Sphaerichthys vaillanti
Beschreibung
Der Rote Schokoladengurami (Sphaerichthys vaillanti) wird etwa 5–6 cm groß und ist ein Schwarzwasserspezialist aus dem Einzugsgebiet des Kapuas-Flusses in Westkalimantan auf Borneo. Die Art zeigt einen seltenen umgekehrten Geschlechtsdimorphismus: Weibchen sind die farbenprächtigen Tiere mit abwechselnden rot-orangen und dunkelgrünen Vertikalstreifen, während Männchen schlicht bräunlich bis grau gemustert sind.
Als Labyrinthfisch der Familie Osphronemidae besitzt er ein Labyrinthorgan zur atmosphärischen Sauerstoffaufnahme. Im Verhalten zeigt sich die Art als sehr friedlicher, aber sensibler Bewohner des oberen und mittleren Wasserbereichs. Die Tiere bewegen sich langsam und vorsichtig – Hektik, grelles Licht und lebhafte Mitbewohner führen schnell zum Rückzug. Die Art steht auf der IUCN-Roten Liste als gefährdet (EN).
Besonderheiten
- Labyrinthfisch – atmet atmosphärischen Sauerstoff über ein spezielles Organ
- Umgekehrter Geschlechtsdimorphismus – Weibchen sind farbenprächtiger als Männchen
- Paternaler Maulbrüter – das Männchen trägt die Eier im Maul
- IUCN-Status: Gefährdet (EN) – beim Kauf auf Nachzuchten achten
- Schwarzwasser-Spezialist – verzeiht Wasserwertfehler nicht
- Trockenfutter wird meist komplett verweigert – tägliches Lebend-/Frostfutter nötig
- Warme, feuchte Luftschicht über dem Wasser nötig – kalte Zugluft kann tödlich sein
- Empfindlich gegenüber Kupfer – kupferhaltige Medikamente meiden
Vergesellschaftungshinweise
Sphaerichthys vaillanti ist ein ruhiger, schüchterner Fisch, der offene Wasserbereiche meidet und sich bei Störungen sofort versteckt. Innerhalb einer Gruppe bilden sich stabile Hierarchien, daher ist eine Mindestgruppe von 6 Tieren empfohlen.
Als Gesellschaft eignen sich nur kleine, friedliche Arten, die dieselben Schwarzwasserbedingungen tolerieren: kleine Rasboras (Boraras, Trigonostigma), Zwergschmerlen (Pangio) oder kleinere Labyrinthfische aus ähnlichen Habitaten. Corydoras sind als Mitbewohner ungeeignet – sie stammen aus Südamerika und benötigen andere Wasserwerte. Malawi- und Tanganjika-Buntbarsche sind strikt zu meiden. Artbecken sind für Zucht und Wohlbefinden grundsätzlich vorzuziehen. Schnecken sind unproblematisch; Garnelen-Nachwuchs kann gefressen werden.
Geschlechtsdimorphismus
Der Geschlechtsdimorphismus ist umgekehrt: Weibchen sind deutlich farbenprächtiger und zeigen während der Balz abwechselnd rote und grüne Vertikalstreifen. Männchen sind schlicht bräunlich bis grau gemustert, besitzen aber eine dehnbare Kehlhaut für das Maulbrüten und haben spitzer ausgezogene Rücken- und Afterflossen.
Haltungstipps / Pflege
Sphaerichthys vaillanti ist ein kompromissloser Schwarzwasser-Spezialist. Empfohlene Wasserwerte: Temperatur 24–28 °C, pH 4–6, GH 1–4 dGH. Osmosewasser mit Torfextrakt ist nahezu notwendig. Leitungswasser aus kalkreichem Einzugsgebiet ist ungeeignet.
Ein Becken ab 80 cm Kantenlänge (ca. 112 Liter) wird für eine Gruppe von 6 Tieren empfohlen. Die Einrichtung sollte im Schwarzwasser-Biotopstil gehalten sein: dichter Bewuchs mit Javafarn und Moosen, treibende Pflanzen zur Abdunklung, Wurzeln, Totholz und eine Schicht Laubstreu aus Seemandelbaumblättern. Schwache Strömung und gedämpftes Licht sind Pflicht. Feiner Sand als Bodengrund ist empfehlenswert.
Als Labyrinthfisch muss der Zugang zur Wasseroberfläche jederzeit frei sein. Die Luft über dem Wasser sollte annähernd die gleiche Temperatur haben wie das Wasser – Zugluft und Temperaturdifferenzen können zu Labyrinthentzündungen führen. Empfindlich gegenüber Kupfer – bei Erkrankungen kupferfreie Behandlungsmethoden wählen.
Wildfänge sind besonders empfindlich gegenüber Wasserwechseln und Medikamenten. Bei Transport und Eingewöhnung auf langsamen Temperatur- und pH-Ausgleich achten.
Zucht und Fortpflanzung
Sphaerichthys vaillanti ist ein paternaler Maulbrüter – das Männchen brütet. Das Weibchen initiiert die Balz und treibt das Männchen an. Nach dem Ablaichen auf dem Substrat nimmt das Männchen die Eier ins Maul. Die Brutpflege dauert 14–21 Tage (temperaturabhängig), danach werden 10–40 freischwimmende Jungfische entlassen.
Für die Zucht ist ein Artbecken mit sehr stabilen Schwarzwasserbedingungen erforderlich: pH 4,5–5,5, Temperatur 26–28 °C. Das brütende Männchen darf nicht gestört werden und nimmt während der Brutzeit keine Nahrung auf. Die Zucht gilt als schwierig – Erfahrung mit Schwarzwasserhaltung ist Voraussetzung.
Ernährung/Futterbedarf
Sphaerichthys vaillanti ist ein Mikroprädator und benötigt überwiegend tierisches Futter. Trockenfutter wird häufig verweigert, besonders von Wildfängen. Geeignete Futtertiere: Daphnien, Artemia-Nauplien, Grindalwürmer, Mikrowürmer, weiße Mückenlarven und kleine Bachflohkrebse. Frostfutter wie Cyclops und kleine Mückenlarven wird meist gut angenommen. Regelmäßige Fütterung mit Lebend- oder Frostfutter ist für Kondition und Zuchtbereitschaft unerlässlich.
Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Natürlicher Lebensraum
Sphaerichthys vaillanti ist endemisch im Einzugsgebiet des Kapuas-Flusses in Westkalimantan auf Borneo (Indonesien). Die natürlichen Habitate sind Schwarzwasser- und langsam fließende, stark bewachsene Kleingewässer mit dichtem Laubaufschlag, Wurzeln und geringer Strömung. Das Wasser ist dunkel, humushaltig und extrem weich. Die Art steht auf der IUCN-Roten Liste als gefährdet (EN) – Lebensraumzerstörung ist die Hauptbedrohung.