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Raritäten & Neuimporte im Fokus Vol. 563: Frisch beschriebene Arten und ein Klassiker mit Geschichte

Raritäten & Neuimporte im Fokus Vol. 563: Frisch beschriebene Arten und ein Klassiker mit Geschichte

In der Reihe „Raritäten & Neuimporte im Fokus“ blicken wir auf my-fish.org regelmäßig auf aktuell verfügbare Zierfische, die über den Großhandel ihren Weg in deutsche Aquarien finden – von bewährten Zuchtformen mit langer Tradition bis zu frisch wissenschaftlich beschriebenen Arten, die erst durch gezielte Expeditionen bekannt wurden. Gerade bei selten gehandelten oder taxonomisch jungen Arten lohnt sich ein genauerer Blick, denn hier treffen Aquarianerinnen und Aquarianer häufig auf besondere Pflegeansprüche, über die noch wenig publiziert ist. Diese Ausgabe zeigt eindrücklich, wie eng Aquaristik und Wissenschaft miteinander verwoben sind: Ein Panzerwels, der erst 2025 offiziell beschrieben wurde, steht neben einem Schwertträger-Stamm mit über hundertjähriger Zuchtgeschichte, einem hochspezialisierten Zwergsaugwels und einer bislang unbeschriebenen Zwergcichliden-Form. Wer seinen Bestand um ungewöhnliche Arten erweitern oder einfach mehr über Herkunft, Haltung und Besonderheiten dieser Fische erfahren möchte, findet hier eine sachliche Einordnung.

Raritäten & Neuimporte im Fokus Vol. 563: Frisch beschriebene Arten und ein Klassiker mit Geschichte
Raritäten & Neuimporte im Fokus Vol. 563: Frisch beschriebene Arten und ein Klassiker mit Geschichte

Hoplisoma noxium – Gift-Panzerwels (WF)

Dieser auffällige Panzerwels stammt aus dem Einzugsgebiet des Rio Tapajós, genauer aus Zuflüssen im Umfeld von Jacareacanga im brasilianischen Bundesstaat Pará. Wissenschaftlich beschrieben wurde die Art erst 2025, nachdem sie zuvor jahrelang unter verschiedenen CW-Nummern (u. a. CW004, CW155, CW156, CW167) sowie dem Spitznamen „Corydoras Ancestor“ im Hobby kursierte. Diese Vielzahl an Bezeichnungen verweist bereits auf eine ausgeprägte farbliche Variabilität innerhalb der Art.Kennzeichnend ist eine Merkmalskombination aus dunkler Augenbinde, hellen Punkten im Kopf- und Vorderkörperbereich sowie einem dunklen Fleckenmuster auf den Flanken und in Rücken- sowie Schwanzflosse – eine Kombination, die innerhalb der Panzerwelse einzigartig ist. Zwar zeigen alle Tiere dieses Grundmuster, in der individuellen Ausprägung gleicht dabei aber kaum ein Exemplar exakt dem anderen. Bemerkenswert ist zudem, dass die wissenschaftliche Bearbeitung dieser und weiterer Arten erst durch eine von Hobby-Aquarianern privat finanzierte Expedition möglich wurde – ein Beispiel dafür, wie eng Aquaristik und Artenkenntnis miteinander verbunden sind und wie wichtig diese Grundlage für den Artenschutz ist.In der Haltung zeigt sich die Art mit einer Endgröße von etwa 6 bis 7 Zentimetern unkompliziert: Für die reine Pflege sind pH-Wert und Härte nachrangig, normales Trinkwasser genügt, zur Zucht empfiehlt sich jedoch weiches, saures Wasser. Die Wassertemperatur sollte zwischen 22 und 28 °C liegen, als friedlicher Schwarmfisch sollte die Art in Gruppen gehalten werden, die Ernährung als Allesfresser ist unproblematisch. Eine besondere Haltungs- und vor allem Transportbesonderheit steckt bereits im Artnamen: „Noxium“ ist lateinisch für „schädlich“ beziehungsweise „giftig“ und bezieht sich darauf, dass die Art unter Stress ein außergewöhnlich starkes Toxin abgeben kann – stärker als bei den meisten anderen bekannten Panzerwelsen –, das im Transportbehälter sämtliche Mitfische gefährden kann. Beim Umsetzen und Transport ist daher besondere Vorsicht geboten.


Xiphophorus hellerii „Marigold“ – Marigold-Schwertträger (NZ)

