Megalops atlanticus

Deutscher Name: Atlantische Tarpun

Herkunft:
Afrika, Brasilien, Mexiko, Südamerika, Westafrika
Farben:
blau, grün, silber
Schwierigkeit:
Spezialistenniveau
Art: Megalops atlanticus
Gattung: Megalops
Familie: Elopidae

Beschreibung

Die Atlantische Tarpun (Megalops atlanticus) ist ein massiger, stromlinienförmiger Raubfisch mit auffälliger, silbrig-glänzender Erscheinung und einem großen, nach oben gewandten Maul. Der Körper ist langgestreckt, seitlich abgeflacht und mit außergewöhnlich großen Schuppen bedeckt, die unter Lichteinfall stark metallisch reflektieren und der Art den Beinamen „Silver King“ eingebracht haben. Die Rückenfärbung ist dunkelblau bis grünlich-schwarz, während Flanken und Bauch in charakteristischem Silberglanz erscheinen; Populationen in Binnengewässern können bräunliche oder messingartige Töne zeigen. Die Flossen bestehen ausschließlich aus Weichstrahlen; die Rückenflosse ist vorne erhöht und weist 13–15 Weichstrahlen auf, wobei der letzte Strahl zu einem langen Faden verlängert ist. Die Schwanzflosse ist tief gegabelt. Das Maul ist groß und oberständig, der Unterkiefer ragt weit vor. Dokumentierte Maximallängen betragen 250 cm TL (Totallänge) bei einem Gewicht von über 161 kg; Weibchen werden durchschnittlich deutlich größer als Männchen. Im Aquarium zeigt die Tarpun ein aktives, oft zielgerichtetes Jagdverhalten; sie schwimmt vornehmlich in mittleren Wasserschichten und nahe der Oberfläche, wo sie Beute verfolgt oder durch schnelles Aufschießen ergreift. Die Art ist nicht besonders scheu gegenüber Menschen, zeigt jedoch typisches dominantes Verhalten gegenüber Beutetieren und kleineren Mitbewohnern. In Gefangenschaft gewöhnen sich Tiere an Frost- oder Tiefkühlfutter und große fleischliche Futterstücke; dabei bleibt ihr kräftiger Jagdtrieb erhalten. Auffällig ist die Fähigkeit zur akzessorischen Atmung über eine modifizierte Schwimmblase, die mit einem spongiösen Gewebe ausgekleidet ist und über einen Kanal mit dem Ösophagus verbunden ist. Diese Anpassung erlaubt es der Tarpun, atmosphärischen Sauerstoff direkt aufzunehmen und ermöglicht das Überleben in sauerstoffarmen Gewässern. Juvenile Tarpune sind obligatorische Luftatmer. Besonderheiten der Art sind neben der Dimension vor allem die Anpassungsfähigkeit an sehr unterschiedliche Salzgehalte sowie das ausgeprägte Sprungverhalten: Tarpune sind für ihre spektakulären Sprünge über die Wasseroberfläche bekannt und gelten als Hochsprungrisiko-Art. Die Art durchläuft zudem im natürlichen Lebenszyklus eine sehr lange pelagische Larvalphase (Leptocephalus-Formen über ca. 3–4 Monate), was in der freien Natur komplexe Wanderungen und spezifische Ökosystemansprüche der Jungfische zur Folge hat.
Sozialverhalten: Gruppenhaltung
Temperament: neutral
Verträglichkeit mit Wirbellosen: mittel

Besonderheiten

  • Sehr große Endgröße: bis 250 cm TL; für Heimaquaristik praktisch nur für spezialisierte Einrichtungen geeignet
  • Euryhalin: große Toleranz gegenüber Schwankungen des Salzgehalts
  • Modifizierte Schwimmblase zur Luftatmung (akzessorische Atmung über Ösophagus-Verbindung)
  • Pelagische, leptocephalische Larvenentwicklung mit ca. 3–4-monatiger Driftphase
  • Hohes Sprungrisiko: bekannt für spektakuläre Hochsprünge („Silver King“)
  • Piscivor mit hohem Bedarf an großfleischigem Futter
  • In freier Wildbahn weitreichende saisonale Wanderungen zur Fortpflanzung
  • Lebenserwartung bis über 55 Jahre (Weibchen), Männchen über 30 Jahre

