Home / Ratgeber / Krankheiten / Pünktchenkrankheit – Ichthyophthirius multifiliis

Pünktchenkrankheit – Ichthyophthirius multifiliis

Foto: JBL
Foto: JBL
Foto: JBL
Foto: JBL
Foto: JBL
Foto: JBL
Foto: JBL
Foto: JBL

 

Auch bekannt als “Weiße Pünktchen”, “Ichthyo” oder “Weißpunktkrankheit”.

Die Weißpünktchen- oder Grießkörnchenkrankheit wird durch den Ciliaten Ichthyophthirius multifiliis verursacht und ist wohl die bekannteste Krankheit der Aquarienfische. Keine andere Krankheit wurde so häufig und gründlich untersucht.

Dieser kann schnell und sicher abgetötet werden . Da der Parasit auf dem Fisch von der Schleimhaut des Fisches “geschützt” wird, kann ein Medikament den Parasiten auf dem Fisch nicht abtöten.

Die typischen Aufnahmen vom Black Molly mit Parasiten um 1 – 1,5 mm Größe sind nicht besonders hilfreich. Viel wichtiger ist es, die Infektion frühzeitig bei allen Fischen zu erkennen, um die Alternativen zur Chematherapie in Ruhe durchführen zu können.

Krankheitsbild

Ichthyophthirius multifiliis ist glücklicherweise ein relativ leicht zu diagnostizierender Krankheitserreger. Die Infektion beginnt in den meisten Fällen mit wenigen kleinen weißen Pünktchen auf den Flossen und später am Körper. Die Fische zeigen bereits früh ein auffälliges Verhalten: Sie scheuern sich an Pflanzen, Einrichtungsgegenständen und am Bodengrund. Die Größe der Pünktchen ist zum Teil auch von der Größe der befallenen Fische anhängig. Bei sehr kleinen Fischen sind deshalb im Anfangsstadium leider auch Verwechslungen mit anderen Krankheitserregern möglich. Der Parasit befällt in seltenen Fällen auch nur die Kiemen und wird deshalb erst erkannt, wenn die Fische bereits unter akuter Atemnot leiden.

Oft beginnt es mit einem einzigen weißen Pünktchen. Hier am Kopf des Roten Neon (Paracheirodon axelrodi). Dieses Tier hat zusätzlich eine bakterielle Infektion im Bereich der Rückenflosse. Foto: Kaufmann
Oft beginnt es mit einem einzigen weißen Pünktchen. Hier am Kopf des Roten Neon (Paracheirodon axelrodi). Dieses Tier hat zusätzlich eine bakterielle Infektion im Bereich der Rückenflosse.
Foto: Kaufmann
Rotkopfsalmler sind sehr häufig die ersten Fische, die an Ichthyo-Infektionen leiden. Gerade sie sind aber auch sehr empfindlich bei der Chemotherapie. Foto: Kaufmann
Rotkopfsalmler sind sehr häufig die ersten Fische, die an Ichthyo-Infektionen leiden. Gerade sie sind aber auch sehr empfindlich bei der Chemotherapie.
Foto: Kaufmann

Diagnose

Die weißen Pünktchen zeigen sich meist zuerst an den Flossen, später werden sie auch auf dem Körper gut sichtbar. Der Befall verteilt sich weitgehend über die gesamte Körperoberfläche, wird aber an den durchsichtigen Flossen leichter erkannt. Nimmt man eine Lupe zu Hilfe, kann man die Stärke des Befalls frühzeitig besser erkennen. Die Pünktchen sind relativ scharf abgegrenzt und dadurch nicht mit leichten Verpilzungen zu verwechseln. Die Größe schwankt je nach Fischgröße zwischen 0,5 und 1 mm. Im Anfangsstadium und bei sehr kleinen Fischen sind die ersten Pünktchen auch noch deutlich kleiner. Eine gute Lupe (3-fach vergrößernd) ist in jedem Fall sehr hilfreich und sollte zur Grundausstattung jedes interessierten Aquarianers gehören.

Obwohl die meisten Autoren betonen, dass Ichthyo verhältnismäßig sicher auch mit bloßem Auge zu diagnostizieren ist, sollte, wann immer es möglich ist, eine mikroskopische Untersuchung durchgeführt werden; zumal diese meist sehr einfach durch eine simple Untersuchung eines Hautabstrichs erfolgen kann.

Foto: JBL
Foto: JBL
Foto: JBL
Foto: JBL
Foto: JBL
Foto: JBL

 

Vorbeugung und Quarantäne

Ichthyophthirius ist ein Schwächeparasit mit weltweiter Verbreitung. Eine Infektion ist also grundsätzlich immer möglich, wenn Fische unter Stress geraten. Dies passiert aus den bekannten Gründen: Transport, Umsetzen, ungeeignete Gesellschaft, zu beengte Verhältnisse, falsche Wasserzusammensetzung, unzureichende Fütterung usw.

