Sewellia lineolata
Beschreibung
Sewellia lineolata (Prachtflossensauger) ist eine der bekanntesten Schmerlenarten aus der Gruppe der Hillstream-Loaches (Gastromyzontidae). Der Körper ist stark abgeflacht, breit und dorsoventral komprimiert. Brust- und Bauchflossen sind zu breiten, flügelähnlichen Strukturen vergrößert, die gemeinsam mit der flachen Bauchseite wie ein Saugnapf wirken und sicheres Haften selbst auf glatten Steinen bei reißender Strömung ermöglichen.
Das Farbmuster ist einprägsam: Auf gelblich-braunem Grundton verlaufen drei bis fünf kräftige, dunkelbraune Längsstreifen entlang der Flanken, ergänzt durch ein feines, netzartiges (retikuliertes) Muster aus dunklen Linien und Flecken auf Kopf, Rücken und Flossen. Erwachsene Tiere erreichen etwa 6,5-7 cm TL.
S. lineolata ist endemisch in Zentralvietnam (Küstenflüsse: Huong, Thu Bon, Tra Khuc, Ve, An Lao) und kein Mekong-Bewohner. Die Art gilt als IUCN-gefährdet (Vulnerable), Bestände sind durch Übernutzung und Habitatdegradation um mindestens 30 % zurückgegangen.
Sewellia lineolata ist kein Tropenfisch. Die Art stammt aus kühleren, schnell fließenden Gebirgsbächen und verträgt dauerhaft warme Aquarien schlecht.
Besonderheiten
- Streng rheophil: starke Strömung zwingend (10-15x Beckeninhalt/h)
- Kein Tropenfisch: 24 °C ist Obergrenze, dauerhaft über 26 °C schädlich
- Haftvermögen: kann senkrechte Glasflächen erklimmen
- Tagaktiv: lebhaftes Such- und Putzverhalten auf Steinflächen
- IUCN-Status: Vulnerable (gefährdet), endemisch in Zentralvietnam
- Kein Mekong-Bewohner: Küstenflüsse, die ins Südchinesische Meer münden
- Männchen mit Tuberkelschnauze und Brustflossen-Fences
- Sprungrisiko gering, dennoch Abdeckung empfehlenswert
Vergesellschaftungshinweise
Sewellia lineolata ist gegenüber anders aussehenden Arten weitgehend friedlich. Innerhalb der eigenen Art zeigen Männchen territoriales Verhalten: Reviere auf flachen Steinen, Imponierverhalten und gelegentlich Bauch-an-Bauch-Auseinandersetzungen.
Gruppenhaltung notwendig. Mindestens 6 Tiere, damit natürliche Hierarchien entstehen. Einzeltiere oder Paare zeigen gestresstes Verhalten.
Adulte Garnelen (Neocaridina, Amano) sind in der Regel sicher, Junggarnelen können gefährdet sein. Schnecken sind unproblematisch.
Geeignete Beifische: Kleine Danio- und Devario-Arten, Tanichthys, Rasbora, rheophile Grundeln (Rhinogobius, Stiphodon), andere Hillstream-Loaches. Keine Malawi-/Tanganjika-Buntbarsche.
Geschlechtsdimorphismus
Männchen erkennbar an tuberkelartiger Schnauze und charakteristischen Reihen erhöhter Gewebewülste (Fences) auf den Brustflossen. Männchen wirken von oben betrachtet kantiger. Weibchen sind insgesamt breiter und fülliger im Körper, besonders bei Laichreife.
Haltungstipps / Pflege
Wasserwerte für die Aquarienhaltung: Temperatur 20-24 °C, pH 6,0-7,5, GH 1-10 dGH. Der Temperaturbereich ist bewusst kühl: S. lineolata stammt aus Gebirgsbächen und verträgt dauerhaft warme Aquarien schlecht.
Beckengröße: Mindestens 112 Liter, idealerweise ein breites, flaches Becken (mindestens 100 cm Länge).
Strömung: Starke Umwälzung absolut notwendig. Mindestens 10-facher Beckeninhalt pro Stunde. Ohne Strömung und hohe Sauerstoffsättigung zeigen die Tiere Stresssymptome.
Einrichtung: Viele große, glatte Kieselsteine als Aufwuchsflächen und Revierinseln. Sand- und Kiespartien als Bodengrund. Pflanzen spielen eine untergeordnete Rolle.
Wasserqualität: Empfindlich gegenüber Nitrit und Nitrat. Regelmäßige Wasserwechsel unerlässlich.
Zucht und Fortpflanzung
Fortpflanzungstyp: Freilaicher (Substrat-Eiableger, keine Brutpflege). Zuchtschwierigkeit: Mittel (leichteste Hillstream-Art).
S. lineolata gehört zu den am ehesten züchtbaren Hillstream-Loaches. Erste Zuchterfolge oft als zufälliger Fund von Jungfischen. Gezielte Zucht möglich: Gruppe von mindestens 6 Tieren, Temperatur auf 20-21 °C absenken, Strömung erhöhen, Konditionierung mit Frostfutter. Substrat: Kieselsteinpacker (2-4 cm Körnung) als Eiablage-Verstecke. Paarung mit ineinandergehakten Brustflossen im freien Wasser. Jungfische können im Elternbecken aufwachsen, da keine Brut gefressen wird.
Ernährung/Futterbedarf
Sewellia lineolata ist ein omnivor ausgerichteter Aufwuchsfresser. Hauptnahrung: Biofilm und Algen auf Steinflächen. Im Aquarium: Aufwuchs auf Steinen aktiv fördern (gut beleuchtet), Spirulina-Tabs, sinkende Algentabletten, blanchierte Gurkenscheiben. Tierische Ergänzung: Frostfutter (Artemia, Mückenlarven, Daphnien, Cyclops) 2-3x pro Woche. Ohne ausreichend Aufwuchsflächen magern die Tiere ab.
Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Natürlicher Lebensraum
Sewellia lineolata ist endemisch in Zentralvietnam, beschränkt auf vier Fluss-Einzugsgebiete der zentralvietnamesischen Küste: Huong (Thua Thien-Hue), Thu Bon (Quang Nam), Tra Khuc und Ve (Quang Ngai) sowie An Lao (Binh Dinh). Die Art ist kein Mekong-Bewohner. Das Habitat sind flache, stark strömende, hochoxygenierte Gebirgsbäche mit Fels, Kies und Sand als Substrat. Aquatische Vegetation fehlt weitgehend.