Erromyzon cf. sinensis
Beschreibung
Der Rotpunkt-Flossensauger (Erromyzon cf. sinensis) ist ein kleiner, kompakter Bodensauger aus der Familie Gastromyzontidae, der etwa 5,5 cm SL erreicht. Sein Körper ist seitlich leicht abgeflacht und muskulös gebaut, angepasst an das Leben in schnell fließenden Gewässern. Vergrößerte Brust- und Bauchflossen unterstützen das Festhalten an glatten, felsigen Untergründen. Die Farbmuster sind gedeckt und dienen der Tarnung auf Steinen und Kiesböden. Im Aquarium verbringt Erromyzon cf. sinensis den Großteil der Zeit an Steinen, Kiesflächen oder glatten Felsen, wo er Aufwuchs und Biofilm abweidet. Bewegungen sind bedächtig und kontrolliert, bei kräftiger Strömung sicherhaftend und zielstrebig. Einzelne Exemplare können Territorialverhalten gegenüber Artgenossen am Ansitzplatz zeigen, insgesamt ist die Art aber zurückhaltend und wenig aggressiv.
Besonderheiten
- Spezielles Haft- und Abschaborgan am Maul für das Leben auf glatten Steinen in strömungsreichen Habitaten
- Bodenbewohner mit starker Bindung an substrataffine Halteplätze
- Fortpflanzungsverhalten mit Nutzung vertikaler Felsflächen dokumentiert bei verwandtem Kongener
- Jungfische zeigen starkes photophobes Verhalten und bleiben zunächst im Substrat verborgen
- Schnecken werden toleriert; Junggarnelen können gefährdet sein
- Sprungrisiko gering
Vergesellschaftungshinweise
Erromyzon cf. sinensis sollte in Gruppen von mindestens 4 Exemplaren gehalten werden. In der Natur kommen Individuen häufig in lockeren Trupps vor; Gruppenhaltung fördert natürlicheres Verhalten. Das Temperament gilt als friedlich; Revierstreitigkeiten können lokal an bevorzugten Ansitzplätzen vorkommen, besonders zwischen Männchen in der Paarungszeit. Schnecken werden toleriert. Garnelen sind nicht uneingeschränkt sicher: Junggarnelen können als Beute betrachtet werden, adulte Garnelen werden meist toleriert. Geeignete Beifische stammen aus sauerstoffreichen ostasiatischen Fließgewässern: kleine Garra- oder Devario-Arten, friedliche Schmerlen und passende Welse. Grobe Räuber oder sehr dominante Fische sollten vermieden werden.
Geschlechtsdimorphismus
Es gibt keine klar dokumentierten morphologischen Merkmale zur sicheren Unterscheidung der Geschlechter. Größere, breiter gebaute Exemplare könnten Weibchen sein, schlankere Individuen tendenziell Männchen. Die optische Geschlechtsbestimmung ist nur eingeschränkt möglich und sollte durch Verhaltensbeobachtung während der Paarungszeit ergänzt werden.
Haltungstipps / Pflege
Wasserwerte: Temperatur 18–24 °C, pH 6,0–7,0, GH 2–10 dGH. Die Art reagiert empfindlich auf Parameterabweichungen. Beckengröße: Mindestens 80 cm Kantenlänge (112 Liter) für eine Gruppe von 4+ Exemplaren. Ausreichend lange Haftstrecken entlang von Wurzeln und strukturierten Oberflächen sind wichtiger als reines Volumen. Filterung: Ein Durchsatz von 10–15x des Beckenvolumens pro Stunde ist anzustreben. Eine kräftige, gleichmäßige Strömung in Teilen des Beckens ermöglicht natürliches Verhalten; ruhige Nischen und geschützte Liegeplätze sollten ebenfalls vorhanden sein. Starkes Licht fördert Algenwachstum und Biofilm als wichtige Nahrungsgrundlage. Substrat aus Kies und Steinen mit glatten bis leicht strukturierten Felsflächen ist optimal. Erromyzon cf. sinensis ist eine spezialisierte Art für erfahrene Aquarianer, die bereit sind, ein strömungsorientiertes, gut strukturiertes Biotop mit starker Beleuchtung und etabliertem Biofilm zu pflegen. Eine Mindestgruppe von 4 Exemplaren ist empfohlen.
Zucht und Fortpflanzung
Für Erromyzon cf. sinensis selbst ist die Zucht im Aquarium bisher nicht dokumentiert. Ein nahe verwandter Kongener wurde erfolgreich von einem deutschen Aquarianer gezüchtet. Nuptiale Männchen wählten vertikal geneigte Felswände als Laichplatz und verteidigten dieses Territorium. Beide Fische schoben beim Ablaichen den Hinterkörper ins Substrat; Eier wurden freigesetzt und gleichzeitig befruchtet. Nach dem Laichen fand keine Brutpflege statt. Jungfische verbergen sich in der frühen Lebensphase im Substrat. Das Hervortreten wurde bei ca. 10 mm TL beobachtet, danach Fütterung mit absinkenden Tablettennahrungen. Tägliche Wasserwechsel von 75 % wurden in der Aufzuchtphase vorgenommen. Bevorzugte Substratkorngröße: 1,5–3,5 mm.
Ernährung/Futterbedarf
Als Aufwuchsfresser mit pflanzlichem Schwerpunkt nimmt Erromyzon cf. sinensis eine breite Palette an Nahrungsquellen an. In der Natur ernährt sich die Art überwiegend von Biofilm, Algen und Mikroorganismen auf Steinen, ergänzt durch kleine benthische Wirbellose. Im Aquarium bilden sinkende Algenwafern und Futtertabletten für Bodenbewohner die Basis. Ergänzend sind gefrorene oder lebende Kleinartikel wie Artemia oder Cyclops geeignet. Gemüseergänzungen wie blanchierter Spinat oder Zucchini werden ebenfalls angenommen. Übermäßige Proteingaben sind zu vermeiden, da ein zu hohes Eiweiß-Angebot zu inneren Erkrankungen führen kann.
Natürlicher Lebensraum
Erromyzon cf. sinensis stammt aus dem Xi-Jiang-System in Guangxi, Südchina (Ostasien). Die echte E. sinensis ist im Handel praktisch nicht vertreten und weist keine roten Punkte auf; das als Rotpunkt-Flossensauger gehandelte Tier ist die Form Erromyzon cf. sinensis. Die Art ist auf flache, schnell fließende Quellbereiche und kleinere Nebenflüsse spezialisiert, die durch Riffles und Runs geprägt sind. Klares, sauerstoffreiches Wasser mit hohem Strömungsanteil ist charakteristisch. Substrate bestehen überwiegend aus kleineren Steinen, Kies und Sand, begleitet von größeren Felsformationen.