Unsere Zierfische verbringen meist ihr ganzes Leben bei uns. Wir kaufen sie als Jungtier, sie werden erwachsen, erfreuen sich hoffentlich eines langen und glücklichen Lebens und sterben irgendwann in unserer Obhut.
Die Natur hat für den Lebenszyklus eines jeden Lebewesens die Vermehrung vorgesehen – genau genommen ist das Leben ja ein Test, um die Wesen stetig zu „verbessern“. In neuen Generationen treten Veränderungen auf, und die Tiere, die am besten zurecht kommen, vermehren sich weiter. Sie passen sich damit zum Beispiel an veränderte Umweltbedingungen an.
Auch unsere Zierfische haben diese natürlichen Bedürfnisse – sie wollen sich vermehren.
Bei manchen ist das einfach – sie lassen sich praktisch gar nicht davon abhalten. So ist es bei den meisten handelsüblichen Lebendgebärenden. Bei anderen müssen teils sehr schwierig herzustellende Bedingungen herrschen, damit sie überhaupt zur Vermehrung schreiten.
Um dieses Thema soll es hier gehen.
Zunächst gehen wir auf einige allgemeine Themen ein, danach folgen Beispiele für Zuchtprojekte von einfach bis schwierig.
Zucht versus Vermehrung
Meistens spricht man verallgemeinernd von Zucht, wenn sich Aquarientiere fortpflanzen. Das ist genau genommen nicht richtig. Zucht ist das gezielte Auswählen von Tieren mit bestimmten Merkmalen, die man sich für die kommenden Generationen wünscht. Aus der Nachwuchsgeneration werden dann wiederum nur die Tiere zur Vermehrung gebracht, die diese Eigenschaften besonders ausgeprägt aufweisen. Das führt man über mehrere Generationen fort, bis die Eigenschaft genetisch gefestigt ist. Von einigen bekannten Aquarienfischen gibt es Zuchtformen, wie beispielsweise die „Elektric blue“ Form des Schmetterlingsbuntbarsches, der über lange Zeit auf besonders hohe und inzwischen praktisch flächendeckende Blauanteile selektiert worden ist. Oder den ursprünglich gestreiften Zwergfadenfisch, dem man die Streifen weggezüchtet und damit eine rote Form erreicht hat.
Von vielen Zierfischen gibt es außerdem „gold“ Varianten. Und endlos viele Zuchtformen gibt es vom beliebten Guppy und dem Kampffisch.
Hier werkelt also der Mensch als Kontrollfaktor, die Definition von „Verbesserung“ ist schlicht, was der Mensch schön oder besonders findet.
Findet man jedoch eines Tages plötzlich unerwartet Jungfische im Aquarium oder lässt die Fische „einfach machen“, spricht man korrekter Weise von Vermehrung. Es besteht kein bestimmtes Zuchtziel, die Tiere pflanzen sich fort und bekommen einfach die Eigenschaften, die die Natur bei der Genzusammensetzung „würfelt“.
Zucht ist aufwändig, man braucht zumeist mehrere Becken, um die Nachwuchsgenerationen aufwachsen zu lassen und dann selektieren, also auswählen, zu können. Die Tiere, die nicht dem Zuchtziel entsprechen, müssen abgegeben oder in einem „Sammelbecken“ weiter gehalten werden. Das Zuchtpaar braucht ein eigenes Becken, damit man sicher gehen kann, nur von ihnen Nachwuchs zu haben. Für viele Fische muss man spezielle Wasserwerte herstellen, um sie in Stimmung zu bringen, und für die Jungfische winziges Lebendfutter kultivieren. (Auch beim Lebendfutter spricht man gewöhnlich von „Zucht“, obwohl das natürlich Unsinn ist, wer wählt schon Grindalwürmer nach bestimmten Eigenschaften aus 😉 Da das aber als Begriff sehr gebräuchlich ist, werden wir ihn hier auch verwenden.)
Zwischen Zucht und Vermehrung besteht also auch ein deutlicher Unterschied im Aufwand. Aber es lohnt sich! Es ist ungemein spannend, die Entwicklung von Fischen über mehrere Generationen hinweg zu verfolgen und bestimmte Eigenschaften zu verstärken. Das müssen durchaus nicht nur optische Eigenschaften sein – auch Gesundheit und Verträglichkeit können und sollten Zuchtziele sein!
