Sphaerichthys osphromenoides

Deutscher Name: Schokoladengurami

Herkunft:
Indonesien, Südostasien
Farben:
braun, gold, schwarz
Schwierigkeit:
Einfach (Fortgeschrittene Anfänger)
Art: Sphaerichthys osphromenoides
Gattung: Sphaerichthys
Familie: Osphronemidae

Beschreibung

Sphaerichthys osphromenoides, der Schokoladengurami, ist ein hochspezialisierter Labyrinthfisch aus der Familie Osphronemidae (Unterfamilie Luciocephalinae) mit einer maximalen Standardlänge von 4-5 cm (Gesamtlänge bis 6 cm). Der Körper ist hochgewölbt, seitlich kompakt und in tiefem Schokoladenbraun mit hellen vertikalen Bändern gefärbt. Die Augen haben einen charakteristischen metallisch-goldenen Ring. Die Art stammt aus den Torfsumpfwäldern der Malayischen Halbinsel, Sumatras und Borneos. Die natürlichen Habitate sind extrem sauer (pH 3,5-6,0), mineralarm (Leitwert unter 100 µS/cm), tanninreich und dicht mit Laub und Wurzeln strukturiert. Die Art ist als Schwarzwasser-Spezialist absolut angewiesen auf diese Parameter; Leitungswasser mit pH über 6,5 oder GH über 5 dGH ist auf Dauer lethal. S. osphromenoides ist eine der wenigen maternalen Maulbrüter unter den Labyrinthfischen – das Weibchen nimmt die befruchteten Eier ins Maul und brütet sie 14-21 Tage aus. Die Art gilt als Expert-Level in der Aquaristik und ist aufgrund ihrer Sensibilität nicht für Anfänger geeignet. Lebenserwartung: 3-5 Jahre bei optimaler Haltung.
Sozialverhalten: Schwarm
Temperament: friedlich
Verträglichkeit mit Wirbellosen: gut

Besonderheiten

  • Extremer Schwarzwasser-Spezialist: pH 4,0-6,5 und GH 0-4 dGH sind für Wildfänge zwingend. Werte über pH 6,5 oder GH über 10 sind auf Dauer lethal durch osmoregulatorischen Stress und Immunkollaps
  • Maulbrüter (maternal): im Gegensatz zu den meisten Labyrinthfischen brütet bei Sphaerichthys osphromenoides das Weibchen die Eier im Maul aus – eine der wenigen Arten mit dieser Rolle
  • Geschlechtsunterschiede sind sehr gering: Männchen haben einen geraden Unterkiefer und spitzeren Kopf; Weibchen haben einen leicht gerundeten Unterkiefer durch dehnbares Gewebe für die Eier. Größe unterscheidet sich kaum – das klassische Schema „Weibchen größer“ ist ein Überbleibsel alter Maulbrüter-Fehlinterpretationen
  • Labyrinthfisch: freier Zugang zur Wasseroberfläche zwingend, darunter warme und feuchte Luftschicht (darf nicht durch kalten Raumluft-Kontakt gekühlt werden)
  • Hohes Sprungrisiko: dicht schließende Abdeckung Pflicht
  • Schwache Schleimhaut-Immunabwehr: im natürlichen Blackwater ist die antimikrobielle Wirkung der Huminstoffe lebensnotwendig. In Standard-Leitungswasser ohne Tannine kollabiert die Abwehr und es kommt zu bakteriellen Opportunisten-Infektionen
  • Extrem kupferempfindlich: in saurem, mineralarmem Wasser potenziert sich die Toxizität freier Kupfer-Ionen dramatisch. Standard-Medikamente gegen Ichthyo/Samtkrankheit mit Kupfer sind tödlich – alternative Behandlungen bevorzugen (Temperaturerhöhung, reduzierte chelatierte Dosen)
  • Anfällig für Velvet (Piscinoodinium), Columnaris und Mycobakteriose. Mycobacteriose ist nicht sicher heilbar und kann über offene Wunden auch Menschen infizieren
  • Verwechslungsarten: S. osphromenoides (9-10 Rückenflossenstrahlen), S. selatanensis (7 Rückenflossenstrahlen + zusätzliches Querband), S. acrostoma (6 Rückenflossenstrahlen + längere Schnauze) – Kreuzung in Aquarien vermeiden, da sie sympatrisch vorkommen und hybridisieren können
  • Zuchtbecken nicht unter pH 6,5 zwangsweise – sonst Immunkollaps. Minimale Gruppengröße 6 Tiere, ideal 8-10 mit Weibchen-Überhang
  • Endemisch in den Torfsumpfwäldern der Malayischen Halbinsel, Sumatra und Borneo – viele Habitate akut durch Palmöl-Plantagen und Abholzung bedroht

