Megalamphodus megalopterus
Beschreibung
Der Schwarze Phantomsalmler (Hyphessobrycon megalopterus, Synonym: Megalamphodus megalopterus) ist ein eleganter Salmler der Familie Characidae (bzw. Acestrorhamphidae) aus dem Paraguay-Einzugsgebiet Südamerikas. Die Art wurde 1915 von Henry Weed Fowler zunächst als Megalamphodus megalopterus beschrieben und 1977 durch Weitzman & Palmer in die Gattung Hyphessobrycon überführt. Beide Namen sind im Aquarienhandel bis heute gebräuchlich.
Die Art erreicht eine Standardlänge von etwa 3,5 cm, im Aquarium typischerweise 4 bis 4,5 cm Gesamtlänge. Der Körper ist kompakt, hochrückig und seitlich deutlich abgeflacht. Namensgebend ist die dunkle Grundfärbung der Männchen: Sie zeigen einen dunkelgrauen bis schwärzlichen Körper mit stark verlängerten, segelartigen Rücken- und Afterflossen, die bei der Balz weit aufgefächert werden. Ein markanter schwarzer Schulterfleck, der von zwei schmalen weißlichen Vertikalstreifen eingerahmt wird, ist das sicherste Artmerkmal und bei beiden Geschlechtern sichtbar.
Weibchen sind weniger spektakulär gefärbt, zeigen aber einen charakteristischen rötlichen Schimmer an Afterflosse und Unterseite und eine deutlich kürzere Rückenflosse. Im Aquarium ist die Art ruhig und friedlich; die Männchen führen untereinander eindrucksvolle, rein ritualisierte Scheinkämpfe mit gespreizten Flossen durch, ohne sich dabei zu verletzen.
Besonderheiten
- Männchen mit stark vergrösserten, geschwungenen Rücken- und Afterflossen – beeindruckendes Imponierverhalten
- Markanter schwarzer Schulterfleck hinter dem Kiemendeckel
- Weibchen rötlich gefärbt, Männchen dunkler grau bis schwarz
- Schwarmfisch – mindestens 8 Tiere, idealerweise 10+
- Männchen führen rituelle Scheinkämpfe mit gespreizten Flossen
- Junggarnelen gefährdet, Schnecken toleriert
- Springt bei Erschrecken – Abdeckung empfohlen
- Empfindlich gegenüber Kupfer und kupferhaltigen Medikamenten
Vergesellschaftungshinweise
Hyphessobrycon megalopterus ist ein Schwarmfisch und sollte in einer Gruppe von mindestens 8 bis 10 Tieren gehalten werden. Das Geschlechterverhältnis sollte ausgewogen sein, mit leichtem Männchenüberschuss, damit sich das imposante Balzverhalten der Männchen vollständig entfalten kann.
Das Temperament ist friedlich und ruhig. Zwischen den Männchen kommt es regelmäßig zu eindrucksvollen Scheinkämpfen: Zwei Männchen stellen sich parallel auf, spreizen ihre verlängerten Flossen weit ab und schwimmen bedächtig umeinander herum. Diese ritualisierten Drohgesten dienen der Rangordnungsklärung und führen nicht zu Verletzungen. Sie sind ein Schauspiel und keine echte Aggression.
Gegenüber anderen Beckenpartnern ist die Art durchgehend friedlich. Geeignete Gesellschaft sind andere kleine, ruhige Salmler (Hemigrammus, andere Hyphessobrycon, Nannostomus), friedliche Zwergbuntbarsche (Apistogramma, Mikrogeophagus), Panzerwelse (Corydoras) und kleine Harnischwelse (Otocinclus). Ungeeignet sind hektische Arten wie Sumatrabarben, große Buntbarsche oder sehr kleine Beutefische. Schnecken und adulte Garnelen werden toleriert; Junggarnelen können als Futter angesehen werden.
Geschlechtsdimorphismus
Der Geschlechtsdimorphismus des Schwarzen Phantomsalmlers ist besonders stark ausgeprägt und macht die Art zu einem dankbaren Objekt zur Geschlechtsbestimmung. Männchen zeigen eine dunkelgraue bis fast schwarze Grundfärbung mit metallischem Schimmer und besitzen deutlich verlängerte, segelartige Rücken- und Afterflossen. Besonders die Rückenflosse ist bei adulten Männchen deutlich in die Höhe gezogen und trägt oft einen weißlichen Außensaum. In der Balz werden diese Flossen komplett aufgefächert.
Weibchen sind kleiner, wirken fülliger im Körper, und ihre Grundfärbung ist weniger dunkel mit einem charakteristischen rötlichen Schimmer entlang der Afterflosse, der Bauchflossen und der Unterseite. Die Rücken- und Afterflosse bleiben deutlich kürzer und werden nicht segelartig ausgezogen. Der typische Schulterfleck ist bei beiden Geschlechtern in gleicher Intensität vorhanden und dient der Artbestimmung.
Haltungstipps / Pflege
Hyphessobrycon megalopterus benötigt eine Wassertemperatur von 20 bis 28 °C, einen pH-Wert von 5,0 bis 7,0 und eine weiche Gesamthärte von 1 bis 12 °dGH. Die Art kommt aus ausgeprägtem Weichwasser – dauerhaft hartes Wasser über 15 °dGH oder alkalische Werte über pH 7,5 sind nicht artgerecht und führen zu Stress und verminderter Farbentwicklung.
