Xenotoca eiseni

Deutscher Name: Banderolen-Kärpfling

Foto: Glaser - Frank Schäfer
Herkunft:
Mexiko
Farben:
braun, orange, rot
Schwierigkeit:
Mittel
Art: Xenotoca eiseni
Gattung: Xenotoca
Familie: Goodeidae

Beschreibung

Xenotoca eiseni, der Banderolen-Kärpfling, ist ein gedrungener, mittelgroßer Hochland-Kärpfling aus der Familie Goodeidae (Hochland-Kärpflinge). Die Art ist in Zentralmexiko endemisch und gehört zur Gruppe der sogenannten echten Lebendgebärenden – im Gegensatz zu den bekannteren Poeciliidae (Guppys, Platys) besitzt sie keinen Gonopodium, sondern ein Andropodium als Begattungsorgan. Männchen erreichen etwa 6 cm, Weibchen werden mit bis zu 7 cm etwas größer und kräftiger. Das auffälligste Erkennungsmerkmal geschlechtsreifer Männchen ist die leuchtend orangerot bis feuerrot gefärbte Schwanzwurzel, die sich kontrastreich von der olivbraunen bis grünlich-silbrigen Grundfärbung des Körpers absetzt. Ältere Männchen entwickeln zusätzlich eine deutlich erhöhte Stirnlinie und einen stämmigen Körperbau. Weibchen sind unauffällig olivgrau gefärbt und bleiben schlanker. Nach der taxonomischen Revision von 2016 (Domínguez-Domínguez et al.) wurde die frühere, weiter gefasste Art Xenotoca eiseni in mehrere eigenständige Arten aufgeteilt: Die echte X. eiseni stammt heute ausschließlich aus den Flusssystemen im Bundesstaat Nayarit, während die bekannten Jalisco- und Michoacán-Populationen inzwischen als eigene Arten X. doadrioi und X. lyonsi beschrieben sind. Im Handel werden die Arten allerdings nach wie vor meist gemeinsam unter dem alten Namen Xenotoca eiseni geführt – für die Aquarienhaltung sind die Anforderungen sehr ähnlich.
Sozialverhalten: Gruppenhaltung
Temperament: territorial
Verträglichkeit mit Wirbellosen: schlecht

Besonderheiten

  • IUCN-Status: Stark gefährdet (Endangered, EN) – Erhaltungszucht sehr wichtig
  • Goodeidae mit echter Viviparie und Trophotaenie (plazentaähnliche Embryonenversorgung)
  • Hochlandart aus Mexiko mit breiter Temperaturtoleranz
  • Unberechenbares Aggressionspotenzial – Artenbecken empfohlen
  • Andropodium beim Männchen statt Gonopodium
  • Keine Spermienspeicherung möglich – jede Trächtigkeit erfordert neue Begattung
  • Kupferempfindlich – kupferhaltige Medikamente und Algenmittel strikt vermeiden; Kupfer löst bei Goodeidae oxidativen Stress und Organversagen aus
  • Saisonale Winterkühlung empfohlen – 2–3 Monate bei 15–20 °C fördert Langlebigkeit und gesunde Fortpflanzungszyklen

Vergesellschaftungshinweise

Das Sozialverhalten von Xenotoca eiseni ist unberechenbar und stark individuell geprägt. Manche Gruppen sind in Gemeinschaftsbecken problemlos, andere zeigen ausgeprägtes Aggressionsverhalten mit Flossenzupfen, Jagen und Attacken auf Mitbewohner. Besonders Männchen können gegenüber Artgenossen und langsameren Beifischen deutlich übergriffig werden. Die Art sollte in einer Gruppe von mindestens 6 bis 8 Tieren gehalten werden, idealerweise mit einem Geschlechterverhältnis von 1 Männchen auf 2 bis 3 Weibchen. In kleineren Gruppen oder bei zu hohem Männchenanteil nimmt die innerartliche Aggression deutlich zu. Die sicherste Haltung ist das Artenbecken. Wer dennoch vergesellschaften möchte, sollte nur robuste, schnelle und ebenbürtig große Mitbewohner wählen: andere Goodeiden, robuste Lebendgebärende, mittelgroße Salmler oder kräftige nordamerikanische Kärpflinge. Zarte Flossenträger (Segelschwänze, Kampffische), langsame Bodenfische (Corydoras) und empfindliche Schwarmfische sind ungeeignet und werden regelmäßig angegriffen. Zwerggarnelen werden als Futter angesehen, Schnecken meist toleriert.

