Colisa lalia

Deutscher Name: Zwergfadenfisch

Herkunft:
Indien, Südostasien
Farben:
blau, gelb, rot
Schwierigkeit:
Mittel
Art: Colisa lalia
Gattung: Colisa
Familie: Osphronemidae

Beschreibung

Der Zwergfadenfisch (Trichogaster lalius, auch unter den historischen Namen Colisa lalia oder Colisa lalius geführt) ist ein kleiner, farbenprächtiger Labyrinthfisch aus der Familie Osphronemidae. Die Art stammt aus dem Tiefland Südasiens und gehört zu den beliebtesten Fadenfischen in der Aquaristik. Nach neueren phylogenetischen Arbeiten (Knight et al. 2022) wird die Art teilweise als Synonym von Trichogaster fasciata behandelt, der ältere Name Colisa lalia bleibt im Handel jedoch weit verbreitet. Männchen erreichen eine Gesamtlänge von etwa 8 bis 9 cm, Weibchen bleiben mit 5 bis 6 cm deutlich kleiner. Männchen tragen eine charakteristische Kombination aus leuchtend orange-roten und metallisch blau-türkisen Querstreifen, die sich über den gesamten Körper ziehen. Die Rücken- und Afterflossen sind rötlich gefärbt, die Bauchflossen zu langen, fadenartigen Tastorganen umgebildet. Weibchen sind deutlich unscheinbarer silbrig-grau mit schwachen Querstreifen. Wie alle Labyrinthfische besitzt Trichogaster lalius ein Labyrinthorgan, ein suprabranchiales Atemhilfsorgan, das die direkte Aufnahme von atmosphärischer Luft ermöglicht. Diese Anpassung befähigt die Art, in sauerstoffarmen Stillgewässern zu überleben. Die Wasseroberfläche darf daher nie vollständig abgedeckt sein – der Zugang zur Luft ist lebensnotwendig. Wichtiger Gesundheitshinweis: Kommerziell gezüchtete Zwergfadenfische aus Massenproduktion (insbesondere Farbzuchtformen wie Red Flame, Neon Blue, Powder Blue) sind stark vom Zwergfadenfisch-Iridovirus (DGIV, Dwarf Gourami Iridovirus) betroffen. Dieses Virus ist unheilbar und kann zu einer Mortalität von über 22 % in importierten Beständen führen. Beim Kauf auf aktive, vitale Tiere ohne Verhaltensauffälligkeiten achten und möglichst Nachzuchten aus dem Direktkauf beim Züchter bevorzugen.
Sozialverhalten: Schwarm
Temperament: friedlich
Verträglichkeit mit Wirbellosen: gut

Besonderheiten

  • Labyrinthfisch: atmet zusätzlich atmosphärische Luft – feuchte, warme Luftschicht über dem Wasser und dichte Abdeckung sind Pflicht
  • Schaumnestbauer: Männchen baut Schaumnest an der Oberfläche und betreibt väterliche Brutpflege
  • Männchen sind größer und deutlich farbintensiver als Weibchen
  • Kommerziell gezogene Exemplare sind stark von DGIV (Dwarf Gourami Iridovirus) betroffen – hohe Ausfallrate im ersten Jahr
  • Sehr stressempfindlich: ruhige Beckengenossen, gedämpftes Licht und dichte Bepflanzung essenziell
  • Schwierigkeitsgrad eher Mittel als Einfach wegen Krankheitsanfälligkeit der Zuchtformen
  • Sprungrisiko hoch – Abdeckung zwingend erforderlich
  • Paarweise oder als Harem (1 Männchen, 2–3 Weibchen) halten; mehrere Männchen nur in großen Becken

Vergesellschaftungshinweise

Trichogaster lalius sollte paarweise (1 Männchen + 1 Weibchen) oder als Haremsgruppe (1 Männchen + 2 bis 3 Weibchen) gehalten werden. Mehrere Männchen gemeinsam in einem Standardbecken sind nicht artgerecht – die Männchen werden gegeneinander territorial und das dominante Männchen jagt die unterlegenen bis zur Erschöpfung. Das Temperament ist außerhalb der Brutzeit ruhig und zurückhaltend. Männchen patrouillieren ihr Revier im oberen und mittleren Beckenbereich, während Weibchen stärker an Pflanzenzonen gebunden bleiben. Während der Brutzeit steigert sich die Aggression deutlich: Das Männchen verteidigt das Schaumnest und duldet keine Beckenpartner in dessen Nähe. Geeignete Beckenpartner sind kleine, ruhige Arten, die nicht die Oberflächenzone beanspruchen und keine Flossenzupfer sind: kleine Rasbora- und Trigonostigma-Arten, kleine Salmler (Hyphessobrycon, Hemigrammus), Corydoras-Panzerwelse, Otocinclus. Ungeeignet sind andere Labyrinthfische wie Bettas und größere Fadenfische (wegen Territorialkonflikten), hektische Arten wie Sumatrabarben (Flossenbeißer) sowie sehr kleine Beutefische. Schnecken werden in der Regel toleriert. Adulte Garnelen sind meist sicher, Junggarnelen können als Futter angesehen werden.