Qualzucht
Ein bekannter Begriff, aber was genau versteht man eigentlich darunter?
Hierzu gibt es eine klare Aussage im Tierschutzgesetz, und zwar direkt den allerersten Paragrafen, der lautet:
§ 1
Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.
Etwas genauer ist noch in §2.2. definiert:
2. Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.
Dieses Gesetz erstreckt sich natürlich auch auf die Zuchtziele. Das heißt, es darf auch kein Tier gezüchtet werden, das auf Grund seiner angezüchteten Körperformen vermeidbaren Leiden oder Bewegungseinschränkungen unterworfen ist.
Der Mensch findet meist Gefallen an dem Besonderen, und so kommt es teils zu grotesken Überzüchtungen von Eigenschaften, die den Tieren schaden. In der Hundezucht sind die „niedlichen“ zu kurzen Schnauzen bekannt, die dazu führen, dass die Tiere nicht richtig atmen können. Bei Fischen können extrem verlängerte Flossen die Tiere in der Bewegung oder gar an der Fortpflanzung hindern (z.B. bei Guppys mit verlängerter Afterflosse). Andere Besonderheiten sind absichtlich geförderte Verkrüppelungen wie Verkürzungen der Wirbelsäule, die zu einem comicartig gestauchten Körperbau führen, oder die besonders bei Goldfischen bekannten Zuchtformen mit ballonartigen Augen oder Geschwülsten am Kopf.
Solche Zuchten sind nicht nur durch das Tierschutzgesetz eigentlich illegal, sie sollten auch aus Vernunft und Mitgefühl für das Tier abgelehnt werden. Aller oberstes Gebot sollte sein, dass die Nachzuchttiere sich einer uneingeschränkten Gesundheit erfreuen – das menschliche „Schönheits“empfinden darf nicht über der Lebensqualität des Tieres stehen.
Fortpflanzungsstrategien von Zierfischen
Es gibt unheimlich viele Fischarten auf der Welt, und so unterschiedlich wie ihre Lebensbedingungen sind, so unterschiedlich sind auch ihre Arten der Fortpflanzung.
Eine ganz grundsätzliche Unterscheidung gibt es schon mal zwischen eierlegenden Fischen, was die Mehrheit ist, und solchen, die lebende Junge zur Welt bringen. Auch letztere entwickeln sich eigentlich in Eiern, tun dies aber im Mutterleib. Sie schlüpfen praktisch im Moment der Geburt und kommen meist in geringer Zahl aber groß und weit entwickelt zur Welt.
Bei den eierlegenden Arten wiederum unterscheiden sich die Strategien in „Masse macht’s“ und „Qualität statt Quantität“ – in nicht brutpflegende Arten, die meist immens viele Eier legen, und Brutpfleger, die nur wenige Eier legen, diese aber hegen und schützen.
Viele Schwarmfische haben sich auf die Produktion großer Mengen kleiner Eier verlegt, die meist in Gruppen abgegeben werden und zwischen Kieselsteine oder Pflanzen fallen. Durch die großen Mengen können Verluste an Fressfeinde ausgeglichen werden. Die Eier entwickeln sich schnell, die Jungfische schlüpfen meist schon nach wenigen Tagen und sind mehr oder weniger reif. Zumeist schafft es in der Natur nur ein kleiner Bruchteil der Eier zur Entwicklung zum erwachsenen Fisch, aber das ist die Evolution.
Paarbildende Arten wie Buntbarsche, Welse und Labyrinthfische zeigen hingegen oft ein spannendes Brutpflegeverhalten. Sie kümmern sich teilweise gemeinsam um Eier und Jungfische und schützen sie, bis sie groß und selbständig genug sind, alleine klar zu kommen. Sie brüten in Höhlen, auf großen Pflanzenblättern oder in selbst gemachten Schaumnestern. Da das ein für die Eltern aufwändiger Prozess ist, legen sie vergleichsweise wenig Eier, haben aber eine deutlich höhere Erfolgsquote.
