Trichogaster chuna

Deutscher Name: Honigfadenfisch

Colisa chuna gold - Quelle Willi Heidbrink FA.Honer
Herkunft:
Indien
Farben:
gelb, grau, orange
Schwierigkeit:
Einfach (Fortgeschrittene Anfänger)
Art: Trichogaster chuna
Gattung: Trichogaster
Familie: Osphronemidae

Beschreibung

Trichogaster chuna, der Honigfadenfisch oder Honiggurami, ist mit einer Körperlänge von etwa 4 bis 5,5 cm der kleinste Vertreter der Gattung Trichogaster und eine der kleinsten Fadenfisch-Arten überhaupt. Die Art stammt aus Südasien und besiedelt dort die Reisfelder, Teiche, Altwasser und langsam fließenden Abschnitte im Ganges- und Brahmaputra-Einzugsgebiet (Indien, Bangladesch, Nepal). Männchen im Prachtkleid zeigen eine intensive honiggelbe bis leuchtend rot-orange Körperfärbung mit einer markanten schwarzen Kehle und Brustpartie – ein Farbspiel, das besonders während Balz und Brutpflege hervortritt. Weibchen und nicht balzende Männchen sind deutlich unauffälliger gefärbt: silbrig-grau mit einem bräunlich-gelblichen Längsband von der Schnauze bis zur Schwanzwurzel. Die zu Tastorganen umgewandelten, fadenförmigen Bauchflossen sind namensgebend für alle Fadenfische. Als Labyrinthfisch besitzt Trichogaster chuna ein Labyrinthorgan zur Atmung atmosphärischer Luft. Ein besonders wichtiger Vorteil gegenüber dem nahe verwandten Zwergfadenfisch (Trichogaster lalius): T. chuna gilt als funktional resistent gegen das Dwarf-Gourami-Iridovirus (DGIV), eine tödliche Viruserkrankung, die bis zu 50 Prozent der kommerziellen T.-lalius-Bestände befällt. Damit ist der Honigfadenfisch die gesündere und ethisch bessere Alternative. Im Handel kursieren zahlreiche Farbzuchten (Roter Honiggurami, Sunset, Red Flame, Red Robin), von denen manche jedoch tatsächlich Hybriden mit Trichogaster labiosa (Dicklippiger Fadenfisch) sind.
Sozialverhalten: Harem
Temperament: friedlich
Verträglichkeit mit Wirbellosen: gut

Besonderheiten

  • Labyrinthfisch: freier Zugang zur Wasseroberfläche und warme Luftschicht über dem Wasser Pflicht (kalte Raumluft kann das Labyrinth-Organ schädigen)
  • Schaumnestbauer: Männchen baut schwimmendes Schaumnest und betreibt alleinige Brutpflege; Weibchen nach dem Ablaichen entfernen (Männchen greift sie sonst an)
  • Harem-Haltung empfohlen: 1 Männchen mit 2-3 Weibchen; alternativ als Paar oder kleine Gruppe von 4-6 Tieren in Becken ab 100 Liter
  • Strömung muss niedrig sein: Schwammfilter oder stark gedrosselter Filter – starke Strömung zerstört das Schaumnest und erschöpft die Fische chronisch
  • Schwimmpflanzen und dichte Bepflanzung bieten Struktur und Versteckmöglichkeiten für unterlegene Tiere
  • Hochempfindlich gegenüber Kupfer-Medikamenten (Labyrinth-Organ und Anabantoiden-Physiologie) – Standard-Kupferbehandlungen wirken tödlich
  • WICHTIG: DGIV-resistent! Im Gegensatz zum nahe verwandten Zwergfadenfisch (Trichogaster lalius), bei dem bis zu 50 % der kommerziellen Zuchtbestände das tödliche Dwarf-Gourami-Iridovirus tragen, ist Trichogaster chuna funktional immun gegen DGIV – daher die ethisch und gesundheitlich bessere Wahl
  • Verwechslungsgefahr: Im Handel werden „Rote“ oder „Sunset“-Zuchtformen oft fälschlich als T. chuna verkauft, sind aber häufig T. labiosa (Dicklippiger Gurami, 8-10 cm) oder Hybride beider Arten – echte T. chuna bleiben bei 4-5,5 cm SL
  • Sprungrisiko: mittel-hoch, bei Stress oder plötzlichen Lichtwechseln – dicht schließende Abdeckung empfohlen