Geschlechtsdimorphismus

Der Geschlechtsdimorphismus von Trichogaster lalius ist sehr stark ausgeprägt und bereits bei Jungfischen ab etwa 4 cm Länge gut erkennbar. Männchen erreichen mit 8 bis 9 cm Gesamtlänge die größere Körpergröße und zeigen das charakteristische Farbmuster: Leuchtend orange-rote und metallisch türkis-blaue Querstreifen ziehen sich über den gesamten Körper einschließlich der Rücken- und Afterflosse. Die Rückenflosse ist spitz zulaufend, die Afterflosse breit und farbig gesäumt. In der Balzzeit wirken die Farben besonders intensiv. Weibchen bleiben mit 5 bis 6 cm deutlich kleiner und sind erheblich schlichter gefärbt – silbrig-grau bis bräunlich mit nur schwach angedeuteten, undeutlichen Querstreifen. Die Rückenflosse ist abgerundet (nicht spitz wie beim Männchen), die Afterflosse kürzer und weniger kontrastreich. Trächtige Weibchen werden im Bauchbereich deutlich fülliger. Die Unterscheidung ist bei adulten Tieren eindeutig – Hochzuchtfarbformen wie „Red Flame“, „Powder Blue“ oder „Neon Blue“ können allerdings dazu führen, dass auch Weibchen intensiver gefärbt sind, was die Geschlechtsbestimmung erschwert.
Größe: Männchen: ca. 7–8 cm, Weibchen: ca. 5–6 cm

Haltungstipps / Pflege

Trichogaster lalius benötigt eine Wassertemperatur von 22 bis 28 °C, einen pH-Wert von 6,0 bis 7,5 und eine weiche bis mittelharte Gesamthärte von 4 bis 15 °dGH. Die Art ist ein tropischer Fisch und benötigt keine saisonale Winterruhe – ein zuverlässiger Heizer ist Pflicht. Beckengröße: Für ein Paar oder eine kleine Haremsgruppe ist ein Aquarium ab 80 cm Kantenlänge und etwa 112 Liter Volumen die absolute Mindestgröße. Größere Becken ab 100 cm sind deutlich besser und ermöglichen eine artgerechte Paar- oder Haremshaltung ohne ständigen Territoriumsstress. Einrichtung: Dichte Bepflanzung mit robusten Pflanzen an Rück- und Seitenwänden (Vallisneria, Cryptocorynen, Echinodorus, Javafarn) kombiniert mit einer ruhigen Zone im oberen Beckenbereich als Schaumnest-Platz. Schwimmpflanzen (Riccia, Salvinia, Limnobium, Pistia) sind essenziell – sie dämpfen das Licht, bieten Schutz und dienen als Stützstruktur für das Schaumnest. Wurzeln und Moorkienholz schaffen Versteckzonen. Der Bodengrund kann aus Sand oder feinem Kies bestehen. Filterung: Die Wasseroberfläche muss ruhig sein. Starke Strömung, sprudelnde Filter oder Oberflächenverwirbelungen verhindern den Schaumnestbau und stressen die Tiere. Ein sanft arbeitender Schwammfilter oder ein stark gedrosselter Außenfilter mit breit streuendem Auslass ist ideal. Freier Zugang zur Wasseroberfläche ist überlebenswichtig: Zwischen Wasserspiegel und Abdeckung muss eine Schicht warmer, feuchter Luft bestehen bleiben. Kaltluft aus dem Raum kann das empfindliche Labyrinthorgan entzünden, was häufig tödlich endet. Gleichzeitig schützt die Abdeckung vor dem gelegentlichen Herausspringen. Wichtig bei Medikamenten: Labyrinthfische sind empfindlich gegen kupferbasierte Medikamente (Cupramine, Copper Power) und sollten mit diesen nicht behandelt werden. Auch die meisten Breitbandantibiotika sind kritisch. Gesundheit: Trichogaster lalius ist besonders anfällig für das Dwarf Gourami Iridovirus (DGIV) sowie für Mykobakteriose. Tiere aus Massenzucht sind häufig latent infiziert. Beim Kauf nur aktive, unauffällige Tiere aus vertrauensvollen Quellen wählen. Strenge Hygiene und Quarantäne neuer Tiere sind Pflicht.
Wasserhärte:
weich bis mittelhart
pH-Wert
6,0-7,5
Temperatur:
24-28 °C
Beckengröße:
60 cm Breite und 80 Liter