Eine besondere Nische besetzen Killifische. Sie leben in periodisch austrocknenden Gewässern, das heißt, sie haben oft nur unter einem Jahr Zeit für die Vermehrung. Dementsprechend wachsen sie extrem schnell, paaren sich, legen die Eier im Boden ab und sterben dann. Die Gewässer trocknen aus und die Eier überdauern im Schlamm, teilweise auch bei erstaunlicher Trockenheit. Die Jungfische entwickeln sich über mehrere Wochen hinweg in den hartschaligen Eiern und schlüpfen, sobald sie nass werden – in der Natur also dem Einsetzen der Regenzeit, die das Gewässer wieder füllt.
Eine besonders interessante Form der Vermehrung, die für den Aquarianer ein spannendes Zuchtprojekt bietet.
Zucht im heimischen Aquarium
Fast immer ist es wünschenswert, die gehaltenen Zierfische zu vermehren. Gerade bei solchen Arten, die sonst für den Handel der Natur entnommen werden, verändert sich die Haltung vom „Verbrauch“ zur Erhaltung, wenn man selbst für Nachwuchs sorgt und damit den natürlichen Schwund ausgleicht. Ausgenommen sind hier Fische, die sich dermaßen reichlich vermehren, dass bereits ein Überschuss im Hobby besteht, so dass man Probleme bekommt, überhaupt ausreichend Abnehmer zu finden. Das betrifft hauptsächlich den Guppy, andere Lebendgebärende und den Blauen Antennenwels. Bei diesen Arten sollte man sich eher überlegen, wie man sie von der Vermehrung abhält.
Möchte man seine Fische jedoch züchten oder vermehren, gilt es zunächst einmal, passende Bedingungen zu schaffen. Dazu ist gegebenenfalls intensive Recherche zu betreiben: Wie lebt die Fischart in der Natur? Welche Vermehrungsstrategie hat sie? Welche Auslöser gibt es eventuell, die zur Balz führen?
Viele Tiere sind auf „Trigger“ eingestellt, also auslösende Faktoren, die ihnen signalisieren, dass eine gute Zeit für die Fortpflanzung gekommen ist. Das kann zum Beispiel ein besonderes Futterangebot sein – reichlich Lebendfutter führt bei vielen Fischen, die sich bei ausschließlicher Trockenfuttergabe nicht regen, zur Vermehrung. Oder auch das Auftreten bestimmter Wasserwerte: Ein großer Wasserwechsel mit kühlem, eventuell weicherem und saurerem Wasser hat schon bei so manchem Fisch, der sich partout nicht vermehren wollte, zur Balz geführt. Die Regenzeit ist gekommen! Panzerwelsen sagt man nach, dass sie „wetterfühlig“ sind und Veränderung des Luftdrucks zu Vermehrungstätigkeiten führt.
Eine besondere und nur nach reiflicher Recherche anzuwendende Methode ist die gezielte Vernachlässigung. Es kommt vor, dass man alles Mögliche versucht, das Traumfischpärchen sich aber standhaft weigert, etwas miteinander anzufangen. Frustriert verbannt man es in das hinterste Becken und kümmert sich nur noch minimal darum und findet einige Zeit später beim Kontrollgang Jungfische. Die Elterntiere glaubten der verschlechterten Lebensbedingungen wegen, ihr Gewässer ginge der Austrocknung entgegen und sie müssten sterben – also lieber noch schnell Junge produzieren. Dies aber nur als Anekdote, das gilt nur für wenige Ausnahmefische! (In diesem Fall waren es Schlangenkopffische.)
Auswahl der Elterntiere
Nach der Recherche über die Haltungs- und Zuchtbedingungen für den Fisch, den man sich für dieses interessante Projekt ausgesucht hat, geht es an den nächsten Schritt. Die Elterntiere auswählen.
Das aller oberste Gebot sollte sein, dass die Elterntiere gesund sind und keinerlei Deformationen aufweisen, die sie irgendwie einschränken. Außerdem sollten sie ausgewachsen sein, damit man überhaupt endgültig Körperform und Farbe beurteilen kann.
Genetik
Ein kurzer Ausflug in die Genetik hilft zu verstehen, was bei der Zucht eigentlich passiert.
Jedes Tier hat Chromosomen, auf denen die Erbinformationen gespeichert sind. Sie enthalten die leiterförmige DNS und sind praktisch der Bauplan für jedes Lebewesen. Für die Vermehrung trennen sich diese „Leitern“ wie ein Reißverschluss auf. In Keimzellen ist nur eine Hälfte davon enthalten, die nach der Verschmelzung mit einer zweiten Keimzelle von einem anderen Individuum wieder zusammengesetzt wird und damit einen neuen Bauplan bildet, der Eigenschaften beider Elternwesen aufweist.
