Haplochromis obliquidens
Beschreibung
Haplochromis obliquidens ist ein kompakt gebauter Buntbarsch aus der Familie Cichlidae, der endemisch im Viktoriasee und angrenzenden Abschnitten des Viktoria-Nils (Kenia, Tansania, Uganda) vorkommt. Die dokumentierte Maximalgröße beträgt 8,9 cm SL. Männchen zeigen kräftigere Farben mit gelblich-orangefarbenen bis türkisfarbenen Partien sowie charakteristischen Eiflecken auf der Afterflosse. Weibchen sind matter gefärbt in Grau- bis Graugelb-Tönen.
Der IUCN-Status ist VU (Vulnerable). Der echte H. obliquidens gilt als im Aquarienhandel kaum vertreten. Was unter dem Namen „Obliquidens“ angeboten wird, ist in den meisten Fällen H. latifasciatus oder H. sp. 44. Aquarianer sollten die genaue Herkunft ihrer Tiere klären.
Die Art ist primär algivor und ernährt sich in der Natur hauptsächlich von Diatomeen (Kieselalgen). In der Natur bewohnt sie vegetierte Flachwasserbereiche und Papyrussumpf-Ränder, nicht primär felsige Litoralzonen.
Besonderheiten
- Maternaler Maulbrüter
- IUCN-Status: VU (Vulnerable)
- Artidentifikations-Problem: im Handel häufig mit H. latifasciatus oder sp. 44 verwechselt
- Hybridisierungsgefahr mit anderen Viktoria-Haplochrominen
- Ernährung primär algivor (Diatomeen)
- Benthopelagisch: nutzt Boden und mittlere Wasserschichten
- Sprungrisiko gering
Vergesellschaftungshinweise
Haplochromis obliquidens ist ein aktiver, benthopelagischer Erkunder, der Boden und mittlere Wassersäule nutzt. Männchen zeigen während der Laichzeit territoriales Verhalten. Das Temperament ist mittelmäßig aggressiv.
Die Vergesellschaftung mit anderen Viktoriasee-Cichliden ähnlicher Größe und robusten Synodontis-Arten ist möglich. Südamerikanische Weichwasserarten sind aufgrund inkompatibler Wasserchemie ungeeignet. Schnecken werden toleriert, Junggarnelen können gefährdet sein.
Hinweis: Die starke Neigung zur Hybridisierung erfordert strikte Arttrennung.
Geschlechtsdimorphismus
Männchen zeigen kräftigere Farben mit gelblich-orangefarbenen bis türkisfarbenen Partien sowie Eiflecken auf der Afterflosse. Weibchen sind matter gefärbt in Grau- bis Graugelb-Tönen. Die Unterscheidung basiert überwiegend auf Farbintensität und Flossenzeichnung.
Haltungstipps / Pflege
Wasserwerte: Temperatur 24-26 °C, pH 8,5-9,0, GH 6-16 °dGH. Hartes, alkalisches Wasser ist Voraussetzung.
Beckengröße: Ab 100 cm Kantenlänge (170 Liter). Die Einrichtung sollte offene Schwimmzonen mit Bodenstruktur bieten. Da die Art in der Natur vegetierte Flachwasserbereiche bevorzugt, können robuste, alkalisch-verträgliche Pflanzen und Sand eingesetzt werden. Felsaufbauten mit Höhlen zur Revierstrukturierung.
Filterung und Strömung: Leistungsfähige Filterung mit moderater Strömung. Regelmäßige Teilwasserwechsel und niedrige Nitratwerte.
Sprungrisiko: Gering.
Haplochromis obliquidens eignet sich für Aquarianer mit Erfahrung in der Haltung ostafrikanischer Cichliden. Bei echter H. obliquidens-Haltung hat die Erhaltungszucht besonderen Wert.
Zucht und Fortpflanzung
Haplochromis obliquidens ist ein maternaler Maulbrüter. Weibchen tragen Eier und Jungfische im Maul. Tragende Weibchen sollten in ein separates Aufzuchtbecken gesetzt werden. Die Zucht gilt unter geeigneten Bedingungen als gut durchführbar. Strikte Arttrennung im Zuchtbecken ist wegen der Hybridisierungsgefahr unbedingt nötig. Erstnahrung: Artemia-Nauplien.
Ernährung/Futterbedarf
Haplochromis obliquidens ist primär algivor und ernährt sich in der Natur hauptsächlich von Diatomeen (Kieselalgen wie Melosira, Surirella, Gomphonema). Im Aquarium eignen sich hochwertige Spirulina-haltige Flocken und Granulate als Basis. Pflanzliche Komponenten (Algenplatten, Aufwuchsalgen) bilden den Schwerpunkt. Tierische Ergänzung: Mysis, Artemia, Cyclops in kleinen Mengen. Mehrere kleine Fütterungen pro Tag.
Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Natürlicher Lebensraum
Haplochromis obliquidens ist endemisch im Viktoriasee und angrenzenden Abschnitten des Viktoria-Nils (Kenia, Tansania, Uganda). Die Art bewohnt primär die seichte Litoralzone in der Nähe von Emersvegetation: Seerosenbestände, exponierte Sandstrände und Ränder von Papyrussümpfen. Das Wasser ist warm und alkalisch.
Wilde Wasserwerte können lokal stark variieren und weichen von optimalen Aquariumwerten ab.