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Wer anspruchsvolle Zierfische pflegt oder erfolgreich Nachwuchs aufziehen möchte, stößt mit Fertigfutter rasch an Grenzen. Industriell hergestellte Flocken und Granulate sind im Alltag bequem, wecken bei heiklen Wildfängen oder Lauerjägern jedoch selten die natürlichen Jagdinstinkte.
Gleichzeitig erweist sich das Lebendfutterangebot im stationären Zoofachhandel häufig als unzuverlässig, lückenhaft oder von fragwürdiger Frische. Eine kontinuierliche Versorgung lässt sich dauerhaft nur durch die eigene Zucht kleiner Futtertiere sicherstellen.
Die Kultivierung verschiedener Wurmarten bietet hierfür den verlässlichsten und kostengünstigsten Weg. Doch welche Wurmart passt zu welchem Entwicklungsstadium der Aquarienbewohner, welche Substrate eignen sich am besten und worauf kommt es bei der Entnahme an? Der folgende Fachbeitrag stellt die bewährtesten Futterwürmer im Detail vor.

Von klein bis groß – Wurmartiges Futter für alle Zierfischgrößen
Lebendfutter ist für viele Aquarienfische von besonderer Bedeutung. Es verbessert sowohl die Kondition als auch die Laichbereitschaft und wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. Allerdings ist das Angebot im Zoofachhandel meist gering bis nicht vorhanden. Trocken- und Frostfutter ist einfacher im Umgang, und dafür muss man sogar Verständnis haben. So sind die Aquarianer, die trotzdem Lebendfutter nutzen möchten, meist darauf angewiesen, dieses selbst zu züchten. Denn einige Arten fressen ausschließlich Lebendfutter, und Wildfänge lassen sich besser damit eingewöhnen. Auch für die Aufzucht vieler Jungfische sind zumindest gelegentliche Lebendfuttergaben sinnvoll. Neben den sehr oft eingesetzten Artemia-Nauplien gibt es noch kleine Würmer, die sich gut als Nahrung für die ersten Wochen eignen. Im Folgenden sollen einige Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie man seine Fische – je nach Größe – mit Lebendfutter ernähren kann.
Mini-Mikro (Panagrellus silusioides)
Diese auch als „Walterwürmer“ bekannten Futtertiere werden meisthin als „Mini-Mikro“ gehandelt. Egal wie wir sie nennen, sie können auf ganz einfache Weise nachgezüchtet werden. Ein kleiner Behälter (etwa ein kleines Gefäß, wie man es in einer Metzgerei bekommt), reicht schon aus. Gut geeignet sind auch Salatbehälter aus dem Handel, die nur gut gespült werden müssen. In den Deckel kommen einige kleine Löcher zum Gasaustausch. Sie dürfen nur nicht so groß sein, dass es Fruchtfliegen hineinschaffen und fertig ist der Zuchtbehälter.
Als Substrat werden zarte Haferflocken oder Reismehl verwendet, mit Wasser zu einem halbflüssigen Brei verrührt und 5-10 mm hoch eingefüllt. Wenn die Würmchen an den Seiten hochsteigen, können sie z.B. mit einem Wattestäbchen entnommen werden. Mini-Mikro erreichen etwa 15 mm, diese und die etwas größeren Bananenwürmer (20 mm) haben den Vorteil, dass sie in Wasser relativ lange überleben können, was auch zögerlichen Jungfischen die Möglichkeit gibt satt zu werden.

Mikro (Panagrellus redivivus)
Das vielleicht am häufigsten verwendete kleine Wurmfutter sind die Mikrowürmchen. Ihre Zucht erfolgt genauso wie bei den Mini-Mikro. Sie werden bis zu 3,5 mm lang und eignen sich besonders für Jungfische. Mikrowürmchen haben einen Proteingehalt von etwa 10 % und einen Fettgehalt von ca. 5 %. Damit haben sie ein fast ideales Brennwert-/Proteinverhältnis von 1:2. Das ist für die Aufzucht von vielen Fischarten genau das Richtige, vor allem für Allesfresser.



Grindal (Enchytraeus buchholzi)
Die nächste Größenklasse mit bis zu 3,5 mm Länge sind die Grindalwürmer. Sie können nach bereits beschriebenem Schema gezüchtet werden. Das Brennwert-/Proteinverhältnis ist mit 1:1,5 etwas weniger ideal, sie sollten deswegen nicht als Allein-, sondern als Zusatzfutter gereicht werden. Substrat für Grindal kann etwa Schaumstoff oder Seramis sein. Als Futter kommen angefeuchtete Babyflocken oder verkleinerte zarte Haferflocken infrage. Zur Entnahme wird eine kleine Glasplatte auf den Futterbereich gelegt, unter der sich die Würmer sammeln und dann praktisch entnommen werden können. Als Behälter können etwa Eisschalen verwendet werden, der Deckel wird auch hier fein gelocht. Größere Öffnungen können mit feiner Gaze verschlossen werden.