Vergesellschaftungshinweise

Sphaerichthys osphromenoides zeigt im natürlichen Habitat ein ausgeprägtes Sozialverhalten als ruhiger Schwarmfisch, wobei die Tiere lockere Gruppenstrukturen bevorzugen und sich bei Stress oder Gefahr enger zusammenschließen; für die Aquarienhaltung empfiehlt sich daher eine Mindestgruppengröße von 6–8 Exemplaren, um innerartlichen Stress und Scheu zu vermeiden. Der Schokoladengurami sollte mit friedlichen, ebenfalls ruhigen Arten wie kleinen Rasboras, Keilfleckbarben oder Zwergbärblingen sowie sanften Bodenbewohnern wie kleinen Panzerwelsen oder Otocinclus vergesellschaftet werden, wobei auf ähnliche Ansprüche an Wasserwerte und Temperatur zu achten ist. Ungeeignet sind sehr kleine Beutefische, die als Nahrung angesehen werden könnten, sowie aggressive oder hektische Arten wie größere Bärblinge, Barben oder Buntbarsche, da diese den Schokoladengurami stressen und sein zurückhaltendes Verhalten unterdrücken; auch langflossige Fische sollten vermieden werden, da es zu Flossenzupfen oder Konkurrenz um Reviere kommen kann.

Geschlechtsdimorphismus

Der Größenunterschied zwischen Männchen und Weibchen ist bei Sphaerichthys sehr gering – das klassische Schema „Weibchen größer und fülliger“ ist ein historisches Fehlurteil, das aus der Maulbrüter-Verwirrung entstand: früher wurde der brütende Fisch automatisch als Weibchen bezeichnet, weil die Brutpflege bei Labyrinthfischen normalerweise paternal ist. Bei S. osphromenoides ist es aber die Mutter, die brütet. Moderne Diagnostik stützt sich auf die Kopfmorphologie: Männchen haben einen geraden Unterkiefer und einen spitzer zulaufenden Kopf. Weibchen zeigen einen leicht gerundeten Unterkiefer, bedingt durch dehnbares Gewebe, das sich zur Aufnahme der Eier während der Maulbrut ausweitet. Diese Merkmale werden erst bei geschlechtsreifen Tieren zuverlässig sichtbar. Manchmal zeigen Männchen spitzer ausgezogene Flossen und intensivere Schokoladenfärbung, aber diese Merkmale sind stark von Dominanz und Region abhängig und als alleiniges Sex-Kriterium unzuverlässig.
Größe: 4-5 cm SL (bis 6 cm TL)

Haltungstipps / Pflege

Der Schokoladengurami ist ein Schwarzwasser-Spezialist. pH-Werte über 6,5 und Wasserhärten über 5 dGH sind dauerhaft schädlich – die Tiere werden blass, anfällig für Infektionen und sterben frühzeitig. Leitungswasser ist in der Regel ungeeignet; aufbereitetes Weichwasser mit Leitwerten unter 100 µS/cm ist Pflicht. Dichte Bepflanzung mit Cryptocorynen, Javafarn oder Schwimmpflanzen wie Froschbiss dämpft das Licht und reduziert Stress. Torffilterung, Erlenzäpfchen oder Seemandelbaumblätter senken pH und Leitwert auf natürliche Weise. Schwache Strömung ist wichtig – diese Tiere sind langsame Schwimmer. Ein abgedunkeltes Becken mit gedämpfter Beleuchtung wird dringend empfohlen. Wöchentliche Wasserwechsel von 30–50 % mit vorbereitetem Weichwasser sind Pflicht. Nitratwerte über 10–15 mg/l werden schlecht toleriert. Zwischen Wasseroberfläche und Abdeckscheibe müssen einige Zentimeter warme, feuchte Luft vorhanden sein – Jungtiere entwickeln ihr Labyrinthorgan an der Oberfläche und sind empfindlich gegen kalten Luftzug. Der Schokoladengurami ist empfindlich gegenüber Kupfer. Bei Erkrankungen kupferfreie Behandlungsmethoden wählen.
Wasserhärte:
weich
pH-Wert
4,0-6,5
Temperatur:
26-30 °C
Beckengröße:
ab 60 cm, 54 Liter

