Rohanella titteya

Deutscher Name: Bitterlingsbarbe

Herkunft:
Sri Lanka
Farben:
braun, rot
Schwierigkeit:
Einfach (Fortgeschrittene Anfänger)
Art: Puntius titteya
Gattung: Puntius
Familie: Cyprinidae

Beschreibung

Die Bitterlingsbarbe, wissenschaftlich Rohanella titteya (Deraniyagala, 1929) – früher Puntius titteya bzw. Pethia titteya – ist ein kleiner, farbenprächtiger Schwarmfisch aus der Familie Cyprinidae. Die Art wurde 1929 von Deraniyagala als Puntius titteya beschrieben. Nach der Revision von Pethiyagoda et al. (2012) wurde sie in die Gattung Pethia gestellt; Sudasinghe et al. (2023) trennten sie auf Basis molekularer Daten in die neue monotypische Gattung Rohanella ab, die den heute gültigen Namen Rohanella titteya traegt. Aquaristische Literatur und Datenbanken verwenden bis heute alle drei Namen synonym. Die Bitterlingsbarbe erreicht eine Gesamtlänge von etwa 5 cm und ist eine der klassischsten Aquarienfische überhaupt: Sie wird seit den späten 1930er-Jahren in Europa gehalten und nachgezüchtet. Heute sind im Handel überwiegend Farbzuchtformen verfügbar, darunter die besonders gefragte „Super Red“-Linie. Männchen zeigen im Prachtkleid eine intensive, gleichmäßig durchgezogene Kirschrot- bis Weinrotfärbung, die während der Balz besonders leuchtkräftig wirkt und dem Fisch den liebevollen englischen Namen „Cherry Barb“ eingebracht hat. Weibchen sind mit einer bräunlich-olivgrünen Grundfärbung und einem durchgehenden dunklen Längsband deutlich schlichter gezeichnet. Die Art gilt als friedlich, robust und eignet sich hervorragend für Anfänger und erfahrene Halter gleichermaßen.
Sozialverhalten: Schwarm
Temperament: friedlich
Verträglichkeit mit Wirbellosen: gut

Besonderheiten

  • Männchen im Prachtkleid intensiv kirschrot; Weibchen bräunlich-olivgrün mit dunklem Längsband
  • Dunkles Seitenband vom Maul bis zur Schwanzwurzel als Bestimmungsmerkmal
  • Zuchtformen (Super Red, Albino) mit permanent verstärkter Pigmentierung im Handel
  • IUCN Vulnerable: im Handel fast ausschließlich Nachzuchttiere
  • Schwarmfisch: Mindestgruppe 6-10 Tiere
  • Bevorzugt schattige, pflanzenreiche Bereiche
  • Mittleres Sprungrisiko – Deckel empfohlen
  • Kupferempfindlich – kupferhaltige Medikamente (z.B. gegen Weißpünktchenkrankheit) vermeiden; Malachitgrün oder Formalin als Alternative
  • Erhöhte Anfälligkeit für Bauchwassersucht (Dropsy) bei schlechter Wasserqualität – regelmäßige Wasserwechsel besonders wichtig

Vergesellschaftungshinweise

Die Bitterlingsbarbe ist ein ausgeprägter Schwarmfisch und sollte zwingend in einer Gruppe von mindestens 8 bis 10 Tieren gehalten werden – empfohlen werden noch größere Gruppen von 12 oder mehr Exemplaren. In ausreichend großen Gruppen zeigen die Tiere intensivere Färbung, aktiveres Schwimmverhalten und deutlich weniger Scheu. Das Temperament ist sehr friedlich und zurückhaltend, echte Aggressionen gegen Artgenossen oder Mitbewohner treten nicht auf. Während der Balz werden die Männchen lebhafter, jagen sich gegenseitig und präsentieren sich vor den Weibchen – das ist Balzverhalten und keine Aggression. Flossenzupfen oder ernsthaftes Mobbing sind nicht zu erwarten. Geeignete Beckenpartner sind andere kleine, friedliche Schwarmfische aus ruhigeren Lebensräumen: kleine Salmler, andere friedliche Barben, Bärblinge (Trigonostigma, Rasbora), kleinere Corydoras-Arten, Panzerwelse, Otocinclus und Kuhli-Welse. Ungeeignet sind hektische oder größere, nervöse Arten, die die ruhigen Bitterlingsbarben bedrängen würden. Schnecken werden ignoriert und sind sicher; adulte Garnelen werden in der Regel toleriert, sehr kleine Junggarnelen können als Futter angesehen werden.

