Artboard 62
Rhinogobius szechuanensis

Rhinogobius szechuanensis

Aquarium Dietzenbach - Herbert Nigl
Aquarium Dietzenbach – Herbert Nigl

Synonyme: Ctenogobius szechuanensis (Liu, 1940)
Gobius szechuanensis (Liu, 1940)

Herkunft: China, Provinz Sichuan

Lebensraum

Genaueres wissen wir leider noch nicht.
Das Klima in der Provinz Sichuan ist subtropisch mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 30° C. Die Flüsse sind strömungsreich und werden entsprechend kühl sein (ca. 21° C). Der Leitwert wird zwischen 150 und 300 µS liegen (das sind Erfahrungswerte aus vielen anderen Regionen in China).
Die Böden in Fliessgewässern bestehen zumeist aus runden. größeren und kleineren Steinen und strukturieren so diese sehr stark.
Die Steine dienen sowohl als Revierschutz als auch als Schutz vor der Strömung.
Ein Fließgewässer verpflichtet den Aquarianer immer zu häufigen Wasserwechseln, da die Tiere aus ihren Habitaten sehr viel frisches Wasser und wenig Schadstoffe (Nitrat, Phosphat etc.) gewohnt sind und meist empfindlich darauf reagieren.
Pflanzen gibt es in solchen Gewässern eher wenige.

Beschreibung

Viel gibt es leider noch nicht zu den Tieren zu sagen, da sie bisher im Hobby noch nicht aufgetaucht sind. Zumindest nicht in der BRD.
So muss man sich zunächst an die Bilder halten.

Vorweg für alle, die nicht genau wissen, was Grundeln sind: die Familie der Gobiidae gehört zu den Nichtschwimmern. Das heisst, Grundeln besitzen nur eine rudimentäre Schwimmblase und gehen deswegen die meiste Zeit ihres Lebens zu Fuß.

Bei den R. szechuanensis ist der stark geschuppte Körper eines der auffälligsten Merkmale. Dies gibt dem Körper eine Zeichnung wie mit klitzekleinen Diamanten übergossen.
Die geteilte Rückenflosse zeigt in der 1. Dorsale einen blauen Fleck in den ersten drei Flossenstrahlen mit einem roten Flossenrand. Die zweite Dorsale hat ebenfalls einen roten Flossenrand und ist bis zur Schwanzwurzel durchgezogen.
Der Kopf ist bei den Männchen bulliger, bei den Weibchen etwas schmaler. Beie Geschlechter weisen ein rotes Dreieck auf der Schnauze auf, welches der Rhinogobius den Namen gibt: Rhino = Nase, Gobius = Grundel.
Die Weibchen besitzen keine Farbe in den Rückenflossen.

Die Bauchflosse ist bei den Grundeln zu einem Saugnapf zusammengewachsen, mit der sich die Tiere an glatten Untergründen festsaugen können.

Haltung

Wie für alle Rhinogobius gilt vorerst: Der Boden muss stark mit Steinen, Wurzeln und Pflanzen strukturiert werden, um den Tieren die Möglichkeit zu geben, sich voneinander zurück zu ziehen. Dabei müssen Steine direkt auf die Bodenplatte gestellt werden oder gegen abstürzen mit kleinen Stützsteinen geschützt werden, da die Grundeln als starke Gräber alle Steine unterbuddeln und sich selbst dabei ab und zu zur Flunder machen.
Bisher haben wir die Nachricht aus China (über Jutta Bauer), dass die Tiere innerartlich recht aggressiv sind. Das kann allerdings auch ein Interpretationsfehler sein, denn Rhinogobius haben ein recht ruppiges, aber nicht unbedingt verletzendes Sozialverhalten.
Die Männchen neigen dazu, einander ständig zu imponieren (wobei man feststellen kann, dass, je größer die Rückenflosse einer Art, umso dringender das Imponiergehabe). Dabei kommt es, wenn zwei Männchen relativ gleich stark sind, manchmal zu Maulzerren. Dies kann zu Verletzungen im Maul und dann durch Infektion und Verpilzung, zum Tode führen. Dementsprechend sollte man dem entgegen wirken, indem man ausreichend Rückzugsmöglichkeiten schafft.