Dabei gibt es hauptsächlich drei Formen von Erbgängen: Dominant ist ein Merkmal, das sich bei der Nachfolgegeneration definitiv durchsetzt. Es überlagert die Erbinformationen der anderen Seite. Rezessiv ist ein Merkmal, das ein anderes nicht überlagern kann. Es wird vom dominanten überdeckt und kann nur sichtbar werden, wenn die andere Seite der DNS-Leiter das gleiche rezessive Merkmal besitzt. Ein intermediärer Erbgang addiert sich sozusagen auf. Ein Beispiel dafür wäre, dass eine Farbe intensiver wird, wenn sie von beiden Allelen ausgeht. Keine Farbinformation auf dem Gen ergäbe farblos, ein Gen ergäbe eine blasse Farbe und zwei Gene eine intensive Farbe.
Die meisten Farben werden bei Fischen aber über den dominant/rezessiven Erbgang vererbt. Hier kommen die so genannten Mendelschen Regeln ins Spiel.
Nehmen wir als Beispiel an:
Das Merkmal „Blond“ beim Guppy ist rezessiv, es wird also überlagert. Das Merkmal „grau“ ist dominant.
Jeder Guppy hat zwei DNS Leiterseiten, so genannte Allele, die über diese Grundfarbe entscheiden.
Der blonde Guppy hat definitiv auf beiden Allelen die Information „blond“ (bb – b für blond und klein geschrieben für rezessiv), denn sobald eines von beiden „grau“ ist, ist auch der Guppy grau, da das dominante grau das rezessive blond überdeckt.
Der graue Guppy kann also sowohl bG (blond/Grau) als auch GG (Grau/Grau) als Erbinformation haben.
Kreuzen wir einen bb Guppy mit einem GG Guppy, treten folgende Verhältnisse auf:
Vom blonden Guppy kommen lauter Keimzellen mit der b Information, vom grauen ausschließlich G. ALLE Nachkommen haben also die Kombination bG und sind grau.
Kreuzen wir nun diese mischerbigen Guppys, die also ein verstecktes Blondgen haben, untereinander, kommen von jedem Elterntier je 50% G und b Allele. Nimmt man 100 Eizellen an, kommen vom Muttertier also 50 b Eizellen und 50 G Eizellen, vom Vatertier genauso je 50 Samenzellen. Nehmen wir eine gleichmäßige Vermischung an, verbinden sich die 50 G Samenzellen vom Vatertier mit je 25 G und 25 b vom Muttertier, die 50 b Samenzellen genauso. Es kommen also
- 50 bG
- 25 GG
- 25 bb
Jungfische dabei heraus. Der Großteil ist also wieder mischerbig und sichtbar (phänotypisch) grau, ein Viertel ist reinerbig grau, unterscheidet sich aber optisch nicht von den mischerbigen. Und ein Viertel ist plötzlich wieder blond, obwohl die Elterngeneration komplett grau war.
Reinerbigkeit, also Fische, deren Nachkommen sicher aussehen wie ihre Eltern, erreicht man nur, wenn man ausschließen kann, dass sich mischerbige Tiere mit versteckten rezessiven Genen in der Zucht befinden. Bei den rezessiven Merkmalen ist das leicht: Ein blonder Guppy ist auf jeden Fall reinerbig. Bei dominanten Merkmalen ist das schwieriger zu erreichen, hier muss man sehr lange selektieren, bis wirklich keine versteckten Merkmale plötzlich wieder auftauchen und man einigermaßen sicher sein kann, dass alle Tiere das dominante Allel auch auf beiden „Leiterseiten“ haben, also reinerbig sind. Zum Test kann man die obige Kreuzung mit einem blonden Guppy machen, um zu schauen, ob in der Folgegeneration blonde auftauchen oder nicht – diese Mischung muss dann allerdings aus der Zuchtgruppe fern gehalten werden.
Man sieht: Die gezielte Zucht von bestimmten Farbschlägen ist nicht einfach.
Inzucht ist bei Fischen übrigens kein ganz so großes Thema wie bei Säugetieren.
