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Faszination Aquaristik: Zierfische im Fressnapf XXL Osnabrück – Raritäten und Wissen aus Yucatán

Faszination Aquaristik: Zierfische im Fressnapf XXL Osnabrück – Raritäten und Wissen aus Yucatán
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Faszination Aquaristik: Fressnapf XXL in Osnabrück

Wer an einen Zoofachmarkt denkt, hat nicht unbedingt ein Aquaristik-Erlebnis im Kopf. In Osnabrück ist das anders: Schon der Weg zur Zierfischabteilung führt an Aquarien vorbei, die mehr sein wollen als Verkaufsbehälter. Der folgende Beitrag nimmt die Leser mit hinter die Kulissen dieser Anlage – von der Technik über das Sortiment bis zu der Frage, woher das Team sein Wissen über die Tiere bezieht.

Einmal zur Zierfischanlage durchgedrungen, ist die Auswahl groß. Foto: Daniel Konn-Vetterlein
Einmal zur Zierfischanlage durchgedrungen, ist die Auswahl groß. Foto: Daniel Konn-Vetterlein

Fressnapf XXL in Osnabrück – Hier gibt es Informationen aus den Tropen

Was auf dem Weg in die Aquaristikabteilung dieses Marktes unweigerlich auffällt, sind die zahlreichen Schauaquarien, die alle individuell eingerichtet sind: Ein Bachbiotop aus Borneo, das auf den ersten Blick wenig zu bieten hat, begeisterte mich am meisten. Die Fische verhielten sich vollkommen natürlich und neben balzenden Fünfgürtelbarben tauchten überall Flossensauger auf, die über die veralgten Steine schwebten und auf Nahrungssuche gingen. Gerade weil das Becken mit nur wenigen Fischen besetzt war, wirkte es so authentisch, natürlich und fesselnd. Kay, der Leiter der Lebendtierabteilung, mit dem ich verabredet war, steckte zum Glück noch voll in der Beratung eines Kunden, sodass ich mir die Zeit nehmen konnte. Etwa zehn Schaubecken stehen locker verteilt in der Abteilung und bieten eine tolle Atmosphäre für die regelmäßig stattfindenden Vorträge und Workshops, die der Markt anbietet.

Raritätenblock

Eine Anlage dieser Größe ist nur mit einigen technischen Hilfen aufrechtzuerhalten. So wird dreimal am Tag ein kleiner automatischer Wasserwechsel durchgeführt, wodurch die Parameter gleichbleiben und auch die Becken wieder aufgefüllt werden, aus denen zuvor Fische verkauft wurden. Dennoch müssen die Mitarbeiter bis zu dreimal am Tag von Hand füttern: Flocken-, Frost- und Lebendfutter wird je nach Art angeboten. Kurz vor meinem Besuch im Dezember letzten Jahres gab es Fachvorträge zu L-Welsen, und das spiegelte sich noch im Angebot wider, denn es gab auch einige nicht handelsübliche Arten, die passend zum Programm angeboten wurden. Die gibt es aber sowieso fast immer, denn extra für ausgefallene Arten wurde ein Raritätenblock aufgebaut, aus dem besonders von Herbst bis Frühjahr einige selten zu erhaltene Fische zu erwerben sind. Was man hingegen vergeblich sucht, sind Haibarben (Balantiocheilos melanopterus), und Wabenschilderwelse (Pterygoplichthys gibbiceps), solch groß werdende Fische werden nur auf Bestellung organisiert und auch nur wenn der Interessent glaubhaft versichern kann, dass er dauerhaft die Möglichkeit zur angemessenen Pflege hat. Umsonst ist jeder Versuch Löwenköpfchen oder Schleierschwänze zu bekommen, diese Zuchtformen des Goldfisches werden nicht verkauft – sie gelten nicht umsonst als Qualzuchten.

Kay ist seit gut 20 Jahren in der Lebendtierabteilung des Fressnapfs XXL in Osnabrück tätig und hat auch den Umzug an den neuen Standort vor etwa drei Jahren mitgemacht. Nach seiner Ausbildung zum Fischwirt hat er die neue eingeschlagen, da ihn die Aquaristik zunehmend faszinierte und von dieser Entscheidung profitieren die Kunden des Fressnapfs noch heute. Zu allen Fischen versuchen Kay und sein Team die richtigen Informationen liefern zu können. Dafür zählen sie auf die klassischen Bildungswege wie Bücher und Fachmagazine, aber das Team geht wortwörtlich noch einen Schritt weiter und baut auf persönliche Erfahrungen. Seit 2016 sind Mitglieder der Aquaristikabteilung regelmäßig selbst in den Tropen. Vor zwei Jahren führte sie eine besonders eindrucksvolle Reise nach Mexiko, von der Kay einiges erzählen kann.

