Parasphaerichthys lineatus

Deutscher Name: Zwerg-Schokoladengurami

Bild: Ingo Seidel
Herkunft:
Myanmar
Farben:
braun, grün, orange
Schwierigkeit:
Einfach (Fortgeschrittene Anfänger)
Art: Parasphaerichthys lineatus
Gattung: Parasphaerichthys
Familie: Osphronemidae

Beschreibung

Parasphaerichthys lineatus ist ein ausgesprochen zierlicher Gourami mit gedrungener, leicht abgeflachter Körperform und einer deutlichen, dunklen Längsbinde entlang der Flanken. Die Grundfärbung wirkt bräunlich und ruft einen gedeckten, unauffälligen Gesamteindruck hervor; die markante mittlere Längsbinde (Mid-lateral stripe) ist das auffälligste Erkennungsmerkmal. Auffällig ist das Fehlen eines Augenflecks (Ocellus) auf den Flanken, wodurch sich P. lineatus klar von der nächstverwandten Art P. ocellatus unterscheidet. In der Balzzeit intensivieren sich die Farben der Männchen deutlich: der Kopf erscheint dunkel bis schwärzlich, der Rumpf zeigt dann kräftige orange-gelbe Töne, die im Ruhestatus deutlich zurückhaltender sind. Im Aquarium zeigt P. lineatus ein sehr zurückhaltendes, scheues Verhalten. Die Tiere schwimmen meist in mittleren Wasserschichten und bewegen sich langsam und bedacht zwischen dichter Vegetation und überhängenden Pflanzen. Sie sind keine aktiven Freiwasserschwimmer, sondern bevorzugen geschützte Bereiche mit vielen Versteckmöglichkeiten. Bei Störungen ziehen sich die Tiere rasch in Pflanzendickichte oder an den Bodengrund zurück. Bemerkenswert ist, dass diese Art — wie alle Labyrinthfische — hörbare, knurrende Laute erzeugen kann, was besonders in der Balzphase zu beobachten ist. Parasphaerichthys lineatus ist ein Schaumnestbauer, was ihn von den eng verwandten Sphaerichthys-Arten (echte Schokoladenguramis, die Maulbrüter sind) grundlegend unterscheidet. Trotz ihrer geringen Größe zeigen die Männchen während der Brutphase ausgeprägtes Brutpflegeverhalten und Territorialverhalten. Die Art gilt als empfindlich gegenüber Störungen und schwankenden Wasserwerten.
Sozialverhalten: Gruppenhaltung
Temperament: friedlich
Verträglichkeit mit Wirbellosen: mittel

Besonderheiten

  • Schaumnestbauer — unterscheidet sich damit grundlegend von den Sphaerichthys-Schokoladenguramis (Maulbrüter).
  • Labyrinthorgan vorhanden — gelegentliche Oberflächenatmung möglich; nutzt das Organ jedoch seltener als andere Labyrinthfische.
  • Bewohner klarer Gewässer — im Gegensatz zu Sphaerichthys kein Schwarzwasserbewohner; verträgt härteres, leicht alkalisches Wasser.
  • Kleinste bekannte Art der Familie Osphronemidae — Maximalgröße ca. 1,9 cm SL (Standardlänge).
  • Hörbare Lautgebung — erzeugt knurrende Geräusche während der Balz und Kommunikation.
  • Saisonale Ruhephase empfohlen — eine kühlere Phase fördert Konditionierung und Laichbereitschaft.
  • Sehr geringe Endgröße mit entsprechend kleinem Maul — Futtergröße entscheidend.