Vergesellschaftungshinweise

Trichogaster chuna ist ein ausgesprochen friedlicher, bedächtiger Fisch, der sich überwiegend in der mittleren und oberen Wasserschicht aufhält. Außerhalb der Brutzeit sind die Tiere völlig unaggressiv, während der Fortpflanzung werden Männchen territorial und verteidigen ihr Schaumnest und die Umgebung, bleiben dabei aber deutlich weniger aggressiv als andere Fadenfische. Die empfohlene Sozialstruktur ist ein einzelnes Paar oder ein Harem aus einem Männchen mit 2 bis 3 Weibchen. Die Harem-Haltung entspricht dem natürlichen Verhalten am besten und verteilt die Aktivität der Männchen während der Balzzeit. In größeren, gut strukturierten Becken ab 100 Litern können auch kleine Gruppen von 4 bis 6 Tieren mit weiblichem Überschuss gehalten werden. Geeignete Beckenpartner sind kleine, friedliche südostasiatische Arten wie Keilfleckbärblinge, Harlekin-Rasboras, kleine Salmler (Ember-Tetras, Neonsalmler) oder ruhige Bodenbewohner wie Panzerwelse und Kuhlis. Ungeeignet sind aggressive, hyperaktive oder flossenzupfende Arten wie Sumatrabarben oder Serpasalmler – diese können die empfindlichen Tastorgane der Bauchflossen beschädigen. Adulte Zwerggarnelen und Schnecken sind verträglich, Jungarnelen werden allerdings als Futter betrachtet.

Geschlechtsdimorphismus

Männchen von Trichogaster chuna zeigen im Prachtkleid eine intensive honiggelbe bis leuchtend rot-orange Körperfärbung mit einer markanten schwarzen Kehle, Brust- und Bauchpartie – ein Farbkontrast, der besonders während Balz und Brutpflege voll zur Geltung kommt. Die Rücken- und Afterflossen sind elongiert und spitz zulaufend. Weibchen und nicht balzende Männchen sind deutlich unauffälliger gefärbt: silbrig-grau bis hellbraun mit einem bräunlich-gelblichen Längsband, das vom Auge bis zur Schwanzwurzel verläuft. Weibchen besitzen einen runderen Körperbau mit deutlich fülligerem Bauch, ihre Flossen bleiben kürzer und stumpfer. Beide Geschlechter erreichen ähnliche Endgrößen von 4 bis 5,5 cm.
Größe: ca. 4,5–6 cm (SL)

Haltungstipps / Pflege

Trichogaster chuna benötigt eine Wassertemperatur von 22 bis 28 °C, einen pH-Wert von 6,0 bis 8,0 und eine Gesamthärte zwischen 4 und 15 °dGH. Die Art ist dank ihrer Herkunft aus den stark schwankenden Monsun-Überschwemmungsgebieten außerordentlich anpassungsfähig und gilt als sehr robust. Beckengröße: Ein Aquarium ab 60 cm Kantenlänge und 54 Liter reicht für ein Paar oder einen kleinen Harem. Einrichtung: dichte Randbepflanzung mit höheren Pflanzen (Vallisneria, Cryptocoryne, Echinodorus), Schwimmpflanzen zur Beschattung und als Schaumnest-Unterlage (Salvinia, Pistia, breite Javafarn-Blätter), dunkler Bodengrund, Wurzeln und Laubstreu für Huminstoffeintrag. Die Strömung sollte schwach sein – starke Strömung zerstört das Schaumnest und erschöpft die Tiere. Als Labyrinthfisch benötigt Trichogaster chuna freien Zugang zur Wasseroberfläche. Zwischen Wasserstand und Abdeckung muss ein warmer, feuchter Luftraum bleiben – kalte Zugluft kann das Labyrinthorgan schädigen und ist besonders für Jungfische tödlich. Kupferhaltige Medikamente sind bei allen Labyrinthfischen hochtoxisch. Für Trichogaster chuna ist das umso wichtiger, als die Art zwar gegen DGIV (Dwarf-Gourami-Iridovirus) resistent ist, aber empfindlich auf Kupfer und andere aggressive Chemotherapeutika wie Malachitgrün oder Wasserstoffperoxid reagiert. Alternative Behandlungen: vorsichtige Temperaturerhöhung, therapeutisches Aquariensalz oder gezielte Huminstoff-Dosierung.
Wasserhärte:
weich bis hart
pH-Wert
6-7,5
Temperatur:
22-28 °C
Beckengröße:
ab 60 cm, 54 Liter

