Ein Lauerjäger aus Südamerika, ein Xingu-Wels im Goldkleid, zwei farbenfrohe Zuchtformen und zwei Medaka-Varianten zeigen, wie unterschiedlich die Ansprüche an Platz, Futter und Mitbewohner ausfallen.
Neuimporte, Wildfänge und besondere Zuchtformen machen den Zierfischhandel abwechslungsreich, bringen aber auch Fragen mit sich: Wie groß wird der Fisch wirklich, welches Futter nimmt er an, und welche Mitbewohner sind geeignet? Die Reihe „Raritäten & Neuimporte im Fokus“ auf my-fish.org beantwortet diese Fragen sachlich und praxisnah. In jeder Ausgabe stellen wir Arten vor, die aktuell über den Zierfischgroßhandel erhältlich sind, und ordnen Herkunft, Haltungsansprüche und mögliche Stolpersteine ein. Gerade bei großwüchsigen Arten oder spezialisierten Wildfängen lohnt sich vor dem Kauf ein genauer Blick auf Endgröße, Wasserqualität und Sozialverhalten, bei Zuchtformen auf Pflege und Vergesellschaftung. Diese Ausgabe spannt den Bogen von anspruchsvollen Raubfischen und Strömungsliebhabern über beliebte Farbschläge der Gesellschaftsaquaristik bis zu zwei Varianten eines japanischen Klassikers. So finden Aquarianerinnen und Aquarianer verlässliche Orientierung, bevor ein Neuzugang einzieht.

Ctenolucius hujeta – Hujeta-Hechtsalmler (NZ)
Der Hujeta-Hechtsalmler gehört zur Familie der Ctenoluciidae und stammt aus dem Lago-de-Maracaibo-Gebiet im Nordwesten Venezuelas sowie aus den kolumbianischen Flusssystemen Río Magdalena und Río Sinú. Charakteristisch sind der lang gestreckte, hechtähnliche Körper und das bezahnte Maul: Die ersten vier bis fünf Zähne im Oberkiefer sind deutlich vergrößert. Es handelt sich um einen reinen Raubfisch, der sich im Aquarium aber auch an totes Futter gewöhnen lässt.Die zentrale Haltungshürde ist die Größe. Die Art erreicht etwa 25 Zentimeter Standardlänge und benötigt ein entsprechend geräumiges Aquarium; empfohlen werden mindestens 180 × 60 Zentimeter Grundfläche. Der Hechtsalmler gilt als anpassungsfähig, reagiert aber wie die meisten Raubfische empfindlich auf organische Belastung und starke Schwankungen der Wasserwerte. Er gehört daher nicht in ein frisch eingerichtetes Aquarium, sondern in ein gut eingefahrenes System mit starker Filterung, die keine turbulente Strömung erzeugt, und regelmäßigen Teilwasserwechseln. Die Wassertemperatur sollte bei 22 bis 28 °C liegen, der pH-Wert im sauren bis neutralen Bereich (etwa 5,0 bis 7,5). Wie alle Vertreter der Familie springt die Art ausgezeichnet, eine fest schließende Abdeckung ist deshalb unverzichtbar.Gefüttert werden Garnelen, Fischfleisch, Muscheln, Regenwürmer oder Insekten; von Futterfischen wird wegen des Parasitenrisikos abgeraten. Da die Tiere sich leicht überfressen, sollte die Futtermenge begrenzt bleiben. Gegenüber Artgenossen gilt die Art als nicht aggressiv, Jungtiere schwärmen stark, erwachsene Tiere sind eher Einzelgänger; eine Gruppenhaltung (ab etwa vier Tieren) ist nur in einem entsprechend großen Aquarium sinnvoll. Mit allem, was zu groß zum Verschlucken ist, kommt der Hechtsalmler überraschend gut aus; geeignete Mitbewohner sind robuste, ausreichend große Arten wie Erdfresser, mittelgroße Welse oder größere Salmler. Kleine Fische sind dagegen Beute.

