Anableps anableps

Deutscher Name: Vierauge

Quelle: aqua-global - Dr. Jander & Co. OHG
Herkunft:
Südamerika
Farben:
braun, grau, silber
Schwierigkeit:
Schwierig (Sehr erfahrene Aquarianer)
Art: Anableps anableps
Gattung: Anableps
Familie: Anablepidae

Beschreibung

Anableps anableps, das Vierauge, ist ein großer, oberflächenorientierter Fisch aus der Familie Anablepidae mit einer Körperlänge von bis zu 26 cm (Weibchen) bzw. 20 cm (Männchen). Der zylindrische Körper zeigt eine olivbraune bis bräunliche Grundfärbung mit helleren, cremefarbenen Flanken und schwachen Längsstreifen als Tarnschutz. Namensgebend sind die stark vergrößerten Augen, deren Pupille durch ein Septum in einen oberen (Luft) und einen unteren (Wasser) Teil geteilt ist – so kann der Fisch gleichzeitig über und unter der Wasseroberfläche sehen. Im Aquarium zeigt sich Anableps anableps als ruhiger, fast permanent an der Oberfläche kreisender Bewohner. Die Art greift bevorzugt Nahrung direkt an der Wasseroberfläche ab. Die Geschlechtsorgane sind asymmetrisch: Männchen tragen ein röhrenförmiges, beschupptes Gonopodium, das entweder links oder rechts ausgerichtet ist; Weibchen haben eine entsprechend entgegengesetzte Genitalmorphologie. Paare müssen daher in ihrer seitlichen Ausrichtung zueinander passen.
Sozialverhalten: Schwarm
Temperament: friedlich
Verträglichkeit mit Wirbellosen: mittel

Besonderheiten

  • Geteiltes Auge mit separaten Luft- und Wasser-Linsensystemen (obere und untere Pupille) – namensgebend für „Vierauge“
  • Lebendgebärend (vivipar), Tragezeit ca. 12 Wochen
  • Asymmetrische Geschlechtsorgane (links/rechts): Paarungspartner müssen in der seitlichen Ausrichtung kompatibel sein
  • Estuarine Art: natürliche Heimat sind brackige Gezeitenzonen, Mangrovengürtel und Flussmündungen
  • Brackige Haltung (SG 1.005–1.010) wird empfohlen, nicht nur optional
  • Kann bei Ebbe kurzzeitig auf exponiertem Schlammboden außerhalb des Wassers verbleiben
  • Starkes Sprungpotenzial – sichere, vollständige Abdeckung Pflicht
  • Flachwasserart: in der Natur oft in nur wenigen Zentimetern tiefem Wasser

Vergesellschaftungshinweise

Anableps anableps ist ein ausgeprägter Schwarmfisch und sollte in Gruppen von mindestens 6 Tieren gehalten werden. In der Gruppe zeigt die Art ein ruhiges, nicht aggressives Temperament. Trächtige Weibchen werden kurz vor der Geburt territorial und aggressiv, suchen abgeschiedene Bereiche auf und können andere Tiere angreifen. Die Art ist sehr schreckhaft gegenüber Bewegungen und Schatten über dem Becken; plötzliche Störungen lösen heftige Fluchtreaktionen aus. Wegen der Brackwasseranforderungen eignen sich als Beckengenossen vorwiegend brackwassertolerante Arten: z. B. Poecilia sphenops (Mollys) oder brackwassertaugliche Grundeln. Süßwasser-Panzerwelse, ostafrikanische Cichliden und die meisten typischen Süßwasser-Aquarienfische sind ungeeignet. Sehr kleine Wirbellose (Garnelen, Jungtiere) werden gefressen. Größere Brackwasserschnecken (z. B. Neritina) sind in der Regel sicher.