Wissen aus erster Hand

Die mexikanische Halbinsel Yucatán ist mehr als ein touristisches Paradies, und zwar die Heimat vieler bekannter Aquarienfische. Im Rahmen einer 15-tägigen Expedition durch Cenoten, Flüsse, Lagunen und Mangroven untersuchte unser vierköpfiges Team aquatische Lebensräume mit besonderem Augenmerk auf Fischen, ihren Lebensbedingungen und lokale ökologische Zusammenhänge. Im Zentrum standen die Cenoten – urzeitliche Kalksteinlöcher, gespeist von Süßwasseradern und stellenweise durchzogen von salzhaltigem Meerwasser. Diese isolierten Biotope offenbaren eine enorme Fischvielfalt, darunter zahlreiche Lebendgebärende (z. B. Poecilia velifera, Gambusia yucatana), Cichliden wie Mayaheros urophthalmus und Rocio octofasciata und seltene Arten wie Belonesox belizanus. Neben klassischen Artenbestimmungen lag ein Schwerpunkt auf der Erhebung aquaristisch relevanter Wasserparameter: pH-Werte zwischen 8,3 und 9,4 sowie eine Gesamthärte von bis zu 55 °dH zeigten, dass viele Arten unter Bedingungen gedeihen, die von aquaristischen Lehrmeinungen abweichen. 

Besonders auffällig: Die hohe UV-Belastung in offenen Cenoten – mit gemessenen Werten von bis zu 350 μW/cm² – beeinflusst nicht nur das Verhalten, sondern möglicherweise auch die Pigmentierung und das Sozialverhalten der Fische. Wasserpflanzen wie Nymphaea lotus, Eleocharis sp., Bacopa monnieri und Schwimmpflanzen wie Salvinia sp. und Wasserhyazinthen wurden flächendeckend dokumentiert. Die Pflanzenvielfalt unterstützt das Nahrungsspektrum und das Laichverhalten vieler Fischarten – insbesondere der lebendgebärenden Zahnkarpfen.

Ein wiederkehrendes Thema war die gesundheitliche Konstitution der Fische. In nährstoffarmen Cenoten zeigten Welse und Buntbarsche teils schwere Mangelerscheinungen – bis hin zu Symptomen der aus der Aquaristik bekannten „Lochkrankheit“. Dies unterstreicht die Bedeutung eines ausgeglichenen Nahrungsangebots in naturnahen Aquarien.

Die Expedition offenbarte auch ökologische Herausforderungen: Invasive Arten wie Oreochromis niloticus (Niltilapie) wurden in mehreren Cenoten gefunden. Diese robusten Allesfresser gefährden lokale Genpools und verdrängen endemische Arten – ein Umstand, der nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus aquaristischer Sicht bedenklich ist.

Trotz logistischer Hürden – unzugängliche Gewässer, Tourismusdruck, technische Ausfälle – konnten über 40 Fischarten bestimmt, zahlreiche aquatische Pflanzen kartiert und etliche Wasserproben analysiert werden. Messwerte belegten deutlich: Viele Aquarienfische zeigen eine weit größere Anpassungsfähigkeit als bislang angenommen – etwa in Bezug auf hohe pH-Werte, starke Strömungen oder wechselnde Temperaturen. Auch das Sozialverhalten überraschte: Segelkärpflinge zeigten differenzierte Balzrituale und Gruppenverhalten in verschiedenen Habitattypen, M. urophthalmus und Thorichthys meeki beeindruckten mit Brutpflege unter erschwerten Bedingungen. 

Die Reise dokumentiert nicht nur die aquaristische Vielfalt Yucatáns, sondern bietet auch neue Impulse für die verantwortungsvolle Haltung und Pflege dieser Tiere im Aquarium. Sie beweist: Wer ihre natürlichen Lebensräume versteht, kann ihren Bedürfnissen besser gerecht werden. Diese neuen Erkenntnisse fließen direkt in die Beratung im Fressnapf XXL Osnabrück ein.