Beckengröße: Für eine Gruppe von 8 bis 10 Tieren ist ein Aquarium ab 80 cm Kantenlänge und etwa 80 Liter Volumen die Mindestgröße. In größeren Becken ab 100 cm kommt das ritualisierte Balzverhalten der Männchen deutlich besser zur Geltung.
Einrichtung: Naturnahe, strukturreiche Gestaltung mit dunklem Bodengrund (Sand oder feiner Kies), dichter Randbepflanzung und freier Schwimmzone im vorderen Bereich. Feinfiedrige Pflanzen (Javamoos, Cabomba, Hornkraut, Mayaca), Javafarn und Anubias bieten Verstecke. Wurzeln, Moorkienholz und eine dünne Schicht aus Seemandelbaumblättern oder Buchenlaub auf dem Boden geben natürliche Gerbstoffe ab und unterstützen die Farbenpracht. Schwimmpflanzen dämpfen das Licht zusätzlich.
Filterung: Ruhige bis leicht bewegte Wasserzirkulation, starke Strömung wird gemieden. Ein sanft arbeitender Innen- oder kleiner Außenfilter ist ausreichend. Wöchentliche Wasserwechsel von etwa 25 bis 30 % halten die Wasserqualität stabil.
Beleuchtung: Gedämpft, gefiltert durch Schwimmpflanzen. Helle, grelle Beleuchtung wird gemieden und unterdrückt die dunkle Phantom-Färbung der Männchen.
Wichtig bei Medikamenten: Wie alle Characidae ist Hyphessobrycon megalopterus kupferempfindlich. Kupferbasierte Medikamente (Cupramine, Copper Power) sollten vermieden werden.
Zucht und Fortpflanzung
Hyphessobrycon megalopterus ist ein Freilaicher ohne elterliche Brutpflege. Die Zucht gilt als mittelschwer und erfordert weiches, saures Wasser sowie präzise Vorbereitung der Elterntiere.
Zuchtbedingungen: Temperatur 26 bis 28 °C, pH 5,5 bis 6,5, sehr weiches Wasser mit GH unter 5 °dGH (Osmose- oder Regenwasser empfohlen). Das Zuchtbecken (ab 40 Liter) wird mit feinfiedrigen Pflanzen (Javamoos, Taxiphyllum), Laichmopps oder einer Glasperlen-Schicht ausgestattet. Die Beleuchtung sollte schwach und das Wasser leicht tanninhaltig sein (Seemandelbaumblätter, Erlenzapfen).
Nach zwei Wochen intensiver Konditionierung mit Lebendfutter wird ein gut gefülltes Weibchen mit einem farbkräftigen Männchen zusammengesetzt – idealerweise am Abend. Der Laichakt findet am frühen Morgen statt. Ein Weibchen gibt 100 bis 200 klebrige Eier ab, die zwischen den Pflanzen oder auf dem Laichsubstrat haften. Die Elterntiere müssen unmittelbar nach dem Ablaichen entfernt werden, da sie Laichräuber sind.
Die Eier sind lichtempfindlich – das Becken muss abgedunkelt werden. Der Schlupf erfolgt bei 26 °C innerhalb von 24 bis 36 Stunden. Die Larven hängen zunächst einige Tage still an Pflanzen und Scheiben, ab dem dritten bis vierten Tag schwimmen sie frei. Erstfutter sind Infusorien und Pantoffeltierchen, ab dem siebten Tag frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien.
Ernährung/Futterbedarf
Hyphessobrycon megalopterus ist ein Allesfresser mit Vorliebe für kleine tierische Nahrung. Im Aquarium akzeptiert die Art bereitwillig hochwertiges Mikrogranulat, feine Flocken und kleine Sinkpellets als Grundration. Ergänzend sollten regelmäßig Lebend- und Frostfutter angeboten werden: frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien, Daphnien, Cyclops, Mikrowürmchen, feine Mückenlarven und Moina. Diese abwechslungsreiche Kost fördert Vitalität, Farbentwicklung und Balzbereitschaft deutlich.
Pflanzliche Beigaben in Form von Spirulina-Flocken oder gelegentlichen überbrühten Zucchini-Scheiben sind sinnvoll, aber kein Schwerpunkt – die Art ist eher fleischorientiert.
Fütterungshinweis: Lieber zwei- bis dreimal täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2 bis 3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Natürlicher Lebensraum
Hyphessobrycon megalopterus ist in Südamerika im oberen Rio Guaporé (Río Iténez) und im oberen Rio Paraguai-Einzugsgebiet verbreitet. Das Verbreitungsgebiet umfasst Teile des brasilianischen Pantanals und angrenzende Regionen in Bolivien. Die Art besiedelt kleine, stillstehende oder langsam fließende Gewässer: Nebenarme großer Flüsse, Zuflüsse, Tümpel, Überschwemmungsflächen und dicht bewachsene Randbereiche flacher Seen.
Typische Habitate sind stark strukturierte Gewässer mit üppiger Ufervegetation, überhängenden Ästen, abgefallenem Laub und Totholz am Grund. Das Wasser ist oft leicht tanninhaltig durch pflanzliche Zersetzungsprodukte. Die Strömung ist minimal bis gar nicht vorhanden.
Typische Wasserwerte in den natürlichen Habitaten liegen bei 23 bis 27 °C, pH 5,5 bis 7,0 (leicht sauer) und sehr weicher Wasserhärte (GH 1 bis 6 °dGH). In der Trockenzeit können Temperaturen kurzfristig auf 20 bis 21 °C absinken, weshalb die Art etwas kühlere Phasen gut verträgt.
Welcher wissenschaftlicher Name ist eigentlich dann richtig
Hyphessobrycon megalopterus 😉