Hemigrammus stictus
Beschreibung
Der Blutschwanzsalmler (Hemigrammus stictus) ist ein schlanker, bis zu 6 cm großer Salmler aus der Familie Characidae. Die Grundfärbung ist silbrig mit einem charakteristischen roten Bereich an der Schwanzwurzel, der der Art ihren deutschen Namen verleiht. Artdiagnostisch bedeutsam ist ein schwarzer Schulterfleck (Humeralfleck) hinter dem Kiemendeckel, der je nach Individuum unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Die obere Irishälfte leuchtet in kräftigem Rot.
Im Aquarium zeigt sich Hemigrammus stictus ruhig und schwarmorientiert. Die Fische halten sich bevorzugt in der mittleren Wasserschicht auf und sind aktive Schwimmer. In einer gut bepflanzten Anlage mit offenen Schwimmbereichen entfalten sie synchrone Schwarmbewegungen und ein ruhiges Sozialleben ohne territoriale Aggressionen.
Die Art stammt aus Südamerika und ist in Venezuela, Guyana und Brasilien verbreitet. Sie bewohnt langsam fließende Flüsse, Nebenarme und Überschwemmungsgebiete, häufig unter Schwarzwasserverhältnissen.
Besonderheiten
- Charakteristischer schwarzer Humeralfleck hinter dem Kiemendeckel (artdiagnostisch)
- Rote obere Irishälfte als weiteres Erkennungsmerkmal
- Schwarmfisch mit synchronen Bewegungen in der mittleren Schwimmzone
- Sehr friedlich, keine territoriale Aggression
- Optimale Färbung in weichem, leicht saurem Wasser (GH unter 8, pH unter 7)
- Im Handel selten, gelegentlich als Beifang bei Hemigrammus-Importen
Vergesellschaftungshinweise
Hemigrammus stictus ist ein Schwarmfisch. Mindestens 8-10 Tiere, empfohlen werden 10-12 oder mehr. In ausreichender Schwarmgröße zeigen die Tiere offenes Schwimmverhalten und wirken sicherer.
Das Temperament ist sehr friedlich. Territoriale Auseinandersetzungen treten nicht auf. Geeignete Mitbewohner: andere südamerikanische Salmler (Paracheirodon, Hyphessobrycon, Nannostomus), Panzerwelse (Corydoras) und kleine Zwergbuntbarsche (Apistogramma). Ostafrikanische Hartwasser-Buntbarsche sind ungeeignet.
Schnecken werden toleriert. Junggarnelen können gefährdet sein, adulte Garnelen sind meist sicher.
Geschlechtsdimorphismus
Männchen sind etwas kleiner und deutlich schlanker als Weibchen. Weibchen zeigen besonders zur Laichzeit einen rundlicheren Bauch und eine stämmigere Körperform. Männchen können eine leicht lebhaftere Färbung zeigen.
Haltungstipps / Pflege
Der Blutschwanzsalmler benötigt eine Temperatur von 23-27 °C, einen pH-Wert von 5,5-7,0 und eine Gesamthärte von 1-12 °dGH (optimal 3-8 °dGH). Für eine artgerechte Schwarmhaltung wird ein Aquarium ab 80 cm Kantenlänge und mindestens 112 Liter empfohlen.
Die Einrichtung sollte dichte Bepflanzung an den Seiten und im Hintergrund mit offenen Schwimmzonen in der Mitte kombinieren. Feinblättrige Pflanzen, Farne, Schwimmpflanzen und Wurzelholz schaffen Struktur. Dunkler, feiner Sand als Bodengrund betont den Farbkontrast. Laubstreu (Seemandelbaumblätter) fördert natürliche Schwarzwasserbedingungen. Ruhige bis mäßige Strömung, moderates Beleuchtungsniveau.
Hemigrammus stictus ist eine reizvolle Art für naturnahe Schwarzwasser- oder Weichgewässer-Aquarien.
Zucht und Fortpflanzung
Hemigrammus stictus ist ein Freilaicher. Die Zucht gilt als mittelschwer.
Zuchtbedingungen: weiches, saures Wasser (pH 5,5-6,5, GH 1-5 °dGH), leicht erhöhte Temperatur von 26-27 °C. Separates Zuchtbecken mit feinfiedrigen Pflanzen. Konditionierung mit proteinreichem Lebendfutter. Elterntiere nach dem Ablaichen entfernen. Die Eier schlüpfen nach 24-36 Stunden. Jungfische werden nach 3-4 Tagen freischwimmend. Erstfutter: Infusorien, später Artemia-Nauplien.
Ernährung/Futterbedarf
Hemigrammus stictus ist ein Allesfresser mit Vorliebe für tierische Kost. Hochwertige Flocken und Granulatfutter in kleiner Körnung als Basis, ergänzt durch Lebendfutter (Artemia-Nauplien, Cyclops, Daphnien, Mückenlarven) und Frostfutter. Pflanzliche Komponenten (Spirulina-Flocken) ergänzen die Ernährung. Kleinteilige Kost ist aufgrund der kleinen Maulöffnung wichtig.
Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Natürlicher Lebensraum
Hemigrammus stictus stammt aus Südamerika und ist in Venezuela, Guyana und Brasilien verbreitet. Die Art bewohnt langsam fließende Flüsse, Nebenarme, Altwasser und Überschwemmungsgebiete. Viele Fundorte sind durch Schwarzwasserverhältnisse geprägt mit organischen Stoffen und Tanninen. Flache Bereiche mit dichter Ufervegetation, Totholz und Laubstreu sind typische Habitate.