Poecilia reticulata

Deutscher Name: Guppy

Herkunft:
Brasilien, Guyana, Südamerika, Surinam, Venezuela
Farben:
blau, gelb, grau, grün, rot
Schwierigkeit:
Einfach (Fortgeschrittene Anfänger)
Art: Poecilia reticulata
Gattung: Poecilia
Familie: Poeciliidae

Beschreibung

Poecilia reticulata, der Guppy, ist eine der farbenprächtigsten und variabelsten Süßwasserfischarten in der Aquaristik. Männchen zeigen eine enorme Bandbreite an Farbtönen und Mustern, die von leuchtendem Rot, Blau und Gelb bis zu grünen und olivfarbenen Nuancen reichen. Besonders markant sind die stark verlängerten, oft schlepperartigen Schwanz- und Rückenflossen, die in Form und Musterung stark variieren. Der Körper ist schlank und stromlinienförmig, das Gonopodium des Männchens gut erkennbar. Weibchen sind fülliger gebaut, erreichen bis zu 6 cm und tragen eine dezentere, meist grau-olive Grundfärbung, wobei Zuchtformen auch bei Weibchen gefärbte Schwanzflossen zeigen können. Im Aquarium verhalten sich Guppys äußerst lebhaft und aktiv; sie bevorzugen die oberen Wasserschichten und zeigen ständiges Schwimm- und Interaktionsverhalten. Männchen sind permanent mit dem Balzverhalten beschäftigt und verfolgen Weibchen beständig, was das Aquariumgeschehen dynamisch macht. Guppys sind friedlich und eignen sich für lebendige Gemeinschaftsbecken, solange die Beifische ähnliche Temperamente und Wasserwerte bevorzugen. Eine Besonderheit dieser Art ist ihre enorme Anpassungsfähigkeit: Guppys kommen in einer Vielzahl von Wasserverhältnissen vor und wurden weltweit eingeführt. Domestizierte Zuchtformen unterscheiden sich in Farbe und Flossenform deutlich von Wildformen. Ihre Fortpflanzungsstrategie mit lebend geborenen Jungfischen und die Fähigkeit der Weibchen zur Spermienlagerung im Ovidukt machen sie zu außerordentlich produktiven Züchtern. Wichtig zu wissen: Hochgezüchtete Guppy-Stämme sind durch Inzucht oft kurzlebiger und krankheitsanfälliger als Wildformen oder Endler-Kreuzungen.
Sozialverhalten: Gruppenhaltung
Temperament: friedlich
Verträglichkeit mit Wirbellosen: gut

Besonderheiten

  • Weibchen speichern Spermien im Ovidukt und können bis zu 6 Monate nach der letzten Paarung Nachwuchs produzieren
  • Extrem vielfältige Farb- und Flossenformen durch selektive Zucht (Snakeskin, Tuxedo, Mosaik u.v.m.)
  • Bevorzugte Schwimmzone: obere Wasserschichten
  • Keine Brutpflege; adulte Tiere fressen die eigenen Jungfische
  • Sprungneigung vorhanden; Abdeckung empfohlen
  • Hochgezüchtete Stämme durch Inzucht oft kurzlebig und krankheitsanfällig
  • Weltweit einer der am häufigsten gehaltenen Aquarienfische
  • Braucht hartes, alkalisches Wasser (GH 10-25, pH 7-8,5); wird oft zu weich gehalten
  • Tetrahymena („Guppy-Krankheit“): speziesspezifischer Parasit, der in Muskulatur und Organe eindringt; im fortgeschrittenen Stadium kaum behandelbar
  • Guppys sind besonders anfällig für Camallanus cotti (Fräskopfwurm), erkennbar an roten Fäden am After
  • Kupferbasierte Medikamente (z. B. gegen Samtkrankheit) sind für Guppys hochriskant; die letale (tödliche) Dosis liegt nahe an der therapeutischen
  • Kein Labyrinthorgan vorhanden; dauerhaftes Luftschnappen an der Oberfläche ist Notatmung und deutet auf Sauerstoffmangel oder Nitritvergiftung hin

