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Faszination Aquaristik: Mauritius-Expedition Teil 1

Ich gehe davon aus, dass wir hier noch nicht wissenschaftlich beschriebene Caridina-Arten vor uns hatten – eventuell zwei bis drei sogar.

Von Matthias Wiesensee 7 Minuten Lesezeit

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Mauritius kennen die meisten als Urlaubsziel, doch unter der Wasseroberfläche seiner Bäche und Flüsse verbirgt sich eine Garnelen- und Schneckenwelt, die Aquarianer kaum kennen. Dieser Reisebericht in zwei Teilen begleitet Chris Lukhaup bei seiner Suche nach diesen Tieren und zeigt, wie sich Aquaristik, Naturschutz und Entdeckerlust auf einer Tropeninsel begegnen. Der erste Teil führt von der Anreise über vier Gewässer bis zu einem Geheimtipp, den ein einheimischer Freund schon lange kannte.

Garnelen, Schnecken und mögliche neue Caridina-Arten

Bekannte und neue Arten auf der Insel Mauritius

Ein guter Freund von mir, Raja Vencatasawmy von Mauritius Exotic Fish, erzählte mir vor etwa zwei Jahren von wunderschönen Garnelen, die er in Gewässern seiner Inselheimat gefunden hatte, und fragte mich, ob ich nicht mit ihm auf Garnelensuche gehen wolle – und natürlich hatte ich große Lust, die wunderschönen Bäche und Flüsse und die Garnelenwelt auf Mauritius zu entdecken! 

Aufbruch nach Mauritius

Ich packte also meine Siebensachen und machte mich auf den Weg. Leider hatte mein Auto auf dem Weg zum Flughafen eine Panne und musste abgeschleppt werden, sodass ich meinen Flug umbuchen musste. Außerdem hatte ich mir ein paar Tage vor der Abreise einen Muskelfaserriss in der Wade geholt … das war kein guter Start. Der Flug dauerte elf lange Stunden. Der Inselstaat Mauritius liegt im Indischen Ozean nahe Madagaskar. Hier hatte ich nur drei Tage Aufenthalt, bevor ich nach Madagaskar weiterflog, also hatten Raja und ich ein strammes Programm. 

Der erste Bach 

Der Bach, den wir direkt nach meiner Ankunft besuchten, fließt durch die Stadt Curepipe. Das Wasser war sauber und glitzerte wunderschön in der Sonne, nichts hielt mich davon ab, direkt hineinzuspringen! Atemberaubende Pflanzen und Moose wuchsen entlang der Ränder. Dort traf ich gute alte Bekannte aus der Aquaristik an – Melanoides tuberculata, die Malaiische Turmdeckelschnecke, die wir hier an einer sehr nassen Stelle sogar außerhalb des Wassers fanden. 

Bachbewohner

Der Moosfarn im Bach wächst unter und über Wasser, wobei die Blättchen unter Wasser etwas anders aussehen. Ich konnte leider keine Pflanzen mitbringen, weil ich keine Exportlizenz hatte – nächstes Mal dann! Auch die weltweit verbreitete Wasserpest Egeria densa ist hier weit verbreitet, ebenso die aus der Aquaristik gut bekannte, hübsche kleine Hydrocotyle tripartita, der Dreiteilige Wassernabel. Verschiedene Schnecken waren ebenfalls zu sehen, darunter die allgegenwärtigen Blasenschnecken, die auf Mauritius weit verbreitet sind. Auch riesige Landschnecken fanden wir. Im Bach gab es wie so oft auf Mauritius leider keine einheimischen Fischarten, sondern nur ausgesetzte Guppys und Schwertträger.

Der zweite Bach

Der nächste Bach lag näher am Meer. Hier fanden wir Neritina gagates, eine Rennschnecke, die der Anthrazit-Napfschnecke Neritina pulligera vom Aussehen und auch vom Lebensraum her stark ähnelt. Die Schnecken leben auf Hartsubstrat und interessanterweise auch auf sehr feinem Wurzelwerk – das habe ich so noch nie gesehen! Hier fanden wir auch einige der wenigen auf Mauritius heimischen Fische, darunter Eleotris picta, eine Schläfergrundel. 

