Mikrogeophagus altispinosus

Deutscher Name: Bolivianischer Schmetterlingsbuntbarsch

Herkunft:
Bolivien, Brasilien, Südamerika
Farben:
gelb, grau, orange, rosa, schwarz
Schwierigkeit:
Mittel
Art: Mikrogeophagus altispinosus
Gattung: Mikrogeophagus
Familie: Cichlidae

Beschreibung

Der Bolivianische Schmetterlingsbuntbarsch (Mikrogeophagus altispinosus) erreicht rund 8 cm Standardlänge und zählt zu den robusteren Zwergcichliden Südamerikas. Die silbrig-graue bis gelblich-orange Grundfärbung wird von einem markanten schwarzen Vertikalstreifen durchs Auge und einem dunklen Lateralfleck auf der Körpermitte geprägt. Rücken- und Schwanzflosse tragen rötliche bis pinke Ränder, die vorderen Dorsalstrahlen sind dunkel betont. Anders als beim nahe verwandten M. ramirezi fehlen blaue Irisierungen und blaue Flecken auf Körper und Flossen vollständig. Dieses Merkmal ist das sicherste Unterscheidungskriterium zwischen beiden Arten. Im Aquarium zeigt sich M. altispinosus als ruhiger Bodenbewohner, der mit seinem typischen Benthophagen-Verhalten Sand und feinen Kies durchsiebt. Außerhalb der Brutzeit sind die Tiere gesellig und wenig scheu. Wurzeln, flache Steine und Laubschichten werden als Reviermarken und Ruheplätze genutzt. Im Vergleich zu M. ramirezi ist diese Art deutlich kühltolerant und insgesamt weniger krankheitsanfällig, was die Haltung spürbar erleichtert.
Sozialverhalten: Paarweise
Temperament: territorial
Verträglichkeit mit Wirbellosen: mittel

Besonderheiten

  • Kein Blau: Fehlen blauer Irisierungen unterscheidet M. altispinosus klar von M. ramirezi
  • Robuster und kühltolerant: Verträgt 22 °C dauerhaft, deutlich widerstandsfähiger als der Blaue Schmetterlingsbuntbarsch
  • Substratfresser (Benthophage): Durchsiebt Sand und feinen Kies nach Nahrung
  • Intensive biparentale Brutpflege: Beide Eltern beteiligen sich an Bewachung und Jungfischführung
  • Revierbildend während der Brutzeit, sonst friedlich
  • Junggarnelen und Zwerggarnelen gefährdet
  • Schnecken sicher
  • Geringes Springrisiko, Abdeckung dennoch empfohlen

Vergesellschaftungshinweise

Mikrogeophagus altispinosus wird idealerweise als Paar oder in der Staffelung 1 Männchen zu 2 Weibchen gepflegt. In Becken ab 120 cm Kantenlänge ist auch eine Gruppe von 6-8 Tieren möglich, in der sich Paare natürlich bilden. Die Mindesthaltung besteht aus zwei Exemplaren. Einzelhaltung ist nicht artgerecht. Außerhalb der Brutzeit verhält sich die Art friedlich und bodenorientiert. Die Tiere bewegen sich ruhig durch die untere Beckenzone, gründeln im Substrat und zeigen keine Aggression gegenüber Mitbewohnern. Während der Brutzeit ändert sich das Bild: Beide Eltern verteidigen Laichplatz und Jungfische konsequent gegen Eindringlinge. Dieses territoriale Verhalten beschränkt sich auf den direkten Brutbereich und betrifft vor allem bodenbewohnende Beifische. Zwerggarnelen (Neocaridina, Caridina) werden als Beute betrachtet, adulte wie juvenile. Größere Garnelen wie Amano werden in der Regel toleriert. Schnecken bleiben unbehelligt. Geeignete Vergesellschaftungspartner sind ruhige südamerikanische Salmler wie friedliche Tetra-Arten, Panzerwelse (Corydoras) und kleinere Harnischwelse. Ostafrikanische Hartwasser-Buntbarsche (Malawi, Tanganjika, Tropheus, Labidochromis) sind wegen grundlegend anderer Wasseransprüche ungeeignet.

Geschlechtsdimorphismus

Männchen werden mit bis zu 8 cm SL etwas größer als Weibchen (bis 7 cm SL) und wirken schlanker. Sie zeigen leicht längere äußere Flossenstrahlen an Schwanz-, Rücken- und Afterflosse sowie eine insgesamt intensivere Farbgebung. Weibchen sind fülliger gebaut mit runderen Flossen. Vor dem Ablaichen fällt beim Weibchen eine stumpfe Legeröhre auf, die des Männchens ist spitzer. Die Geschlechter sind im Alltag nicht immer leicht zu unterscheiden; die Größen- und Flossenunterschiede werden erst bei adulten, gut konditionierten Tieren deutlich.
Größe: M: ca. 8 cm SL, W: ca. 7 cm SL

