Tanichthys albonubes

Deutscher Name: Kardinalfisch

Kardinalbarbe
Herkunft:
China, Ostasien
Farben:
orange, schwarz, silber
Schwierigkeit:
Einfach (Fortgeschrittene Anfänger)
Art: Tanichthys albonubes
Gattung: Tanichthys
Familie: Cyprinidae

Beschreibung

Tanichthys albonubes, der Kardinalfisch oder White Cloud Mountain Minnow, ist ein kleiner, robuster Schwarmfisch aus der Familie Tanichthyidae (früher in die Cyprinidae eingegliedert). Die Art wurde 1932 vom chinesischen Pfadfinder Tan Kam Fei in den Bergbächen des Weißen Wolken-Berges (Baiyun Shan) bei Guangzhou entdeckt und nach ihm benannt – der Artname „albonubes“ bedeutet „weiße Wolke“. Die Art erreicht eine Gesamtlänge von etwa 3 bis 4 cm und zeigt einen schlanken, torpedoförmigen Körper mit einem auffälligen, leuchtenden Längsstreifen, der sich von kupfer-gold am Kopf zu rötlich am Schwanzansatz wandelt. Rücken-, After- und Schwanzflosse tragen bei Männchen leuchtend rote Akzente, die bei Balz und in ruhigem Gewässer besonders intensiv hervortreten. Weibchen sind etwas dezenter gefärbt, zeigen aber denselben Längsstreifen. Wichtig zu wissen: In seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet gilt Tanichthys albonubes heute als in der Natur praktisch ausgestorben – Lebensraumzerstörung und Umweltverschmutzung haben die Wildpopulationen nahezu vernichtet. Sämtliche im Handel erhältlichen Tiere stammen aus jahrzehntelanger kommerzieller Nachzucht. Die Aquaristik spielt dadurch eine wichtige Rolle für den Erhalt der genetischen Diversität der Art. Der Kardinalfisch ist eine subtropische Art, die kühlere Winterperioden toleriert – im Gegensatz zum nahe verwandten, strikt tropischen Tanichthys micagemmae.
Sozialverhalten: Schwarm
Temperament: friedlich
Verträglichkeit mit Wirbellosen: gut

Besonderheiten

  • Subtropische Bergbachart aus der Baiyun-Shan-Region (Guangdong, China); in der Natur heute praktisch ausgestorben – Aquaristik-Bestände stammen komplett aus langjähriger Nachzucht
  • FishBase-Range 18-22 °C als optimale Haltungstemperatur für Zuchttiere; Wildform kann kurzfristig bis 5 °C überleben, aber das ist kein Dauerzustand
  • Winterkühlung (15-18 °C für 2-3 Monate) ist bei Zuchttieren optional, aber biologisch sinnvoll und verlängert die Lebenserwartung; dauerhafte tropische Haltung über 24 °C beschleunigt den Stoffwechsel und verkürzt das Leben
  • Im Sommer aktive Kühlung nur wenn Raumtemperatur dauerhaft über 24 °C
  • Schwarmfisch: mindestens 8-10 Tiere, idealerweise größere Gruppen
  • Ausgeprägtes Balzverhalten der Männchen mit intensiver Rot-Färbung während der Werbung
  • Freilaicher, Eltern fressen Eier nicht aktiv – in dicht bepflanzten Becken kommen regelmäßig Jungfische auf
  • Sehr anpassungsfähig bei Wasserwerten (pH 6.0-8.0, GH 5-19 toleriert)
  • Garnelensicher (adulte Tiere), verträglich mit Schnecken
  • Sprungrisiko hoch: dicht schließende Abdeckung ist Pflicht
  • Hochempfindlich gegenüber Kupfer-Medikamenten – Cyprinidae/Tanichthyidae haben genetisch bedingt schwache ATP7B-Expression
  • NICHT mit Tanichthys micagemmae vergesellschaften: unterschiedliche Temperaturbedürfnisse und Hybridisierungs-Risiko (fertile Kreuzungen bedrohen die genetische Integrität beider Bestände)