Die Zierfischabteilung des Fressnapf XXL in Osnabrück setzt auf etwa zehn individuell eingerichtete Schauaquarien, automatische Wasserwechsel und einen eigenen Raritätenblock für selten erhältliche Arten. Bestimmte Fische gibt es dort bewusst nicht: Zuchtformen des Goldfisches, die als Qualzuchten gelten, werden nicht verkauft, und stark wachsende Arten wie Haibarben oder Wabenschilderwelse nur auf Bestellung bei nachgewiesener Pflegemöglichkeit. Das Team sammelt sein Wissen auch vor Ort: Auf einer 15-tägigen Expedition nach Yucatán bestimmte es über 40 Fischarten, maß Wasserwerte in Cenoten und stieß dabei auf pH-Werte bis 9,4 und eine Gesamthärte bis 55 °dH. Die Erkenntnisse fließen direkt in die Kundenberatung ein.

Ein Zoofachmarkt kann mehr sein als eine Verkaufsstelle: In Osnabrück verbinden aufwendig gestaltete Schauaquarien, ein verantwortungsbewusstes Sortiment und Feldforschung vor Ort Handel und Aquaristik auf ungewöhnliche Weise. Die Expedition nach Yucatán zeigt, dass viele Aquarienfische deutlich anpassungsfähiger sind, als es die gängige Lehrmeinung annimmt. Wer die natürlichen Lebensräume seiner Pfleglinge kennt, kann sie im Aquarium besser versorgen.

Über das Magazin: Aquaristik

Aquaristik – Das Magazin für erfolgreiche Süßwasser-Aquarianer
Das Aquaristik Magazin ist das führende Fachmagazin für Liebhaber der Aquaristik. Es begleitet Hobbyisten von den ersten Schritten bis hin zu professionell gestalteten Aquarien. Mit liebevoll gestalteten und gut bebilderten Beiträgen, praxisnahen Tipps und fundiertem Fachwissen ist es sowohl für Einsteiger als auch für Profis geeignet.

Was bietet das Magazin?

  • Ausgezeichnete, didaktische Berichte und brillante Fotos von namhaften Autoren
  • Erstaunliche Fachartikel zu Zierfischen, Reptilien, Pflanzen, Meerwasser, Terraristik, Teichkultur und mehr
  • Praxisnahe Anleitungen, Tipps, Tricks sowie Kleinanzeigen und Neuvorstellungen
  • Jedes Heft widmet sich einem speziellen Titelthema, das in mehreren Beiträgen vertieft wird
  • Erscheinungsweise: 6-mal jährlich

Zielgruppe:
Alle, die sich für Süß- und Meerwasseraquaristik, Terraristik, Teichkultur oder Vivaristik begeistern – von Einsteigern bis zu Profis.

Weitere Infos:
Mehr zur Zeitschrift und abonnieren finden Sie hier: Aquaristik-Magazin Übersicht

Aquaristik 2026/4
Aquaristik 2026/4

Über den Dähne Verlag

Der Dähne Verlag wurde im Jahr 1970 von Karl-Heinz Dähne gegründet und wird heute in zweiter Generation von Marc Dähne geführt. Das Familienunternehmen gliedert sich in zwei Bereiche: Als Branchenfachverlag versorgt es die Baumarkt- und Gartencenter-Branche sowie den Zoofachhandel mit Fachinformationen. Für das Hobby Aquaristik veröffentlicht der Verlag erfolgreiche Hobby-Magazine, Fachzeitschriften und ein umfangreiches Buchprogramm.

Verlagsangebot im Überblick:

  • Rund ein Dutzend Fach- und Publikumszeitschriften
  • Internet-Portale und Online-News-Dienste
  • Umfassende Statistiken, Studien und Handelsdaten
  • Eine große Auswahl an Büchern (über 90 Titel) zu Aquaristik, Garten, Teich- und Terraristik
  • Weitere Publikationen wie Einkaufsführer, Adressverzeichnisse und mehr

Der Verlag ist führend in der Veröffentlichung hochwertiger Fach- und Hobbyliteratur und unterstützt den Austausch und die Weiterbildung in der Aquaristik-Community.

Mehr erfahren: Webseite des Dähne Verlags

Messung der Wasserparameter am Río Hondo an der Grenze zu Belize. Foto: Daniel Konn-Vetterlein

Kay Albach

Kay Albach leitet die Lebendtierabteilung des Fressnapf XXL in Osnabrück, in der er seit gut 20 Jahren tätig ist und in der er auch den Umzug an den heutigen Standort mitgemacht hat. Nach einer Ausbildung zum Fischwirt wechselte er in die Aquaristik, die ihn zunehmend faszinierte. Seit 2016 reist er regelmäßig in die Tropen, um Fische in ihren natürlichen Lebensräumen zu beobachten. Diese Erkenntnisse fließen in seine Kundenberatung mit ein.

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