Hyphessobrycon eques
Beschreibung
Der Blutsalmler (Hyphessobrycon eques) ist ein kleiner, gedrungener Salmler mit leuchtend roter bis dunkelroter Grundfärbung, die ihm seinen deutschen Namen eingebracht hat. Ein charakteristischer schwarzer Schulterfleck hinter dem Kiemendeckel sowie weiß gesäumte Rücken- und Bauchflossen mit schwarzer Zeichnung machen ihn zu einem der kontrastreichsten Salmler im Aquarium. Mit einer Maximalgröße von bis zu 4 cm (TL) gehört er zu den mittelgroßen Vertretern der Gattung.
Im Aquarium bewegt sich der Blutsalmler vorwiegend in der mittleren Wasserschicht und hält sich bevorzugt in Bereichen mit dichter Bepflanzung und gedämpftem Licht auf. Die intensive Rotfärbung verstärkt sich in weichem Wasser mit Tanninen und bei dunklem Bodengrund.
Diese Art ist ein bekannter Flossenzupfer – eine ihrer wichtigsten Haltungseigenschaften, die bei der Vergesellschaftung berücksichtigt werden muss.
Besonderheiten
- Bekannter Flossenzupfer – nicht mit langflossigen oder langsamen Arten vergesellschaften
- Semi-aggressiv, besonders in zu kleinen Gruppen oder zu engen Becken
- Mittlere Wasserschicht als Hauptschwimmbereich
- Starker Schwarmcharakter – Mindestgruppe 10 Tiere, besser 12+
- Empfindlich gegenüber schnellen Wasserwertwechseln
- Intensive Rotfärbung verstärkt sich in Weichwasser mit Tanninen
- Juvenile Garnelen werden gefressen
- Springrisiko niedrig, dennoch Abdeckung empfohlen
- Empfindlich gegenüber Kupfer und Malachitgrün – bei Krankheitsbehandlung nur halbe Dosis oder alternative Mittel verwenden
Vergesellschaftungshinweise
Hyphessobrycon eques ist ein Schwarmfisch, der in Gruppen von mindestens 10–12 Individuen gehalten werden sollte. Ein höherer Weibchenanteil ist empfehlenswert, da Männchen innerartliche Revierkämpfe austragen können.
Das Temperament ist semi-aggressiv. Der Blutsalmler ist als Flossenzupfer bekannt und nagt an Artgenossen wie an anderen Arten. Dieses Verhalten ist artspezifisch und gehört zum natürlichen Verhaltensrepertoire. Nicht geeignete Partner: Skalare, Fadenfische, Guppys, Kampffische und alle langsam schwimmenden oder langflossigen Arten.
Geeignet sind robuste, ähnlich große Arten wie andere Hyphessobrycon-Salmler und Panzerwelse (Corydoras). Schnecken werden toleriert. Garnelen: Junggarnelen gefährdet, adulte meist toleriert.
Geschlechtsdimorphismus
Weibchen sind deutlich rundlicher im Körperbau und bei Laichreife mit sichtbar gefülltem Bauch zu erkennen. Männchen erscheinen schlanker und können während der Fortpflanzungsphase lebhafter und territorialer werden. Ein höherer Weibchenanteil in der Gruppe reduziert innerartliche Aggression.
Haltungstipps / Pflege
Empfohlene Wasserwerte: 23–28 °C, pH 5,5–7,5, GH 5–15 °dGH. Weichwasser ist bevorzugt; oberhalb von 15 °dGH lässt die Farbintensität nach.
Beckengröße: Mindestens 80 cm Kantenlänge (ca. 112 Liter). Bei Vergesellschaftung empfehlen sich 100 cm / 180+ Liter, da mehr Raum aggressives Verhalten deutlich reduziert.
Dunkler Bodengrund hebt die rote Färbung hervor. Dichter Pflanzenwuchs an den Rändern mit offenen Schwimmzonen in der Mitte, Wurzelholz und Seemandelbaumblätter schaffen Verstecke und geben Tannine ab. Strömung: schwach bis mäßig. Beleuchtung: gedämpft bis moderat.
Der Blutsalmler ist eine lebhafte, farbintensive Art, die aufgrund ihres Flossenzupfverhaltens eine sorgfältige Vergesellschaftung erfordert. Werden Mindestgruppe und Beckengröße eingehalten, ist er ein dekorativer Schwarmfisch für das Südamerika-Aquarium.
Zucht und Fortpflanzung
Die Zucht ist gut dokumentiert. H. eques ist ein Freilaicher ohne elterliche Pflege. Zuchtschwierigkeit: mittel.
Empfohlenes Zuchtbecken: 10–20 Liter, leicht saures Wasser (pH 6,0–6,8), weiches Wasser (GH 2–8 °dGH), Temperatur ca. 27–28 °C. Eischutz durch feines Netz, Glasperlen oder dichte Wasser-Moose. Gedämpfte Beleuchtung und sanfte Durchlüftung via Schwammfilter.
Laich erfolgt oft in den Morgenstunden. Elterntiere nach erfolgreicher Ablage sofort entfernen. Larven schlüpfen nach ca. 24–36 Stunden, schwimmen nach 3–4 Tagen frei. Erstfutter: Paramecium, ab Tag 5–7 Artemia-Nauplien und Mikrowürmer.
Ernährung/Futterbedarf
H. eques ist ein Allesfresser mit deutlicher Vorliebe für tierische Kost. Im Aquarium eignen sich Lebendfutter (Artemia-Nauplien, Daphnien, Cyclops, Mückenlarven), Frostfutter, hochwertiges Flocken- oder Granulatfutter sowie gelegentlich Spirulina-Flocken. Mehrere kleine Portionen täglich sind empfehlenswert; ausreichende Ernährung reduziert das Flossenzupfverhalten nachweislich.
Natürlicher Lebensraum
Hyphessobrycon eques kommt im Amazonas-Einzugsgebiet vor, mit Verbreitungsschwerpunkten in Brasilien, Peru und Bolivien sowie im Río-Paraguay-System. Die Art besiedelt bevorzugt ruhige bis träge fließende Randbereiche – stehende oder langsam strömende Zuflüsse, Altwässer und überschwemmte Bereiche mit dichter Randvegetation.