Geschlechtsdimorphismus

Weibchen werden deutlich größer und massiger als Männchen (W: bis 26 cm, M: bis 20 cm). Männchen sind an ihrem röhrenförmigen, seitlich versetzten Gonopodium zu erkennen, das entweder links oder rechts ausgerichtet ist.
Größe: W: bis 26 cm, M: bis 20 cm

Haltungstipps / Pflege

Brackwasser-Pflicht: Eine leicht brackige Haltung (SG 1.005–1.010) entspricht dem natürlichen Lebensraum und wird empfohlen. Reines Süßwasser ist tolerierbar, aber nicht optimal. Wasserwerte: Temperatur 25–31 °C, pH 7,5–9,0, GH 10–25 dGH. Diese Werte entsprechen der estuarinen Herkunft der Art. pH-Werte unter 7,5 sind zu meiden. Beckengröße: Mindestens 150 cm Kantenlänge mit großer, freier Wasseroberfläche. Die Wassertiefe kann gering gehalten werden (ca. 15–25 cm genügen); wichtiger als Volumen ist die Grundfläche. Das Becken sollte flache Sand- oder Schlammbereiche, Mangrovenwurzeln und schwimmende Bepflanzung bieten. Feiner Sand oder schlammähnlicher Bodengrund. Strömung langsam bis moderat. Eine vollständige, sichere Abdeckung ist wegen des Sprungrisikos Pflicht. Dezente Beleuchtung und Vermeidung plötzlicher Störungen reduzieren Schreckreaktionen. Anableps anableps ist eine anspruchsvolle Art für den fortgeschrittenen Aquarianer. Die wichtigsten Haltungsaspekte sind: leicht brackige Bedingungen (SG 1.005–1.010), ein sehr langes Becken mit freier Wasseroberfläche und geringer Wassertiefe, Gruppen von mindestens 6 Tieren, sichere Abdeckung und eine abwechslungsreiche insektivore Ernährung.
Wasserhärte:
mittel bis hart
pH-Wert
7,5-9,0
Temperatur:
25-31 °C
Beckengröße:
ab 150 cm, 473 Liter

Zucht und Fortpflanzung

Anableps anableps ist lebendgebärend (vivipar). Die Tragezeit beträgt etwa 12 Wochen. Trächtige Weibchen werden territorial und suchen ruhige Bereiche auf. Wurfgröße: ca. 10–15 Jungtiere. Die Jungtiere sind bei der Geburt bereits voll ausgebildet und ca. 40–50 mm groß; sie nehmen sofort größere Futterpartikel an (Artemia-Nauplien, fein zerkleinerte Insekten). Zuchtwasserwerte: Temperatur 25–26 °C, pH 7,5–8,0, leicht brackig (SG ca. 1.005–1.010). Die seitliche Kompatibilität der Geschlechtsorgane (links/rechts) ist zwingend für erfolgreiche Paarung. Ausreichend große Gruppen oder gezielt zusammengestellte kompatible Paare sind nötig. Die Zucht gilt insgesamt als schwierig und erfordert Erfahrung, optimale Konditionierung und brackige Haltungsbedingungen.

Ernährung/Futterbedarf

Karnivor-insektivor, Oberflächenfresser. In der Natur: Insekten, kleine Krebstiere, Würmer, Diatomen und Algenaufwuchs. Im Aquarium: lebende und gefrorene Insekten (Fruchtfliegen, Heimchen, Mückenlarven), Artemia, Mysis, Regenwürmer, ergänzt durch Trockenfutter mit pflanzlichem Anteil (Spirulina). Nahrung muss an oder direkt unter der Wasseroberfläche angeboten werden. Zweimal täglich füttern. Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Ernährungstyp: Fleischfresser (Carnivore)
Alterserwartung
bis 8 Jahre

Natürlicher Lebensraum

Anableps anableps lebt an der Atlantikküste Südamerikas in brackigen Gezeitenzonen, Mangrovengürteln und Flussmündungen. Die Art ist in estuarinen Gewässern verbreitet und kann bei Ebbe kurzzeitig auf exponiertem Schlammboden verbleiben. In der Natur hält sich das Vierauge häufig in nur wenigen Zentimetern tiefem Wasser auf.

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