Orthosternarchus tamandua

Deutscher Name: Orthosternarchus tamandua

Quelle: Aquarium Glaser
Herkunft:
Brasilien, Peru
Farben:
rosa, transparent
Schwierigkeit:
Schwierig (Sehr erfahrene Aquarianer)
Art: Orthosternarchus tamandua
Gattung: Orthosternarchus
Familie: Apteronotidae

Beschreibung

Orthosternarchus tamandua ist ein langgestreckter Messerfisch aus der Familie Apteronotidae, der bis zu 44 cm erreicht und durch ein sofort erkennbares Merkmal besticht: das extrem verlängerte, röhrenförmige und leicht nach unten gebogene Rostrum (Schnauze). Dieses rüsselartige Gebilde erinnert an den Rüssel eines Ameisenbären (Tamandua) und gab der Art ihren wissenschaftlichen Namen. Kein anderer südamerikanischer Messerfisch zeigt ein vergleichbar ausgeprägtes Rostrum. Der Körper ist schlank und gestreckt, der Schwanzstiel kräftig. Die Fortbewegung erfolgt über die kontinuierlich schwingende Afterflosse, wie bei anderen Apteronotidae typisch. Die Körperfärbung ist stark reduziert: Der Fisch erscheint blassrosa bis weißlich, praktisch unpigmentiert, sodass das durchscheinende Blutgefäßsystem dem Tier ein gespenstisches Aussehen verleiht. Orthosternarchus tamandua ist sehr scheu und nachtaktiv. Tagsüber sucht die Art dichte Verstecke und dunkle Bereiche, nachts wird sie aktiv und sucht nach Nahrung. Im Aquarium bewegt sie sich mit langsamen, gleitenden Bewegungen in mittleren Wasserschichten bis in Bodennähe. Zur Orientierung und Kommunikation nutzt die Art wie alle Apteronotidae ein schwaches elektrisches Feld (Wave-Type Electric Organ Discharge). Die Haut reagiert sehr empfindlich auf mechanische Reizung und starkes Licht.
Sozialverhalten: Einzelgänger
Temperament: friedlich
Verträglichkeit mit Wirbellosen: mittel

Besonderheiten

  • Extrem verlängertes, röhrenförmiges Rostrum (Namensgebung: Tamandua = südamerikanischer Ameisenbär) als wichtigstes Erkennungsmerkmal
  • Praktisch unpigmentierter, blassrosa bis weißlicher Körper mit sichtbarem Gefäßsystem
  • Schwach elektrische Orientierung und Kommunikation (Wave-Type EOD, wie alle Apteronotidae)
  • Nachtaktiv und scheu, benötigt zahlreiche Verstecke und gedämpftes Licht
  • Langsamer Fresser; häufig anfänglich nur an Lebendfutter interessiert
  • Einzelgängerische Lebensweise; nicht für Gemeinschaftsbecken geeignet
  • Sehr empfindliche Haut, weiches Substrat (Feinsand) nötig
  • Geringe Sprungneigung, dennoch sicherer Deckel empfohlen

Vergesellschaftungshinweise

Orthosternarchus tamandua ist ein ausgeprägter Einzelgänger und sollte grundsätzlich allein gehalten werden. In der Natur meidet die Art dichte Besiedelung durch Artgenossen. Im Aquarium verursachen Enge und häufige Kontakte mit Artgenossen Stress und können Aggressionen auslösen. Gegenüber gleichgroßen Begleitfischen zeigt sich die Art grundsätzlich friedlich, ist jedoch sehr stressempfindlich und aufgrund ihrer langsamen Fressweise in Futterkonkurrenz mit schnelleren Arten klar benachteiligt. Die Art frisst kleine Wirbellose; Junggarnelen und sehr kleine Krebstiere sind gefährdet. Adulte Garnelen werden üblicherweise toleriert. Schnecken gelten als sicher. Für die Vergesellschaftung kommen nur südamerikanische Begleitfische in Betracht. Geeignete Mitbewohner sollten deutlich größer oder sehr robust sein, unterschiedliche ökologische Nischen besetzen und keine schnellen Futterkonkurrenten sein. Große, ruhige Harnischwelse (Loricariidae) und andere robuste, bodenbewohnende südamerikanische Arten können kompatibel sein. Kleine Schwarmfische, Junggarnelen und kleine räuberische Wirbellose sind ungeeignet.