Vergesellschaftungshinweise

Parasphaerichthys lineatus sollte in Gruppen von mindestens 6 Tieren gehalten werden; Einzelhaltung ist nicht artgerecht, da die Tiere soziale Interaktionen und das Sicherheitsgefühl in der Gruppe benötigen. In einer Gruppe zeigen die Tiere ihr natürliches Verhalten — sie schwimmen locker zusammen, bilden zeitweise Paare oder kleine Untergruppen und suchen gemeinsam Deckung. Temperamentmäßig sind diese Gouramis sehr friedlich. Aggressionen sind im Alltag selten; ausgenommen sind Situationen während der Brutpflege, in denen das Männchen territoriales Verhalten gegenüber Störungen zeigt. Die Kombination aus kleiner Körpergröße und Scheuhaftigkeit macht eine sorgfältige Vergesellschaftung zur Pflicht. Verträglichkeit mit Wirbellosen: Die Art ist hinsichtlich Schnecken gut verträglich. Bei Zwerggarnelen besteht ein gewisses Risiko für sehr kleinen Nachwuchs; adulte Garnelen werden aufgrund des kleinen Mauls in der Regel toleriert. Bei der Vergesellschaftung sollten ausschließlich sehr kleine, friedliche Arten aus Südostasien (Myanmar/Irrawaddy-Region) gewählt werden. Gut geeignet sind Danionella-Arten, Microdevario nana, Microrasbora-Arten sowie Celestichthys (Danio) margaritatus und kleine asiatische Schmerlen, die keine starke Strömung erzeugen. Von der Vergesellschaftung mit allen robusten, agilen oder territorialen Arten wird dringend abgeraten — P. lineatus wird sonst eingeschüchtert und zieht sich komplett zurück. Ideal ist ein Artbecken oder ein ruhiges Biotopaquarium mit nur wenigen, ähnlich kleinen Begleitfischen. Zwerggarnelen: Jungtiere können gefährdet sein, adulte Tiere werden in der Regel toleriert.

Geschlechtsdimorphismus

Außerhalb der Balzzeit sind die Geschlechter kaum zu unterscheiden. In der Balz- und Brutzeit erfolgt die Unterscheidung zuverlässig: Männchen zeigen eine dramatische Färbung mit schwärzlichem Kopf und kräftig orange-gelbem Körper. Weibchen sind tendenziell etwas größer und fülliger im Körperbau, besonders wenn sie laichreif sind. Außerhalb der Fortpflanzungszeit bleibt die generelle Form- und Farbvariation ein verlässliches Merkmal zur Unterscheidung.
Größe: ca. 1,9 cm SL (≈ 2,0–2,3 cm TL)

Haltungstipps / Pflege

Wasserwerte: Temperatur 17–30 °C (optimal 22–27 °C; Winterpause bei 20–22 °C empfohlen), pH 6,5–8,0, GH 2–12 °dGH. Diese Parameter unterscheiden P. lineatus deutlich von den eng verwandten Sphaerichthys-Arten, die weiches Schwarzwasser benötigen: P. lineatus bewohnt klares, leicht härteres Wasser und toleriert einen deutlich breiteren Parameter-Bereich. Alle Werte sollten stabil gehalten werden; besonders starke Schwankungen sind zu vermeiden. Beckengröße und Einrichtung: Eine Mindest-Grundfläche von 40 × 20 cm (ca. 40–54 Liter) wird für eine Gruppe empfohlen. Das Aquarium sollte dicht bepflanzt sein mit freiem Schwimmraum in den mittleren Zonen sowie vielen Rückzugsmöglichkeiten durch Schwimmpflanzen, dicht wachsende Stängelpflanzen und Oberflächendeckung. Verstecke aus Wurzeln, Kunststoffrohren und Pflanzendickichten schaffen Sicherheit. Kein schwarzes Tannin-Wasser nötig; klares Wasser ist naturgetreuer. Substrat und Struktur: Ein feiner, weicher Substrataufbau aus Sand oder Kies, gelegentlich ergänzt durch Laub als Bodendecke, entspricht dem natürlichen Habitat. Strömung und Sauerstoffversorgung: Im Naturraum bevorzugt die Art stilles bis schwach fließendes Wasser; die Strömung im Aquarium sollte gering sein (Filterdurchlauf ca. 4–5-faches Beckenwasser). Da P. lineatus ein Labyrinthorgan besitzt, muss die Wasseroberfläche zugänglich sein; die Luft über der Wasseroberfläche sollte annähernd Wassertemperatur haben (Abdeckung mit Spalt). Abdeckung und Springrisiko: Das Springrisiko ist gering, dennoch ist eine teilweise Abdeckung sinnvoll, da Labyrinthfische regelmäßig die Oberfläche ansteuern. Saisonale Pflegehinweise: Eine kühlere Ruhephase von mehreren Wochen bis Monaten bei 20–22 °C fördert Konditionierung und Laichbereitschaft. Solche saisonalen Maßnahmen sind langsam und kontrolliert durchzuführen.
Wasserhärte:
weich bis mittelhart
PH-wert
6,5-8
Temperatur:
17–30 °C (optimal 22–27 °C)
Beckengröße:
ab mind. 40 × 20 cm Grundfläche (ca. 40–54 L)