Scobinancistrus aureatus – L 014 Sonnenwels (WF)
Der Sonnenwels stammt aus dem Rio Xingu in Brasilien und ist unter der Handelsnummer L 014 bekannt. Namensgebend ist die goldene Färbung der Flossen (lateinisch aureatus = golden): Jungtiere zeigen ein Punktmuster und goldene bis orangefarbene Flossen, bei erwachsenen Tieren verblasst die auffällige Färbung, die Tiere bleiben aber attraktiv. Die Art ist ein anspruchsvoller Wildfang für erfahrene Pfleger. Die IUCN führt sie als gefährdet (Vulnerable); Nachzuchten im Aquarium gelingen bislang nur sehr selten.Der Wels erreicht etwa 25 Zentimeter Standardlänge, das entspricht rund 30 Zentimetern Gesamtlänge; einzelne Quellen nennen noch größere Werte. Er benötigt ein großes, gut eingefahrenes Aquarium von etwa 150 Zentimetern Kantenlänge mit hohem Sauerstoffgehalt, kräftiger Wasserbewegung und ruhigen Rückzugsbereichen. Empfohlen werden Temperaturen von 25 bis 30 °C und weiches, leicht saures bis neutrales Wasser (pH etwa 5,8 bis 7,2). Als Verstecke eignen sich Wurzeln, Steinhöhlen und Rohre. Wichtig ist eine konsequente Wasserpflege mit häufigen Teilwasserwechseln, damit die Nitratwerte niedrig bleiben.Beim Futter zeigt sich der Sonnenwels gefräßig: Sinkende Welstabletten und Fleischfresser-Pellets bilden die Basis, ergänzt durch Frostfutter wie Garnelen oder Muscheln und blanchiertes Gemüse. Die Art gilt als friedlich, kann bei knappem Platz aber territorial gegenüber Artgenossen auftreten. Als Mitbewohner kommen mittelgroße, friedliche Arten infrage, die ebenfalls kräftige Strömung, weiches Wasser und die hohen Temperaturen mögen. Sehr kleine Salmler und Zierfisch-Garnelen können als Futter enden.

Poecilia reticulata „Tuxedo-Pink“ – Guppy-Mann-Tuxedo-Pink (NZ-LKA)
Der Guppy zählt zu den bekanntesten Zierfischen überhaupt, und gerade bei den Zuchtformen ist die Vielfalt groß. „Tuxedo-Pink“ bezeichnet eine Farbform, bei der die Männchen eine rosafarbene Färbung mit einer dunklen, smokingartigen Zeichnung kombinieren. Angeboten werden hier Männchen.Mit meist 3 bis 4, maximal etwa 5 Zentimetern bleiben Männchen klein; Weibchen werden deutlich größer und erreichen bis etwa 6 Zentimeter. Guppys sind friedliche, tagaktive Gruppenfische, die sich schon für kleinere Aquarien eignen; empfehlenswert sind Gruppen ab fünf Tieren und mindestens 60 Zentimeter Kantenlänge. Die Wassertemperatur kann zwischen 22 und 28 °C liegen; Guppys bevorzugen neutrales bis leicht alkalisches, mittelhartes bis hartes Wasser (pH etwa 7 bis 8). Als Allesfresser nehmen sie Trocken-, Frost- und Lebendfutter an, kleine Portionen mehrmals täglich sind günstig.In der Vergesellschaftung eignen sich friedliche Mitbewohner wie Panzerwelse, kleine Salmler, Bärblinge und Zwergwelse. Flossenzupfende Arten und große Raubfische sollten vermieden werden. Da es sich um lebendgebärende Fische handelt, ist bei gemischten Gruppen mit regelmäßigem Nachwuchs zu rechnen; dabei sollten auf ein Männchen zwei bis drei Weibchen kommen, damit diese nicht dauernd bedrängt werden. Wer nur Männchen pflegt, vermeidet den Nachwuchs, sollte aber auf das Verhalten der Männchen untereinander achten und genügend Platz einplanen.

Trichogaster chuna „Flamme“ – Honiggurami-Flamme (NZ)
Der Honiggurami stammt aus dem Ganges- und Brahmaputra-Raum in Indien und Bangladesch, mit weiteren Nachweisen aus Nepal, wo er in pflanzenreichen, ruhigen Gewässern lebt. Bei der Wildform sind die Männchen honiggelb bis orange mit gelben Flossenrändern und zur Laichzeit blauschwarz an Kehle und Bauch, die Weibchen bräunlich mit einem dunklen Längsband. Die Zuchtform „Flamme“ trägt dagegen eine kräftig rote bis orangefarbene Färbung. Bei roten Handelsformen ist die Artreinheit nicht immer gesichert; teils handelt es sich um Hybride mit dem Zwergfadenfisch (Trichogaster lalius). Im Handel finden sich fast ausschließlich Nachzuchten.Die Art bleibt mit rund 5 Zentimetern klein und gilt als friedlich, aber scheu und langsam. Sie sollte in kleinen Gruppen von vier bis sechs Tieren gepflegt werden, mit mehr Weibchen als Männchen, da Männchen in Laichstimmung Weibchen bedrängen können. Ein Aquarium von mindestens 60 Zentimetern Kantenlänge, dichter Bepflanzung und Schwimmpflanzen bietet die nötigen Rückzugsmöglichkeiten. Die Wassertemperatur sollte bei 22 bis 28 °C liegen, der pH-Wert zwischen 6,0 und 7,5. Als Labyrinthfisch braucht der Honiggurami freien Zugang zur Wasseroberfläche; die Raumluft sollte nicht deutlich kälter sein als das Wasser, und eine sanfte Filterung ist günstig.Beim Futter genügen hochwertige Flocken oder Granulat, ergänzt durch kleines Frostfutter. Mit anderen friedlichen Arten wie Panzerwelsen, kleinen Bärblingen oder Lebendgebärenden lässt sich die Art gut vergesellschaften. Große, aggressive oder flossenzupfende Mitbewohner sind ungeeignet. Die Männchen bauen zur Fortpflanzung ein Schaumnest unter Schwimmpflanzen und bewachen es.

