Betta splendens

Deutscher Name: Siamesischer Kampffisch

Herkunft:
Südostasien
Farben:
braun, gelb, orange, schwarz, weiß
Schwierigkeit:
Einfach (Fortgeschrittene Anfänger)
Art: Betta splendens
Gattung: Betta
Familie: Osphronemidae

Beschreibung

Der Siamesische Kampffisch (Betta splendens) wird bis zu 7 cm groß und ist mit seinem Labyrinthorgan einer der bekanntesten Vertreter der Osphronemidae. Wildformen tragen eine zurückhaltende bräunlich-grünliche Grundfärbung mit kurzen Flossen und leicht glänzenden Schuppen. Die zahlreichen Zuchtformen (Plakat, Halfmoon, Crowntail, Koi, Dragon) zeigen dagegen eine enorme Bandbreite an Farben und Flossenformen, von intensivem Rot über Blau bis hin zu Mehrfarbmustern mit stark verlängerten Schwanz-, Rücken- und Afterflossen. Im Aquarium hält sich B. splendens bevorzugt im oberen Beckenbereich auf. Männchen markieren und patrouillieren ihr Revier, nutzen Pflanzenblätter und Schaumnester als Orientierungspunkte und zeigen bei Eindringlingen betonte Flossenfächerbewegungen bis hin zu schnellen Angriffen. Weibchen sind gedrungener gebaut und weniger territorial, können aber in geeigneten Gruppen Rangordnungen bilden. Die zentrale Besonderheit ist das Labyrinthorgan, ein suprabranchiales Atemhilfsorgan, das atmosphärische Luft zu atmen ermöglicht. Die Wasseroberfläche darf deshalb nie komplett abgedeckt sein. Zusammen mit den typischen Schaumnest-Balzritualen und der Anpassung an sauerstoffarme Stillgewässer macht das B. splendens zu einem Fisch mit klaren Haltungsanforderungen.
Sozialverhalten: Einzelgänger
Temperament: aggressiv
Verträglichkeit mit Wirbellosen: mittel

Besonderheiten

  • Labyrinthfisch: besitzt ein Labyrinthorgan und muss atmosphärische Luft an der Oberfläche atmen. Wasseroberfläche nie komplett abdecken!
  • Schaumnestbauer: Männchen baut Schaumnester an der Wasseroberfläche zur Brutpflege
  • Springer: Kann gelegentlich aus dem Wasser springen. Abdeckung zwingend nötig, dabei Spalt zur Oberfläche lassen
  • Stillwasser: Keine starke Strömung! Schwammfilter oder gedrosselte Filterung verwenden
  • Einzelgänger: Männchen niemals zusammen halten. Auch Spiegelkontakt vermeiden
  • Zuchtformen: Plakat, Halfmoon, Crowntail, Koi, Dragon, Nemo und viele weitere Farbvarianten
  • Angepasst an sauerstoffarme, flache Gewässer mit dichter Vegetation
  • IUCN-Status: Wildform als „Vulnerable“ (gefährdet) eingestuft. Zuchtformen in Gefangenschaft häufig, genetisch reine Wildpopulationen durch Lebensraumverlust und Genverunreinigung bedroht
  • Zuchtform-Krankheiten: Dragonscale-Varianten neigen zu „Diamond Eye“ (Erblindung durch Schuppenüberwuchs), blaue/schwarze Varianten zu Graphite Disease (unheilbare Mykobakteriose), Doppelschwanz-Formen zu Schwimmblasenproblemen durch verkürzten Wirbelsäulenbau

Vergesellschaftungshinweise

Betta splendens ist ein Solitärfisch. Männchen zeigen starkes Territorialverhalten gegenüber Artgenossen und dürfen unter keinen Umständen zusammen gehalten werden. Einzelhaltung ist der Standard. Haremshaltung (ein Männchen mit mehreren Weibchen) ist nur erfahrenen Aquarianern in deutlich größeren, stark strukturierten Becken vorbehalten. Von der oft beworbenen Weibchen-Gruppenhaltung (Sorority) raten erfahrene Halter heute zunehmend ab: Weibchen sind oft ähnlich territorial wie Männchen, die Gruppen bedeuten Dauerstress und enden häufig in Verletzungen. Einzelhaltung im Artenbecken ist die sicherste und artgerechteste Haltungsform. Außerhalb der Brutzeit verhält sich B. splendens gegenüber ruhigen, unauffälligen Beifischen oft gelassen und bewegt sich selbstsicher im oberen Beckenbereich. In der Brutzeit steigt die Aggressivität massiv an: Das Männchen verteidigt sein Schaumnest vehement und attackiert jeden Eindringling. Das Weibchen muss nach der Eiablage sofort entfernt werden. Mit Wirbellosen ist die Verträglichkeit eingeschränkt. Adulte Zwerggarnelen (Neocaridina/Caridina) werden meist toleriert, Junggarnelen und Garnelenlarven gelten als Beute. Schnecken sind in der Regel kein Problem. Geeignete Beifische stammen aus Südostasien: kleine, friedliche Rasboras (z. B. Trigonostigma heteromorpha) und ruhige südostasiatische Schmerlen (z. B. Yunnanilus). Farblich markante oder langflossige Arten werden als Rivalen wahrgenommen und sind ungeeignet. Afrikanische Cichliden (Malawi, Tanganjika) und südamerikanische Bodenfische wie Corydoras passen bioregional nicht zusammen.

