Amia calva
Beschreibung
Der Kahlhecht (Amia calva) ist der einzige noch lebende Vertreter der Familie Amiidae und damit ein lebendes Fossil mit rund 100 Millionen Jahren Stammesgeschichte. Er besitzt einen langgestreckten, walzenförmigen Körper mit einer sehr langen Rückenflosse, die sich über den größten Teil der Rückenlinie erstreckt. Die Grundfärbung variiert von olivgrün bis braun; Männchen tragen einen markanten, gelb-orange umrandeten schwarzen Augenfleck an der oberen Schwanzwurzel.
Amia calva ist ein fakultativer Luftatmer: Die stark vaskularisierte Schwimmblase fungiert als akzessorisches Atemorgan und erlaubt es ihm, sauerstoffarmes Wasser zu tolerieren und bei Bedarf an der Oberfläche Luft zu schlucken.
Wichtiger Hinweis: Die Art erreicht bis zu 90 cm SL (max. 109 cm TL) und ist für normale Heimaquarien nicht geeignet. Die Haltung ist spezialisierten Einrichtungen und erfahrenen Aquarianern mit entsprechender Infrastruktur vorbehalten.
Besonderheiten
- Solitärer Lauerjäger mit starkem Territorialverhalten
- Fakultativer Luftatmer (vaskularisierte Schwimmblase)
- Springer: Becken muss mit fest schließender, beschweter Abdeckung gesichert sein
- Sehr lange Rückenflosse über nahezu die halbe Körperlänge
- Ausgeprägte Saisonalität: Winterrückzug, Frühjahrslaich
- Brutpflege durch das Männchen: Nestbau und Jungtierschutz
- Einzige rezente Art der Familie Amiidae (lebendes Fossil)
Vergesellschaftungshinweise
Amia calva ist ein solitärer, hochgradig räuberischer Lauerjäger. Die Art ist territorial und aggressiv gegenüber Artgenossen wie auch gegenüber anderen Fischen. In der Brutzeit steigt die Aggressivität des Männchens erheblich. Die Art wird am besten einzeln gehalten.
Sämtliche kleineren Fische, alle Krebstiere, Garnelen und Amphibien werden als Beute betrachtet. Schnecken sind ebenfalls gefährdet. Für Vergesellschaftung kommen nur sehr große, robuste Nordfischarten in Betracht, die nicht ins Beutespektrum fallen und kühle Wasserwerte tolerieren.
Geschlechtsdimorphismus
Männchen sind in der Regel kleiner als Weibchen. Das markanteste Merkmal ist der schwarze Augenfleck mit gelb-oranger Umrandung an der oberen Schwanzwurzel, den nur Männchen deutlich ausgeprägt tragen. Bei Weibchen fehlt er oder ist nur als dunkler Fleck ohne farbige Umrandung sichtbar.
Haltungstipps / Pflege
Wasserwerte: Temperatur 15 bis 24 °C, pH 6,0 bis 7,5, GH 3 bis 15 dGH. Die Art erfordert im Sommer eine Kühlung des Wassers.
Mindestens 180 x 60 cm Bodenfläche und über 1.000 Liter. Das Becken muss mit einer fest schließenden, beschwerten Abdeckung gesichert sein, da der Kahlhecht hervorragend springt. Weicher Bodengrund (Sand oder Feinkies). Dichte Bepflanzung und zahlreiche Verstecke aus Wurzeln und Treibholz. Schwache bis moderate Strömung. Schattige Bereiche.
Fütterung 2 bis 3 Mal pro Woche für Adulte. Die große Futterbiomasse erfordert leistungsstarke Filterung und häufige Wasserwechsel. Vorsicht: Amia calva besitzt sehr scharfe Zähne und schlägt beim Fressakt schnell zu.
Amia calva ist ein archaischer Raubfisch, dessen Haltung für spezialisierte Aquarianer mit Chiller, sehr großer Anlage und gesicherter Abdeckung in Betracht kommt. Für normale Heimaquarien ist die Art nicht geeignet.
Zucht und Fortpflanzung
In der Natur gut dokumentiert; aquaristische Nachzuchten existieren nicht oder nur in Einzelfällen. Laichtemperatur 16 bis 19 °C, getriggert durch steigende Frühjahrstemperaturen.
Substratlaicher mit väterlicher Brutpflege. Das Männchen räumt eine flache Nestmulde aus und bewacht Eier und Jungfische intensiv. Inkubationszeit ca. 8 bis 10 Tage bei 16 bis 19 °C. Larven verbleiben 7 bis 10 Tage im Nest. Das Männchen bewacht die Jungfische bis ca. 10 cm Länge. Gelegekapazität in der Natur: 23.000 bis 64.000 Eier. Zuchtschwierigkeit: für die Heimaquaristik nicht realisierbar.
Ernährung/Futterbedarf
Obligater Karnivore. In der Natur erbeutet Amia calva Fische, Krebstiere, Amphibien, Insekten und Weichtiere. Im Aquarium: Weißfische, Stinte, Regenwürmer, Krebstiere, Muschelfleisch, große Insektenlarven und Frostfutter. Rinderherz nur gelegentlich und in kleinen Mengen. Lebend- und Frostfutter bevorzugen. Adulte 2 bis 3 Mal pro Woche füttern.
Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Natürlicher Lebensraum
Amia calva ist in Nordamerika verbreitet: vom St. Lawrence-System, den Großen Seen und dem Mississippi-Einzugsgebiet bis nach Texas und Florida. Die Art bewohnt Stillgewässer mit dichter Ufervegetation, Seenbuchten, Altwasserarme und langsam fließende Flusspassagen. Der Bodengrund ist meist Schlamm oder feiner Sand. Die Art zeigt saisonale Wanderungen und zieht sich im Winter in tiefere Zonen zurück.