Ausserdem sollte man flache Steine auf kleine Kieselsteine legen und dies gegen Zusammensturz sichern (z.B., indem man die Steine mit Silikon anklebt) und diese Konstrukte im Aquarium verteilen. Auch ein paar hinten geschlossene Röhren (2 cm Ø) sollten vorhanden sein. Die Grundeln werden sich dann ihren bevorzugten Unterschlupf aussuchen.

Der Bodengrund sollte aus Sand oder sehr feinem Kies bestehen, damit die Grundeln graben können. Denn das gehört zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Den Bodengrund von einer Seite des Aquariums zur anderen zu schaufeln. Man soll nicht für möglich halten, wie sehr die von Tag zu Tag ihr Becken umgestalten. Gebt euch also nicht zu viel Mühe mit dem Scapen 😉

Ausserdem sollte es nicht an strukturierten Pflanzen mit größeren Blättern (Anubias) fehlen, auf denen die Grundeln sitzen können und das Treiben unter sich beobachten. Schaukelnderweis. Das tun sie nämlich sehr gern.

Eine Temperaturschwankung ist wünschenswert. Vor allem eine nächtliche Absenkung um mehrere Grade ist unerlässlich, weil die Herrschaften sonst nicht in Laichstimmung kommen.

Wasserparameter: Der Leitwert sollte um 150 – 300 µS liegen, pH-Wert neutral (um 7). Die Temperatur sollte dauerhaft 24° nicht übersteigen, da das auf die Lebenserwartung der Tiere geht.

Wöchentlicher, 50%iger Wasserwechsel ist obligat. Wie weiter oben geschrieben, stammen die Tiere aus sehr sauberen Fließgewässern und quittieren zu hohe Nitratbelastung mit Ableben.

Rhinogobius sind immer Gruppenfische, die man nie mit weniger als 6 Tieren (3m / 3w) halten sollte. Bei der Geschlechterverteilung sollten nicht zu viele Weibchen sein, denn grundsätzlich brütet nur ein Männchen. Die anderen Männchen werden aber als Sparringspartner benötigt, um das Testosteron in Wallung zu bringen. Und wenn das dominante Männchen unter einem Stein zum Brüten verschwindet, leidet ein einzelnes Männchen unter starker Langeweile und wird sehr apathisch. Deswegen sollten immer mindestens 3 Männchen in der Gruppe vorhanden sein. Zu viele Weibchen würden das dominante Männchen völlig überfordern. Deswegen sollte auch in einer größeren Gruppe der Anteil der Weibchen nicht zu hoch werden.

Temperatur: < 24 °C
pH: um 7
KH: > 4 °dKH
GH: > 6 °dGH
Leitwert: 150 – 300µS

Besonderheiten

Die Tiere wurden bisher quasi nie importiert, sind also kleine Juwelen. Dementsprechend sollte man mit ihnen umgehen!
Es handelt sich übrigens um Gruppenfische, die man niemals paarweise halten sollte! Die Tiere zeigen ihr Unglück der fehlenden Kommunikation mit Artgenossen, indem sie völlig apathisch herumsitzen und sich kaum noch bewegen. Das sollte man ihnen, auch im eigenen Interesse, nicht antun.
In der Gruppe erlebt man das gesamte Spektrum ihres Verhaltens und kann dadurch auf so manche Stunden Fernsehen verzichten 🙂

Ernährung

Das Wichtigste zuerst: diese Tiere fressen KEIN Trockenfutter, sondern zunächst nur Lebendfutter und nach Gewöhnung auch Frostfutter.
Das Futter sollte abwechslungsreich sein. Möglichst häufig Schalentiere füttern (Artemia, Daphnien, Cyclops), um die Verdauung in Gang zu halten.
Gefressen wird, was ins Maul passt und das ist viel! Bitte NICHT mit Fischen unter 4 cm vergesellschaften. Die sind sonst weg!

 

Text: Jutta Bauer – http://ferraqua.de

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