Geschlechtsdimorphismus

Kein beschriebener äußerer Geschlechtsdimorphismus bekannt. Eine sichere Unterscheidung von Männchen und Weibchen anhand äußerer Merkmale ist im Aquarium in der Regel nicht möglich.
Größe: ca. 44 cm (TL)

Haltungstipps / Pflege

Wasserwerte: Temperatur 23–28 °C, pH 6,0–7,0, GH 1–8 °dGH. Diese Werte berücksichtigen den natürlichen Lebensraum im Amazonasbecken mit typisch sehr weichem, leicht saurem Wasser. Für Orthosternarchus tamandua wird ein sehr geräumiges Becken mit mindestens 250 cm Kantenlänge und ca. 950 Litern benötigt. Die Art erreicht bis zu 44 cm und braucht weite Revierbereiche sowie zahlreiche Verstecke. Das Substrat muss aus feinem Sand bestehen, da die Haut sehr empfindlich ist und scharfkantiges Material Verletzungen verursacht. Mehrere große Verstecke aus Wurzelholz, Halbhöhlen und Rohren schaffen tagsüber schützende Rückzugszonen. Die Beleuchtung sollte stark gedimmt sein; Torffilterung oder Schwarzwasser-Aufbereitung ist empfehlenswert. Klare Schwimmkorridore zwischen Verstecken fördern natürliches Verhalten. Im Aquarium sollten ruhige Zonen bevorzugt werden. Eine stabile, nicht zu starke Strömung ist angemessen. Die Filterung muss zuverlässig und leise arbeiten, da starke Turbulenzen Stress verursachen. Regelmäßige Teilwasserwechsel sind essenziell. Beim Einsetzen und Handling ist äußerste Vorsicht geboten, um die empfindliche Haut nicht zu verletzen. Da die Art nachtaktiv ist und langsam frisst, empfiehlt sich Fütterung in den Abend- oder Nachtstunden sowie gezielte Fütterungsplätze abseits schnellerer Mitbewohner. Orthosternarchus tamandua ist eine der seltensten Arten unter den Messerfischen und eignet sich ausschließlich für sehr erfahrene Aquarianer mit entsprechender Großaquaristik. Da eine Nachzucht nicht dokumentiert ist, handelt es sich ausnahmslos um Wildfänge; artgerechte Haltung und bewusster Umgang mit dieser Rarität sind daher besonders wichtig.
Wasserhärte:
weich
pH-Wert
6-7
Temperatur:
23-28 °C
Beckengröße:
ab 250 cm, 950 Liter

Zucht und Fortpflanzung

Eine erfolgreiche Nachzucht von Orthosternarchus tamandua in Gefangenschaft ist bislang nicht zuverlässig dokumentiert. Der Fortpflanzungstyp wird auf Basis der Familie (Apteronotidae) als Freilaicher vermutet. Berichte über gelegentliche Zuchterfolge einzelner Händler (ca. 2016) sind nicht bestätigt. Es existieren keine verlässlichen Angaben zu Zuchttemperatur, Zucht-pH, Härtebedingungen, Laichverhalten, Gelegegrößen, Inkubationszeiten oder Erstfutter der Jungtiere. Die Zucht im Aquarium ist derzeit als extrem schwierig bis unmöglich einzustufen.

Ernährung/Futterbedarf

Orthosternarchus tamandua ist karnivor. In der Natur ernährt sich die Art von kleinen Wirbellosen und Kleintieren. Im Aquarium werden bevorzugt Lebendfutter und hochwertige gefrorene Nahrung angenommen. Geeignete Futtermittel: Mückenlarven, Tubifex, Artemia, Mysis, kleine Krebse und Regenwürmer. Anfangs wird häufig nur Lebendfutter akzeptiert; mit Geduld ist eine Gewöhnung an Frostfutter möglich. Die Hauptfütterung sollte in die Dämmerungs- oder Nachtstunden gelegt werden. Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Ernährungstyp: Fleischfresser (Carnivore)
Alterserwartung
ca. 8-12 Jahre

Natürlicher Lebensraum

Orthosternarchus tamandua stammt aus dem Amazonasbecken mit Nachweisen aus Flusssystemen wie Rio Negro und Rio Purus in Brasilien und Peru. Die Art lebt bevorzugt in tiefen, dunklen Flusskanälen, teils in Tiefen von mehreren Metern. Häufige Fundorte sind tiefe Hauptstrombereiche mit mäßiger bis starker Strömung bei sehr geringen Lichtverhältnissen. Im natürlichen Habitat dominieren sandige Substrate mit zahlreichen Strukturen wie versunkenen Baumstämmen, Wurzelgeflechten und Überhängen als Verstecke.

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