Geschlechtsdimorphismus

Die Geschlechter sind bei Betta splendens gut zu unterscheiden. Männchen tragen deutlich verlängerte, oft opulent geformte Rücken-, After- und Schwanzflossen und zeigen intensivere, kontrastreichere Farben. Ihr Körperbau ist schlanker, und in Balzstimmung breiten sie die Flossen fächerförmig aus. Bei Hochzuchtformen sind die Flossenunterschiede extrem ausgeprägt. Weibchen sind gedrungener, haben kürzere Flossen und eine weniger intensive Färbung. Im Bauchbereich sind sie fülliger, und am Unterbauch ist eine weiße Genitalpapille (Laichröhre) sichtbar. An Körpergröße nehmen sich beide Geschlechter wenig: Beide erreichen 6-7 cm Standardlänge (SL).
Größe: ca. 7 cm

Haltungstipps / Pflege

Die Haltung gelingt bei einer Wassertemperatur von 24-30 °C, einem pH-Wert von 6-8 und einer Gesamthärte von 5-15 °dGH. Gleichmäßige Temperaturen innerhalb dieses Bereichs sind wichtig, da starke Schwankungen die Krankheitsanfälligkeit erhöhen. Als Mindestbeckengröße gelten 60 cm Kantenlänge und 54 Liter für ein einzelnes Tier. Haremshaltung oder Weibchengruppen erfordern deutlich mehr Platz. Dichte Bepflanzung mit fein- und großblättrigen Pflanzen, Schwimmpflanzen zur Abschattung, Wurzeln und Höhlen schaffen eine naturnahe Einrichtung. Als Bodengrund eignet sich Sand oder feiner Kies, optional mit einer Laubschicht. Entscheidend ist der freie Zugang zur Wasseroberfläche: Das Labyrinthorgan benötigt atmosphärische Luft. Zwischen Wasserspiegel und Abdeckung muss ein Spalt von mehreren Zentimetern bleiben, damit die Tiere Luft atmen können. Mindestens genauso wichtig: Die Abdeckung sorgt dafür, dass sich über dem Wasser eine Schicht warmer, feuchter Luft bildet. Atmet ein Kampffisch kalte Zimmerluft ein, kann sich das empfindliche Labyrinthorgan entzünden, was häufig tödlich endet. Gleichzeitig schützt die Abdeckung vor dem gelegentlichen Springen. Strömung und Filterung verdienen besondere Aufmerksamkeit. Betta splendens stammt aus Stillwasser und verträgt keine starke Strömung. Schwammfilter, Hamburger Mattenfilter oder stark gedrosselte Außenfilter ohne Oberflächenverwirbelung sind ideal. Starke Strömung stresst die Tiere und verhindert den Schaumnestbau. Moderate bis gedämpfte Beleuchtung, regelmäßige Wasserwechsel und artgerechte Fütterung verbessern Kondition und Farbintensität. Die Lebenserwartung liegt bei guter Pflege bei 2-4 Jahren.
Wasserhärte:
weich bis hart
pH-Wert
6-8
Temperatur:
24-30 °C
Beckengröße:
ab 60 cm, 54 Liter

