Hemiodontichthys acipenserinus
Beschreibung
Hemiodontichthys acipenserinus, der Störwels, ist ein bis zu 13,5 cm großer Harnischwels aus der Familie Loricariidae mit einem langgestreckten, stark abgeflachten Körper und einer markant verlängerten, schnabelartigen Schnauze. Diese spezielle Kopfform erinnert an einen Stör und gab der Art ihren deutschen Namen. Der Körperbau ist schlank und durch knöcherne Plättchenreihen gepanzert, die Grundfärbung variiert von beigebraun über sandfarben bis hellgrau mit unregelmäßigen dunklen Flecken und Sattelzeichnungen, die eine hervorragende Tarnung auf sandigem Untergrund bieten.
Im Aquarium zeigt der Störwels ein ruhiges, überwiegend dämmerungs- und nachtaktives Verhalten. Tagsüber vergraben sich die Tiere häufig im Sand und lassen nur Augen und Schnauzenspitze herausragen. Bei Dunkelheit werden sie aktiv und durchsuchen den Bodengrund methodisch nach Nahrung. Diese Art ist kein typischer Aufwuchsfresser wie viele andere Loricariiden, sondern ein spezialisierter Substratsucher, der bevorzugt kleine Wirbellose aus dem Sand filtert.
Hervorzuheben ist das Brutverhalten: Hemiodontichthys acipenserinus ist ein Lippenbrüter. Das Männchen trägt die befruchteten Eier an den vergrößerten Lippen mit sich, bis die Larven schlüpfen. Dieses seltene Brutpflegeverhalten macht die Art biologisch besonders interessant und unterscheidet sie deutlich von den meisten anderen Harnischwelsen.
Besonderheiten
- Lippenbrüter: Männchen tragen die Eier an vergrößerten Lippen bis zum Schlupf der Larven.
- Schlank und stark abgeflacht mit verlängerter, störartiger Schnauze (namensgebend).
- Dämmerungs- und nachtaktiv; vergräbt sich tagsüber im Sand.
- Spezialisierter Substratsucher, kein klassischer Aufwuchsfresser.
- Feinsandiger Bodengrund ist Pflicht für artgerechte Haltung.
- Kupferempfindlich wie alle Loricariidae.
Vergesellschaftungshinweise
Hemiodontichthys acipenserinus wird am besten paarweise oder in kleinen Gruppen gehalten. Die Tiere sind untereinander weitgehend friedlich; leichte Revierdiskussionen zwischen Männchen können auftreten, verlaufen aber in der Regel harmlos. Das Temperament ist insgesamt ruhig und zurückhaltend. Gegenüber anderen Bodenarten zeigt die Art keine nennenswerte Aggression, sofern ausreichend Bodenfläche und Versteckmöglichkeiten vorhanden sind.
Verträglichkeit mit Wirbellosen: Schnecken werden toleriert. Garnelen können als Nahrung betrachtet werden, insbesondere kleine Junggarnelen. Adulte Großgarnelen sind in der Regel sicher.
Für eine Vergesellschaftung eignen sich ruhige, friedliche südamerikanische Arten: kleinere Salmler, Panzerwelse, andere nicht zu dominante Harnischwelse und Zwergbuntbarsche wie Apistogramma. Große, aggressive Cichliden sowie ostafrikanische Hartwasserbuntbarsche (Malawi, Tanganjika) sind wegen abweichender Wasseransprüche und Bioregion ungeeignet.
Geschlechtsdimorphismus
Männchen besitzen deutlich vergrößerte, fleischige Lippen, die zur Brutpflege dienen. Zusätzlich sind die Brustflossenstrahlen der Männchen stärker verdickt und mit feinen Odontoden besetzt. Weibchen sind in der Regel etwas fülliger im Bauchbereich und haben kleinere Lippen. Die Geschlechtsunterschiede sind bei adulten Tieren gut erkennbar.
Haltungstipps / Pflege
Wasserwerte für die Aquarienhaltung: Temperatur 24–28 °C, pH 6,0–7,0, GH 2–12 °dGH.