Vergesellschaftungshinweise

Guppys sind Gruppentiere mit einem Mindestbesatz ab 5 Tieren. Das Geschlechterverhältnis ist entscheidend: Mindestens 1 Männchen auf 3 Weibchen, besser noch mehr Weibchen, um die Belastung durch das permanent aufdringliche Balzverhalten der Männchen zu reduzieren. In der Praxis wird häufig ein Haremssystem gepflegt. Alternativ funktionieren reine Männchengruppen, sofern Stressfaktoren minimiert werden. Das Temperament ist überwiegend friedlich, jedoch sehr aktiv. Männchen sind besonders markant in ihrem aufdringlichen Balzverhalten gegenüber Weibchen; dieses Verhalten kann bei dichter Besetzung oder bei zu wenigen Weibchen erheblichen Stress für diese verursachen. Guppys zeigen keine Brutpflege. Im Gegenteil: Adulte Tiere fressen häufig die eigenen Jungfische, weshalb Rückzugsräume für die Brut wichtig sind. Verträglichkeit mit Wirbellosen: Zwerggarnelen (Neocaridina/Caridina) können behelligt werden, Junggarnelen werden gefressen, adulte Garnelen sind jedoch oft weniger gefährdet. Schnecken werden toleriert und gelten als sicher. Guppys passen am besten zu Arten mit ähnlichen Wasserwertansprüchen. Geeignete Beifische sind kleine südamerikanische Salmler, Panzerwelse (Corydoras) und kleine Buntbarsche derselben Region, sofern diese einen ähnlich ruhigen Charakter haben. Ungeeignet sind ostafrikanische Buntbarsche wie Malawi- und Tanganjika-Arten (Tropheus, Labidochromis u. a.), da deren aggressives, revierbildendes Verhalten den kleinen Guppy unweigerlich als Beute betrachten lässt.

Geschlechtsdimorphismus

Guppys zeigen einen der ausgeprägtesten Geschlechtsdimorphismen unter den Aquarienfischen. Männchen erreichen etwa 3-4 cm und sind deutlich kleiner als die Weibchen, die bis zu 5-6 cm groß werden. Männchen tragen intensive, oft leuchtende Färbungen in allen erdenklichen Farbkombinationen; ihre Schwanz- und Rückenflossen können sehr groß und kunstvoll ausgeprägt sein und zeigen vielfältige Muster wie Snakeskin, Tuxedo oder Mosaik. Das Gonopodium (modifizierte Analflosse) ist das sichere Erkennungsmerkmal. Weibchen sind unauffällig grau-oliv gefärbt, wirken deutlich fülliger und zeigen bei Trächtigkeit einen markanten Trächtigkeitsfleck hinter der Analflosse.
Größe: M: 3-4 cm, W: bis 6 cm

Haltungstipps / Pflege

Guppys brauchen hartes, alkalisches Wasser. Die empfohlenen Haltungswerte: Temperatur 22-28 °C, pH 7-8,5, GH 10-25 °dGH. Die Art wird in der Aquaristik häufig zu weich gehalten, was die Anfälligkeit für Krankheiten erhöht. Guppys stammen aus Regionen mit kalkhaltigem Wasser und fühlen sich bei höherer Härte deutlich wohler. Als Mindestbeckengröße gelten 60 cm Kantenlänge (ca. 54 Liter). Bei Gruppenhaltung mit dem empfohlenen Geschlechterverhältnis von mindestens 1 Männchen auf 3 Weibchen sollte die Beckengröße großzügig gewählt werden, um den Weibchen Ausweichmöglichkeiten zu bieten. Einrichtung: Guppys schätzen dicht bewachsene Bereiche mit vielen Versteckmöglichkeiten, insbesondere Schwimmpflanzen (z. B. Hornkraut, Wasserlinsen) und feines Stängelwerk, in dem Jungfische Schutz finden können. Eine Kombination aus Schwimmpflanzen und Bodendeckern schafft Rückzugsmöglichkeiten und eine naturnahe Optik. Das Substrat kann variabel sein (Sand, Kies oder feiner Bodengrund). Strömung und Filterung: Die Strömung sollte moderat bis ruhig sein; Guppys bevorzugen ruhige bis mäßig fließende Bereiche. Großflossige Zuchtformen (Deltaschwanz, Triangel, Fächerschwanz) sind besonders strömungsempfindlich: Die hypertrophierten (übermäßig vergrößerten) Flossen erzeugen enormen Wasserwiderstand, was bei starker Strömung zu chronischer Erschöpfung und verkürzter Lebensdauer führt. Für diese Varianten ist eine gedrosselte Filterströmung oder ein Schwammfilter empfehlenswert. Biologische Filterung mit ausreichendem Durchsatz sorgt für stabile Wasserwerte. Bei höherer Besatzdichte auf stärkere Filterleistung und häufigere Wasserwechsel achten. Beleuchtung: Schwache bis mittlere Lichtintensität genügt. Regelmäßiger Rückschnitt dichter Pflanzenzonen erhält freie Schwimmflächen. Guppys sind pflegeleicht und vertragen eine breite Palette an Futtermitteln. Auf Überfütterung achten, da dies die Wasserqualität beeinträchtigt. Wichtiger Hinweis: Diese Art kann gelegentlich springen. Eine Abdeckung wird dringend empfohlen. Die Lebenserwartung liegt bei 2-3 Jahren, wobei großflossige Hochzuchttiere oft am unteren Ende liegen. Wildformen und robuste Stämme leben tendenziell länger.
Wasserhärte:
mittel bis hart
pH-Wert
7-8,5
Temperatur:
22-28 °C
Beckengröße:
ab 60 cm, 54 Liter

