Chromidotilapia guntheri

Deutscher Name: Günthers Prachtbuntbarsch

Bild: Enrico Richter
Herkunft:
Afrika, Kamerun, Nigeria, USA, Westafrika
Farben:
blau, gelb, grün
Schwierigkeit:
Mittel
Art: Chromidotilapia guntheri
Gattung: Chromidotilapia
Familie: Cichlidae

Beschreibung

Chromidotilapia guntheri ist ein mittelgroßer bis großer Buntbarsch mit einer gedrungenen, leicht hochrückigen Körperform und einem insgesamt kräftigen Erscheinungsbild. Die Grundfarbe reicht von bronzefarben bis bräunlich-oliv, der Bauch ist tendenziell heller ausgeprägt. Häufig sind zwei dunklere Längsstreifen oder Reihen von Flecken entlang der Körperseiten zu erkennen, besonders deutlich bei gestressten Exemplaren oder Jungtieren. Im Aquarium bewegt sich Chromidotilapia guntheri vorwiegend in den mittleren bis unteren Wasserschichten und sucht aktiv den Bodengrund nach Nahrung ab. Das typische Verhalten umfasst das Einsaugen von sandbasiertem Substrat und das Heraussortieren von Nahrungspartikeln, ein Verhalten, das als erdfressend oder benthophag beschrieben wird. Außerhalb der Fortpflanzungszeit zeigt die Art gegenüber artfremden Fischen meist ein ruhiges bis mäßig territoriales Verhalten, bildet jedoch Reviere, die gegen Artgenossen oder sehr ähnliche Tiere verteidigt werden. Besonders auffällig sind die Revierbildung und das ausgeprägte Sandbearbeitungsverhalten, das nicht nur der Nahrungssuche dient, sondern auch dem Auslegen von Laichplätzen und der Territoriumsmarkierung. Diese Art zeigt eine hohe Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Einrichtungsformen, benötigt jedoch zwingend einen feinen Sandboden, damit ihr natürliches Fressverhalten ausgeführt werden kann.
Sozialverhalten: Paarweise
Temperament: aggressiv
Verträglichkeit mit Wirbellosen: gut

Besonderheiten

  • Paternaler Maulbrüter: Das Männchen übernimmt die alleinige Brutpflege im Maul, während das Weibchen das Revier verteidigt.
  • Erdfressendes Benthosfressen – feiner Sand als notwendiges Substrat.
  • Starke Revierbildung, besonders während der Laichzeit.
  • Laichaktivität oft gekoppelt an saisonale Regenzeit-Trigger.
  • Juvenile Garnelen stark gefährdet; adulte Garnelen und Schnecken meist toleriert.
  • Schutzsuche der Jungen im Maul der Eltern bei Bedrohung auch nach der Freigabe.

Vergesellschaftungshinweise

Chromidotilapia guntheri ist paarbildend und wird in der Aquaristik am besten als Paar gehalten. Die Art bildet feste Paare, die ein Revier einrichten und gemeinsam verteidigen können. Für eine artgerechte Haltung werden Paare in einem Aquarium empfohlen; freie Gruppenhaltung ist möglich, erfordert jedoch deutlich größere Becken und ausreichend Versteckmöglichkeiten, um Revierkämpfe zu reduzieren. Das Temperament der Tiere ist differenziert zu betrachten: Während der Normalzeit sind die Fische überwiegend friedlich gegenüber unproblematischen Beifischen und zeigen ein mäßiges, aber bestimmtes Revierverhalten gegenüber Artgenossen. In der Brutzeit steigt die Territorialität deutlich an; dann verteidigen beide Elternteile das Revier mit großer Vehemenz. Dieses aggressive Schutzverhalten richtet sich gezielt gegen Eindringlinge, weshalb während der Fortpflanzung empfindliche oder sehr kleine Beifische besser entfernt oder separiert werden sollten. Verträglichkeit mit Wirbellosen: Zwerggarnelen sind für diese Art gefährdet, insbesondere Junggarnelen werden gefressen. Adulte Garnelen können eher toleriert werden, sind jedoch nicht sicher. Schnecken werden in der Regel geduldet und größere Schneckenarten bleiben meist unbehelligt. Bodenbewohner wie kleine Welse werden weitgehend toleriert, wobei sehr kleine, bodennahe Wirbellose manchmal zur Beute werden können. Für eine harmonische Vergesellschaftung eignen sich vorwiegend andere westafrikanische Arten wie Pelvicachromis-Arten und einige friedliche afrikanische Salmler sowie robuste Synodontis-Arten und friedliche Bodenfische. Es sollten keine ostafrikanischen Hartwasser-Cichliden, insbesondere Malawi- und Tanganjika-Buntbarsche, zusammen mit Chromidotilapia guntheri gehalten werden, da sich Unterschiede in Wasserchemie und Verhalten negativ auswirken können. Kleinere, nicht territoriale Gesellschaftsfische aus der gleichen Bioregion sind gute Kandidaten, solange ausreichend Rückzugsmöglichkeiten vorhanden sind.