Geschlechtsdimorphismus

Der Geschlechtsdimorphismus von Xenotoca eiseni ist ab etwa 4 cm Länge deutlich erkennbar. Männchen bleiben mit etwa 6 cm Gesamtlänge etwas kleiner, sind dafür aber deutlich farbenprächtiger: Die Schwanzwurzel ist leuchtend orange bis feuerrot gefärbt und hebt sich kontrastreich von der olivgrün-silbrigen Körperfarbe ab. Ältere Männchen entwickeln eine erhöhte Stirnlinie und einen stämmigen, gedrungenen Körperbau. Das sicherste Erkennungsmerkmal ist das Andropodium – die zur Begattungsorgan umgewandelte, vorne gekerbte Afterflosse. Anders als beim Gonopodium der Poeciliiden ist das Andropodium nicht zu einem Rohr verlängert, sondern zeigt nur eine Einkerbung im vorderen Flossenbereich. Weibchen werden mit etwa 7 cm etwas größer und fülliger, besonders im Bauchbereich. Ihre Grundfärbung ist schlichtes Olivgrau bis bräunlich, ohne die auffällige orange Schwanzwurzel. Die Afterflosse ist normal und nicht modifiziert.
Größe: M: ca. 6 cm, W: ca. 7 cm

Haltungstipps / Pflege

Xenotoca eiseni benötigt eine Wassertemperatur von 15 bis 26 °C, einen pH-Wert von 7,0 bis 8,0 und eine mittelharte bis harte Gesamthärte von 10 bis 20 °dGH. Die Art verträgt kurzzeitig auch Temperaturen von 14 bis 16 °C – eine saisonale Winterruhe auf 15 bis 18 °C für zwei bis drei Monate im Jahr fördert die Vitalität, Fruchtbarkeit und Lebenserwartung. Beckengröße: Für eine Gruppe von 6 bis 8 Tieren ist ein Aquarium ab 80 cm Kantenlänge und etwa 112 Liter Volumen die absolute Mindestgröße. Größere Becken von 100 cm oder mehr sind aufgrund der aggressiven Natur der Art deutlich besser geeignet – mehr Schwimmraum und Sichtbarrieren reduzieren die innerartliche Aggression erheblich. Einrichtung: Das Becken sollte gut strukturiert sein mit dichter Rand- und Rückwandbepflanzung aus robusten Pflanzen (Vallisneria, Cryptocorynen, Echinodorus, Anubias) sowie freien Schwimmzonen im Vorderbereich. Wurzeln und größere Steine dienen als Sichtbarrieren und reduzieren Revierkämpfe. Der Bodengrund kann aus feinem Kies oder Sand bestehen. Harte Pflanzen werden der zerstörerischen Aktivität der Art besser standhalten als weiche. Filterung: Mäßige bis deutliche Strömung ist artgerecht und entspricht der Herkunft aus fließenden Bergbächen. Ein leistungsfähiger Außenfilter ist empfehlenswert. Xenotoca eiseni stellt hohe Ansprüche an Wasserqualität und Sauerstoffgehalt – regelmäßige Wasserwechsel von 30 bis 50 % pro Woche sind Pflicht. Beleuchtung: Mäßig bis hell, damit die Pflanzen gut wachsen. Bei guter Pflege erreichen die Tiere eine Lebenserwartung von 4 bis 6 Jahren.
Wasserhärte:
mittel bis hart
pH-Wert
6,5-8
Temperatur:
18-26 °C
Beckengröße:
ab 80 cm, 112 Liter