Vergesellschaftungshinweise

Tanichthys albonubes ist ein friedlicher, aktiver Schwarmfisch, der unbedingt in Gruppen von mindestens 8 bis 10 Tieren gehalten werden sollte – größere Schwärme von 15 bis 20 oder mehr Tieren wirken deutlich natürlicher und zeigen das charakteristische, synchronisierte Schwimmverhalten. In kleineren Gruppen wirkt die Art unsicher und verblasst farblich. Der Kardinalfisch ist außerordentlich friedlich und lässt sich hervorragend mit anderen ruhigen, kleinbleibenden Arten vergesellschaften – wichtig ist die Temperaturkompatibilität: Da T. albonubes eine subtropisch-kühle Haltung bevorzugt (18 bis 22 °C), eignen sich nur Arten mit ähnlichen Ansprüchen. Passende Beckenpartner sind andere kühlwasser-tolerante Arten wie Zebrabärbling (Danio rerio), bestimmte Aphyocypris-Arten, Corydoras paleatus, Pangio-Arten oder kleine Gartenteich-Arten. Ungeeignet sind strikt tropische Arten (z. B. Perlhuhnbärbling, Neonsalmler, Diskus), die bei den kühleren Temperaturen des Kardinalfisches schlecht gedeihen. Ganz wichtig: Tanichthys albonubes darf NICHT mit seinem Schwesterart Tanichthys micagemmae (Vietnamesisches Kardinälchen) vergesellschaftet werden – die beiden Arten haben inkompatible Temperaturansprüche (albonubes kühl, micagemmae tropisch) und können fertile Hybriden bilden, die die genetische Reinheit beider Bestände gefährden. Zwerggarnelen und Schnecken sind problemlos verträglich.

Geschlechtsdimorphismus

Männchen von Tanichthys albonubes sind etwas schlanker gebaut und zeigen in der Regel intensivere Farbakzente – besonders die roten Anteile in Rücken-, After- und Schwanzflosse sind bei ausgewachsenen Männchen auffälliger. Die Flossen enden leicht spitzer zulaufend. Weibchen sind minimal kräftiger gebaut, besonders im Bauchbereich, und wirken bei Laichbereitschaft etwas rundlicher. Die Farbgebung ist etwas dezenter. Die Unterscheidung zwischen den Geschlechtern ist bei Tanichthys albonubes insgesamt weniger markant als bei vielen anderen Arten – am sichersten erkennt man die Weibchen am etwas fülligeren Körperbau, besonders kurz vor dem Ablaichen.
Größe: ca. 2,5-4 cm TL

Haltungstipps / Pflege

Tanichthys albonubes benötigt eine Wassertemperatur von 18 bis 22 °C, einen pH-Wert von 6,0 bis 8,0 und eine Gesamthärte zwischen 5 und 19 °dGH. Die Art ist hinsichtlich der Wasserwerte bemerkenswert anpassungsfähig, solange die Temperatur nicht dauerhaft zu hoch ist. Wichtiger Hinweis zur Temperatur: Tanichthys albonubes ist eine subtropische Art, keine reine Kaltwasserart, aber auch keine tropische Art. Eine dauerhafte Haltung über 24 °C ist kontraproduktiv und verkürzt die Lebenserwartung deutlich – der Stoffwechsel läuft zu hoch, die Lebensdauer wird halbiert. Ideal ist eine Haltung ohne oder mit einer nur im Winter nachregulierenden Heizung, die bei 18 °C einsetzt. Kurzfristige Sommerhochs bis 26 °C werden toleriert, oberhalb von 28 °C besteht akute Gefahr. Eine kühlere Winterperiode (14 bis 18 °C über 2 bis 3 Monate) ist biologisch wertvoll und verlängert die Lebensspanne. Beckengröße: Ein Aquarium ab 60 cm Kantenlänge und 54 Liter reicht für eine Gruppe von 8 bis 10 Tieren, größere Becken sind wegen der Schwarmaktivität aber deutlich vorteilhafter. Einrichtung: dichte Randbepflanzung, offener Schwimmraum im oberen Bereich, Wurzelholz und dunkler Bodengrund verstärken die Farben. Moderate bis leicht kräftige Strömung entspricht dem natürlichen Bergbach-Habitat. Die Art ist sehr anspruchslos, robust und ideal für Einsteiger geeignet. Eine interessante Option: Tanichthys albonubes eignet sich im Sommer auch für die Freilandhaltung in kleinen Balkonteichen oder geschützten Gartenbereichen, solange die Temperaturen im Toleranzbereich bleiben und keine Fressfeinde (Katzen, Vögel) zugreifen können.
Wasserhärte:
weich bis hart
pH-Wert
6,0-8,0
Temperatur:
18-22 °C
Beckengröße:
ab 60 cm, 54 Liter