Da Fische nach einer überstandenen Infektion eine Art Immunität, besser eine Prämunität erwerben (Erreger und Wirt leben „friedlich“ zusammen, solange nichts Außergewöhnliches passiert), erkranken oft nur die Neuzugänge. Das legt bei vielen Aquarianern den Verdacht nahe, dass sie bereits kranke Fische gekauft haben, was aber keineswegs so sein muss. Sowohl, um diesen Verdacht auszuräumen oder zu bestätigen, als auch zum Wohle der Neuzugänge, ist eine Quarantänehaltung für ca. 3 Wochen sehr zu empfehlen.

Es ist leider zur weit verbreiteten Unsitte geworden, auch ausgesprochene Weichwasserfische mit Unmengen von Salz bei Transport und Hälterung im Fachhandel zu „behandeln“. Werden solche Fische, die nicht selten bei Leitfähigkeitswerten jenseits von 2000 µS/cm und bei pH-Werten deutlich über 8 gehalten werden, in Unkenntnis dieser Tatsachen auch nur in ein durchschnittliches Leitungswasser mit 500 µS/cm ohne sehr lange Eingewöhnung gesetzt, ist eine Ichthyo-Infektion noch eine der harmlosesten möglichen Folgen. Es ist deshalb sehr ratsam, entweder die Wasserverhältnisse im Händlerbecken zu erfragen, messen zu lassen oder selbst wenigstens das Transportwasser zu überprüfen. Je größer die Abweichung des Transportwassers zum vorhandenen Aquariumwasser ist, desto länger muss vorsichtig eingewöhnt werden. Dies kann ideal, wenn es sein muss über Tage und Wochen, in einem entsprechend vorbereiteten Quarantänebecken mit vielen Teilwasserwechseln erfolgen.

Im Falle von Ichthyophthirius-Infektionen ist auch eine der alternativen Behandlungsmethoden im Quarantäneaquarium problemlos durchzuführen.

Sollte es einmal nicht ohne eine Chemotherapie gehen, ist es sehr wichtig, dass das Quarantänebecken problemlos zum Behandlungsbecken umfunktioniert werden kann. Deshalb verwendet man vorwiegend Pflanzen auf Wurzeln oder Steinen, sowie flutende Pflanzen wie z. B. Hornkraut (Ceratophyllum demersum), Mooskugeln (Cladophora aegagropila) und Schwimmpflanzen. Ausreichende Bepflanzung bietet nicht nur Versteckmöglichkeiten und damit Sicherheit. Die Pflanzen tragen auch zur allgemeinen Verbesserung der unmittelbaren Umweltverhältnisse bei.

 

Alternativen zur Chemotherapie

Viele Welsarten und andere empfindliche Fische vertragen Medikamente oft nur sehr schlecht. Gerade bei Ichthyo bieten sich alternative Methoden an, denn über diese bekannteste aller Zierfischkrankheiten weiß man inzwischen so viel, dass chemische Bekämpfung nur als letzter Ausweg angesehen werden müsste.

Foto: Kaufmann
Foto: Kaufmann
Umsetzmethode

Für die Umsetzmethode sind nur 2 Aquarien, bzw. Behälter nötig. Fische mit geringem Ichthyo-Befall werden immer nach 12 Stunden in das gründlich gereinigte zweite Aquarium mit frischem Wasser umgesetzt. Da innerhalb der 12 Stunden keine Schwärmer freigesetzt werden können, ist mit dieser Methode eine Reinfektion praktisch ausgeschlossen. Um die Entwicklung der Zyklen zu beschleunigen, sollte unter Beachtung der jeweiligen Toleranz die Temperatur angehoben werden. Für die meisten Warmwasser-Aquarienfische sollten 27 – 28 °C jedoch nicht überschritten werden, da sonst die Belastung für den Organismus zu hoch wird und die Tiere weiterem Stress ausgesetzt sind. Falls es sich um Weichwasserfische handelt, die auch niedrige pH-Werte bevorzugen, ist eine Ansäuerung des (weichen) Frischwassers z. B. mit Torf oder Erlenzapfen sinnvoll. In den Behandlungsbecken sollte gut durchlüftet werden.

Weitere Informationen: Link
Foto: Kaufmann
Foto: Kaufmann
UV-C
Eine Ichthyo-Behandlung mit UV-C-Wasserklärern ist eine der bequemsten und gleichzeitig wirksamsten Möglichkeiten, die Tiere ohne Gifte wieder gesund zu bekommen. Ein großer Vorteil dieser Behandlung ist, dass sie im Quarantäne-, Behandlungs- oder im Schauaquarium erfolgen kann und unter den exakt eingehaltenen Bedingungen auch sehr sicher zum Erfolg führt.

Weitere Informationen: Link
Foto: Kaufmann
Foto: Kaufmann
Diatomic-Filter
Diatomic-Filter sind, vereinfacht ausgedrückt, spezielle Filter, die alles zurückhalten, was größer als ein tausendstel Millimeter ist. Somit passieren diesen Filter auch keine Ichthyo-Schwärmer oder gar Zysten.