Vergesellschaftungshinweise

Die Haltungsform wird als Gruppenhalterung beschrieben, wobei konkrete, standardisierte Empfehlungen zur Gruppengröße in den vorliegenden Daten nicht angegeben sind. Jungfische sind häufig in Gruppen zu beobachten, während adulte Tiere durch ihre schiere Größe und ihr Beutefangverhalten gegenüber deutlich kleineren Fischen dominanter wirken können. In gemischten Gruppen können Tarpune gegenüber großen Mitbewohnern relativ verträglich wirken; Aggressionen richten sich primär auf ausgewiesene Beutetiere und sehr kleine Arten. Im Alltag zeigen Tarpune ein aktives und selbstsicheres Temperament: regelmäßiges Schwimmen in der Wassersäule, gezieltes Jagen und häufige Oberflächenaktivität zählen zum normalen Verhaltensrepertoire. Verhaltensänderungen können während Wanderungs- oder Laichzeiten auftreten, die in der Natur saisonal (überwiegend Mai–Juli) und mit massiven Gruppenzusammenzügen verbunden sind. Bezüglich Wirbelloser gilt: Garnelen sind ungeeignet, da aufgrund des räuberischen Verhaltens der Tarpun gefährdet. Sehr kleine Schnecken oder juvenile Stadien sind ebenfalls gefährdet; größere, gut geschützte Schnecken werden in vielen Fällen toleriert. Aufgrund der Größe und des ausgeprägten Raubverhaltens sollte die Atlantische Tarpun nur mit sehr robusten, großen, ebenfalls euryhalinen Küsten- oder Brackwasserfischen vergesellschaftet werden, idealerweise aus dem westlichen Atlantik (Florida, Karibik, Küsten Mittel- und Südamerikas) oder dem östlichen Atlantik (westafrikanische Küste) mit ähnlichen ökologischen Ansprüchen. Kleine, schwächere Fische, Garnelen und Jungstadien wirbelloser Tiere gehören nicht in ein Becken mit Tarpun. Da die Tarpun in Gefangenschaft ein starkes Fressverhalten zeigt, ist bei der Auswahl der Beifische größte Vorsicht geboten; grundsätzlich werden nur Tiere empfohlen, die der Größe und dem Aktivitätsniveau der Tarpun entsprechen.

Geschlechtsdimorphismus

Der auffälligste Unterschied zwischen den Geschlechtern liegt in der Körpergröße: Weibliche Atlantische Tarpune werden deutlich größer als männliche Exemplare (Weibchen über 250 cm und 161 kg, Männchen generell kleiner) und erreichen auch eine höhere Lebenserwartung (Weibchen über 50 Jahre, Männchen über 30 Jahre). Es sind keine verlässlichen Unterschiede in Färbung, Flossenform oder dem allgemeinen Körperbau zwischen den Geschlechtern dokumentiert. Somit bleibt die Geschlechtsbestimmung bei adulten Tieren primär über Größenvergleiche möglich.
Größe: Männchen: bis zu 150 cm, Weibchen: 150-180 cm

Haltungstipps / Pflege

Wasserwerte und Grundanforderungen: Die Aquarienhaltung der Atlantischen Tarpun erfordert eine Temperatur zwischen 20 und 28 °C sowie einen alkalischen pH-Bereich von 7.5 bis 8.5. Angaben zur Wasserhärte (GH) sind nicht gesichert vorgegeben. Aufgrund der natürlichen euryhalinen Anpassungsfähigkeit tolerieren Tarpune Schwankungen des Salzgehalts, jedoch sind stabile Wasserverhältnisse und sehr gute Wasserqualität wesentliche Voraussetzungen für gesunde Bestände. Durch ihre Luftatmung besitzen Tarpune eine gewisse Resistenz gegenüber kurzfristigen Sauerstoffschwankungen, dennoch ist eine zuverlässige Sauerstoffversorgung und eine effiziente Umwälzung des Wassers unabdingbar. Freier Zugang zur Wasseroberfläche zum Luftschnappen ist zwingend erforderlich. Beckenanforderungen: Für die Atlantische Tarpun sind aufgrund der dokumentierten maximalen Körperlängen (bis 250 cm TL) sehr große Becken oder besser noch spezielle Meer- oder Lagunensysteme erforderlich, die ausreichend Schwimmraum in horizontaler Richtung und in der Wassersäule bieten. Konkrete Mindestvolumen-Angaben für Aquarienhaltung liegen nicht standardisiert vor; die Haltung adulter Tiere ist ausschließlich in spezialisierten Großanlagen (öffentliche Aquarien, Forschungseinrichtungen) sinnvoll. Eine sichere, vollständige Abdeckung des Beckens ist zwingend erforderlich, da die Tarpun als Hochsprungrisiko-Art gilt und regelmäßig aus dem Wasser springt. Einrichtung: Die Einrichtung sollte offene Schwimmzonen und stabile Strukturbereiche bieten; gute Umwälzung und Wasseraustausch sorgen für gleichmäßige Wasserqualität. Strukturierung durch regionale Hartsubstrate und großflächige Bereiche für Beifische können sinnvoll sein. Pflanzen haben in Becken für adulte Tiere wegen der Größe und des Aktivitätsniveaus oft nur geringen Nutzen. Filterung und Wasserpflege: Wegen des hohen Futterbedarfs und der Fleischfütterung ist eine leistungsfähige biologische und mechanische Filterung erforderlich, kombiniert mit regelmäßigen Wasserwechseln, um Nährstoffanreicherung und organische Belastung zu minimieren. Sicherheit und Handhabung: Durch die Größe und Stärke sollten Transport, Hälterung und medizinische Betreuung ausschließlich von erfahrenem Personal in geeigneten Einrichtungen durchgeführt werden. Für Privathaushalte ist die Haltung adulten Tarpuns in der Regel nicht praktikabel.
Wasserhärte:
weich bis hart
PH-wert
7,5-8,5
Temperatur:
20-28 °C
Beckengröße:
ab Großanlage erforderlich (>250 cm TL); keine Standardangabe