Zucht und Fortpflanzung

Xenotoca eiseni ist ein echter Lebendgebärender (vivipar) mit Trophotaenien: Die Embryonen besitzen während der Tragzeit bandförmige Ernährungsfortsätze am After, über die sie direkt von der Mutter mit Nährstoffen versorgt werden – eine Art placentaartige Ernährung. Die Zucht gilt als einfach, sofern die Wasserwerte stimmen und die Eltern hochwertig ernährt werden. Zuchtbedingungen: Temperatur 22 bis 26 °C, pH 7,0 bis 8,0, mittelhartes bis hartes Wasser mit GH 10 bis 20 °dGH. Im Gegensatz zu Poeciliiden können Goodeiden keine Spermien speichern – jede neue Trächtigkeit erfordert eine erneute Begattung. Die Tragzeit beträgt etwa 6 bis 8 Wochen. Die Wurfgröße ist mit 5 bis 50 Jungfischen sehr variabel – je nach Alter und Kondition des Weibchens werden meist 15 bis 30 vollständig entwickelte Jungfische geboren. Die Jungtiere sind mit 10 bis 15 mm sehr groß, schwimmen sofort frei und fressen ab dem ersten Tag Artemia-Nauplien, feines Mikrogranulat und zerriebene Flocken. Elterntiere stellen den eigenen Jungfischen meist nicht aktiv nach, eine dichte Randbepflanzung als Rückzug für die Jungtiere ist aber empfehlenswert. Hinweis zur Erhaltungszucht: Die meisten Goodeiden-Arten sind in ihrem natürlichen Lebensraum akut gefährdet. Xenotoca eiseni gilt im engeren Sinne nach IUCN als stark gefährdet (Endangered), die nah verwandte X. doadrioi sogar als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered). Aquarianer leisten durch reine Stammhaltung und gezielte Nachzucht einen wichtigen Beitrag zur Ex-situ-Erhaltung der Art.

Ernährung/Futterbedarf

Xenotoca eiseni ist ein anpassungsfähiger Allesfresser mit einer deutlichen Neigung zu pflanzlicher Kost. Im Aquarium akzeptiert die Art bereitwillig hochwertiges Flocken- und Granulatfutter, gefrorene und lebende Futtertiere (Artemia, Daphnien, Cyclops, Mückenlarven, Mysis) sowie pflanzliche Beigaben wie Spirulina-Flocken, überbrühte Erbsen, Zucchini- und Gurkenscheiben oder kurz abgekochten Spinat. Für gesunde Farbentwicklung, Fruchtbarkeit und Langlebigkeit ist eine abwechslungsreiche Ernährung wichtig. Der pflanzliche Anteil sollte etwa 30 bis 40 % der Gesamtration ausmachen – eine einseitige Fütterung mit Proteinfutter führt oft zu Verdauungsproblemen und Übergewicht. Die leuchtend orange Schwanzfärbung der Männchen hängt direkt von der Futterqualität ab, insbesondere von Carotinoiden in der Nahrung (Spirulina, Astaxanthin-Futter, Krillanteile). Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2 bis 3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel. Ein wöchentlicher Fastentag ist empfehlenswert.
Ernährungstyp: Allesfresser (Omnivore)
Alterserwartung
ca. 3-5 Jahre

Natürlicher Lebensraum

Die echte Xenotoca eiseni (nach der Revision von 2016) ist endemisch im mexikanischen Bundesstaat Nayarit und kommt dort im Flusssystem des Río San Pedro Mezquital und verbundenen Gewässern vor. Die aquaristisch weit verbreiteten Jalisco- und Michoacán-Formen gehören taxonomisch inzwischen zu den Schwesterarten X. doadrioi und X. lyonsi – im Handel werden alle drei oft gemeinsam als „Xenotoca eiseni“ vertrieben. Die Art besiedelt klare, sauerstoffreiche Gebirgsbäche, Quelltöpfe und kleine Flüsse in Höhenlagen zwischen 500 und 2.000 Metern, teilweise auch stehende Teiche und sogar gestörte Gewässer wie Straßengräben. Typische Wasserwerte in den natürlichen Habitaten liegen bei 15 bis 26 °C, pH 7,0 bis 8,5 (neutral bis deutlich alkalisch) und mittlerer bis harter Gesamthärte (10 bis 25 °dGH). Charakteristisch ist die ausgeprägte saisonale Temperaturschwankung: In den Wintermonaten können die Gewässer auf 14 bis 16 °C abkühlen, während sie im Sommer bis 26 °C erreichen. Diese saisonale Abkühlung gilt als wichtiger Stimulus für Fruchtbarkeit und Lebensdauer der Tiere.

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Hallo, wo bekomme ich in Berlin oder Umgebung „San Marco“ her ? Bräuchte ca. 10 Tiere

Hallo,
nur der Vollständigkeit halber…
Die Tiere vom Fundort San Marcos wurden kürzlich als eigenständige Art beschrieben und heißen nun Xenotoca doadrioi.
http://www.goodeidworkinggroup.com/xenotoca-doadrioi

Gruß Elke

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