Der Rote Wolfsfisch (Erythrinus erythrinus) ist ein gedrungen gebauter Raubfisch mit massivem Kopf und kräftigem Kiefer, der bis zu 20 cm SL erreicht. Der Körperbau erinnert an kleine Hechte; die Flossen sind robust und auf kurze, kraftvolle Sprints ausgelegt. Jungfische zeigen eine erwähnenswerte Mimikry: Sie imitieren in Färbung und Zeichnung harmlose Rivulus-Killifische. Adulte Tiere variieren je nach Herkunft und können rötliche bis bräunlich-olivfarbene Töne zeigen. Eine biologisch bedeutsame Besonderheit ist die modifizierte Schwimmblase, die als akzessorisches Atemorgan fungiert. Erythrinus erythrinus kann damit atmosphärische Luft direkt aufnehmen und in sauerstoffarmen Gewässern überleben. Diese Fähigkeit ermöglicht es der Art sogar, kurze Strecken über Land zurückzulegen. Im Aquarium zeigt die Art ein ruhiges Lauerjägerverhalten: Sie patrouilliert langsam, nutzt Deckung durch Vegetation oder Wurzeln und stellt Beutetieren aus dem Hinterhalt nach. Trotz gemächlicher Bewegung reagiert sie auf potenzielle Beute mit blitzschnellen Angriffen.
Erythrinus erythrinus ist ein ausgeprägt territoriales und aggressives Tier. Gegenüber Artgenossen zeigt sie erbitterte Auseinandersetzungen, die bis zum Tod führen können; Einzelhaltung ist daher die Regel. Kleinere Fische werden ausnahmslos als Beute betrachtet. In sehr großen Becken ist eine Vergesellschaftung mit ähnlich großen, robusten Arten aus Südamerika möglich, doch selbst dann sind Auseinandersetzungen nicht auszuschließen. Die Art greift ohne Zögern Gegenstände an, die ins Becken eingebracht werden. Das kräftige Gebiss kann auch durch Netze oder Schlauchgummi beißen, was bei der Pflege besonderes Vorgehen erfordert.
Für Erythrinus erythrinus liegen keine gesicherten Angaben zum Geschlechtsdimorphismus vor.
Wasserwerte: Temperatur 22–26 °C, pH 5,5–7,5, GH 2–25 dGH. Die Art ist in Bezug auf Wasserhärte und pH-Wert vergleichsweise tolerant; Werte im mittleren Bereich (GH 8–15, pH 6,0–7,0) sind ideal. Beckengröße: Mindestens 120 cm Kantenlänge (ca. 240 L) für ein Einzeltier. Großzügige offene Schwimmbereiche in der mittleren und oberen Zone bieten, kombiniert mit dichten Vegetations- oder Wurzelbereichen als Deckung. Sandiges oder feinsandiges Substrat ist geeignet. Sprungrisiko: HOCH. Erythrinus erythrinus springt aktiv und entkommt durch kleinste Öffnungen. Der Deckel muss engmaschig, schwer und vollständig schließend sein. Luftatmung: Da die Art Luft von der Wasseroberfläche atmet, muss stets freier Zugang zur Oberfläche gewährleistet sein. Moderate Filterung, keine übermäßige Strömung. Erythrinus erythrinus ist ein anspruchsvoller Raubfisch für erfahrene Aquarianer. Die Einzelhaltung ist in fast allen Fällen Pflicht. Das hohe Sprungrisiko macht eine lückenlose, schwere Abdeckung unabdingbar. Trockenfutter wird meist verweigert; fleischliche Nahrung ist obligat.
Fortpflanzungstyp: Substratlaicher. Im Aquarium wurde die Art bisher nicht erfolgreich nachgezüchtet; Berichte über Zuchterfolge im Hobby liegen nicht vor. In der Natur ist die Art als Substratlaicher bekannt, Details zu Laichverhalten, Gelegegröße oder Brutpflege sind für das Aquarium nicht dokumentiert.
Erythrinus erythrinus ist karnivor. In der Natur frisst die Art kleine Fische und Insekten. Im Aquarium sollte vorwiegend fleischliche Nahrung angeboten werden: Regenwürmer, Garnelen, Miesmuscheln, Fischfilet-Stücke sowie Insektenlarven. Lebendfutter stimuliert das natürliche Jagdverhalten. Trockenfutter wird in der Regel abgelehnt. Pellets können in Einzelfällen nach langer Gewöhnung akzeptiert werden, sind aber keine verlässliche Futterquelle. Auf artfremde Säugetierfleisch-Produkte (Herz, Leber) sollte verzichtet werden – diese enthalten ungünstige Fettsäure-Profile.
Erythrinus erythrinus ist in weiten Teilen Südamerikas und angrenzenden Karibikregionen verbreitet: Peru, Brasilien, Venezuela, Französisch-Guayana sowie Trinidad und Tobago. Die Art besiedelt die Amazonas- und Orinoko-Einzugsgebiete sowie Küstenflüsse der Guyanas. Bevorzugter Lebensraum sind flache, ruhige bis schwach strömende Gewässer: kleine Zuflüsse, Sümpfe, Marschen, Waldtümpel, Gräben und die Flachwasserzonen von Seen und Flüssen.
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