Inzuchtschäden, also das Auftreten von Deformationen oder vererbten Krankheiten, treten meist nur nach massiver Inzucht über mehrere Generationen auf. Um also ein bestimmtes Merkmal zu fördern, ist es vertretbar, auch verwandte Fische zu verpaaren. Es ist jedoch immer gut, gelegentlich für die Einkreuzung familienfremder Tiere zu sorgen. Man muss es sich so vorstellen: Eine bestimmte Mutation tritt in einer Geschwistergeneration gehäuft auf. Verpaart man jetzt die Geschwister, ist die Wahrscheinlichkeit viel größer, dass beide Eltern das mutierte Gen haben und damit deren gesamte Nachkommenschaft es erbt, als wenn man zwei nicht miteinander verwandte Tiere kreuzt. Das kann positiv sein – man kommt zur Reinerbigkeit einer bestimmten Eigenschaft, beispielsweise einer tollen Färbung. Es kann aber auch schlecht sein: vererbte Krankheiten treten ebenso gehäuft auf.
Treten unerwünschte Deformationen auf, sollte man die deformierten Tiere auf jeden Fall aus der Zucht ausschließen und familienfremde in die Zucht aufnehmen, um den Gendefekt möglichst wieder zu verdrängen.
Häufige Defekte sind verstümmelte Flossen, beispielsweise Rückenflossen, die zu wenig Strahlen haben, oder Wirbelsäulenmissbildungen.
Paarfindung
Haben wir uns also entschieden, welche Merkmale wir fördern wollen, suchen wir die Elterntiere entsprechend aus. Bei den meisten Fischen ist das kein Problem, sie nehmen „was da ist“. Manche sind aber durchaus wählerisch und lassen sich keinen beliebigen Partner vorsetzen. Hier muss man den Tieren den eigenen Geschmack zugestehen. Es kann notwendig sein, eine größere Anzahl potentieller Zuchttiere als Jungtiere zusammenzusetzen und es ihnen zu überlassen, ihren Partner auszuwählen. Verstehen sich zwei Partner gar nicht, muss man auf die Zucht verzichten und einen neuen Partner auswählen.
Familienformen bei Fischen
Fische leben in der Natur unterschiedliche Paarbindungen aus. Ins Aquarium übertragen ergeben sich folgende Möglichkeiten:
Das Paar: Ein Weibchen und ein Männchen werden gezielt ausgesucht und zusammen ins Zuchtbecken oder auch ein Gesellschaftsbecken ohne Fressfeinde gesetzt. Sie paaren sich und kümmern sich meist gemeinsam um den Nachwuchs. Diese Lebensform findet man bei vielen Labyrinthfischen und Zwergbuntbarschen. Andere Tiere werden verscheucht und auch kein weiterer Partner hinzu genommen.
Trio (künstlich): Die Kombination von einem Tier eines Geschlechts und zwei des anderen nennt man Trio. Diese Familienform kann dann sinnvoll sein, wenn bei brutpflegenden Arten ein Partner besonders belastet ist und allein überfordert wäre. Als Beispiel seien hier maulbrütende Kampffische genannt, bei denen das Männchen die Brut über Wochen im Maul trägt und nicht fressen kann. Frisst sich das Weibchen in dieser Zeit schon wieder Eier an, kann es sein, dass die Tiere so dicht nacheinander Bruten aufziehen, dass das Männchen auszehrt und regelrecht verhungert. Hier kann die Haltung von zwei Männchen (so ihre Aggressivität es zulässt) und nur einem Weibchen sinnvoll sein. Oder die abschließend noch erklärte phasenweise Trennung der Partner. Bei anderen Fischarten hält man Trios oder Harems, also mehr als zwei Tiere des einen Geschlechts, um die Aggressivität zu verteilen.
Gruppenbalz: Manche Fischarten kommen erst richtig in Wallung, wenn sie in der Gruppe balzen. Sie ermuntern sich beispielsweise gegenseitig in ihren Darbietungen von Farbe und Flossenflattern und laichen gemeinsam ab. Der Zuchtansatz im Paar führt hier nicht zum Erfolg. Das gilt für viele Schwarmfische, bei denen erst die Konkurrenz der Männchen untereinander zu einem besonderen Bemühen um die Weibchen führt.