Der Name „Marigold“ leitet sich vom englischen Begriff für die Ringelblume ab, deren kräftiges Orange-Gelb der Körperfarbe dieser Schwertträger-Zuchtform entspricht. Die Farbe selbst hat eine lange Zuchtgeschichte: Sie trat zunächst beim Platy (Xiphophorus maculatus) auf und wurde bereits vor dem Ersten Weltkrieg auf den Schwertträger übertragen. Die eigentliche „Marigold“-Variante ist jedoch jünger und geht auf den Papageienplaty (X. variatus) zurück, der erst um 1931 ins Hobby kam; der Name selbst etablierte sich spätestens mit dem 1969 erschienenen Standardwerk über Lebendgebärende von Kurt Jacobs.Heute wird kaum noch zwischen „echtem“ Gelbem Schwertträger und Marigold-Schwertträger unterschieden – praktisch alle im Handel als „Gelbe“ oder „Gold-Schwertträger“ angebotenen Tiere sind mittlerweile Marigold-Linien. Der Unterschied liegt in der Farbintensität: Während die ursprüngliche gelbe Form ein helles Zitronengelb mit heller bis farbloser Schwanzflosse zeigt, präsentiert sich Marigold in kräftigem Orange-Gelb bis nahezu Rot, besonders intensive Exemplare werden auch als „Sunset“ vermarktet. Zuchtseitig sind diverse Flossenformen (etwa Lyra) sowie zusätzliche schwarze Zeichnungselemente möglich, am verbreitetsten ist die „Komet“-Form mit schwarz eingefasster Schwanzflosse.In der Haltung erreicht die Art 8 bis 10 Zentimeter Körperlänge ohne Schwertfortsatz, ist bei Wassertemperaturen von 20 bis 28 °C unkompliziert zu pflegen und stellt an pH-Wert und Härte keine besonderen Ansprüche, bevorzugt jedoch kein zu weiches oder saures Wasser. Als Allesfresser mit ausgeprägtem Schwarmverhalten bildet die Art eine soziale Rangordnung innerhalb der Gruppe aus, weshalb – wie bei anderen Schwertträger-Formen – ausreichend Schwimmraum und ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis zur Vermeidung von Rivalitäten unter den Männchen empfehlenswert sind.


Pseudotothyris obtusa – Brasilianischer Zwergsaugwels (WF)

Auf den ersten Blick lässt sich dieser kleine Saugwels leicht mit ähnlich gezeichneten Verwandten wie Otothyropsis piribebuy verwechseln. Er gehört zu einer Gruppe äußerlich ähnlicher Gattungen (u. a. Hisonotus, Otothyris, Otothyropsis, Pseudotocinclus, Pseudotothyris und Schizolecis), die auch vergleichbare Haltungsansprüche teilen. Die Art kommt im Küstenbereich des brasilianischen Bundesstaates São Paulo bis ins angrenzende nördliche Paraná vor, wo sie sowohl Schwarzwasserbäche als auch klare Fließgewässer über feinem, weißem Sandboden besiedelt. Submerse Wasserpflanzen fehlen in ihrem natürlichen Habitat meist – stattdessen hält sich die Art bevorzugt in ins Wasser hängender Ufervegetation auf.Mit einer Maximallänge von etwa 3,5 Zentimetern ist dieser Zwergsaugwels ein ausgesprochenes Spezialistenfisch, der nie in größeren Stückzahlen im Handel verfügbar ist und entsprechend erfahrenen Pflegern vorbehalten bleiben sollte. Entscheidend für den Erfolg ist eine möglichst keimarme Aquarienumgebung. Frisch eingesetzte Tiere sind anfangs nicht unproblematisch zu ernähren, da sie sich von natürlichem Mikroalgenbewuchs und Kleinstlebewesen ernähren statt von üblichem Zusatzfutter. Bewährt hat sich, Steine und Wurzeln vor dem Einsetzen einige Tage in einem wassergefüllten Behälter der Sonne auszusetzen, damit sich ein entsprechender Bewuchs als Futtergrundlage bilden kann. Ist diese Eingewöhnungsphase überstanden, gilt die Pflege als deutlich unkomplizierter. Zu beachten ist außerdem, dass im südöstlichen Brasilien jahreszeitlich bedingt kühlere Wasserphasen auftreten, die für eine dauerhaft erfolgreiche Haltung nachgebildet werden sollten.


Apistogramma sp. „Wilhelmi“ – Wilhelms Zwergbuntbarsch (WF)

Diese attraktive Zwergcichliden-Form wurde 1999 von Mario Wilhelm im Rahmen einer Expedition erstmals vom Rio Abacaxis, einem für seine Diskusfisch-Vorkommen bekannten Zufluss des Rio Madeira in Brasilien, mitgebracht. Entsprechend ist neben „A. sp. Wilhelmi“ auch die Bezeichnung „A. sp. Abacaxis“ gebräuchlich. Eine wissenschaftliche Beschreibung der Art steht bislang aus, weshalb sie formal noch keinen gültigen wissenschaftlichen Artnamen trägt.Taxonomisch wird die Form dem weiteren Verwandtschaftskreis von Apistogramma agassizii zugeordnet, zu dem auch zahlreiche Varianten von A. gephyra und A. pulchra zählen. Von diesen unterscheidet sie sich unter anderem durch ein deutlich breiteres Längsband sowie einen markanten geschlechtsspezifischen Farbunterschied: Männchen zeigen einen charakteristischen violetten Kinnfleck.In der Haltung gilt diese Form als anfangs eher scheu und benötigt etwas Zeit, um sich einzugewöhnen und ihre volle Farbenpracht zu entfalten – wer diese Geduld aufbringt, wird jedoch reichlich belohnt. Es gelten die üblichen Pflegegrundsätze für Apistogramma-Arten: keimarmes Wasser, der Einsatz sekundärer Pflanzenstoffe wie Laub, Torf oder Erlenzapfen, ein sandiger Bodengrund sowie eine abwechslungsreiche Ernährung. Unter diesen Bedingungen ist mit der Pflege in der Regel kein nennenswertes Problem verbunden.

Quelle: Frank Schäfer – Aquarium Glaser GmbH

Matthais AI

Matthias Wiesensee

Aquarianer, Wirtschaftsinformatiker, Online Marketing Manager. Liebt Fotografie, Badminton & Inlineskating. Nutzt die Freizeit für die Aquaristik, den Gartenteich und den Hund.
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