Raja fing in der Zwischenzeit einige Schnecken, darunter eine Thiara-Art und wieder Neritina gagates – und mindestens zwei verschiedene Garnelenarten, eine Nashorngarnele sowie Ninja-Garnelen (Caridina serratirostris), die marine Larvenstadien haben.

Das Aquaristikgeschäft

Im Schaufenster des Aquaristikgeschäfts von Havish Pandesh in Curepipe, eines Freundes von Raja, hingen einige Poster von mir – lustig zu sehen, dass sie es bis nach Mauritius geschafft haben! Garnelen gibt es in der Aquaristik auf Mauritius allerdings kaum noch, weil sie mittlerweile mit einem Importverbot belegt wurden. Einige Zuchtgruppen bestehen noch aus der Zeit vor dem Verbot, und die Tiere werden für die dortigen Verhältnisse sehr teuer gehandelt.

Tag zwei, Bach drei

Übernachtet habe ich bei Raja. Am nächsten Morgen starteten wir für mauritische Verhältnisse früh – um 9 Uhr! Lange fuhren wir durch die Zuckerrohrfelder, weil die beiden mir einen geheim gehaltenen Garnelenbach zeigen wollten, den Raja schon 2013 entdeckt hatte. Der Abstieg war wirklich sehr schwierig, weil es die Tage zuvor stark geregnet hatte und der steile Berg unglaublich rutschig war. Glücklicherweise gibt es auf Mauritius weder Giftschlangen noch Zecken und ähnliche Lästlinge, nur einige recht blutdürstige Moskitos waren unterwegs. 

Neue Garnelen?

Das Wasser ist mit rund 20 bis 22 °C recht kühl, einigermaßen klar, recht sauber, und es herrscht eine deutliche Strömung. Diese Garnelen sind tagsüber unterwegs. Mit 3-4 cm sind die Tiere sehr groß. Ich gehe davon aus, dass wir hier noch nicht wissenschaftlich beschriebene Caridina-Arten vor uns hatten – eventuell zwei bis drei sogar. Die Weibchen tragen große Eier, was bedeutet, dass die Jungtiere keine marinen Larvenstadien durchlaufen. Farblich sind die Tiere extrem variabel. Dieses Mal konnte ich keine Garnelen mitnehmen, aber wir bemühen uns um eine Genehmigung, sodass Raja mir einige Exemplare für eine wissenschaftliche Untersuchung beim Naturkundemuseum schicken kann.

Fische im Bach

Hier gibt es auch 1,5 bis 2 m lange heimische Aale – Anguilla marmorata, die im Indopazifik weit verbreitet sind und in Süß- und Brackwasser vorkommen. Zum Ablaichen wandern sie bis in den Ozean. Auch Xiphophorus helleri, den Grünen Schwertträger, konnte ich entdecken. Ursprünglich in Mexiko und Honduras beheimatet, wurden sie praktisch weltweit überall dorthin verschleppt, wo die Wassertemperaturen ihr Überleben ermöglichen. 

Die Wasserwerte

Im Garnelenbach konnten wir eine Summe aller gelösten Feststoffe (TDS) von 63 ppm messen und einen pH-Wert von 6,5. Die Wassertemperatur lag etwa zwischen 20 und 23 Grad.

Der vierte Bach

Weil wir uns am letzten Bach so lange aufgehalten hatten, mussten wir uns ziemlich beeilen, zur zweiten Location zu kommen. In einem angrenzenden Kanal gab es direkt eine Überraschung: Wir fanden Lilaeopsis mauretania, eine hier endemische Wasserpflanze, die 1992 erstmalig für die Aquaristik exportiert und erst 1999 als eigene Art beschrieben wurde. Auch Cherax quadricarinatus fanden wir hier in großer Zahl – australische Rotscherenkrebse, die hier eingeschleppt wurden.