Oryzias latipes var. „Miyuki-Black“ – Medaka-Miyuki-Black (NZ)
Der Japanische Reisfisch, in Japan Medaka genannt, ist ein Klassiker mit langer Geschichte: Er gelangte schon vor etwa 1900 nach Deutschland und dient in Japan bis heute als Forschungsobjekt der Genetik. Japanische Züchter haben in kurzer Zeit zahlreiche Zuchtformen hervorgebracht, die teils für die Ansicht von oben, teils für die Seiten- und Draufsicht gezüchtet sind. „Miyuki“ bezeichnet einen metallisch-bläulichen Glanz entlang des Rückens; „Miyuki-Black“ zeigt eine schwarze Körperfärbung mit metallischem, rauchigem Schimmer, der besonders bei guter Beleuchtung zur Geltung kommt.Mit etwa 3,5 bis 4 Zentimetern bleibt der Medaka klein. Die Art ist bemerkenswert anpassungsfähig und verträgt ein breites Spektrum an Wasserwerten und Temperaturen; je nach Quelle liegt der dauerhaft empfohlene Bereich bei etwa 10 bis 28 °C, in milden Klimazonen ist auch die Haltung im Gartenteich möglich. Medaka sind lebhafte Schwarmfische der mittleren bis oberen Wasserschichten und sollten in Gruppen ab sechs Tieren gehalten werden; ein Aquarium ab etwa 20 Litern genügt. Da sie gern springen, ist eine Abdeckung oder eine dichte Schwimmpflanzendecke ratsam.Gefüttert werden sehr feines Futter wie Mikropellets, fein zerriebene Flocken, frisch geschlüpfte Artemia oder Daphnien in kleinen Portionen. Als Mitbewohner kommen friedliche Nano-Fische und Wirbellose infrage; große oder flossenzupfende Arten sind ungeeignet. Die Fortpflanzung gelingt bei guter Fütterung und etwas Wärme leicht: Die Weibchen heften Eipakete an Pflanzen oder Laichmopps. Die Lebenserwartung liegt bei etwa zwei bis drei Jahren.

Oryzias latipes var. „Komachi“ – Medaka-Komachi (NZ)
„Komachi“ ist eine weitere Zuchtform des Japanischen Reisfischs und fällt durch ihre zweifarbige Körperzeichnung in Milchweiß und leuchtendem Orange mit opalisierendem Schimmer auf. Wie bei allen Medaka-Zuchtformen kommt die Wirkung besonders gut zur Geltung, wenn die Tiere in einer Gruppe und bei guter Beleuchtung gepflegt werden.In Größe, Verhalten und Pflege entspricht die Komachi-Form den übrigen Medaka: rund 3,5 bis 4 Zentimeter Endgröße, friedlich, lebhaft und ausgesprochen anpassungsfähig. Gruppen ab sechs Tieren zeigen das schönste Verhalten, ein Aquarium von etwa 60 Zentimetern bietet einer größeren Gruppe von 15 bis 20 Tieren ausreichend Raum. Die Art ist sprungfreudig und verlangt eine gut schließende Abdeckung oder eine dichte Schwimmpflanzendecke.Beim Futter bewähren sich kleine, hochwertige Portionen zwei- bis dreimal täglich; die Futterpartikel sollten für das kleine Maul fein genug sein. Als Gesellschaft eignen sich andere friedliche Nano-Fische sowie größere, ruhige Wirbellose. Wer Zuchtformen wie Komachi und Miyuki-Black gemeinsam pflegt, sollte beachten, dass sich beide untereinander verpaaren können und dann gemischte Nachkommen entstehen.

Quelle: Ingo Seidel – aqua-global Zierfischgroßhandel GmbH

