Zucht und Fortpflanzung

Die Zucht von Betta splendens ist gut dokumentiert und in der Aquaristik weit verbreitet. Auch ambitionierte Einsteiger können Erfolge erzielen, die Schwierigkeit ist mittel. Fortpflanzungstyp: Schaumnestbauer. Das Männchen baut ein Schaumnest aus Luftblasen an der Wasseroberfläche, das als Brutplatz dient. Für die Zucht empfehlen sich leicht abweichende Werte: Temperatur 27-29 °C, pH 6-7, GH bis maximal 10 °dGH. Ein separates Zuchtbecken mit ruhigem Wasser und Schwimmpflanzen als Nestunterlage ist ideal. Zur Konditionierung werden beide Tiere 1-2 Wochen reichlich mit proteinreichem Lebend- und Frostfutter gefüttert: Mückenlarven, Artemia, Daphnien und Fruchtfliegen. Männchen und Weibchen werden zunächst durch einen Sichtschutz getrennt aneinander gewöhnt. Sobald das Männchen ein Schaumnest baut und das Weibchen Laichbereitschaft zeigt (senkrechte Streifen, Annäherung an den Sichtschutz), werden sie zusammengelassen. Bei der Paarung umschlingt das Männchen das Weibchen. Die Eier fallen herab, das Männchen sammelt sie im Maul und platziert sie im Schaumnest. Ein Gelege umfasst 100-300 Eier. Das Weibchen wird nach dem Ablaichen sofort entfernt, da das Männchen es sonst angreift. Die Eier schlüpfen nach 24-48 Stunden bei 27-28 °C. Die Larven bleiben weitere 3-4 Tage im Nest, während das Männchen sie bewacht und zurückfallende Larven wieder einsammelt. Nach dem Freischwimmen wird auch das Männchen entfernt. Die Jungfische brauchen zunächst Infusorien oder Pantoffeltierchen, nach einigen Tagen frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien und Mikrowürmchen. Geschlechtsreife tritt nach etwa 3 Monaten ein.

Ernährung/Futterbedarf

Betta splendens ist ein Karnivor. In der Natur erbeutet die Art vor allem aquatische und terrestrische Insekten und Wirbellose. Im Aquarium steht proteinreiche Kost im Mittelpunkt: Lebend- und Frostfutter wie schwarze und weiße Mückenlarven, Artemia, Daphnien, Tubifex und Fruchtfliegen sind die erste Wahl. Hochwertiges, proteinreiches Granulat oder Pellets speziell für Kampffische eignet sich als Basisfutter. Pflanzliche Nahrung spielt in der Ernährung keine nennenswerte Rolle. Abwechslung zwischen verschiedenen Futtersorten fördert die Kondition und Farbintensität. Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Ernährungstyp: Fleischfresser (Carnivore)
Alterserwartung
2-4 Jahre

Natürlicher Lebensraum

Betta splendens stammt aus Zentralthailand und wurde ursprünglich aus dem Chao-Phraya-Becken beschrieben (Typuslokalität: Menam River). Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Provinz Chiang Rai im Norden bis Surat Thani und Phang Nga im Süden. Eingeführte Populationen existieren in weiteren Teilen Südostasiens, sind aber nicht nativ. Die Art besiedelt stehende bis sehr langsam fließende Gewässer: Sümpfe, überflutete Reisfelder, Tümpel, Entwässerungsgräben und Kanäle. Charakteristisch sind dichte Vegetation, reichlich organisches Material aus Laub, Wurzeln und Huminstoffen sowie niedrige Wasserstände, besonders während der Trockenzeit. Die Strömung ist typischerweise minimal oder nicht vorhanden. Die Fähigkeit zur Luftatmung über das Labyrinthorgan ist ein entscheidender Überlebensvorteil in diesen sauerstoffarmen Habitaten.

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Guten Tag! Auch hier sehe ich einige Angaben die mehr als veraltet sind und immer wieder für das Tod der Tiere sorgt! Gerade die Haremshaltung sorgt für viele Verluste. Entweder ist ein Männchen zu aggressiv und tötet die Damen, ist zu genügsam und stirbt am Stress, wird von einem aggressiven Weibchen getötet oder diese sterben an einer Laichverhärtung. Auch hier würde ich Ihnen gerne meinen Bericht zeigen um eventuell die alten Angaben auffrischen zu können und ein Zeichen für eine Artgerechte Haltung setzen können! Gerne kann ich Ihnen einige Bilder zur Verfügung stellen. Betta splendens (im Text „Kampffisch“) ist wohl… Weiterlesen »

Moin,

erlaube mir, eine kleine Anmerkung bzgl. Vergesellschaftung mit Garnelen.

Nach meiner Erfahrung klappt die Vergesellschaftung mit Zwerggarnelen nicht, werden ausnahmslos gekillt.

Kampffische sind nun mal geduldige Lauerjäger.

Schon größere Amano- und Glasgarnelen könnten sich zur Vergesellschaftung eignen.

Bei größeren Garnelen, wie Ringelhand & Co, könnte es wiederum für die Splendens gefährlich werden.

Noch etwas zur Fütterung. Um Verfettung zu vermeiden, reicht es, ca. drei mal wöchentlich zu füttern.

LG

Chris

Hallo Chis!

Neben B. Splendens züchte ich einige andere betta wildformen und kann dir sagen: 2/3 leben zusammen mit Neocaridna 😉

Sie sind wahre Charaktertiere. Bei dem einen klappt es, bei dem anderen nicht. Du hast also einen erwischt der diese zum fressen gerne hat 😉

Was das Thema verfettung angeht hast du recht, alle 2 – 3 Tage genügt

Liebe Grüße
Jessy

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