Zucht und Fortpflanzung

Fortpflanzungsstatus und Dokumentation: Für Megalops atlanticus sind die Reproduktionsbiologie und das Laichverhalten in der freien Natur gut dokumentiert, jedoch existieren keine bestätigten Berichte über erfolgreiche Nachzucht in Gefangenschaft. Das heißt: Es gibt keine dokumentierten, erfolgreichen Zuchterfolge im Aquarium. Die vorhandenen wissenschaftlichen Daten beschreiben umfassend die natürlichen Laichstrategien und die larvale Entwicklung, geben jedoch auch die Gründe an, weshalb eine kontrollierte Nachzucht bisher nicht realisiert wurde. Wildes Laichverhalten und Larvalentwicklung: In freier Natur laichen Tarpune als sogenannte Broadcast Spawner (pelagische Freilaicher) und befruchten ihre Eier im freien Wasser ohne Substratkontakt oder elterliche Brutpflege. Die Art ist sehr fruchtbar: Große Weibchen (ab ca. 203 cm) produzieren über 12 Millionen Eier pro Laichereignis. Laichereignisse finden saisonal statt, überwiegend von Mai bis Juli, vielfach in Verbindung mit bestimmten Mondphasen. Die Eier entwickeln sich zu leptocephalischen Larven, die planktonisch leben und eine Driftphase von ca. 3–4 Monaten durchlaufen. Diese spezielle Larvalform durchläuft mehrere Entwicklungsstadien, bevor sich die juvenilen Formen in küstennahe und ästuarine Aufzuchtsgebiete zurückziehen. Geschlechtsreife tritt bei ca. 160 cm Körperlänge ein (6–7 Jahre Alter). Herausforderungen für die Nachzucht in Gefangenschaft: Die wichtigsten Hindernisse sind die enorme Körpergröße der Elterntiere, die komplexen migrationsbedingten Auslöser für die Laichaktivität, die räumliche Trennung von Laichplätzen und Kinderstuben sowie die sehr speziellen Ernährungs- und Habitatansprüche der leptocephalischen Larven. Die Zucht gilt daher für private Aquarianer als nicht praktikabel und bleibt wissenschaftlich sowie in spezialisierten Forschungseinrichtungen eine Herausforderung.

Ernährung/Futterbedarf

Als ausgesprochener Fleischfresser (piscivor) ernährt sich die Atlantische Tarpun vornehmlich von mittelgroßen bis großen Beutefischen (Sardinen, Meeräschen, Hornhechte, Döbel, Cichliden) sowie von Krabben und anderen Krebstieren. Juvenile Tarpune ernähren sich von Zooplankton, Insekten und kleinen Fischen; adulte Tiere jagen aktiv und verschlucken die Beute aufgrund ihrer kleinen, villiforman Zähne im Ganzen. In Gefangenschaft müssen die Ernährungsbedürfnisse durch hochwertiges fleischliches Futter gedeckt werden: filetierte Fische, große Fischstücke, ganze gefrostete Beutefische oder spezielle fleischliche Spezialfutter hoher Qualität. Lebendfütterung wird in großen Anlagen gelegentlich genutzt, ist aber wegen der Risiken von Pathogenen und Parasiten kritisch zu betrachten. Futterergänzungen mit essentiellen Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen sind sinnvoll.
Ernährungstyp: Fleischfresser (Carnivore)
Alterserwartung
bis 55 Jahre (Weibchen >50 J., Männchen >30 J.)

Natürlicher Lebensraum

Die Atlantische Tarpun ist eine Küstenart mit panatlantischer Verbreitung: Im westlichen Atlantik von Nova Scotia (Kanada) bis Brasilien, einschließlich Golf von Mexiko, Karibik und Bermuda; im östlichen Atlantik von Mauretanien bis Angola (westafrikanische Küste). Gelegentliche Nachweise gibt es auch in Portugal und Südfrankreich. Die Art dringt häufig in Flusssysteme und Süßwasserbereiche ein und zeigt dabei eine große Toleranz gegenüber unterschiedlichen Salzgehalten. Natürlich bewohnt sie warme, flache Küstengewässer in 0–15 m Tiefe (maximal 40 m), darunter Buchten, Ästuare, Mangrovenlagunen und Mündungsbereiche. Juvenile Tarpune finden in geschützten, produktiven Aufwuchsgebieten wie Mangrovenwurzeln und seichten Lagunen geeignete Kinderstuben, während adulte Tiere weite Küstenbereiche und offene Küstengewässer zur Jagd nutzen. Substrat und Vegetation sind in den Habitaten vielseitig: von sandigen und schlammigen Böden in Flussmündungen bis zu Mangrovenwurzeln und Seegrasflächen. Die Art ist migratorisch geprägt, insbesondere hinsichtlich Laichwanderungen zu geeigneten Offshore-Plätzen, die weit entfernt von den Aufzuchtgebieten liegen können.

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