Haltungstipps / Pflege

Die Haltung gelingt bei einer Wassertemperatur von 22-26 °C, einem pH-Wert von 6-7,5 und einer Gesamthärte von 1-15 °dGH. M. altispinosus ist deutlich kühltolerant und verträgt Temperaturen ab 22 °C problemlos, was ihn von M. ramirezi (mindestens 26 °C) klar unterscheidet. Dauerhaft über 28 °C sollte vermieden werden. Als Mindestbeckengröße gelten 80 cm Kantenlänge und 112 Liter für ein Paar. Für Gruppen von 6-8 Tieren empfiehlt sich ein Becken ab 120 cm Kantenlänge. Feiner Sand ist als Bodengrund Pflicht, damit das arttypische Gründel- und Scharrverhalten ohne Verletzungen möglich bleibt. Flache Steine, Wurzeln, Totholz und eine Laubschicht am Boden schaffen Reviergrenzen und Laichflächen. Pflanzengruppen gliedern das Becken und bieten Rückzug. Die Strömung sollte schwach bis moderat sein. Ein biologisch leistungsfähiger Filter sorgt für sauberes Wasser, ohne starke Bodenströmung zu erzeugen. Regelmäßige Teilwasserwechsel sind wichtig, da die Art auf sinkende Wasserqualität empfindlich reagiert. Die Wasseroberfläche muss nicht freigehalten werden, ein geschlossener Deckel ist aber sinnvoll. Der Bolivianische Schmetterlingsbuntbarsch ist ein robuster, relativ pflegeleichter Buntbarsch, der sich als guter Einstieg in die südamerikanische Cichliden-Haltung eignet. In einem gut strukturierten Becken mit Sand, Laub und stabilen Wasserwerten zeigt die Art ihr volles Verhaltensrepertoire. Die Lebenserwartung liegt bei 5-7 Jahren.
Wasserhärte:
weich bis hart
pH-Wert
6-7,5
Temperatur:
22-26 °C
Beckengröße:
ab 80 cm, 112 Liter

Zucht und Fortpflanzung

Die Zucht von M. altispinosus gilt als unkompliziert und ist gut dokumentiert. Es handelt sich um biparentale Substratlaicher: Beide Eltern beteiligen sich intensiv an Brutpflege und Jungfischführung. Die Art ist regelmäßig bis F5+ in Gefangenschaft vermehrt worden. Für die Zucht empfehlen sich leicht erhöhte Temperaturen von 24-26 °C, ein pH von 6-7 und eine GH von maximal 8 °dGH. Ein separates Zuchtbecken ohne Beifische erhöht die Überlebensrate der Jungfische deutlich. Paare laichen auf flachen Steinen, Wurzelstücken, breiten Blättern oder direkt auf der Aquarienscheibe. Das Weibchen legt mehrere Reihen Eier ab, das Männchen befruchtet sie anschließend. Unerfahrene Paare fressen gelegentlich ihre erste Brut, verbessern sich aber nach wenigen Versuchen. Die Inkubation dauert 2-3 Tage. Nach dem Schlupf bleiben die Larven 5-8 Tage weitgehend immobil und werden von den Eltern in vorgegrabene Mulden im Substrat verbracht, oft täglich umgesetzt. Sobald die Jungfische freischwimmen, eignen sich frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien und Mikrowürmchen als Erstfutter. Als Laichstimulation dienen reichliche Fütterung mit proteinreichem Lebend- und Frostfutter (schwarze und weiße Mückenlarven, Artemia) sowie häufige Wasserwechsel mit weicherem Wasser. Ein spezieller Auslöser ist nicht nötig. Gelegegrößen liegen bei 100-300 Eiern, Geschlechtsreife tritt nach etwa sechs Monaten ein.

Ernährung/Futterbedarf

Mikrogeophagus altispinosus ist ein Allesfresser mit ausgeprägter Vorliebe für tierische Kost und benthophagem Fressverhalten. Im Aquarium bildet sinkendes Granulat und Flockenfutter die Basis. Proteinreiche Ergänzung durch Artemia, Cyclops, weiße und schwarze Mückenlarven sowie Daphnien fördert Kondition und Farbentwicklung. Tubifex und rote Mückenlarven nur sparsam füttern, da Schadstoffbelastung möglich. Mehrere kleine Fütterungen pro Tag sind besser als eine große, da die Art ihr Futter am Boden zusammensucht und Reste die Wasserqualität schnell verschlechtern. Sinkende Pellets oder Tabs erleichtern die bodennahe Aufnahme, lebendes Futter stimuliert das natürliche Suchverhalten. Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Ernährungstyp: Allesfresser (Omnivore)
Alterserwartung
5-7 Jahre

Natürlicher Lebensraum

Mikrogeophagus altispinosus stammt aus den Einzugsgebieten des Río Mamoré und Río Guaporé in Bolivien und Brasilien. Die Art besiedelt flache Uferzonen mit feinem Sand- oder Schlammboden, die von Laubschichten und Totholz bedeckt sind. Dichte Ufervegetation, Wurzelverflechtungen und langsam fließende bis stille Seitenarme kennzeichnen das Habitat. Die Tiere durchstöbern die Laubschicht und den Mulm nach Nahrung. Saisonale Schwankungen durch Regen- und Trockenzeiten beeinflussen Wasserstand, Nahrungsangebot und Fortpflanzungszyklen. Dokumentierte Wildwasser-Temperaturen liegen bei 22-26 °C. Wilde Wasserwerte können lokal stark variieren und weichen von optimalen Aquarienbedingungen ab.

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