Geschlechtsdimorphismus

Der Geschlechtsdimorphismus der Bitterlingsbarbe ist ab etwa 3 cm Länge gut erkennbar und besonders während der Balz sehr deutlich. Männchen bleiben etwas kleiner und deutlich schlanker als Weibchen. Im Prachtkleid färben sie sich intensiv kirschrot bis weinrot, wobei die rote Färbung den gesamten Körper überzieht – die Rückenflosse, die Körperflanken und auch der Schwanzstiel leuchten einheitlich warm. Während der Balz kann diese Färbung kurzfristig noch eine Stufe intensiver werden. Selektierte Zuchtformen („Super Red“) zeigen diese Intensivfärbung auch dauerhaft. Weibchen werden etwas größer und deutlich fülliger, besonders im Bauchbereich, wo bei Laichbereitschaft die Eier als Wölbung sichtbar sind. Ihre Grundfärbung ist bräunlich-olivgrün bis beige, teilweise mit schwachem Messingschimmer. Das charakteristische dunkle Längsband, das sich vom Kiemendeckel bis zum Schwanzstiel zieht, ist bei Weibchen meist kräftiger ausgeprägt als bei Männchen. Außerhalb der Balz sind ruhende Männchen ebenfalls eher bräunlich und können leicht mit Weibchen verwechselt werden.
Größe: bis 5 cm TL (SL ca. 4-4,5 cm)

Haltungstipps / Pflege

Rohanella titteya benötigt eine Wassertemperatur von 20 bis 27 °C, einen pH-Wert von 6,0 bis 8,0 und eine weiche bis mittelharte Gesamthärte von 2 bis 15 °dGH. Nachzuchttiere sind bezüglich der Wasserwerte sehr tolerant und kommen auch mit neutralem bis leicht hartem Leitungswasser gut zurecht – Wildfänge benötigen dagegen weicheres, leicht saures Wasser. Beckengröße: Ein Aquarium ab 80 cm Kantenlänge und etwa 112 Liter Volumen ist die Mindestgröße für eine Gruppe von 10 bis 12 Tieren. In etwas größeren Becken ab 100 cm kommen Schwarmverhalten und Farbenpracht besonders gut zur Geltung. Einrichtung: Naturnah und strukturreich eingerichtet mit feinem bis mittelgrobem, dunklem Bodengrund, dichter Rand- und Rückwandbepflanzung (Cryptocorynen, Vallisneria, Ludwigia, Javafarn, Anubias) und einer großen offenen Schwimmzone im vorderen Bereich. Wurzeln, Wurzelholz und einzelne Laubblätter (Seemandelbaumblätter, Buchenlaub) bieten Verstecke und geben natürliche Gerbstoffe ab, die die Gesundheit fördern. Schwimmpflanzen dämpfen das Licht und beruhigen die Tiere. Filterung: Ruhige bis leicht bewegte Strömung. Ein sanft arbeitender Außenfilter ist ideal. Wöchentliche Wasserwechsel von etwa 25 bis 30 % halten die Wasserqualität stabil. Beleuchtung: Gedämpft bis mäßig. Schwimmpflanzen und dichte Bepflanzung sorgen für die bevorzugte Lichtverteilung. Wichtig bei Medikamenten: Wie alle Cyprinidae reagiert die Bitterlingsbarbe empfindlich auf kupferbasierte Medikamente (Cupramine, Copper Power, Kupfersulfat). Diese wirken schon in geringen Dosen toxisch und müssen vollständig vermieden werden. Bei Parasitenbefall auf kupferfreie Präparate ausweichen.
Wasserhärte:
weich bis hart
pH-Wert
6,0-8,0
Temperatur:
20-27 °C
Beckengröße:
ab 80 cm, 112 Liter