Zucht und Fortpflanzung

Fortpflanzungstyp: Schaumnestbauer. Der Zuchtstatus ist dokumentiert; erfolgreiche Nachzuchten sind möglich, gelten aber als anspruchsvoll. Die Zucht wird als fortgeschritten eingestuft. Verhalten während der Zucht: P. lineatus bildet Paare und reagiert sehr sensibel auf Störungen. Für eine erfolgreiche Zucht sind ruhige, ungestörte Bedingungen wichtig; separate Zuchtbecken sind empfehlenswert. Die Umklammerungshaltung beim Ablaichen unterscheidet sich von Betta-Arten: das Paar bleibt dabei nahezu aufrecht. Die Eier werden an verschiedenen Stellen deponiert — an Schaumneststrukturen, in Substratvertiefungen oder an Filterschwämmen. Die Eier von P. lineatus weisen eine einzigartige Oberflächenstruktur mit spiralförmigen Rillen auf, die nur bei Luciocephalus und Sphaerichthys ebenfalls vorkommt. Zuchtwasserwerte: Temperatur 22–27 °C, pH 6,5–7,5, GH maximal 5 °dGH. Für die Zucht ist weicheres Wasser zu bevorzugen. Konditionierung und Laichauslösung: Eine Simulation der kühleren Ruhephase (Absenkung auf ca. 20–22 °C über mehrere Wochen) gefolgt von langsamer Erwärmung auf 24–27 °C, kombiniert mit reichlicher Fütterung mit Lebendfutter, löst die Laichbereitschaft aus. Gelege und Aufzucht: Die Gelege sind klein, häufig nur wenige Dutzend Eier. Die Inkubationszeit beträgt etwa 3–5 Tage; die Jungfische schwimmen frei ca. 7–10 Tage nach dem Ablaichen. Die Aufzucht erfordert feinste Lebendnahrung: zunächst Infusorien (Paramecium), Rädertierchen, später Artemia-Nauplien und Mikrowürmer. Sauberes Wasser und konstante Bedingungen sind entscheidend.

Ernährung/Futterbedarf

Parasphaerichthys lineatus ist ein Mikro-Prädator, der im natürlichen Lebensraum kleine Krebstiere, Würmer und Insektenlarven aufnimmt. Im Aquarium sollte die Fütterung auf hochwertige, sehr feine lebende oder gefrorene Nahrung ausgerichtet sein: Artemia-Nauplien, frisch geschlüpfte Cyclops, Daphnien, Grindal- oder Mikrowürmer, gefrorene Mückenlarven. Trockenfutter wird häufig nur zögerlich oder gar nicht angenommen; fein granuliertes Futter kann ergänzend angeboten werden, eignet sich aber nicht als alleiniges Futter. Eine abwechslungsreiche Fütterung mit hohem Anteil an Lebend- und Frostfutter fördert Gesundheit, Kondition und Farbintensität.
Ernährungstyp: Allesfresser (Omnivore)
Alterserwartung
ca. 3 Jahre

Natürlicher Lebensraum

Parasphaerichthys lineatus ist im südlichen Myanmar beheimatet, konkret im Irrawaddy-Delta sowie in der Umgebung von Einme (Hmoain-Tümpel). Die Art ist vermutlich auf diese Region endemisch beschränkt. Typisch ist klares, stehendes bis sehr langsam fließendes Gewässer mit schlammigem oder sandigem Bodengrund und dichter aquatischer Vegetation (Schwimmpflanzen, großblättrige Unterwasserpflanzen, Wasserhyazinthen). Im Unterschied zu den Sphaerichthys-Schokoladenguramis lebt P. lineatus nicht in Schwarzwasser, sondern in klarem Wasser mit vergleichsweise weniger Huminstoffen. Organisches Falllaub strukturiert das Habitat; die geringe Strömung und dichte Vegetation bieten Schutz und Nahrungsangebot durch angesiedelte Wirbellose.

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