Trennung der Partner:
Wie oben erwähnt kann es zu Überforderung oder Störung eines brutpflegenden Partners kommen, wenn der andere im Becken verbleibt. Bei ausreichend großen Becken kann die meist eigentlich vorgesehene Arbeitsteilung ausgelebt werden: Ein Partner betreut die Brut direkt, trägt sie zum Beispiel im Maul oder pflegt sie in einer Höhle, während der andere das weiträumigere Revier absichert. (Dies tun zum Beispiel einige Betta Arten, das Weibchen ist hier für die Reviersicherung verantwortlich und zeigt sich daher in einem kleinen Becken oft plötzlich aggressiv gegen ein eventuell vorhandenes zweites Weibchen.)
Sind die Platzverhältnisse nicht entsprechend und richtet sich die eigentlich nach außen gerichtete Aggressivität der Partner aufeinander, muss ein Partner entfernt und in einem anderen Becken zwischengehältert werden. Erst wenn man wieder eine Brut wünscht, setzt man die Partner wieder zusammen.
Eier und Aufzucht
Nach erfolgter Paarung geht es an die nächste knifflige Aufgabe: Die erfolgreiche Aufzucht der Jungfische. Hier muss alles stimmen, sonst gibt es Verluste, die bis zum totalen Misserfolg reichen können.
Zunächst einmal müssen die Wasserparameter einwandfrei stimmen. Fischeier sind da meist wesentlich empfindlicher, als ausgewachsene Fische. Der osmotische Druck hat großen Einfluss – dünnschalige Eier können daran kaputt gehen, dass entweder zu viel Wasser in sie einströmt oder es praktisch heraus gesaugt wird, wenn die Wasserhärte ihren Bedürfnissen nicht entspricht. Viele Arten, die man als erwachsene Fische zwar in mittelhartem Wasser halten kann, die aber eigentlich aus Weichwasserzonen kommen, sind für die Aufzucht auf eben solches weiches Wasser angewiesen. Es muss für sie also Regen-, Osmose- oder destilliertes Wasser zur Verfügung stehen und die Mischung penibel auf die benötigten Werte eingestellt werden.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Hygiene. Die Keimdichte ist in unseren kleinen Aquarien viel höher als in riesigen Naturgewässern. Das kann die Immunabwehr der Fischeier überfordern – sie verpilzen. Kleine, ungefilterte Schalen eignen sich daher nur als Aufzuchtgefäß, wenn sehr regelmäßig Wasser gewechselt wird. Besser ist ein richtiges gefiltertes und ggf. belüftetes Aufzuchtbecken. Auch ein Netzkasten, der in das Haltungsbecken eingehängt wird, kann als Aufzuchtgefäß für die ersten Wochen dienen – im freien Wasser sind wenig Keime vorhanden und es besteht ein stetiger Wasseraustausch, also eine Verdünnung der im dicht besiedelten Netzkasten anfallenden Abbaustoffe.
Seemandelbaum- und Walnussblätter oder Erlenzapfen können helfen, die Keimdichte zu verringern. Gute Wasserpflege ist dem Einsatz chemischer Mittel vorzuziehen. Bei sehr empfindlichen Eiern können aber auch pilzhemmende Mittel aus dem Fachhandel eingesetzt werden.
Kleine Schnecken im Aufzuchtbehälter helfen beim Sauberhalten.
Die Schlupfzeit variiert stark je nach Fischart. Manche schlüpfen schon nach einem Tag, andere nach zwei bis drei Tagen. Diese Fische kommen als „Larven“ recht wenig entwickelt zur Welt und haben zumeist noch einen großen Dottersack. Dieser wird erst aufgebraucht, bevor Futter aufgenommen wird. In dem „Kugel mit Schwänzchen“ Stadium brauchen sie also auch noch nicht gefüttert werden. Diese Entwicklung findet man meist bei Schwarmfischen wie Salmlern und Bärblingen. Hier kann man gut Ablaichschalen anbieten, in die das bevorzugte Laichmedium der Fischart (zum Beispiel Javamoos) gegeben wird. Ein feines Gitter schützt die hinein fallenden Eier vor den gefräßigen Eltern.
