Nannostomus unifasciatus
Beschreibung
Der Schrägsteher (Nannostomus unifasciatus) wird etwa 4 cm (SL) groß und nimmt eine charakteristische schräge Schwimmhaltung ein, die er nur mit N. eques teilt. Die Grundfärbung reicht von olivbraun über braun bis hin zu goldenen Schimmern; markant ist eine feine goldene bis irisierend silberne Linie, die von der Schnauze über das Auge verläuft. Direkt darunter liegt ein breit ausgeprägtes, schwarzes Längsband, das bis in den unteren Lappen der Schwanzflosse reicht. Die meisten Populationen zeigen zudem einen dunklen Schwanzfleck (Caudal-Ocellus). Im Dunkeln nehmen die Tiere ein kryptisches, vertikal gebändertes Färbungsmuster an.
Im Aquarium zeigt N. unifasciatus ein eher zurückhaltendes Verhalten. Als Schwarmfisch bewegt er sich überwiegend in der mittleren Schwimmzone, sucht dichte Vegetationsbereiche und Verstecke aus Wurzeln und Laub auf. Obwohl grundsätzlich friedlich, kann die Art gegenüber lebhafteren, schnell schwimmenden Beifischen unterdrückt wirken; ruhige Besatzpartner sind daher zu bevorzugen. Männchen können an der Afterflosse eine rötliche Tönung aufweisen.
Besonderheiten
- Charakteristische schräg stehende Schwimmhaltung, geteilt nur mit N. eques
- Stark ausgeprägtes schwarzes Längsband bis in die Schwanzflosse
- Dunkler Schwanzfleck (Caudal-Ocellus) bei den meisten Populationen
- Kryptisches, vertikal gebändertes Nachtfärbungsmuster
- Männchen oft mit rot gefärbter Afterflosse
- Bevorzugt dicht bepflanzte, beschattete Bereiche mit Totholz und Falllaub
- Springrisiko nicht erhöht, dennoch Abdeckung empfohlen
Vergesellschaftungshinweise
Nannostomus unifasciatus ist ein Schwarmfisch und sollte in Gruppen von mindestens 8, besser 10–12 Tieren gehalten werden. In größeren Schwärmen zeigt die Art koordiniertes Schwimmverhalten und deutlich reduzierten Stress.
Das Temperament ist sehr friedlich und zurückhaltend. Während der Brutzeit können Männchen territoriale Signale zeigen und kleine Reviere abstecken, ohne jedoch aggressiv zu werden. Schnecken und adulte Garnelen werden toleriert; sehr kleine Junggarnelen können gefressen werden.
Als Beifische eignen sich ausschließlich ruhige, südamerikanische Arten: andere Salmler, Panzerwelse und kleine Zwergbuntbarsche. Ostafrikanische Hartwasserbuntbarsche sind ungeeignet. Lebhafte, schnell schwimmende Arten können Stress verstärken.
Geschlechtsdimorphismus
Männchen sind schlanker gebaut und farbenprächtiger; insbesondere die Afterflosse ist bei Männchen häufig vergrößert und rot gefärbt. Weibchen sind insgesamt fülliger, besonders im Bauchbereich, und zeigen eine blassere Zeichnung.
Haltungstipps / Pflege
Wasserwerte: Temperatur 23–28 °C, pH 4,0–7,0, GH 1–10 °dGH. Weiches bis sehr weiches, leicht saures Wasser spiegelt den natürlichen Schwarzwasserlebensraum am besten wider.
Das Aquarium sollte eine Kantenlänge von mindestens 80 cm haben bei einem Volumen von etwa 112 Litern. Wichtig ist eine dichte, strukturreiche Einrichtung mit vielen Versteckmöglichkeiten: Wurzeln, Totholz und dichter Bepflanzung erzeugen schattige Bereiche. Ein dunkles, feines Substrat mit einer Schicht Falllaub schafft Bodenstrukturen und unterstützt natürliches Suchverhalten. Die Strömung sollte nur leicht sein. Gedämpfte Beleuchtung mit Schwimmpflanzen ist vorteilhaft.
Nannostomus unifasciatus kommt in gut strukturierten, dichten Pflanzengesellschaften mit Schwarzwasserbedingungen besonders gut zur Geltung. Die schräge Schwimmhaltung, das Längsband und das Nachtfärbungsmuster machen die Art zu einem interessanten Beobachtungsobjekt.
Zucht und Fortpflanzung
Nannostomus unifasciatus ist ein Freilaicher. Die Zucht im Aquarium ist nach aktuellem Kenntnisstand artspezifisch nicht dokumentiert. Frühere Zuchtberichte beziehen sich möglicherweise auf die verwandte Art N. eques.
Als Orientierungswerte für eine etwaige Zucht werden sehr weiches, saures Wasser (pH 5–6, GH max. 4 °dGH, Temperatur 26–28 °C) sowie die Simulation der Regenzeit durch kühlere Wasserwechsel und intensive Lebendnahrung empfohlen. Zur Konditionierung eignen sich weiße Mückenlarven, Artemia-Nauplien und Cyclops. Die Aufzucht der Larven erfordert zunächst Infusorien und Rädertierchen, später Artemia-Nauplien.
Ernährung/Futterbedarf
Nannostomus unifasciatus ist ein Mikroprädator. Die Ernährung sollte überwiegend aus feinem Lebend- und Frostfutter bestehen: Artemia-Nauplien, Cyclops, Moina und Grindalwürmchen. Ergänzend können hochwertige, sehr feine Granulate und zerkrümeltes Flockenfutter gegeben werden.
Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Natürlicher Lebensraum
Nannostomus unifasciatus stammt aus Südamerika, vornehmlich aus dem Amazonasbecken (Brasilien, Bolivien, Kolumbien), dem oberen Orinoco (Venezuela) und Regionen von Guyana. Eine eingebürgerte Population existiert auf Trinidad. In der Natur bewohnt die Art langsam fließende bis stehende Gewässer mit dichter Ufervegetation, Totholz und einer dicken Laubschicht.
Das Substrat ist meist dunkler Sand, bedeckt mit organischem Material. Die Strömung ist in den besiedelten Biotopen tendenziell sehr gering. Während Regenzeiten wandern die Fische in überflutete Waldgebiete.
Auf beiden Bilder ist N. eques abgebildet, nicht N. unifasciatus.
Ich erwähne das deshalb, weil ich mehrmals Exemplare beider Arten erhalten habe, obwohl ich nur die eine kaufen wollte. Anscheinend wird hier seitens der Züchter und Importeure nicht so genau hingeschaut.
Dabei sind die Fische recht verschieden: N. unifasciatus ist ein Aufwuchsfresser, der ständig Oberflächen abknabbert, N. eques eher ein Allesfresser. Unifasciatus ist deutlich größer, aber auch viel schüchterner.
Ich hatte N. unifasciatus zuerst nur per o.g. Verwechselung kennengelernt, finde ihn mittlerweile aber einen der schönsten und interessantesten Zierfische.