Tinca tinca
Beschreibung
Die Schleie (Tinca tinca) ist ein gedrungener, hochrückiger Karpfenfisch mit charakteristisch kleinen, tief eingebetteten Schuppen, die von einer dicken Schleimschicht überzogen sind. Wildformen sind olivgrün-bräunlich mit goldenem Schimmer; die im Handel verbreitete Goldschleie zeigt ein leuchtendes orange-goldenes Muster. In der Natur wird die Art bis zu 70 cm groß (SL), im Aquarium und Teich typisch 20-40 cm.
Die Schleie ist volkstümlich als ‚Doktorfisch‘ bekannt: Der alte Glaube besagt, dass kranke Fische ihre Gesellschaft suchten, um von ihrem Schleim zu profitieren. Wissenschaftlich nicht belegt, aber ein schönes Stück Aquaristikfolklore. Es handelt sich um eine Kaltwasserart, die nicht tropisch gehalten werden darf.
Besonderheiten
- Kaltwasserart – keine tropische Haltung, Winter-Abkühlung nötig
- Dicke Schleimschicht auf tief eingebetteten Schuppen
- Volkstümlich als ‚Doktorfisch‘ bekannt
- Dämmerungs- und nachtaktiv, sehr scheu
- Kältestarre im Winter (vergräbt sich im Schlamm)
- Goldschleie: Zuchtform mit genetisch fixierter Gelbfärbung
- Teichhaltung bevorzugt – artgerechteste Form
- IUCN-Status: Least Concern
Vergesellschaftungshinweise
Friedliche, scheue und eher zurückgezogene Art. Dämmerungs- und nachtaktiv; tagsüber versteckt sie sich zwischen Pflanzen oder unter Wurzeln. Gegenüber Artgenossen und anderen Fischen keinerlei Aggression. Die Art zeigt ausgeprägte Toleranz gegenüber sauerstoffarmen Gewässern. Im Winter vergraben sich Schleien im Schlamm und halten eine Art Kältestarre.
Als Mitbewohner eignen sich andere europäische Kaltwasserfische wie Bitterling, Moderlieschen, Rotfeder oder Karausche. Goldorfen und Kois teilen den Gartenteich problemlos.
Geschlechtsdimorphismus
Die Bauchflossen der Männchen sind vergrößert, löffelförmig und deutlich dicker als bei Weibchen – das verlässlichste Geschlechtsmerkmal.
Haltungstipps / Pflege
Die Schleie braucht kühles Wasser. Im Sommer verträgt sie Temperaturen bis ca. 24 °C, im Winter muss sie abkühlen können. In Deutschland ist Teichhaltung die artgerechteste Form. Im Aquarium ist ein großes, gut belüftetes Kaltwasserbecken von mindestens 600-1.000 Litern für adulte Tiere nötig.
Einrichtung: feiner Sand oder Kies, reichlich Wasserpflanzen, ruhige Ecken mit Wurzeln und Steinen. Schleien buddeln im Bodengrund nach Nahrung.
Wasserwerte: Temperatur 10-24 °C (optimal 10-22 °C), pH 6,5-8,0, GH 10-20 dGH. Die Art verträgt saisonal kühlere Temperaturen und profitiert von einer Winterabsenkung.
Die Schleie ist eine langlebige europäische Kaltwasserart mit einer Lebenserwartung von 8-12 Jahren im Teich (in der Natur bis 20+ Jahre). Für tropische Aquarien ist sie nicht geeignet.
Zucht und Fortpflanzung
Laichzeit: Mai bis September. Die Laichtemperatur liegt bei 19-20 °C. Weibchen laichen in mehreren Schüben alle 1-5 Tage über einen Zeitraum von bis zu 2 Monaten. Die klebrigen, grünlichen Eier (0,8-1,0 mm) werden an Wasserpflanzen oder dem Bodensubstrat abgeheftet. Männchen reifen mit 2-3 Jahren, Weibchen mit 3-7 Jahren. Kein Brutpflege-Verhalten; die Larven schlüpfen bei 20 °C nach etwa 3 Tagen und messen ca. 4-5 mm.
Ernährung/Futterbedarf
Omnivor mit starker Tendenz zu tierischer Nahrung: Im Freiland primär Bodentiere (Schnecken, Muscheln, Würmer, Insektenlarven, Krebstiere) sowie Detritus und Pflanzenmaterial. Erwachsene Tiere erbeuten bevorzugt Mollusken. Im Aquarium akzeptieren sie Sinkpellets, Granulat für Bodenfresser, gefrorene Mückenlarven, Würmer und Schnecken.
Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Natürlicher Lebensraum
Tinca tinca ist die einzige Art der Gattung Tinca. Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst fast ganz Europa, fehlt jedoch in Irland, dem nördlichsten Skandinavien und dem südlichen Griechenland. Nach Osten reicht das Areal bis zum westlichen Jenissei-Becken in Asien. Die Art wurde weltweit in viele Regionen eingeführt.