Zucht und Fortpflanzung

Trichogaster lalius ist ein Schaumnestbauer mit intensiver väterlicher Brutpflege. Die Zucht gilt als mittelschwer und erfordert ein separates, ruhiges Zuchtbecken und sorgfältige Konditionierung. Zuchtbedingungen: Temperatur 26 bis 28 °C, pH 6,5 bis 7,0, weiches bis mittelhartes Wasser mit GH 4 bis 10 °dGH. Das Zuchtbecken sollte ab 40 Liter Volumen haben, einen niedrigen Wasserstand von etwa 15 bis 20 cm, dichte Schwimmpflanzen (Riccia, Salvinia, Ceratopteris) als Nestunterlage und eine sehr ruhige, unbewegte Wasseroberfläche aufweisen. Der Deckel sollte dicht schließen, damit die angesaugte Luft warm und feucht bleibt – kalte Zimmerluft kann das Labyrinthorgan der Elterntiere und später der Jungfische schädigen. Nach einer zwei- bis dreiwöchigen Konditionierung mit hochwertigem Lebend- und Frostfutter (Mückenlarven, Artemia, Daphnien, Tubifex) wird ein laichbereites Paar zusammengesetzt. Das Männchen beginnt mit dem Bau eines Schaumnestes an der Wasseroberfläche, das es in aufwendiger Balz verteidigt. Beim Laichakt umschlingt das Männchen das Weibchen unter dem Nest. Die Eier steigen nach oben und werden vom Männchen in das Schaumnest eingearbeitet. Ein Gelege umfasst 300 bis 800 Eier. Unmittelbar nach dem Ablaichen wird das Weibchen entfernt – das Männchen verteidigt das Nest aggressiv und würde die Partnerin angreifen. Es übernimmt die alleinige Brutpflege, repariert das Schaumnest, entfernt unbefruchtete Eier und fängt abfallende Larven mit dem Maul auf. Die Eier schlüpfen nach 24 bis 36 Stunden, die Larven bleiben weitere 2 bis 3 Tage im Nest. Sobald die Jungfische frei schwimmen, wird auch das Männchen entfernt. Erstfutter sind Infusorien und Pantoffeltierchen, ab der zweiten Woche frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien.

Ernährung/Futterbedarf

Trichogaster lalius ist ein Allesfresser mit deutlicher Tendenz zu tierischer Nahrung – ein Mikropredator, der in der Natur vorwiegend kleine Wasserinsekten, Zooplankton und aquatische Wirbellose erbeutet und ergänzend Algen und pflanzliches Material aufnimmt. Im Aquarium bildet hochwertiges Mikrogranulat oder feines Flockenfutter die Grundlage. Mehrmals pro Woche sollten lebende oder gefrorene Futtertiere ergänzt werden: Artemia, Daphnien, Cyclops, Mückenlarven (schwarz, weiß, rot), Mikrowürmchen und Moina. Diese abwechslungsreiche Kost fördert Vitalität, Farbentwicklung und Balzbereitschaft deutlich. Ergänzend kann pflanzliche Kost aus Spirulina-Flocken oder gelegentlich überbrühten Zucchini- bzw. Erbsenstücken angeboten werden – der pflanzliche Anteil sollte etwa 20 % der Gesamtration ausmachen. Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2 bis 3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel. Trichogaster lalius nutzt auch Oberflächenfutter sehr gut – lebende Fruchtfliegen und andere Anflugnahrung sind ein besonderer Leckerbissen.
Ernährungstyp: Allesfresser (Omnivore)
Alterserwartung
ca. 2–4 Jahre

Natürlicher Lebensraum

Trichogaster lalius ist im Tiefland Südasiens beheimatet und kommt in Indien, Pakistan, Bangladesch, Nepal und Teilen Myanmars vor. Das Verbreitungsgebiet umfasst die Einzugsgebiete von Ganges, Brahmaputra und Indus sowie angrenzende Stromsysteme. Die Art ist damit deutlich weiter nördlich angesiedelt als die meisten anderen Labyrinthfische des Handels, die aus Südostasien stammen. Die Art besiedelt langsam fließende bis stehende, stark bewachsene Flachwassergewässer: Überschwemmungsbereiche der großen Flüsse, Reisfelder, Kanäle, Weiher, Teiche und Sumpfgebiete. Charakteristisch sind dichte Wasserpflanzenbestände, überhängende Ufervegetation und eine weiche Substratschicht aus Schlamm und pflanzlichem Detritus. Typische Wasserwerte in den natürlichen Habitaten liegen bei 22 bis 28 °C, pH 6,0 bis 7,5 und mittlerer bis weicher Gesamthärte (GH 4 bis 15 °dGH). Die Gewässer sind oft sauerstoffarm, was die Anpassung an Labyrinthatmung erklärt. Während der heißen Trockenzeit schrumpfen viele Habitate zu flachen Tümpeln zusammen, in denen das Labyrinthorgan zur Überlebensgrundlage wird.

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Hi
Trichogaster ist mittlerweile kein Synonym mehr sondern der neue korrekte
Name.

LG Holger

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