Zucht und Fortpflanzung

Trichogaster chuna ist ein Schaumnestbauer und gehört zu den dankbaren Zuchtobjekten unter den Labyrinthfischen. Das Männchen baut an der Wasseroberfläche – häufig unter einem breiten Blatt einer Schwimmpflanze – ein vergleichsweise kleines, aber dichtes Schaumnest aus luftgefüllten Speichelblasen. Im Gegensatz zum Zwergfadenfisch baut T. chuna sein Nest ohne Pflanzenmaterial und meist mit einem schwimmenden Blatt als Dach. Zuchtauslöser sind weiches, leicht saures Wasser (pH 6,0 bis 7,0), 26 bis 28 °C Temperatur und eine niedrige Wasserstandhöhe von 15 bis 20 cm. Während der Balz zeigt das Männchen seine maximale Farbintensität mit tiefblau-schwarzer Kehle und leuchtend oranger Flankenfärbung, umkreist das Weibchen und lockt es unter das Schaumnest. Bei der Paarung erfolgt die klassische Labyrinthfisch-Umarmung: Das Männchen umschlingt das Weibchen U-förmig, beide geben gleichzeitig Eier und Milch frei. Die Eier treiben nach oben ins Schaumnest. Das Weibchen muss nach dem Ablaichen aus dem Zuchtbecken entfernt werden, da das brütende Männchen es als potenziellen Eierräuber angreift. Das Männchen pflegt das Nest allein: Es repariert die Schaumstruktur, entfernt unbefruchtete oder verpilzte Eier und bewacht die Larven bis zum Freischwimmen. Schlupf erfolgt nach 24 bis 36 Stunden, das Freischwimmen nach weiteren 24 bis 48 Stunden. Erstfutter: Infusorien, später feinste Artemia-Nauplien.

Ernährung/Futterbedarf

Trichogaster chuna ist ein omnivorer Mikropredator. In der Natur nutzt die Art ihre hochsensitiven Bauchflossen-Tastorgane, um zwischen dichter Vegetation nach kleinen Insektenlarven, Zooplankton und mikroskopisch kleinen Wirbellosen zu tasten. Im Aquarium akzeptiert sie bereitwillig kleine Lebend- und Frostfuttersorten: Artemia-Nauplien, Daphnien, Cyclops, Microworms, weiße Mückenlarven und Enchyträen. Hochwertiges Trocken- oder Micro-Granulatfutter sollte die Basis bilden, muss aber wegen der sehr kleinen Maulöffnung entsprechend fein sein. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit hohem Proteinanteil ist essenziell für die vollständige Farbentfaltung der Männchen und die Zuchtbereitschaft. Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2 bis 3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Ernährungstyp: Fleischfresser (Carnivore)
Alterserwartung
4 bis 8 Jahre

Natürlicher Lebensraum

Trichogaster chuna ist in Südasien beheimatet und kommt in Indien (Nord- und Nordostindien: Assam, Manipur, Meghalaya, Arunachal Pradesh, Ganges-Ebene), Bangladesch und dem Tiefland Nepals vor. Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst die Einzugsgebiete von Ganges und Brahmaputra. Die Art besiedelt bevorzugt stehende oder extrem langsam fließende, flache Gewässer mit dichter Vegetation: überflutete Reisfelder, Bewässerungsgräben, kleine Teiche, dicht bewachsene Flussrandzonen und die flachen Randbereiche größerer Gewässer (in Bengali „Beels“ genannt). Typisch sind minimale Strömung, hohe Turbidität während der Monsunzeit, dichter Makrophyten-Bewuchs (Wasserhyazinthen, Seerosen) und oft sauerstoffarme Verhältnisse. Die Wasserwerte sind weich bis mittelhart (pH 6,0 bis 8,0, GH 5 bis 19 °dGH) und warm (22 bis 28 °C). Die Art ist an saisonale Schwankungen durch den Monsun angepasst, benötigt aber im Gegensatz zum Zwergfadenfisch (T. lalius) keine kühlere Winterphase und gedeiht bei stabilen tropischen Temperaturen.

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