Pangio kuhlii / Pangio semicincta

Deutscher Name: Dornauge

Herkunft:
Borneo
Farben:
braun, gelb, schwarz
Schwierigkeit:
Mittel
Art: Pangio kuhlii
Gattung: Pangio
Familie: Cobitidae

Beschreibung

Pangio kuhlii (Handelstier: sehr wahrscheinlich P. semicincta) ist eine schlanke, aalähnliche Schmerle der Gattung Pangio, die durch ihren langgestreckten Körperbau und markante Querbänder auffällt. Die Grundfärbung reicht von lachsfarben bis gelblich-orange; typisch sind neun bis zwölf dunkelbraune bis schwarze, oft unregelmäßige Querbinden auf orangem Grund. Die Bänderung ist innerhalb der Art und zwischen Populationen sehr variabel: Bei manchen Exemplaren sind die Sattelbinden auf die obere Körperhälfte beschränkt, bei anderen verlaufen sie deutlich unterhalb der Seitenlinie. Die Bauchseite ist heller bis weißlich. Insgesamt wirkt das Tier zart und zurückhaltend; die kleinen Augen und die schlanke Silhouette unterstreichen den bodennahen Lebensstil. Im Aquarium zeigt das Dornauge typisches Bodenfisch-Verhalten: es ist dämmerungs- und nachtaktiv, tagsüber sehr versteckt und wird oft nur in ruhigen Phasen beobachtet. In Gruppen sucht die Art bevorzugt Bodenzonen mit dichter Bepflanzung, verwinkelten Wurzelbereichen und Laubansammlungen, wo sie nach Futterpartikeln und Detritus gräbt. Beim Graben schiebt sie mit der Schnauze Substrat und feine Partikel beiseite, wobei die empfindliche Haut und die Barteln aktiv zur Nahrungssuche eingesetzt werden. Trotz scheuer Natur ist die Art in Gruppen recht aktiv und zeigt ein abwechslungsreiches Repertoire an Bewegungen. Besonders auffällig ist die Anpassungsfähigkeit an schattige, laubreiche Habitate: Das Dornauge nutzt Falllaub und Wurzelstrukturen als Verstecke und indirekten Nahrungslieferanten durch die Ansammlung von Mikroorganismen und Detritus. Die Art kann sich tief im weichen Substrat eingraben und ist in der Lage, auch enge Spalten zu nutzen. Diese Lebensweise macht sie zu einem wertvollen Aufräumer des Bodengrundes; gleichzeitig verlangt sie Rücksicht auf weiches Substrat und viele Versteckmöglichkeiten im Aquarium.
Sozialverhalten: Gruppenhaltung
Temperament: friedlich
Verträglichkeit mit Wirbellosen: schlecht

Besonderheiten

  • Dämmerungs- und nachtaktiv; tagsüber stark versteckt
  • Grabende Lebensweise, benötigt feines, weiches Substrat zum Eingraben
  • Nutzung von Falllaub und Wurzelwerk als Verstecke und Nahrungsquelle
  • Kommunale, gruppenbasierte Laichweise (Freilaicher)
  • Ausgeprägte Sprungneigung, besonders kurz nach dem Einsetzen — Aquarium muss sicher abgedeckt sein
  • Empfindliche Haut: scharfe Kanten und grobes Substrat vermeiden
  • Junggarnelen können gefressen werden; adulte Garnelen und Schnecken werden meist toleriert

Vergesellschaftungshinweise

Das Dornauge ist ein ausgesprochen geselliges Tier und muss in Gruppen gepflegt werden. Mindestgröße der Gruppe ist fünf Tiere, empfohlen werden sechs oder mehr Exemplare, da das Sozialverhalten in größeren Gruppen deutlich natürlicher und sichtbarer wird. In einer gut eingewöhnten Gruppe zeigen die Tiere ein friedliches Miteinander, bei dem Rangordnungen wenig aggressiv ausgetragen werden. Häufig ist ein langsamer Austausch an Versteckplätzen und eine koordinierte Aktivität in der Dämmerungszeit zu beobachten. Das Temperament ist generell sehr friedlich; die Art gilt als zurückhaltend und scheu gegenüber schnellen, dominanten Beckengenossen. Während der Laichzeit treten keine auffälligen Revierkämpfe auf; die Art laicht kommunal ab und zeigt kein territoriales Verteidigungsverhalten gegenüber Artgenossen. Im Umgang mit Wirbellosen ist die Art überwiegend verträglich: Schnecken werden in der Regel toleriert und nicht aktiv bejagt. Bei Garnelen gilt: sehr kleine Junggarnelen können am Boden gelegentlich gefressen werden, adulte Garnelen werden meist in Ruhe gelassen. Bei der Vergesellschaftung ist auf die bioregionalen Empfehlungen zu achten: Das Dornauge stammt aus Südostasien (Malayische Halbinsel, Sumatra, Borneo), somit sind andere südostasiatische Arten als Beifische ideal. Besonders geeignete Mitbewohner sind ruhige Rasboras (z. B. Trigonostigma heteromorpha, Boraras-Arten), kleine friedliche Danioniden sowie asiatische Schmerlen (z. B. andere Pangio-Arten, ruhige Acanthocobitis-Arten). Vermeiden sollten Halter aggressive oder territorial aggressive Arten sowie Fische, die deutlich schneller und dominanter fressen. Afrikanische Buntbarsche (Malawi, Tanganjika) sind nicht bioregional kompatibel und erzeugen erheblichen Stress. Wichtiger Hinweis: Corydoras-Arten stammen aus Südamerika und sind keine geeigneten Vergesellschaftungspartner im Sinne eines bioregionalen Biotop-Beckens. Als Ersatz bieten sich asiatische Bodenfische wie Lepidocephalichthys guntea oder andere südostasiatische Schmerlen an.

