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Falsche Neonkrankheit (Nocardia)

Falsche Neonkrankheit (Nocardia)

Foto: JBL
Foto: JBL

Zu erkennen an heller gefärbten Bereichen des Fisches, milchig trübe Bereiche,die sonst durchscheinend aussehen. Die Fische machen einen matten Eindruck und schwimmen manchmal torkelnd und unkontrolliert. Die Krankheit wird durch den Parasit Pleistophora hyphessobryconis hervorgerufen und gehört zu den Microspora.

Die Neonkrankheit kommt nicht beim Roten Neon (Paracheirodon axelrodi) vor, sondern beim Neontetra (Paracheirodon innesi) und anderen Salmlern.

Erkrankte Fische sind sofort zu entfernen! Das Aquarium muss komplett geleert werden. Eine Behandlung der Krankheit ist nicht möglich.

„Echte“ oder „falsche“ Neonkrankheit?

Ungezählte Threads in Online-Foren haben diese oder ähnliche Fragen zum Thema. Doch es gibt trotzdem noch immer viele Unsicherheiten bei der Erkennung, und noch mehr bei der möglichen oder unmöglichen Behandlung.

Laut diverser Literatur tritt beim Roten Neon (Paracheirodon axelrodi) die „Echte“ Neonkrankheit (Pleistophora hyphessobryconis) nicht auf. Wenn dies zutrifft, und einiges spricht für diese Annahme, kann man davon ausgehen, dass zumindest beim Roten Neon bei diesem Krankheitsbild mit sehr großer Wahrscheinlichkeit die „Falsche“ Neonkrankheit (nach BAUER: Nocardia) vorliegt. Dafür spricht auch die Tatsache, dass diese Infektion mit Antibiotika behandelbar ist, während bei Pleistophora hyphessobryconis entgegen vieler Behauptungen bis heute kein wirksames Medikament gefunden wurde.

Ein todkranker und mit keinem Medikament mehr zu rettender Roter Neon. Typisch: Vom roten Pigment in der Bauchregion sind nur noch kümmerliche Reste außen auf den Schuppen übrig. Ebenfalls häufig zu beobachten ist das "Schachbrettmuster", das die Bakterien oft hinterlassen. Foto: Kaufmann
Ein todkranker und mit keinem Medikament mehr zu rettender Roter Neon. Typisch: Vom roten Pigment in der Bauchregion sind nur noch kümmerliche Reste außen auf den Schuppen übrig. Ebenfalls häufig zu beobachten ist das “Schachbrettmuster”, das die Bakterien oft hinterlassen.
Foto: Kaufmann

Dieser Neontetra (Paracheirodon innesi) ist völlig abgemagert. Durch mangelhafte Ernährung und sonstige schlechte Haltungsbedingungen sind viele Tiere derartig vorgeschädigt, dass sie einer Infektion mit Nocardia oder Flexibacter columnaris nichts mehr entgegenzusetzen haben. Starke Antibiotika können eventuell die Bakterien töten, aber bei so fortgeschrittener Infektion und Vorschädigung sind die Tiere nicht zu retten. Foto: Kaufmann
Dieser Neontetra (Paracheirodon innesi) ist völlig abgemagert. Durch mangelhafte Ernährung und sonstige schlechte Haltungsbedingungen sind viele Tiere derartig vorgeschädigt, dass sie einer Infektion mit Nocardia oder Flexibacter columnaris nichts mehr entgegenzusetzen haben. Starke Antibiotika können eventuell die Bakterien töten, aber bei so fortgeschrittener Infektion und Vorschädigung sind die Tiere nicht zu retten.
Foto: Kaufmann

 

Weitere Bilder zur Diagnose: Link

Ursachen und Erreger

Nach Roland BAUER1 ist die Ursache für die „falsche Neonkrankheit“ das Bakterium Nocardia (im Buch in der Überschrift leider falsch „Nocordia“ geschrieben). Streng genommen ist es natürlich richtig, dass diese Bakterien als Ursache oder besser Verursacher dargestellt werden. Die eigentlichen Ursachen haben jedoch zunächst höchstens zufällig mit Nocardia zu tun.

Nocardien sind weltweit verbreitete, nur fakultativ pathogene Bakterien, die im feuchten Erdreich oder in Feuchtgebieten im und am Boden leben. In Aquarien dürften sie genau wie Flexibacter columnaris oder die Erreger der Fischtuberkulose mehr oder weniger allgegenwärtig sein. Im Normalfall richten aber all diese Bakterien keinerlei Schaden an. Erst, wenn die Lebensbedingungen für die Bakterien optimiert und die Fische durch verschiedene Faktoren geschwächt werden, beginnen diese Bakterien ihr zerstörerisches Werk am und im Fisch.

Die Bakterien haben Ähnlichkeit mit Flexibacter columnaris, sind aber nur gefärbt einigermaßen sicher zu bestimmen. Das ist insofern kein großes Problem, als erstens eine Ausschlussdiagnose die Unterscheidung Sporentierchen / Bakterien ergibt, und zweitens die Symptome bei verschiedenen Bakterien offensichtlich identisch zu sein scheinen.