Zucht und Fortpflanzung

Die Zucht von Poecilia reticulata ist gut dokumentiert und gilt als sehr einfach. Es handelt sich um eine ovovivipare (ei-lebendgebärende) Art: Die Eier entwickeln sich im Follikel des Weibchens ohne Plazenta-Verbindung; die Embryonen ernähren sich ausschließlich vom Dottervorrat. Weibchen können mehrere Monate nach dem letzten Kontakt mit einem Männchen noch Nachwuchs produzieren, da Spermien im Ovidukt gespeichert werden (Sperma-Speicherung bis zu 6 Monate dokumentiert). Zuchtbedingungen: Zucht-Temperatur 24-26 °C, Zucht-pH 7-8, Zucht-GH 10-25 °dGH. Kein spezieller Auslöser nötig; Guppys vermehren sich bei guten Wasserwerten und ausreichend Futter kontinuierlich von selbst. Fortpflanzungsverhalten und Aufzucht: Weibchen zeigen einen markanten Trächtigkeitsfleck hinter der Analflosse, der das Fortpflanzungsstadium anzeigt. Die Tragzeit beträgt bei etwa 25 °C typischerweise 21 bis 30 Tage. Die Wurfgröße variiert stark: typischerweise 5-100 Jungfische pro Wurf, produktive Weibchen können deutlich mehr als 50 Junge zur Welt bringen. Nach der Geburt sind die Jungfische sofort schwimmfähig und fressen feines Staubfutter oder Artemia-Nauplien. Aufgrund des Fressverhaltens der Adulten ist ein dicht bepflanztes Aufzuchtbecken oder die frühzeitige Trennung der Weibchen empfehlenswert, um eine hohe Überlebensrate der Jungen zu sichern. Zuchtpraxis: Zur Förderung größerer und vitalerer Würfe empfiehlt sich eine Konditionierung mit Lebendfutter wie Artemia-Nauplien und Mückenlarven. Da Guppys extrem produktiv sind, sollte vor dem Züchten die Frage der Nachwuchsverwertung geklärt werden, um Überbestand zu vermeiden. Wichtiger Hinweis: Hochgezüchtete Guppy-Linien (Zuchtguppys) sind durch Generationen von Inzucht oft kurzlebig und krankheitsanfällig. Einkreuzung von Wildformen oder zumindest fremden Linien verbessert die Vitalität erheblich.

Ernährung/Futterbedarf

Guppys sind Allesfresser mit insektivorer Tendenz. In freier Wildbahn ernähren sie sich überwiegend von Insekten und Insektenlarven; in der Aquaristik profitieren sie von einer abwechslungsreichen Kost. Die Basisernährung kann aus hochwertigem Flocken- oder Granulatfutter bestehen, ergänzt durch regelmäßige Portionen von Lebend- oder Frostfutter wie Artemia, Daphnien und Mückenlarven, welche insbesondere die Entwicklung von Jungfischen und die Fruchtbarkeit von Weibchen fördern. Pflanzliche Komponenten wie Spirulina-Flocken oder blanchiertes Gemüse (z. B. Zucchini, Spinat) sollten regelmäßig angeboten werden, um die Verdauung und Farbe zu unterstützen. Für Jungfische eignen sich feines Staubfutter und Artemia-Nauplien. Mehrere kleine Portionen pro Tag sind günstiger als große Einzelgaben. Auf Überfütterung dringend verzichten, da dies zu verschlechterter Wasserqualität führt.
Ernährungstyp: Allesfresser (Omnivore)
Alterserwartung
2-3 Jahre

Natürlicher Lebensraum

Poecilia reticulata stammt aus dem nordöstlichen Südamerika und den karibischen Inseln, darunter Venezuela, Guyana, Suriname, Nordbrasilien sowie Trinidad und Tobago und Barbados. Die Art wurde weltweit eingeführt und gilt in vielen Regionen als etablierter Neozoon. Guppys besiedeln eine breite Palette an Gewässertypen und sind für ihre ökologische Flexibilität bekannt. Sie kommen in klaren Bergbächen ebenso vor wie in trüben Teichen, Kanälen, Gräben und Flussmündungsbereichen. Bevorzugt werden ruhige, dicht bewachsene Uferzonen, in denen schwache Strömung und reichlich Pflanzenbewuchs Schutz und Nahrungsangebot bieten. Das Substrat in den natürlichen Habitaten ist variabel und umfasst Sand, Kies und schlammige Böden. Die Strömungsverhältnisse reichen von ruhig bis mäßig, wobei Guppys häufig Bereiche mit geringer Fließgeschwindigkeit aufsuchen. Vegetation ist ein wichtiger Bestandteil des Lebensraums: dichte Pflanzenzonen, Mangroven oder Schwimmpflanzen bieten Versteck- und Laichplätze sowie Nahrungsquellen. Wilde Wasserwerte können lokal stark variieren und weichen von optimalen Aquariumwerten ab.

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