Hyphessobrycon flammeus
Beschreibung
Der Rote von Rio (Hyphessobrycon flammeus) ist ein zierlicher, aber tief gebauter Salmler, der im Aquarium eine Gesamtlänge von etwa 3,5 bis 4 cm erreicht. Die Färbung ist namensgebend: Der vordere Körperabschnitt erscheint gelblich-braun bis olivgrün mit metallischem Schimmer. Ab der Körpermitte setzt ein intensiv leuchtendes Rot ein, das sich bis zur Schwanzflosse erstreckt. Hinter den Kiemendeckeln sind zwei bis drei senkrechte, dunkle Querstreifen zu erkennen.
Bei Männchen sind Bauch- und Afterflosse mit markanten schwarzen Säumen besetzt. Im Aquarium kommt die Farbe besonders bei gedämpfter Beleuchtung, dunklem Bodengrund und weichem, leicht saurem Wasser optimal zur Geltung.
Die Art ist ein klassischer Schwarmfisch der mittleren Wasserzone. Als subtropisch angepasste Art verträgt sie auch kühlere Temperaturen bis 20 °C und eignet sich für ungeheizte Zimmeraquarien. Seit Jahrzehnten ist H. flammeus ausschließlich als Nachzucht erhältlich – Wildfänge werden nicht mehr gehandelt.
Besonderheiten
- Klassischer Schwarmfisch – Mindestgruppe 8 Tiere, besser 10+
- Freilaicher ohne Brutpflege – Eier werden frei verstreut
- Seit Jahrzehnten nur als Nachzucht verfügbar – keine Wildfänge
- Farbe kommt bei weichem, leicht saurem Wasser und gedämpfter Beleuchtung am besten
- Verträgt kühle Temperaturen bis 20 °C – für ungeheizte Zimmeraquarien geeignet
- Junggarnelen können gefährdet sein; adulte Garnelen und Schnecken sicher
- Geringes Sprungrisiko; dennoch Abdeckung empfohlen
- Empfindlich gegenüber Kupfer und Malachitgrün – bei Krankheitsbehandlung nur halbe Dosis oder alternative Mittel verwenden
Vergesellschaftungshinweise
H. flammeus ist ein friedlicher Gemeinschaftsfisch und sollte in Gruppen von mindestens 8, besser 10–12 Tieren gehalten werden. Einzeln oder in kleinen Gruppen unter 6 Tieren werden die Tiere scheu und verlieren an Farbintensität.
Das Temperament ist durchgehend ruhig und nicht-aggressiv. Revierverhalten ist nicht dokumentiert. Die Art verträgt sich problemlos mit allen gleichgroßen, friedlichen Südamerikanern.
Schnecken werden vollständig toleriert. Adulte Garnelen sind in der Regel sicher; sehr kleine Junggarnelen können gelegentlich gefressen werden.
Geeignete Beifische: andere kleine südamerikanische Salmler, Panzerwelse (Corydoras) und friedliche, kleinbleibende Buntbarsche. Ostafrikanische Hartwasserarten sind ungeeignet.
Geschlechtsdimorphismus
Männchen sind schlanker, etwas kleiner und zeigen intensivere Rot- und Schwarzzeichnung, besonders an Bauch- und Afterflosse. Weibchen sind sichtbar fülliger (besonders vor dem Laichen), blasser gefärbt und im Querschnitt runder. Der Unterschied ist bei gut konditionierten, adulten Tieren auf den ersten Blick erkennbar.
Haltungstipps / Pflege
Empfohlene Wasserwerte: 20–26 °C, pH 5,5–7,5, GH 3–12 °dGH. Die Temperaturtoleranz ist breit: In der Natur bewohnt die Art subtropische Küstenflüsse nahe Rio de Janeiro. Im Aquarium verträgt sie problemlos 20 °C.
Mindestbeckengröße: 60 cm Kantenlänge (ca. 54 Liter). Für Gruppen von 10 und mehr Tieren ist ein 80-cm-Becken (ca. 100 Liter) empfehlenswerter. Dunkler Bodengrund, reichlich feingliedrige Pflanzen, Schwimmpflanzen und Wurzeln schaffen eine natürliche Umgebung. Strömung: schwach bis moderat.
Der Rote von Rio ist eine unkomplizierte Art und eignet sich auch für Einsteiger. Die subtropische Kältetoleranz macht ihn zu einer guten Wahl für ungeheizte oder leicht beheizte Becken.
Zucht und Fortpflanzung
H. flammeus ist ein Freilaicher ohne Brutpflege. Zuchtschwierigkeit: einfach.
Zuchtbecken: 50–60 Liter mit weichem, leicht saurem Wasser (GH unter 6 °dGH, pH 6,5–7,0), Temperatur 24–26 °C. Sehr schwache Beleuchtung. Laichsubstrat: feinfiedrige Pflanzen, Laichmopps oder Glasperlen-Schicht.
Ein bis zwei Männchen mit zwei bis drei Weibchen einsetzen. Laichaktivität beginnt meist am nächsten Morgen. Etwa 200 Eier pro Laichakt. Elterntiere umgehend entfernen, da sie Eier fressen.
Larven schlüpfen nach 1–2 Tagen, sind nach 4–5 Tagen freischwimmend. Erstfutter: Paramecium oder feines Staubfutter (5–50 µm), nach einer Woche Artemia-Nauplien und Mikrowürmchen.
Ernährung/Futterbedarf
H. flammeus ist ein Allesfresser mit Vorliebe für kleine tierische Kost. Geeignet sind hochwertiges Mikrogranulat oder feine Flocken, Lebendfutter (Artemia-Nauplien, Daphnia, Mückenlarven, Mikrowürmchen), Frostfutter und gelegentlich Spirulina-Flocken. Mehrere kleine Fütterungen täglich halten die Wasserqualität optimal.
Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Natürlicher Lebensraum
Hyphessobrycon flammeus stammt aus subtropischen Küstenflüssen im Raum Rio de Janeiro, Brasilien, darunter Zuflüsse der Guanabara-Bucht, des Rio Paraíba do Sul und des Rio Guandu. Die Art bewohnt vegetationsreiche Flussabschnitte mit ruhiger bis mäßiger Strömung.