Enchyträen (Enchytraeus albidus)
Noch größer sind Enchyträen, die bis zu 3 cm Länge erreichen können. Sie brauchen deutlich größere Behälter (bspw. Styroporboxen). Als Substrat dient häufig normale Gartenerde. Der Zweitname dieser Würmer – „Kompostwürmer“ – deutet schon auf die Ernährung hin, nämlich alles, was auf den Kompost kann. Ihr Nährstoffgehalt entspricht dem der bereits vorgestellten Grindal. Die Entnahme erfolgt wie bei den Grindalwürmern durch Auflegen einer Glasscheibe auf den Futterbereich.
Tubifex
Diese auch als Schlammröhrenwürmer (Tubifex heißt die Gattung, es gibt mehrere, schwierig zu unterscheidende Arten) bezeichneten Würmer kommen in verschmutzten Gewässern vor. Auf dem Foto sind zwei unterschiedliche Formen (geringelt, ungeringelt) zu erkennen, die zwei Arten darstellen könnten, aber gemeinsam gehandelt werden. Sie können je nach Art zwischen 15 und 85 mm groß werden. Die Würmer sitzen stationär im Bodengrund, der größte Teil des Körpers schaut aber aus dem Wasser heraus. Durch schlängelnde Bewegungen strudeln sie sich Futter heran. Frisch gefangene Tubifex können noch etliche Schadstoffe enthalten und sollten erst zwei bis drei Tage in gut durchlüftetem Wasser zwischengehältert werden, bis der Darm entleert und potenzielle Schadstoffe abgegeben sind.

Glanzwürmer (Lumbriculus)
In der nächsten Größenstufe sind die Glanzwürmer einzuordnen. Schon der Gattungsname Lumbriculus, was so viel wie kleine Lumbricus bedeutet, deutet auf die Verwandtschaft hin. Die angebotenen Glanzwürmer gehören zur Art L. variegatus und können eine Länge von bis zu 10 cm erreichen, haben jedoch einen deutlich schlankeren Körper als Regenwürmer. Der Proteingehalt ist höher, der Fettgehalt deutlich niedriger als bei Enchyträen, deswegen ist eine mehrfache Fütterung pro Woche ohne Verfettungsbefürchtungen möglich. Sie sind teilweise auch als Frostfutter zu bekommen. Die Vermehrung gelingt in Eimern und Styroporboxen, die mit Blumenerde gefüllt werden können, sie erfordert jedoch bereits mehr Platz.

Regenwürmer (Lumbricus)
Zwar kann man Regen- und die ähnlichen Rotwürmer auch im spezialisierten Handel kaufen, einfacher ist es aber, nach einem kräftigen Regen auf Wegen an Wiesen oder Gärten nach ihnen zu suchen. Denn im Gegensatz zu Glanzwürmern können Regenwürmer ertrinken und verlassen die Erde, in der sie leben, wenn es zu nass wird. Sie halten sich einige Tage und sollten vor der Verfütterung von anhaftender Erde befreit werden. Gerade größere Fische (Buntbarsche, Welse etc.) freuen sich über diese Zusatznahrung, die man vor dem Verfüttern durch Zerschneiden auch portionieren kann.
Wenn man keine Kontakte zu anderen Aquarianern hat, die Zuchtansätze anbieten, wird man gewiss auf Fischbörsen oder im Internet fündig. Die meisten Zuchtansätze sind preiswert zu bekommen und bei guter Pflege über lange Zeiträume ergiebige und verlässliche Futterquellen.

Zusammenfassung
Von 1,5 mm kleinen Walterwürmern für winzige Fischlarven bis hin zu 10 cm langen Glanz- oder Regenwürmern für Großcichliden deckt wurmartiges Lebendfutter jede Maulgröße lückenlos ab. Die Kultivierung von Arten wie Mikrowürmern, Grindal oder Enchyträen gelingt dabei mit minimalem Platzbedarf in einfachen Küchen- oder Styropordosen auf Haferbrei, Schaumstoff oder Erde. Gleichzeitig schützt das ausgewogene Protein-zu-Fett-Verhältnis dieser Futtertiere vor gefährlicher Organverfettung, während ballaststoffreiche Regenwürmer die Verdauung größerer Zierfische gezielt anregen.
Fazit
Die eigene Kultivierung von Futterwürmern schließt Versorgungslücken des Handels dauerhaft und sichert Zierfischen eine artgerechte, nährstoffreiche Ernährung von der Larvenphase bis ins adulte Alter. Wer energiereiche Arten wie Grindal oder Enchyträen gezielt als Beifutter dosiert und magere Wurmformen als Basiskost nutzt, vermeidet Verfettung und stärkt das Immunsystem der Tiere. Ein bis zwei unkomplizierte Zuchtboxen genügen bereits, um Vitalität, Farbenpracht und Zuchterfolge im Heimaquarium spürbar zu steigern.

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Über den Dähne Verlag
Der Dähne Verlag wurde im Jahr 1970 von Karl-Heinz Dähne gegründet und wird heute in zweiter Generation von Marc Dähne geführt. Das Familienunternehmen gliedert sich in zwei Bereiche: Als Branchenfachverlag versorgt es die Baumarkt- und Gartencenter-Branche sowie den Zoofachhandel mit Fachinformationen. Für das Hobby Aquaristik veröffentlicht der Verlag erfolgreiche Hobby-Magazine, Fachzeitschriften und ein umfangreiches Buchprogramm.
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Autor
Harro Hieronimus
Harro Hieronimus (Jahrgang 1956) studierte Chemie und Geografie und zählt zu den bekanntesten Fachautoren der europäischen Aquaristik-Szene. Neben seiner Präsidentschaft bei der DGLZ und der Gründung der IRG hat er in über drei Jahrzehnten unzählige Fachartikel sowie wegweisende Ratgeber – darunter die bekannte „Wasser-Fibel“ und „Aquarientechnik-Fibel“ aus dem Dähne Verlag – veröffentlicht. Seine Leidenschaft gilt insbesondere den Regenbogenfischen, Lebendgebärenden und der naturnahen Biotopaquaristik.
