Geschlechtsdimorphismus

Die Unterscheidung der Geschlechter ist nur schwer visuell möglich. Weibchen wirken insgesamt fülliger, besonders bei Laichbereitschaft, wenn die Bauchregion deutlich aufgetrieben erscheint. Männchen sind in der Regel etwas schlanker und weisen häufig etwas größere, paddelförmige Brustflossen mit einem verdickten ersten Flossenstrahl auf. Adulte Exemplare erreichen im Aquarium in der Regel 8–10 cm; Wildfunde werden bis 12 cm TL dokumentiert. Diese Unterschiede sind subtil und erfordern bei Vermehrungsabsichten oft eine Beobachtung über längere Zeiträume.
Größe: ca. bis 12 cm TL (im Aquarium typisch 8–10 cm)

Haltungstipps / Pflege

Die Haltung gelingt bei einer Wassertemperatur von 24-28 °C, einem pH-Wert von 5,5-7,0 und einer Gesamthärte von 1-10 °dGH. Das Dornauge bevorzugt weiches, leicht saures bis neutrales Wasser; höhere Härte- und Temperaturwerte sind zwar kurzfristig tolerierbar, entsprechen aber nicht dem natürlichen Lebensraum. Als Mindestbeckengröße gelten 80 cm Kantenlänge, das entspricht rund 112 Litern. In diesem Volumen findet eine Gruppe von mindestens sechs Tieren genug Platz zum Sozialverhalten und zur Nahrungssuche. Feiner Sand ist als Bodengrund Pflicht: gröberer Kies reizt die empfindliche Haut, hemmt das natürliche Grabverhalten und kann zu Infektionen führen. Wurzelholz, Falllaub und Pflanzengruppen schaffen Verstecke und dämpfen das Licht, was dem natürlichen Habitat entspricht. Die Strömung sollte ruhig bis langsam ausfallen. Im Bodenbereich sind ruhige Zonen wichtig, damit das Grabverhalten nicht gestört wird. Die Filterung sollte für saubere, stabile Wasserverhältnisse sorgen, gleichzeitig aber keinen starken Sog im Bodensegment erzeugen. Eine sicher schließende Abdeckung ist notwendig: Dornauge springen, insbesondere nach dem Einsetzen und bei Stress. Helles Licht meiden und ein dämmeriges Beleuchtungsprofil nutzen, damit die nachtaktive Lebensweise respektiert wird. Laubinseln und eingebrachte Tannenzapfen oder spezielles Aquarium-Laub unterstützen sowohl die Bakterienflora als auch das natürliche Nahrungsangebot. Kritisch: Kupfer ist für Schmerlen tödlich! Medikamente und Pflanzendünger mit Kupfergehalt dürfen niemals eingesetzt werden. Auch bei Leitungswasser aus Kupferrohren ist Vorsicht geboten. Das Dornauge ist ein robuster Bodenbewohner, der in Gruppen ab sechs Tieren sein natürliches Verhaltensrepertoire zeigt. Die Kombination aus feinem Sand, naturnaher Einrichtung mit Wurzeln und Laub sowie stabilen Wasserwerten im empfohlenen Bereich schafft die Grundlage für eine erfolgreiche Haltung. Die Lebenserwartung liegt bei guter Pflege bei 10 bis 14 Jahren.
Wasserhärte:
weich
pH-Wert
5,5-7
Temperatur:
22–26 °C
Beckengröße:
ab 80 cm, 112 Liter

