Neolamprologus brichardi
Beschreibung
Die Prinzessin von Burundi (Neolamprologus brichardi) wird 7–9 cm (SL) groß und ist ein elegant gebauter Buntbarsch mit feiner Schuppenzeichnung und lyraartiger Flossenform. Die Grundfärbung reicht von hellbeige bis kupferfarben; markant ist eine dunkle schwarze Zeichnung vom Auge bis zum Kiemendeckel, die in einem gelb-orangen Fleck endet. Die Flossen weisen weiße bis bläuliche Ränder auf und sind bei adulten Tieren oft verlängert und filigran ausgezogen. Mehrere Farbmorphen sind bekannt; gelegentlich ist eine Albinoform erhältlich.
Im Aquarium zeigen die Fische typisches Verhalten von Kolonie-bildenden Rift-See-Cichliden: sie schwimmen in Gruppenverbänden und nutzen Höhlen, Spalten und Unterstände als Orientierungspunkte. Innerartlich sind sie in der Kolonie meist friedlich und leben in komplexen Sozialgefügen, in denen ältere Tiere jüngere schützen. Gegenüber anderen Arten können sie territorial werden, besonders während der Brutphasen. Eine Besonderheit ist die kooperative Brutpflege (Etagenzucht): Larven und Jungfische werden nicht nur von den Eltern, sondern auch von älteren Geschwistern betreut. Der Art wird gelegentlich auch der Name N. pulcher zugeordnet.
Besonderheiten
- Kooperative Brutpflege (Etagenzucht): Jungfische werden von Eltern und älteren Geschwistern betreut
- Substratlaicher in Höhlen und Spalten
- Stark auf Höhlen und Verstecke angewiesen
- Mehrere Generationen können in einer Kolonie zusammenleben
- Stark territorial während der Brutpflege
- Feine, lyraförmig verlängerte Flossen bei adulten Tieren
- Junggarnelen gefährdet, Schnecken toleriert
- Springrisiko gering, dennoch Abdeckung empfohlen
Vergesellschaftungshinweise
Neolamprologus brichardi ist ein Gruppenbildner und lebt in der Natur in dichten Kolonien mit ausgeprägter sozialer Struktur. Im Aquarium empfiehlt es sich, mit mehreren Jungfischen zu beginnen, damit sich natürliche Paare herausbilden können.
Innerhalb der Kolonie verhalten sich die Tiere vergleichsweise ruhig. Während der Brutzeit steigt die Territorialität stark an: Eltern und oft die gesamte Kolonie verteidigen Höhlen und Jungfische vehement gegen Eindringlinge, auch gegen deutlich größere Arten. Die Art ist daher eher für das Artaquarium geeignet; eine Vergesellschaftung ist nur in ausreichend großen Becken mit klarer Revierstruktur möglich.
Schnecken werden toleriert. Zwerggarnelen, insbesondere Jungtiere, sind gefährdet.
Geeignete Beifische sind andere Tanganjikasee-Cichliden vergleichbarer Größe wie Julidochromis-Arten sowie friedliche Synodontis. Südamerikanische Weichwasserarten, Corydoras, Otocinclus und Neocaridina-Garnelen sind aufgrund der Wasserchemie ungeeignet.
Geschlechtsdimorphismus
Der Geschlechtsdimorphismus ist gering ausgeprägt. Männchen werden minimal größer und können etwas längere Flossenfilamente ausbilden; diese Unterschiede sind subtil. Eine sichere Unterscheidung gelingt in der Laichzeit anhand der Genitalpapillen: beim Weibchen ist die Papille rundlicher und größer.
Haltungstipps / Pflege
Wasserwerte: Temperatur 23–27 °C, pH 8,0–9,0, GH 9–25 °dGH. Hartes, alkalisches Wasser ist für diese Tanganjikasee-Art essenziell.
Das Aquarium sollte eine Kantenlänge von mindestens 120 cm aufweisen, um ausreichend Platz für Reviere und kooperatives Brutverhalten zu bieten. Die Einrichtung sollte reichlich Versteckmöglichkeiten durch grobe Steinhaufen, Höhlen und etagenartige Strukturen bieten. Als Bodengrund eignet sich feiner Sand; kalziumhaltiger Kies kann die Alkalinität stabilisieren. Offene Schwimmzonen nach oben sind wichtig, da die Art häufig im oberen Bereich des Beckens aktiv ist.
Eine moderate Strömung und leistungsfähige Filterung sorgen für gute Wasserqualität. Lebende Pflanzen sind aufgrund des harten Wassers und aktiven Revierverhaltens nur bedingt geeignet; der Schwerpunkt der Gestaltung sollte auf stabilen Felsformationen liegen.
Die Prinzessin von Burundi ist aufgrund ihres komplexen Sozialverhaltens und der kooperativen Brutpflege eine lohnende Art für Aquarianer mit Interesse an Riftsee-Cichliden. Steinreiche Einrichtung, alkalische Wasserwerte und artgerechte Gruppenhaltung sind die Schlüssel zum Erfolg.
Zucht und Fortpflanzung
Neolamprologus brichardi ist ein Substratlaicher. Die Zucht ist gut dokumentiert und gilt als einfach bis mittelschwer.
Zuchtwasserwerte: Temperatur 25–26 °C, pH 8,0–9,0, GH bis maximal 25 °dGH. Es wird empfohlen, mit einer Gruppe von mindestens sechs Jungfischen zu beginnen, damit sich Paare natürlich bilden. Das Weibchen legt die Eier in Höhlen ab, beide Eltern beteiligen sich an der Brutpflege mit klarer Arbeitsteilung: das Weibchen pflegt die Eier, das Männchen verteidigt die Umgebung.
Geleggrößen liegen bei bis zu 200 Eiern (in der Praxis oft weniger). Die Eier schlüpfen nach etwa 2–3 Tagen; die Jungfische werden nach rund sieben Tagen freischwimmend. Die Erstnahrung besteht aus Artemia-Nauplien und feinem Staubfutter. Neben den Eltern beteiligen sich oft ältere Geschwister an der Pflege der Brut. Zur Konditionierung eignen sich Artemia, Mysis und Mückenlarven.
Ernährung/Futterbedarf
Neolamprologus brichardi ist ein Allesfresser mit klarer Tendenz zu proteinreicher Nahrung. Lebend- und Frostfutter sollten den Hauptanteil der Ernährung ausmachen: Artemia, Mysis, Cyclops und weiße Mückenlarven sind gut geeignet. Trockenfutter kann ergänzend gegeben werden, sollte aber nicht dominieren. Pflanzliche Komponenten wie Spirulina werden ebenfalls angenommen. Regelmäßige Abwechslung fördert Gesundheit und Farbenpracht.
Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Natürlicher Lebensraum
Neolamprologus brichardi ist endemisch im Tanganjikasee, Ostafrika, und dort weit verbreitet an felsigen Küstenabschnitten mit zahlreichen Spalten und Höhlen. Diese Strukturen bieten Verstecke, Laichplätze und Revierräume für die Kolonien. Das Wasser ist klar und stark alkalisch. Als Bodengrund finden sich sandige bis feinkiesige Bereiche. Die Strömung an den Uferbereichen ist mäßig.