Einige Fischarten haben klebrige oder haftende Eier entwickelt, die in feinfiedrigen Pflanzen abgegeben werden. Hier können Laichmopps zum Einsatz kommen – das sind Büschel aus Acrylwolle, die man gut auf Eier absuchen kann.
Bei den meisten Brutpflegern werden die Eier in Gruppen an Blättern, in Höhlen oder Schaumnestern gelegt und dort bis zum Schlupf und teilweise darüber hinaus gepflegt.
Bei anderen Fischarten dauert die Eientwicklung länger, zumeist um die zwei Wochen. Daraus schlüpfen dann weit entwickelte Jungfische, die auch sofort Futter brauchen. Der Extremfall sind auch hier wieder die Killifische, die teilweise monatelang in den Eiern, die in nur leicht feuchtem Substrat aufbewahrt werden, ausharren und erst schlüpfen, wenn sie „aufgegossen“ werden, also Wasser hinzugegeben wird.
Lebendgebärende machen es einem da einfacher: Die Jungfische kommen zumeist sehr weit entwickelt zur Welt, fallen zunächst unauffällig in die Bepflanzung und können nach wenigen Stunden schwimmen und sich verstecken sowie aktiv Futter suchen.
Jungfischfutter
Sind die Eier bis zum Schlupf gekommen, folgt der nächste kritische Schritt: Die passende Fütterung. Je nach Fischart wird es hier unterschiedlich kompliziert. Manche Jungfische nehmen zunächst ausschließlich Lebendfutter, manche benötigen extrem kleines, wie Pantoffeltierchen oder Rädertierchen. Einfachere Kandidaten gehen auch sofort an Trockenfutter, das in feinsten Mahlgraden als Staubfutter angeboten wird.
Eine sinnvolle Investition ist stets das Erbrüten von Artemiaeiern. Die kleinen Krebschen haben frisch geschlüpft sehr gute Nährwerte und werden von fast allen Jungfischen gerne gefressen. In Kombination mit den einfach zu ziehenden Microwürmern ergeben sie ein sehr gutes Futter für die ersten Wochen.
Sehr wichtig ist das Fütterungsintervall: Sehr kleine Jungfische sollten „im Futter stehen“ – also stets welches zur Verfügung haben. Dabei darf aber nicht so überfüttert werden, dass tote Futtertiere oder übrig gebliebenes Trockenfutter anfallen und vergammeln. In der Konsequenz heißt das: (Sehr) oft wenig füttern. Eine Mangelfütterung in den ersten Wochen führt zu einem kaum wieder aufzuholenden Entwicklungsverzug. Hier sind lebende Futtertiere, die eine Weile in Süßwasser überleben, klar im Vorteil. Sie stehen über lange Zeit zur Verfügung und belasten das Wasser nicht.
Im Bereich Futtertierzucht findest du eine große Auswahl Anleitungen zu dem Thema: Futtertierzuchten
Hälterung
Das Gefäß sollte mit den Jungfischen wachsen. Drängen sich die Jungfische zu dicht in ihrem Behälter, kommt es zu Wachstumsstörungen und die Hygiene ist schwerer aufrecht zu erhalten. Auf der anderen Seite sollte es nicht so groß sein, dass sich das Futter zu weit verteilt und von den Jungfischen nicht mehr gefunden werden kann. Hier besteht also auch der Bedarf, verschieden große Aufzuchtbehälter bereitzuhalten.
Es kostet also schon einiges an Aufwand und Zeit, Fischzucht zu betreiben. Aber es bereitet auch ungemein viel Freude, den selbst gezogenen Nachwuchs gedeihen zu sehen und vielleicht den ein oder anderen interessanten Farbschlag hervorzubringen.
Abgabe
Nun hat man einen Schwung halb ausgewachsener Fische – was jetzt? Im Idealfall hat man sich das vorher überlegt. Selbst wird man wohl nur wenige Tiere behalten wollen. Wohin mit den anderen? Natürlich in ein gutes neues Heim. Nimm über einschlägige Plattformen Kontakt mit Privatleuten auf, die Interesse an deinen Tieren haben. Oder geh über lokale Vereine auf Zierfischbörsen. Im Handel solltest du zunächst nachfragen, ob private Nachzuchten genommen werden. Das ist heutzutage nur noch selten der Fall.
Lesezeit: etwa 18 Minuten





