Zucht und Fortpflanzung

Fortpflanzungstyp: maternaler Maulbrüter (selten unter Labyrinthfischen, die überwiegend paternal oder Schaumnestbauer sind). Zuchtschwierigkeit: fortgeschritten bis Expert. Zuchtwasserwerte: Temperatur 27-30 °C, pH 4,5-5,5, GH 0-2 dGH, Leitwert unter 50 µS/cm. Ohne diese extremen Werte schlagen die meisten Befruchtungs- und Entwicklungs-Prozesse fehl. Osmosewasser mit Seemandelbaumblättern, Erlenzäpfchen und Torfextrakt nachahmen den natürlichen Monsun-Regen. Nach ritueller Balz und Umarmung im klassischen „Labyrinth-Embrace“ bei schwebendem Paar werden die Eier abgegeben. Das Weibchen sammelt die befruchteten Eier sofort im Maul und brütet sie 14-21 Tage lang – in dieser Zeit frisst es nicht und zieht sich dicht in die Laubstreu zurück. Die Jungfische werden vollständig entwickelt (ca. 5 mm) aus dem Maul entlassen. Gelegegrößen variieren zwischen 10-40 Jungfischen. Erstfutter: Mikrofutter (Infusorien, Pantoffeltierchen), nach wenigen Tagen Artemia-Nauplien. Das brütende Weibchen sollte vom Männchen abgetrennt werden, um Stress zu reduzieren. Die maternale Maulbrut ist ein evolutionärer Sonderweg innerhalb der Labyrinthfische und macht die Art besonders wertvoll für die Aquaristik-Forschung.

Ernährung/Futterbedarf

Der Schokoladengurami ist ein Karnivor (Mikroprädator), kein Allesfresser. Trockenfutter wird häufig komplett verweigert, besonders bei Wildfängen. Die Fütterung mit kleinem Lebend- und Frostfutter ist unverzichtbar: weiße und schwarze Mückenlarven, Daphnien, Grindal-Würmer, Artemia-Nauplien, Cyclops. Mehrmals täglich kleine Portionen sind besser als eine große Mahlzeit.
Ernährungstyp: Allesfresser (Omnivore)
Alterserwartung
ca. 3-5 Jahre

Natürlicher Lebensraum

Sphaerichthys osphromenoides – Schokoladengurami ist in den trüben, stark von organischem Material geprägten Schwarzwasserhabitaten Südostasiens zu Hause. In dichten, meist von Blätterdämmung und schattenspenderischem Vegetationsbewuchs umgebenen Feuchtgebieten, wie beispielsweise in den Peatwäldern von Sumatra und Borneo, findet man diesen Fisch in ruhigen, langsam fließenden Gewässern vor, die durch ihre weiche Wasserchemie, niedrige Härte und einen sauren bis schwach sauren pH-Wert (etwa zwischen 4 und 6) charakterisiert sind. Die leicht wärmeren Temperaturen von circa 24 bis 28 °C sowie eine trübe, tanninreiche Färbung des Wassers prägen seinen natürlichen Lebensraum, der durch dichte Wasserpflanzen und reichlich Laubablagerungen ein idealer Rückzugsort für diesen sensiblen Zierfisch darstellt.

Obwohl wir von my-fish.org uns bemühen, die bereitgestellten Informationen sorgfältig zu sammeln und aktuell zu halten, können wir keine Garantie für deren Vollständigkeit oder Richtigkeit geben. Unsere Daten stammen von Experten, Züchtern und Partnern aus dem Zierfischgroßhandel und basieren auf deren Beiträgen. Bei Abweichungen oder fehlenden Informationen bitten wir um Verständnis. Wir freuen uns über Ergänzungen und Verbesserungsvorschläge von der Community, um die Qualität unseres Angebots kontinuierlich zu steigern. Bitte nutzen Sie unser für Ihre Rückmeldungen und Anregungen.

In unserer kollaborativen Arbeit nutzen wir die Quellen my‑fish Content Commons. Wir fassen Informationen aus verschiedenen Quellen zusammen – unter anderem aus der Datenbank unserer Partner im Zierfischgroßhandel und aus öffentlichen Datenbanken anderer Projekte – um die Richtigkeit unserer Texte zu validieren. Bitte beachten Sie, dass die Genauigkeit von den bereitgestellten Informationen abhängt und lesen Sie dazu unseren Disclaimer. Alle Links finden Sie hier.

Labyrinthfische
Knurrender Zwerggurami
Salmler
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments

Newsletter

Was beschäftigt die Aquaristik-Community? Der my-fish-Newsletter informiert dich über spannende Inhalte aus der Unterwasserwelt.

my-fish Podcast

Wir haben bei Zierfischgroßhändlern, Aquascapern, Züchtern und Liebhabern nachgefragt:

my-fish TV

Wir haben Ende 2018 dieses neue Format gestartet und werden in Zukunft auf diesem Kanal alles abdecken…

Auf my-fish.org Anmelden
Sicherheitsabfrage: Bitte geben Sie die korrekte Nummer für die Anmeldung ein.
Beweisen Sie, das Sie ein Mensch sind: 6   +   2   =  
my-fish logo 2021
0
Lass uns doch ein Kommentar da!x