zootaxa 5129). Er stammt aus Ecuador; als Typfundort gilt der Rio Aguarico bei Puerto Loja im Napo-Flusssystem. Im Hobby wird die Art auch als „Tiger Sand Pleco“ bezeichnet. Der abgeflachte Körper und das Verhalten, sich im Sand einzugraben, haben ihm den Beinamen „Flunderharnischwels“ eingebracht.Die Art bleibt mit höchstens etwa 9 Zentimetern Standardlänge vergleichsweise klein. Entscheidend für die Haltung ist ein sehr feiner, weicher Sandboden, in dem die Tiere graben und beim Fressen Nahrung durch das Substrat sieben können; grober oder scharfkantiger Kies ist ungeeignet. Wie bei Wildfängen üblich sollte zunächst auf eine sorgfältige Eingewöhnung und auf einen ausreichenden Ernährungszustand geachtet werden.Als Futter werden Trockenfutter sowie Frostfutter wie Mückenlarven und Hüpferlinge angenommen. Empfohlen wird die Haltung in kleinen Gruppen in einem ruhigen Aquarium mit friedlichen Mitbewohnern, etwa kleinen Salmlern; kräftige oder futterstarke Arten sollten vermieden werden, da diese Welse im Wettbewerb leicht zu kurz kommen. Zur Fortpflanzung ist bislang nur wenig dokumentiert: Es gibt vereinzelte Hinweise, dass vermutlich das Männchen die Eier an den Lippenbarteln und an der Bauchseite trägt, einen belegten Nachzuchtbericht für diese Art gibt es jedoch nicht. Wer sie pflegt, betritt daher in Teilen noch Neuland.

Pelvicachromis pulcher – Purpurprachtbarsch (NZ)

Der Purpurprachtbarsch stammt aus dem südlichen Nigeria, vor allem aus dem Nigerdelta; je nach Quelle werden auch küstennahe Gebiete Kameruns genannt. Er gehört zu den am häufigsten gepflegten westafrikanischen Zwergbuntbarschen, lebt in der Natur in dicht bewachsenen, ruhigen bis langsam fließenden Gewässern und ist ein typischer Höhlenbrüter. Die Geschlechter lassen sich gut unterscheiden: Männchen werden bis etwa 10 bis 11 Zentimeter groß und zeigen spitz ausgezogene Flossen, die kleineren Weibchen mit etwa 7,5 bis 8 Zentimetern fallen durch ihren purpurroten Bauch auf.Für ein einzelnes Paar ist ein Aquarium mit rund 80 Zentimetern Kantenlänge empfehlenswert, bei mehreren Paaren oder Vergesellschaftung sollte deutlich mehr Platz eingeplant werden. Wichtig sind zahlreiche Verstecke wie Höhlen, Tontöpfe und Wurzeln sowie ein feiner Bodengrund, den die Tiere zum Graben nutzen. Als Wassertemperatur sind 24 bis 27 °C geeignet, der pH-Wert sollte im leicht sauren bis neutralen Bereich zwischen 5,0 und 7,5 liegen. Beim Futter zeigt sich der Purpurprachtbarsch als Allesfresser, der gute Cichlidengranulate ebenso annimmt wie Frost- und Lebendfutter.Die zentrale Herausforderung ist das Revierverhalten: Außerhalb der Brutzeit ist die Art verträglich, verteidigt aber während der Fortpflanzung Höhle und Brut deutlich gegenüber Artgenossen und Mitbewohnern. Als Gesellschaft kommen kleine Salmler, Barben, Panzerwelse oder Harnischwelse infrage; ungeeignet sind sehr lebhafte oder große Arten, die den eher scheuen Fisch bedrängen. Wer ein Paar pflegt, sollte mit regelmäßigem Nachwuchs rechnen und Abgabemöglichkeiten für die Jungtiere einplanen, da die Art sehr zuverlässig ablaicht.

Quelle: Ingo Seidel – aqua-global Zierfischgroßhandel GmbH

Matthais AI

Matthias Wiesensee

Aquarianer, Wirtschaftsinformatiker, Online Marketing Manager. Liebt Fotografie, Badminton & Inlineskating. Nutzt die Freizeit für die Aquaristik, den Gartenteich und den Hund.
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