Geschlechtsdimorphismus

Männchen werden deutlich größer und erreichen bis zu 20 cm, während Weibchen kleiner bleiben und etwa 13 cm erreichen. Das Weibchen ist durch einen rötlich-pinken Bauchbereich und einen auffälligen weißlichen Streifen in der Rückenflosse (besonders deutlich während der Laichzeit) zu erkennen. Beide Geschlechter weisen die charakteristische olivfarbene Grundfärbung auf, jedoch sind die sekundären Geschlechtsmerkmale und die Größe verlässlich, um die Geschlechter zu unterscheiden.
Größe: ca. M: ca. 20 cm, W: ca. 13 cm

Haltungstipps / Pflege

Wasserwerte und Grundbedingungen: Chromidotilapia guntheri wird in Aquarien bei einer Temperatur von 24-27 °C gehalten. Der pH-Bereich sollte zwischen 6 und 8 liegen, die Gesamthärte (GH) kann zwischen 1 und 15 °dGH variieren. Diese Werte sind für eine stabile Haltung wichtig und sollten in regelmäßigen Tests überwacht werden. Eine kurzfristige Absenkung der Temperatur auf 24 °C kann naturgemäßes Verhalten und Laichbereitschaft fördern, insbesondere wenn dies mit einem großzügigen Wasserwechsel kombiniert wird, um Regenzeit-ähnliche Bedingungen zu simulieren. Das Becken sollte mit feinem Sand als Substrat ausgestattet sein, da dieses für das ausgeprägte Sandfressverhalten der Art zwingend erforderlich ist. Als Einrichtung eignen sich zahlreiche Verstecke in Form von versunkenen Wurzeln, Ästen, ausgedehnten Laubfeldern und Höhlen, die Ruhebereiche und Reviergrenzen schaffen. Offene Schwimmbereiche in Kombination mit dichten Versteckzonen schaffen ein artgerechtes Habitat. Aufgrund der Körpergröße des Männchens (bis 20 cm) ist ein entsprechend großzügiges Becken anzustreben. Filtration und Strömung: Die natürliche Strömung in den Habitaten von Chromidotilapia guntheri reicht von still bis langsam. Im Aquarium wird daher eine moderate Filterung empfohlen, die eine gute Wasserqualität gewährleistet, ohne starke Strömungsverhältnisse zu erzeugen. Da die Art als Hochproduzent von Abfallstoffen gilt, sollte die Filteranlage entsprechend leistungsstark dimensioniert und durch regelmäßige Wasserwechsel (mindestens 30% wöchentlich) unterstützt werden. Pflanzen und Dekoration: Robuste Pflanzen, die sowohl halbschattige Bereiche als auch dichteres Blattwerk bieten, können eingesetzt werden, jedoch können empfindliche Pflanzen unter dem Sandwühlverhalten leiden. Verwendung von schwereren Pflanzenarten, die fest verwurzelt sind, sowie von pflanzlichen Elementen wie Laubmulch fördert das naturnahe Erscheinungsbild und bietet zusätzliche Verstecke. Sicherheit und Risiken: Das Becken sollte abgedeckt werden, um unvorhergesehene Zwischenfälle zu vermeiden.
Wasserhärte:
weich bis mittelhart
PH-wert
6-8
Temperatur:
24-27 °C
Beckengröße:
ab mind. 120 cm Kantenlänge (ca. 160 L)

