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Wahrnehmung bei Fischen

Wie nehmen Fische ihre Umwelt wahr?

Fischauge - Foto von Ingo Seidel
Fischauge – Foto von Ingo Seidel

Der Sehsinn ist bei Fischen nicht der stärkste. Unter Wasser ist es viel dunkler als an der Luft und die Helligkeit nimmt mit der Wassertiefe rapide ab. Deshalb sind Fischaugen oft sehr groß, um möglichst viel von dem wenigen Licht aufzunehmen. Um die Sehschärfe ist es dabei aber nicht so gut bestellt.

Die Augenlinse der Fische ist kugelig und starr, wodurch sie sich von der eines Menschen unterscheidet. Um Objekte in unterschiedlichen Entfernungen zu erkennen, verändert unsere Augenlinse ihre Form. Fische hingegen ziehen mit einem Muskel die gesamte Linse in das Auge zurück. Diese Art der Fokussierung ist sehr ungenau, daher können Fische nur bis zu einem Meter scharf sehen.

 

 

Maulbereich - Foto von Ingo Seidel
Maulbereich – Foto von Ingo Seidel

Geschmack und Geruch sind die Wahrnehmung chemischer Bestandteile – für uns Menschen bei Geruch über die Luft, bei Geschmack per direktem Kontakt über das Lösungsmittel Wasser zur Zunge, die dicht mit Geschmacksknospen besetzt ist.

Bei Fischen besteht zwischen den beiden kein wirklicher Unterschied, da der Trägerstoff der chemischen Botschaften in beiden Fällen Wasser ist. Sie können sogar außerordentlich gut riechen – ein großer Vorteil bei der Futtersuche in teils trübem Wasser. Fische besitzen vier kleine Nasenlöcher in Augennähe, die mit über einer Million Nervenenden pro Quadratzentimeter ausgekleidet sind. Solche Sinnesknopsen befinden sich zahlreich in der Maulgegend, sie können aber auch am ganzen Fischkörper verteilt sein .

 

Hören können Fische sehr gut. In Wasser trägt der Schall viel weiter als in Luft. Geräusche werden von kleinen flüssigkeitsgefüllten Röhrchen hinter den Augen aufgenommen. Die darin befindlichen Gehörsteinchen aus Kalk schwingen mit und feine Sinneszellen leiten diese Informationen an das Gehirn weiter.

Seitenlinie - Foto von Ingo Seidel
Seitenlinie – Foto von Ingo Seidel

Zum Tasten haben viele Fische spezielle Organe, wie Barteln oder Brustflossenfäden. Ein hoch interessanter Ferntastsinn ist das Seitenlinienorgan. Es befindet sich seitlich unter der Haut und ist eine mit Schleim gefüllte Röhre, die über kleine Poren mit der Außenwelt verbunden ist. Feine Haarsinneszellen in diesem System nehmen die Bewegungen des Wassers wahr. So kann der Fisch Druckwellen interpretieren und damit sowohl Beute als auch Feinde, Schwarmgenossen und Hindernisse orten – selbst ein komplett blinder Fisch kann sich problemlos in seiner Umwelt orientieren, da ihm das Seitenlinienorgan ständig dreidimensionale Informationen darüber liefert. Auch die Scheiben das Aquariums werden damit als Begrenzungen erkannt, obwohl sie unsichtbar sind.

 

Fische haben noch eine weitere Möglichkeit der Umweltwahrnehmung: elektrische Organe. Wasser leitet bekanntlich gut. Das machen sich Fische zu Nutze. Sie senden ein elektrisches Feld aus und empfangen es auch wieder, um es z.B. zum Erkennen von Hindernissen zu nutzen. Die sehr empfindlichen Rezeptoren befinden sich über den ganzen Körper verteilt, vorzugsweise in der Kopfregion. Die Fische können zwischen leitenden und nichtleitenden Hindernissen unterscheiden sowie Lage, Größe, Bewegung und Bewegungsrichtung der Objekte bestimmen.

Wir sehen also, dass Fische eine Vielzahl von Möglichkeiten der Wahrnehmung haben, die uns teilweise sogar völlig fehlen.

 

Autor: Birthe Jabs, Quelle: Barbara Klingbeil – Tetra. Fotos: Ingo Seidel

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