Lästige Moskitos

Am Bach nahe des Kanals machten uns die Myriaden von Stechmücken riesige Probleme, die ein sinnvolles Arbeiten praktisch unmöglich machten. Nicht einmal unsere tief ins Gesicht gezogenen Hoodies boten uns Schutz! Es wurde zudem langsam dämmerig, sodass das Licht nicht mehr lange ausreichte. Wir fanden auch hier Garnelen, vermutlich derselben Art, die wir am ersten Fundort angetroffen hatten. Raja und Havish nahmen einige Pflanzen mit, aber dann mussten wir uns den Mücken und der nahenden Dunkelheit geschlagen geben und flüchteten ins Auto.

Am nächsten Tag ging es zu einer weiteren Location mit wunderschönen Garnelen – Teil 2 lest ihr in der nächsten Ausgabe der Caridina!

Zusammenfassung

Auf Einladung eines Freundes reist Chris Lukhaup für drei Tage nach Mauritius, um in den Bächen und Flüssen der Insel nach Garnelen zu suchen. Vier Gewässer werden besucht, in denen er Schnecken wie die Malaiische Turmdeckelschnecke und Neritina gagates, bekannte Aquarienpflanzen sowie eingeschleppte Fische und Krebse findet. Heimische Fische gibt es dagegen nur wenige, und Garnelen sind in der Aquaristik der Insel wegen eines Importverbots kaum noch zu haben. Im Mittelpunkt steht ein abgelegener Bach mit großen Garnelen, bei denen es sich nach Einschätzung des Autors um bislang unbeschriebene Arten handeln könnte. Der Bericht endet mit einem Cliffhanger: Teil 2 folgt in der nächsten Ausgabe.

Fazit

Mauritius bietet Aquarianern eine Mischung aus bekannten Aquarienarten, eingeschleppten Tieren und nur wenigen heimischen Fischen. Am spannendsten sind die großen Garnelen aus dem abgelegenen Bach, bei denen es sich nach Einschätzung des Autors um zwei bis drei noch unbeschriebene Caridina-Arten handeln könnte. Ob sich das bestätigt, soll eine wissenschaftliche Untersuchung klären.

Caridina 2026/03

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Der Dähne Verlag wurde im Jahr 1970 von Karl-Heinz Dähne gegründet und wird heute in zweiter Generation von Marc Dähne geführt. Das Familienunternehmen gliedert sich in zwei Bereiche: Als Branchenfachverlag versorgt es die Baumarkt- und Gartencenter-Branche sowie den Zoofachhandel mit Fachinformationen. Für das Hobby Aquaristik veröffentlicht der Verlag erfolgreiche Hobby-Magazine, Fachzeitschriften und ein umfangreiches Buchprogramm.

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Chris Lukhaup

Autor

Chris Lukhaup & Ulli Bauer

Chris Lukhaup ist Forscher, Fotograf und Autor mit Schwerpunkt auf der Süßwasserbiodiversität. Seit rund zwanzig Jahren unternimmt er Feldexpeditionen nach Südostasien, Papua-Neuguinea, Australien und Südamerika, bei denen er Flüsse, Bäche, Torfsümpfe, Seen und Regenwaldgewässer dokumentiert. Seine Fachgebiete sind Garnelen und Süßwasserkrabben, außerdem verbindet er Aquarianer mit den natürlichen Lebensräumen ihrer Pfleglinge. Seine Poster hängen inzwischen sogar im Schaufenster eines Aquaristikgeschäfts auf Mauritius.

Ulli Bauer zählt zu den bekanntesten Fachautorinnen im Bereich der Süßwasser-Wirbellosenaquaristik im deutschsprachigen Raum. Sie ist Fachbeirätin der Zeitschrift Caridina und veröffentlicht dort sowie in der Aquaristik regelmäßig Beiträge zu Garnelen, Krebsen und Schnecken. Neben ihrer Autorentätigkeit arbeitet sie auch als Übersetzerin und engagiert sich in Naturschutzinitiativen wie den Sulawesi Keepers, die sich dem Schutz bedrohter Süßwassertiere widmen.

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