Ein Becken mit mindestens 100 cm Kantenlänge und 160 Litern ist für ein Paar die untere Grenze. Feiner, weicher Sand als Bodengrund ist unbedingt nötig, da sich die Tiere regelmäßig eingraben und mit der empfindlichen Schnauze den Boden durchsuchen. Grober Kies oder scharfkantiges Substrat kann die Schnauze verletzen.
Die Einrichtung sollte reichlich Versteckmöglichkeiten bieten: Wurzeln, flache Steine, Röhren und überhängende Strukturen schaffen die nötigen Tagesverstecke. Eine dichte Randbepflanzung mit robusten Pflanzen wie Anubias oder Javafarn ergänzt die Einrichtung. Offene Sandflächen für das natürliche Suchverhalten sollten erhalten bleiben.
Die Strömung sollte moderat sein. Gedämpfte Beleuchtung fördert die Aktivität der dämmerungsaktiven Tiere. Regelmäßige Wasserwechsel und gute Filterung sind wichtig.
Wie alle Loricariidae ist Hemiodontichthys acipenserinus kupferempfindlich. Kupferhaltige Medikamente dürfen nicht eingesetzt werden. Bei guter Pflege erreichen die Tiere ein Alter von ca. 8–10 Jahren.
Zucht und Fortpflanzung
Fortpflanzungstyp: Lippenbrüter. Zuchtschwierigkeit: Mittel.
Hemiodontichthys acipenserinus zeigt ein seltenes Brutverhalten unter den Harnischwelsen: Das Männchen trägt die befruchteten Eier an den vergrößerten Unterlippen. Die Eiablage erfolgt auf einer gereinigten Fläche, anschließend nimmt das Männchen das Gelege auf. Die Tragzeit beträgt mehrere Tage, bis die Larven schlüpfen und das Männchen sie freigibt. Während der Tragzeit nimmt das Männchen kaum Nahrung auf.
Für die Zucht empfehlen sich weicheres, leicht saures Wasser (pH 6,0–6,5, GH unter 8 °dGH) und eine Temperatur um 26–27 °C. Ein ruhiges, separates Zuchtbecken mit feinem Sand und Versteckmöglichkeiten ist ideal. Die Aufzucht der Jungfische erfolgt mit feinem Staubfutter und frisch geschlüpften Artemia-Nauplien.
Ernährung/Futterbedarf
Ernährungstyp: Aufwuchsfresser mit karnivoler Tendenz.
Hemiodontichthys acipenserinus ist kein typischer Algenfresser, sondern ein spezialisierter Substratsucher. In der Natur filtert die Art kleine Wirbellose, Insektenlarven und organisches Material aus dem Sandboden. Im Aquarium sollte die Fütterung dieser Lebensweise entsprechen: Sinkende Frostfuttersorten wie Mückenlarven, Artemia, Cyclops und Daphnien bilden die Grundlage. Ergänzend können hochwertige Bodentabletten und gelegentlich Algenwafer angeboten werden. Lebendfutter wie Tubifex oder kleine Würmer regt das natürliche Suchverhalten an und wird sehr gut angenommen. Mehrere kleine Fütterungen in den Abendstunden sind einer großen Tagesfütterung vorzuziehen.
Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Natürlicher Lebensraum
Hemiodontichthys acipenserinus stammt aus dem nördlichen Südamerika und ist in Gewässersystemen in Venezuela, Kolumbien, Brasilien, Peru, Bolivien und Guyana verbreitet. Die Art bewohnt bevorzugt langsam fließende Flüsse und Nebengewässer mit sandigem Untergrund. Typische Habitate sind flache Uferbereiche und Sandbänke in klaren bis leicht trüben Gewässern, wo sich die Tiere im feinen Sand eingraben und auf Nahrungssuche gehen. Die natürliche Umgebung ist strukturreich mit Wurzeln, Totholz und teilweise überhängender Vegetation.