Die tatsächlichen, grundlegenden Ursachen für bakterielle Infektionen dieser und ähnlicher Art sind:

  • Von Fängern / Züchtern über Ex- und Importeure, Groß- und Einzelhandel bis zum Aquarianer meist extrem viele Fische in viel zu wenig Wasser
  • Aus reinen Kostengründen noch größere Enge, bzw. Einpferchung beim Transport
  • Bei Jungfischen substanzzehrende Hungerphasen vor den Transporten, um Wasserverschmutzung zu minimieren
  • Massiver Einsatz von Medikamenten wie Antibiotika während der Hälterung und Sedativa beim Transport
  • Aufsalzung des Transportwassers auch bei ausgesprochenen Weichwasserfischen
  • Falsche und oft unzureichende Ernährung
  • Nicht artgemäße Wasserzusammensetzung
  • Mangelnder Wasserwechsel, extreme Wasserbelastung mit Stoffwechselprodukten

Schnellwüchsige Pflanzen und optimierter Wasserwechsel sind die wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen.

Vorbeugung – Quarantäne – Therapie

Ist es wichtig, sicher zu wissen, ob man es mit der falschen oder echten Neonkrankheit zu tun hat? Genau genommen nein! Die echte Neonkrankheit (Pleistophora hyphessobryconis) ist nicht mit Medikamenten behandelbar. Alle diesbezüglichen Versuche scheiterten kläglich. Gelegentlich behauptete Behandlungserfolge beruhen allein auf der Tatsache, dass auch heute noch die beiden Krankheiten verwechselt werden. Die falsche Neonkrankheit (Nocardia) ist mit Antibiotika und / oder Sulfonamiden erfolgreich zu behandeln. Dies allerdings nur bei noch nicht stark infizierten Tieren. Sind deutlich erkennbare Infektionsherde in der Muskulatur zu erkennen, sind bei beiden Krankheiten die betroffenen Fische nicht mehr zu retten.

Es gibt jedoch für beide Krankheiten, die außer den Symptomen nicht viel Gemeinsames haben, eine erfolgversprechende Behandlung ohne chemische Hilfsmittel. Dabei werden in beiden Fällen rigoros und unverzüglich alle auffälligen, sichtbar infizierten Fische separiert. Es gibt für Tiere mit deutlichen Symptomen in beiden Fällen keine Rettung. Aber man kann mit der konsequenten Entfernung der erkrankten Tiere die Masse der Erreger drastisch vermindern. Die Neuinfektionsrate geht dadurch augenblicklich spürbar zurück. Gleichzeitig sollten alternative Behandlungsmöglichkeiten wie sehr starke Wasserwechsel, UV-C-Strahler, Diatomic- oder Sandfilter und, wenn möglich, Verringerung der Besatzdichte, genutzt werden.

Außerdem gibt es natürliche Möglichkeiten, der Massenentwicklung vorzubeugen: Schnellwüchsige Pflanzen wirken nachweislich bakterienhemmend. Zusammen mit adstringierend (zusammenziehend) wirkenden milden Gerbsäuren, z, B. aus eingebrachten Seemandelbaum-blättern und den besonders empfehlenswerten häufigen Wasserwechseln ist es ohne weiteres möglich, die Keimdichte so gering zu halten, dass keine gefährliche bakterielle Infektion mehr zu befürchten ist.

Starke UV-C-Wasserklärer wie dieser mit 36 Watt, sind zur Verminderung der Keimdichte hervorragend geeignet. Der Dauerbetrieb solcher Anlagen ist jedoch nicht empfehlenswert. Bitte bedenken Sie aber, dass mit moderatem Fischbesatz, schnellwachsenden Pflanzen und vielen, starken Wasserwechseln die Keimzahl im Aquarium ebenfalls sehr gering gehalten werden kann.

Ein sehr wichtiger Hinweis: Nocardia vermehrt sich optimal bei 30 °C. Folgt man den leider sehr, sehr häufig gegebenen Ratschlägen, zur Krankheitsbehandlung die Temperatur auf 30 °C anzuheben, bringt man damit unter Umständen seine Fische geradewegs um. Ähnliches gilt auch für Columnaris-Infektionen, wobei hier schon bei 27 °C die optimale Temperatur für die Bakterien erreicht ist.

Antibiotika sind verschreibungspflichtige Medikamente. Kontakt zu einem sachkundigen Tierarzt ist also vor einer Anwendung unbedingt notwendig, da man sich sonst strafbar macht!

Man ist leicht versucht, Krankheiten, gegen die wirksame Medikamente bekannt sind, auch mit diesen zu behandeln. Im Fall der falschen Neonkrankheit sollte das allerdings nur der allerletzte Schritt sein. Behandlungen mit Antibiotika sollten grundsätzlich in separaten Behandlungs-Aquarien stattfinden und niemals im Hauptbecken.

1 Roland BAUER, Erkrankungen der Aquarienfische, Paul Parey, ISBN 3-489-52016-5

Quelle

Bernd Kaufmann – Aquamax

JBL

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