Zucht und Fortpflanzung

Tanichthys albonubes ist ein Freilaicher ohne Brutpflege. Die Art ist einer der am einfachsten nachzuziehenden Süßwasserfische überhaupt – eine Tatsache, die den Bestand im Hobby gesichert hat, obwohl die Wildpopulationen verschwinden. Zuchtbedingungen: Temperatur 20 bis 24 °C (leicht angehoben vom Standard als Zuchttrigger), pH 6,5 bis 7,5, weiches bis mittelhartes Wasser (GH 5 bis 15 °dGH). Ein dicht mit feinfiedrigen Pflanzen (Javamoos, Cabomba, Myriophyllum) ausgestattetes Becken bildet die ideale Laichumgebung. Während der Balz treiben Männchen die Weibchen durch die Pflanzen, wobei die Eier einzeln oder in kleinen Gruppen abgegeben und befruchtet werden. Die Eier sind nicht haftend und fallen zwischen die Pflanzenfeingeweben. Es gibt keine aktive Brutpflege – im Gegenteil: Die Elterntiere sowie adulte Artgenossen fressen die Eier und Jungtiere. In einem dicht bepflanzten Becken überleben jedoch immer einzelne Jungfische und wachsen im Schutz der Vegetation auf. Für eine kontrollierte Zucht sollten die Elterntiere nach dem Ablaichen aus dem Zuchtbecken entfernt werden. Die Larven schlüpfen nach 36 bis 48 Stunden und werden nach weiteren 3 bis 4 Tagen freischwimmend. Erstfutter: Infusorien, später feinste Artemia-Nauplien und feines Staub-Futter.

Ernährung/Futterbedarf

Tanichthys albonubes ist ein anspruchsloser Allesfresser mit leichter Tendenz zur Insektivorie. In der Natur nimmt die Art kleine Insekten, Insektenlarven, Würmer, Krebstierchen, Zooplankton und ergänzend feinen pflanzlichen Detritus auf. Im Aquarium akzeptiert sie problemlos hochwertiges Flockenfutter und Granulat mit pflanzlichem Anteil als Basis. Ideal ergänzt wird die Fütterung durch Frost- und Lebendfutter: Artemia, Daphnien, Cyclops, weiße Mückenlarven. Diese steigern Farbintensität, Kondition und Zuchtbereitschaft deutlich. Kleine, häufige Mahlzeiten (zweimal täglich) passen besser zum aktiven Stoffwechsel der Art als eine einzige große Fütterung. Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2 bis 3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Ernährungstyp: Allesfresser (Omnivore)
Alterserwartung
ca. 3-5 Jahre

Natürlicher Lebensraum

Tanichthys albonubes stammt aus einem sehr eng begrenzten Gebiet in Südchina: den klaren, schnell fließenden Bergbächen der Baiyun-Shan-Region (Weiße-Wolken-Berge) im Hinterland der Provinz Guangdong, etwa 30 Kilometer nördlich von Guangzhou. Die ursprünglichen Habitate sind kühle, sauerstoffreiche Gebirgsbäche mit kiesigem bis felsigem Grund, klarem Wasser und mäßiger bis starker Strömung in bewaldeten Talregionen. Die Wassertemperaturen schwanken in den natürlichen Habitaten saisonal zwischen etwa 12 und 22 °C – es handelt sich eindeutig um eine subtropische Art mit jahreszeitlichen Temperaturschwankungen. Im Sommer steigen die Temperaturen auf 20 bis 22 °C, im Winter kann das Wasser auf 12 bis 14 °C fallen, ohne dass die Art Schaden nimmt. Der pH-Wert liegt typischerweise im neutralen bis leicht alkalischen Bereich (6,5 bis 8,0), die Wasserhärte ist mittel bis höher (5 bis 19 °dGH). Durch massive Lebensraumzerstörung, Verstädterung rund um Guangzhou und Wasserverschmutzung gelten die natürlichen Populationen heute als praktisch ausgestorben. Die Art wurde von der IUCN zeitweise als „Data Deficient“ und als „Stark gefährdet“ eingestuft. Die genetische Vielfalt existiert heute fast ausschließlich in kommerziellen und hobbyistischen Zuchtbeständen.

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Dieser Fisch ist leicht zu halten und zahm.Von Anfang an Er frisst alles und sollte öfter gehalten werden.

Die Kardinalbarben brauchen mindestens 1 weibchen zu einem männchen-sonst gibt es nur Streit. Sonst sind sie superverträglich und wirklich leicht zu halten.
manche weibchen neigen zur Verfettung.
Keine Mückenlarven geben…
Die Kardinalbarbe ist sehr gerne bei tageslich unterwegs, wenn sie auch kunstlicht nimmt. Etwas Sonne behagt ihr besonders.
Ein Ostfenster ist der optimalort.

Ich halte sie seit über 10 Jahren im Gartenteich. Zunächst nur im Sommer, dann ganzjährig, weil die Exemplare, denen man im Herbst nicht habhaft werden konnte, meistens überlebten. Dabei waren im Winter Eisdecken von bis zu 12cm Dicke entstanden. Zwar überleben nicht alle, aber dafür die Kräftigsten. Diese haben eine sehr intensive Färbung. Die Befürchtung, Tanichthys albonubes könne im Wasser von unter 5° Celsius nicht lange aushalten, erwies sich über 10 Jahre als unbegründet. Es sollte bei einer Teichhaltung darauf geachtet werden, daß sich dieser über den Sommer nicht zu stark erwärmt, mindestens auf 5 qm Fläche über einen Meter… Weiterlesen »

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