Mastacembelus favus
Beschreibung
Der Reifenstachelaal (Mastacembelus favus) ist ein großer Stachelaal aus der Familie Mastacembelidae und erreicht bis zu 70 cm Standardlänge; im Aquarium bleiben die Tiere meist kleiner. Der Körper ist gestreckt, aalähnlich und seitlich leicht abgeflacht. Die Rückenflosse trägt zahlreiche kurze Stacheln, die Schnauze ist zugespitzt mit einem rüsselartigen Fortsatz. Kennzeichnend ist die netzartige dunkle Zeichnung auf hellerem Grund, die sich über den gesamten Körper zieht und den Bauch vollständig umschließt. Sie erinnert an Reifenspuren und gab der Art ihren deutschen wie englischen Namen (Tire Track Eel). Genau dieses Merkmal unterscheidet den Reifenstachelaal vom ähnlichen Marmorstachelaal (Mastacembelus armatus), dessen Zickzackmuster auf die obere Körperhälfte beschränkt bleibt und dessen Bauch ungemustert ist. Im Handel werden beide Arten regelmäßig verwechselt; einen Fisch mit dem Namen „Mastacembelus armatus favus“ gibt es nicht, es handelt sich um zwei eigenständige Arten. Im Aquarium ist die Art dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber sucht sie Verstecke zwischen Wurzeln und Höhlen und gräbt sich gerne teilweise in weiches Substrat ein. Gegenüber kleinen Beifischen und Wirbellosen verhält sie sich als opportunistischer Beutegreifer.
Besonderheiten
- Hohe Sprungneigung: lückenlose Abdeckung des Aquariums ist Pflicht
- Große Endgröße bis 70 cm SL, benötigt ein sehr großes Becken
- Nacht- und dämmerungsaktiv, gräbt sich teilweise in Substrat ein
- Netzartige Zeichnung über den ganzen Körper, die den Bauch vollständig umschließt (Reifenspur-Muster): das sichere Unterscheidungsmerkmal zum Marmorstachelaal
- Wird im Handel häufig als Mastacembelus armatus verkauft
- Opportunistischer Räuber: kleine Fische und Wirbellose sind Beute
- Keine Aquarienzucht bekannt, in Südostasien jedoch Gegenstand von Aquakulturforschung
- Lebenserwartung bis 18 Jahre (Richtwert)
- Kupferempfindlich: Die winzigen, tief in die Haut eingebetteten Schuppen lassen Kupfer rasch durchtreten. Kupferhaltige Medikamente und Pflanzendünger meiden, bei Erkrankungen kupferfreie Mittel wählen.
Vergesellschaftungshinweise
Mastacembelus favus wird am häufigsten einzeln gehalten. In sehr großen Becken ist die Haltung von Gruppen ab 5 Tieren möglich. Das Temperament ist gegenüber gleichgroßen Fischen relativ verträglich, gegenüber kleinen Arten jedoch räuberisch. Geeignete Beifische sind robuste, mittelgroße bis große Arten aus Süd- oder Südostasien, die deutlich zu groß sind, um als Beute zu dienen. Kleine Schwarmfische, Garnelen und Jungfische sind ungeeignet. Die Haltung eines einzelnen Exemplars in einem ausreichend großen Becken ist oft die sinnvollste Option. Schnecken gehören zum natürlichen Beutespektrum und werden gefressen; für die Pflege von Zierschnecken ist die Art nicht geeignet.
Geschlechtsdimorphismus
Der deutlichste Geschlechtsunterschied betrifft das Körpervolumen der Weibchen während der Fortpflanzungsphase: Weibchen werden im Laichzustand deutlich fülliger als Männchen. Konkrete, gesicherte Angaben zu Unterschieden in Körperlänge, Färbung oder Flossenform liegen nicht vor.
Haltungstipps / Pflege
Der Reifenstachelaal benötigt ein Aquarium ab 360 cm Kantenlänge (ab 2.700 Liter) für adulte Tiere. Jüngere Tiere können vorübergehend in kleineren Becken (ab 150 cm) gepflegt werden. Empfohlene Wasserwerte: 24-28 °C, pH 6,0-7,5, GH 5-12 °dGH. Als Substrat ist ausschließlich feiner, weicher Sand geeignet, da sich die Tiere regelmäßig eingraben und an scharfkantigem Kies Hautverletzungen erleiden können. Zahlreiche Verstecke aus Wurzeln, Steinaufbauten, Tonröhren und PVC-Rohren bieten. Bepflanzung nur mit robusten Arten wie Javafarn möglich. AUSBRUCHSICHER: Stachelaale finden selbst durch kleinste Spalten einen Weg aus dem Becken. Eine lückenlos schließende Abdeckung ist notwendig. Sämtliche Öffnungen müssen abgedichtet werden. Eine starke biologische und mechanische Filterung ist unerlässlich. Wöchentliche Wasserwechsel von 25-30 %.
Zucht und Fortpflanzung
Im Aquarium liegen keine Berichte über eine erfolgreiche Nachzucht vor. Mastacembelus favus ist ein Freilaicher ohne Brutpflege mit äußerer Befruchtung. In Südostasien ist die Art Gegenstand der Aquakulturforschung: dort wurde die Laichbildung mit Hormonbehandlung (Ovaprime) ausgelöst. Auf das Aquarium ist das nicht übertragbar. In der Natur fallen die Laichzeiten mit der Regenzeit und dem Ansteigen der Wasserstände zusammen, was auf saisonale Reize als Laichauslöser hindeutet. Konkrete Angaben zu Laichplätzen, Gelegegröße und Inkubationsdauer sind aus dem Hobby nicht bekannt.
Ernährung/Futterbedarf
Der Reifenstachelaal ist ein ausgeprägter Karnivor und benötigt ausschließlich fleischhaltige Kost. Bevorzugt werden Regenwürmer, Mückenlarven, Tubifex, Krill, Garnelen, Muschelfleisch, Stinte und gelegentlich kleine Fische. Trockenfutter wird in der Regel verschmäht. Die Fütterung sollte abends oder nachts erfolgen, da die Tiere tagsüber oft nicht fressen. Jungtiere benötigen kleinere Futtertiere wie Artemia und fein gehackten Regenwurm.
Natürlicher Lebensraum
Mastacembelus favus ist in Südostasien verbreitet. Das Verbreitungsgebiet umfasst die Einzugsgebiete von Mekong und Chao Phraya mit Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam sowie die Malaiische Halbinsel. Die Art lebt in Fließgewässern, Altarmen und langsam strömenden Abschnitten mit komplexer Struktur aus Wurzeln, Totholz und sandigem oder kiesigem Substrat. Die Naturhabitate weisen wechselnde Wasserstände und saisonale Überflutungen auf.