Weitere Informationen: Link
Foto: Kaufmann
Foto: Kaufmann
Sandfilter
Bei Sandfiltern sind eventuell die Bastler gefragt. Grundsätzlich geht es darum, das Schwärmer enthaltende Wasser über eine möglichst lange Strecke, die mit feinem Sand gefüllt ist, zu schicken. Dazu eignen sich nach meiner Erfahrung z. B. die schlanken, hohen Leergehäuse von Ionenaustauschern.Weitere Informationen: Link
Quelle: JBL GmbH & Co. KG
Quelle: JBL GmbH & Co. KG
Wasserwechsel
Bei allen genannten Alternativmethoden ist der zusätzliche, tägliche, starke Wasserwechsel eine extrem gute Hilfe. Selbstverständlich wie bereits mehrfach gesagt, mit geeignetem, abgestandenem, temperiertem und durchlüftetem Wasser. Bei eigenen Behandlungen wurden bis zu 90 % täglich gewechselt.Weitere Informationen: Link

 

Versagen die alternativen Therapien oder ist ihre Durchführung aus irgendwelchen Gründen nicht möglich, bleibt als letzter Ausweg nur die Chemotherapie. Ein guter Rat: Wenn schon Chemotherapie, dann sollte man auf bewährte Mittel aus dem Fachhandel zurückgreifen.

Weitere Tipps zur Behandlung

Vor der Anwendung von empfiehlt sich ein gründliches Absaugen des Bodengrundes mit einer Mulmglocke , um möglichst viele der am Boden befindlichen Cysten des Erregers zu entfernen.

Filterung und Fütterung während der Behandlung: Biologisch stark aktive Filter, die schon längere Zeit nicht mehr gereinigt wurden, können das Arzneimittel teilweise inaktivieren. Wir empfehlen deshalb, vor der Anwendung, den Filter zu reinigen. Während der Anwendung sparsam füttern. Hinweise für den Fall der Überdosierung, Unterbrechen und Absetzen: Im Falle einer festgestellten Überdosierung ist die Hälfte des Wassers zu wechseln. Wurde eine Dosierung vergessen, sollte diese möglichst bald nachgeholt und dann, wie vorgeschrieben, fortgefahren werden.

Nach der Behandlung sollte 24 Stunden über Aktivkohle gefiltert werden, um die Medikamentenreste zu entfernen. Kohle danach entsorgen. Anschließend eine Woche lang täglich eine Dosis eines Vitaminpräperates zugeben, zur Unterstützung des Immunsystems der Fische und besseren Heilung der durch die Parasiten verursachten Verletzungen. Eine Zugabe von Filterbakterien ins Aquarienwasser hilft, geschädigte Reinigungsbakterien wieder zu ersetzen und den Filter wieder mit nitrifizierenden Bakterien zu besiedlen. Bitte in den ersten 48 Stunden nach Zugabe der Bakterien das Aquarium belüften oder für einen plätschernden Wasserrückstrom aus dem Filter sorgen.

Kontrolliere  bitte während der Behandlung und die ersten Tage nach Zugabe der Bakterien täglich die Ammonium/Ammoniak und Nitritwerte. Bei Nitritwerten von über 1,0 mg/l sollte ein sofortiger 50 % Wasserwechsel durchgeführt werden.

Dieser Parasit besitzt einen Lebenszyklus, der mehrere Stadien besitzt, in denen der Parasit nicht abgetötet werden kann. Nur in einer frei schwimmenden “Schwärmerphase” ist eine erfolgreiche Abtötung möglich. Daher empfiehlt es sich, die Wassertemperatur um 3 °C anzuheben (jedoch maximal auf 30 °C). So wird der Lebenszyklus beschleunigt und die Chance den Parasiten in der angreifbaren Schwärmerphase zu erwischen steigt beträchtlich! Seit Anfang 2005 mehren sich Berichte, in denen von resistenten Ichthyo-Stämmen berichtet wird. In den geschilderten Fällen haben alle bekannten Ichthyo-Medikationen versagt. Inzwischen ist bekannt, dass es sich um mindestens fünf verschiedene Ichthyo-Stämme handelt, die starke Resistenzen zeigen. Bei hartnäckigem Befall mit resistenten Stämmen empfiehlt sich ein Kombinationsbehandlung von mehreren Präperaten (nicht gleichzeitig).

Zusatzinformationen findest du hier:

http://aquamax.de/index.php/ichthyo.html

http://www.jbl.de/de/online-hospital/pict_diag_groups/fischkrankheiten-bestimmen-und-heilen 

 

Quelle:

JBL

Bernd Kaufmann – aquamax

2 Kommentare

  1. Hi. Toller Beitrag. Alles was man wissen muss komprimiert zusammengefasst.
    Die Diatomic Filter kannte ich noch nicht. Da muss ich mich gleich mal schlau machen.
    Schöne Grüße.

  1. Pingback: Anonymous

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.