Zucht und Fortpflanzung

Zuchtstatus: Es existieren vereinzelte Berichte über erfolgreiche Nachzuchten im Aquarium, jedoch ohne systematische Dokumentation oder fotografische Belege. Reproduktionstyp: Freilaicher (Kommunallaicher) ohne Brutpflege. Zuchtwasser: Zucht-Temperatur 24–26 °C, Zucht-pH 6.0–6.5, Zucht-GH max 5 °dGH. Weiches, leicht saures Wasser ist für den Zuchterfolg wesentlich. Die Laichbereitschaft wird häufig durch Simulation der Regenzeit ausgelöst: große Wasserwechsel mit weicherem, leicht kühlerem Wasser und Konditionierung mit Lebendfutter (rote Mückenlarven, Artemia). Laichverhalten: Die Tiere laichen kommunal in Gruppen ab. Dämmeriges Licht und feinfiedrige Wasserpflanzen oder schwimmende Laichsubstrate unterstützen die Laichaktivität. Die Tiere verteilen die Eier in der Pflanzen- oder Substratstruktur; es findet keine Brutpflege statt. Larven ernähren sich zunächst von Infusorien und sehr feinem Futter, später von Artemia-Nauplien und Mikrowürmchen. Zuchtaufwand und Schwierigkeiten: Die Zucht gilt als schwierig und gelingt nur selten zuverlässig. Erfahrene Züchter berichten von unbeabsichtigten Reproduktionen in gut eingerichteten Becken. Spezifische Gelegegröße und Inkubationszeit sind nicht zuverlässig dokumentiert.

Ernährung/Futterbedarf

Das Dornauge ist ein Mikropredator und Detritusfresser: In der Natur siebt es Substratreste durch Maul und Kiemen, um Insektenlarven und kleine Krebstiere zu extrahieren. Im Aquarium werden sinkendes Lebend- und Frostfutter (rote Mückenlarven, Artemia, Daphnien, Grindal-Würmer) sowie hochwertige Absinktabletten und Granulate akzeptiert. Wichtig ist, dass Nahrung den Boden erreicht und nicht im Pflanzenwerk hängen bleibt. Kleine Futterportionen in der Dämmerung und Nacht entsprechen der natürlichen Aktivitätsphase. Tagsüber nehmen die Tiere kaum Futter auf. Fütterung kurz vor dem Ausschalten des Lichts oder bei gedämpfter Beleuchtung führt zu deutlich besserer Nahrungsaufnahme. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit tierischem Schwerpunkt fördert die Gesundheit und Kondition. Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Ernährungstyp: Allesfresser (Omnivore)
Alterserwartung
10-14 Jahre

Natürlicher Lebensraum

Das im Handel als „Pangio kuhlii“ angebotene Tier stammt nach aktuellem Kenntnisstand aus dem Verbreitungsgebiet von Pangio semicincta: Malayische Halbinsel, Sumatra und Borneo. Das echte Pangio kuhlii hingegen gilt als endemisch für Java, wo es kaum kommerziell gefangen wird. Die natürlichen Gewässer dieser Schmerlen sind flache, ruhige Bäche, Überschwemmungsgebiete und langsam fließende Seitenarme mit schlammigem oder sandigem Untergrund und reichlich Falllaub, überhängender Vegetation und dichtem Uferbewuchs. Schwarzwasserbedingungen sind typisch: organisch angereichertes, leicht bis stark saures Wasser mit gelösten Huminsäuren. Die Strömung ist überwiegend ruhig bis langsam.

Obwohl wir von my-fish.org uns bemühen, die bereitgestellten Informationen sorgfältig zu sammeln und aktuell zu halten, können wir keine Garantie für deren Vollständigkeit oder Richtigkeit geben. Unsere Daten stammen von Experten, Züchtern und Partnern aus dem Zierfischgroßhandel und basieren auf deren Beiträgen. Bei Abweichungen oder fehlenden Informationen bitten wir um Verständnis. Wir freuen uns über Ergänzungen und Verbesserungsvorschläge von der Community, um die Qualität unseres Angebots kontinuierlich zu steigern. Bitte nutzen Sie unser für Ihre Rückmeldungen und Anregungen.

In unserer kollaborativen Arbeit nutzen wir die Quellen my‑fish Content Commons. Wir fassen Informationen aus verschiedenen Quellen zusammen – unter anderem aus der Datenbank unserer Partner im Zierfischgroßhandel und aus öffentlichen Datenbanken anderer Projekte – um die Richtigkeit unserer Texte zu validieren. Bitte beachten Sie, dass die Genauigkeit von den bereitgestellten Informationen abhängt und lesen Sie dazu unseren Disclaimer. Alle Links finden Sie hier.

Knochenzüngler
Asiatischer Arowana
Labyrinthfische
Mondschein-Schokoladengurami
Schmerlen
Panda-Schmerle
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments

Newsletter

Was beschäftigt die Aquaristik-Community? Der my-fish-Newsletter informiert dich über spannende Inhalte aus der Unterwasserwelt.

my-fish Podcast

Wir haben bei Zierfischgroßhändlern, Aquascapern, Züchtern und Liebhabern nachgefragt:

my-fish TV

Wir haben Ende 2018 dieses neue Format gestartet und werden in Zukunft auf diesem Kanal alles abdecken…

Auf my-fish.org Anmelden
Sicherheitsabfrage: Bitte geben Sie die korrekte Nummer für die Anmeldung ein.
Beweisen Sie, das Sie ein Mensch sind: 5   +   6   =  
my-fish logo 2021
0
Lass uns doch ein Kommentar da!x