Zucht und Fortpflanzung

Die Bitterlingsbarbe ist ein Freilaicher (Haftlaicher) ohne elterliche Brutpflege. Die Zucht gilt als einfach und gelingt regelmäßig auch in gut eingerichteten Gesellschaftsbecken, wenn ausreichend feinfiedrige Pflanzen oder Moose vorhanden sind. Zuchtbedingungen: Temperatur 24 bis 26 °C, pH 6,0 bis 7,0 (leicht sauer), weiches bis mittelhartes Wasser mit GH 5 bis 12 °dGH. Für eine kontrollierte Zucht wird ein separates Zuchtbecken mit dichten Moosbüscheln (Javamoos, Weihnachtsmoos), feinfiedrigen Pflanzen (Cabomba, Myriophyllum) oder einem Laichmopp eingerichtet. Alternativ kann ein Schutzgitter oder eine Glasperlenschicht am Boden die Eier vor den Elterntieren schützen. Nach intensiver Konditionierung mit lebenden und gefrorenen Futtertieren setzt man ein gut gefülltes Weibchen mit ein bis zwei aktiven Männchen zur Dämmerung ins Zuchtbecken. Während der Balz laicht das Weibchen etwa 200 bis 300 klebrige Eier zwischen den Pflanzen ab. Unmittelbar nach dem Ablaichen müssen die Eltern wieder entfernt werden, da sie die Eier fressen. Die Eier schlüpfen bei 25 bis 26 °C innerhalb von 24 bis 48 Stunden. Die Larven hängen zunächst an Scheiben und Pflanzen und zehren vom Dottersack. Nach etwa drei bis vier Tagen schwimmen sie frei und beginnen zu fressen. Erstfutter sind Infusorien, ab der zweiten Woche frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien und feines Mikrofutter.

Ernährung/Futterbedarf

Die Bitterlingsbarbe ist ein anpassungsfähiger Allesfresser und nimmt im Aquarium bereitwillig ein breites Futterspektrum an. Als Grundlage dienen hochwertige Flocken oder feines Granulatfutter. Ergänzend sollten mehrmals wöchentlich lebende oder gefrorene Futtertiere angeboten werden: frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien, Daphnien, Cyclops, Mikrowürmchen, weiße und rote Mückenlarven – diese abwechslungsreiche Kost fördert Farbentwicklung, Gesundheit und Laichbereitschaft erheblich. Pflanzliche Futteranteile (Spirulina-Flocken, gelegentlich überbrühte Zucchini-Scheiben oder junge Salatblätter) unterstützen die Verdauung und sollten etwa 20 bis 30 % der Gesamtration ausmachen. Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2 bis 3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel. Ein wöchentlicher Fastentag ist empfehlenswert.
Ernährungstyp: Allesfresser (Omnivore)
Alterserwartung
ca. 5-7 Jahre

Natürlicher Lebensraum

Rohanella titteya ist endemisch im Südwesten Sri Lankas und kommt dort ausschließlich im Flachland des Kelani- und Nilwala-Flusssystems sowie in einigen kleineren dazwischen liegenden Wasserläufen vor. Die Art besiedelt langsam fließende, stark beschattete Bäche und Nebenarme in Regenwaldgebieten, die dicht von Uferbewuchs und überhängender Vegetation bedeckt sind. Typische Wasserwerte in den natürlichen Habitaten liegen bei 24 bis 27 °C, pH 6,0 bis 7,0 (leicht sauer) und weicher Wasserhärte von 2 bis 8 °dGH. Das Wasser ist durch abgefallenes Laub und pflanzliche Zersetzungsprodukte oft leicht tanninhaltig und teefarben. Charakteristisch ist eine dichte Schicht aus Laub und kleinen Ästen am Boden, die zahlreiche Kleintiere beherbergt und als wichtigste Futterquelle dient. In der Natur ist die Bitterlingsbarbe durch Lebensraumverlust und Gewässerverschmutzung lokal gefährdet. Die meisten im Handel erhältlichen Tiere stammen aus kommerzieller Nachzucht und sind sehr robust an unterschiedliche Wasserwerte angepasst.

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Sollten nicht mit Posthornschnecken und Garnelen gehalten werden, da sie diese Fressen

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