Zucht und Fortpflanzung

Zuchtstatus und Fortpflanzungsmodus: Die Zucht von Chromidotilapia guntheri ist gut dokumentiert. Die Art ist ein paternaler Maulbrüter: Das Männchen sammelt das gesamte Gelege unmittelbar nach der Befruchtung in sein Maul und ist allein für die Brutpflege im Maul zuständig. Das Weibchen übernimmt in dieser Zeit die Verteidigung des umgebenden Reviers. Beide Elternteile betreuen die Jungen gemeinsam nach der Freigabe. Die Art gilt als relativ einfach in der Pflege und Zucht. Zuchtwasser und -bedingungen: Für die Zucht werden Temperaturen von 25-27 °C empfohlen, ein pH-Wert zwischen 6 und 7,5 und eine maximale Gesamthärte von 12 °dGH. Ein gängiger Auslöser für Laichen ist die Simulation der Regenzeit durch großzügige Wasserwechsel mit weicherem, leicht kühlerem Wasser kombiniert mit reichlicher Fütterung hochwertiger Lebendfutterquellen. Laich- und Brutverhalten: Das Gelege wird nach der Befruchtung vom Männchen vollständig ins Maul aufgenommen. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 10-14 Tage bei etwa 25 °C. Nach der Freigabe der Jungfische setzt eine weitere Phase der Brutpflege durch beide Elternteile ein, die sich oft über mindestens zwei Wochen erstreckt; die Jungen suchen bei Bedrohung weiterhin Schutz im Maul der Eltern. Die dokumentierten Gelegegrößen liegen im Bereich von 100-200 Eiern. Aufzucht und Ernährung der Jungen: Nach der Freigabe nehmen die Jungfische feinste Nahrung wie Artemia-Nauplien, Mikrowürmer oder feines Staubfutter an. Die Geschlechtsreife wird ungefähr nach 12 Monaten erreicht. Zuchttricks und Konditionierung: Zur Konditionierung vor dem Ablaichen empfiehlt sich eine gezielte Fütterung mit hochwertigem Lebendfutter wie schwarzen und weißen Mückenlarven sowie Artemia und ergänzend pflanzlicher Kost. Ein strukturierter Wasserwechsel zur Simulation der Regenzeit wirkt häufig als zuverlässiger Laichreiz.

Ernährung/Futterbedarf

Chromidotilapia guntheri ist als benthophager Allesfresser zu beschreiben. Im Aquarium sollte eine abwechslungsreiche Ernährung angeboten werden, die sowohl tierische als auch pflanzliche Komponenten enthält. Geeignete Futtermittel sind lebende und gefrorene Mückenlarven, Artemia, Cyclops und Daphnien, die proteinreiche Tierkost liefern. Pflanzliche Kost wie Spirulina-basierte Futtertabletten, Algenextrakte und Gemüsebeigaben ergänzen die Ernährung und unterstützen die Gesundheit und Färbung der Tiere. Sinkendes Granulat- oder Pelletfutter mit hohem Pflanzenanteil ist besonders geeignet, da die Fische den Bodengrund nach Nahrung absuchen. Regelmäßige, aber angepasste Fütterung ist wichtig, besonders während der Konditionierungsphase vor der Zucht, wobei die Fütterungsmenge für eine gute Wasserqualität kontrolliert werden muss.
Ernährungstyp: Allesfresser (Omnivore)
Alterserwartung

Natürlicher Lebensraum

Chromidotilapia guntheri stammt aus Westafrika und bewohnt Küstenflüsse vom Saint-John-Fluss in Liberia bis zum Cross River in Nigeria und Kamerun sowie den Benito-Fluss in Äquatorialguinea. Die Art kommt zudem im Niger- und Benue-Becken vor. Sie bevorzugt ruhige Gewässerabschnitte mit weichem, sandigem Bodengrund und reichlich Unterstand durch versunkene Wurzeln, Äste und Falllaub in Tieflage-Umgebungen einschließlich küstennaher Überschwemmungsebenen, Savannen und Waldgebieten. Das typische Habitat weist eine geringe bis langsame Strömung auf; saisonale Veränderungen durch Regenzeiten sind im natürlichen Verbreitungsgebiet bedeutend und beeinflussen Laichaktivität sowie Nahrungsverfügbarkeit. Zusatztipps und saisonale Hinweise Kurzfristige Temperatursenkungen auf etwa 24 °C können das natürliche Verhalten der Art nachahmen und die Laichbereitschaft fördern, insbesondere in Kombination mit einem großen Wasserwechsel und einer erhöhten Futterration hochwertiger Lebendfutter. Diese Maßnahme nutzt die natürlichen Laichauslöser durch Regenzeit-Simulation und ist in der Aquarienzucht etabliert. Synoptische Fütterungsempfehlungen und Pflegehinweise Bieten Sie eine abwechslungsreiche Mischung aus hochwertigen Lebendfuttermitteln, Frostfutter und pflanzlichen Komponenten an. Kontrollieren Sie die Wasserqualität regelmäßig, da Cichliden empfindlich auf Nitrate und organische Belastung reagieren können. Verwenden Sie feinen Sand als Substrat, ausreichende Strukturierung durch Holz und Laub sowie moderate Filterung, um ein naturnahes und stabiles Aquariumklima zu gewährleisten.

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Ich suche diese Art (Chromidotilapia guntheri) schon seit längerem. Wer weiß wo ich welche erwerben kann?

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