Sewellia sp.
Beschreibung
Sewellia sp. gehört zu den Flossensaugern (Gastromyzontidae) und ist eine strömungsliebende Schmerlenart aus den Fließgewässern Zentral-Vietnams, die bis zu 8 cm groß wird. Der kompakte Körper ist von oben nach unten abgeflacht (dorsoventral), und die stark vergrößerten Brust- und Bauchflossen bilden zusammen eine saugnapfartige Scheibe, mit der sich das Tier selbst in reißender Strömung an glatten Steinen verankern kann. Die Grundfärbung reicht von dunkelbraun bis schwarz mit zahlreichen hellen Punkten oder Linien; die Unterseite kann rosafarbene Töne zeigen. Männchen entwickeln an den vorderen Brustflossenstrahlen erhöhte Reihen feiner Tuberkel, die im Hobby als „Zäune“ bezeichnet werden.
Besonderheiten
- Saugnapfartige Flossenform – kann sich in reißender Strömung an Steinen verankern
- Obligater Gruppenfisch – mindestens 6 Tiere
- Kann an Glasscheiben klettern – Deckel empfohlen
- Extrem empfindlich auf Nitrit – nur in eingefahrene Becken einsetzen
- Benötigt starke Strömung und hohe Sauerstoffsättigung
- Männchen mit Tuberkel-Reihen an den Brustflossenstrahlen („Zäune“)
Vergesellschaftungshinweise
Friedlich, gesellig, innerartlich territorial, ruhig, bei Dämmerung und Nacht besonders aktiv. Haltung: Gruppe ab 6 Tieren. Verträglichkeit mit Wirbellosen: sehr gut verträglich (Garnelen und Schnecken werden ignoriert).
Prachtflossensauger lassen sich gut mit ruhigen, strömungsliebenden Arten vergesellschaften, die andere Nischen im Becken besetzen. Geeignete Beifische sind kleine Bärblinge (Tanichthys, Danio, Rasbora), strömungsliebende Grundeln und rheophile Welse. Zwerggarnelen der Gattungen Neocaridina und Caridina sowie Schnecken werden problemlos toleriert. Vermeiden sollte man andere bodenbewohnende Aufwuchsfresser, die um dieselben Nahrungsflächen konkurrieren. Bei der Haltung mehrerer Sewellia auf ausreichende Revierstruktur mit vielen Steinen achten, da die Tiere untereinander territorial sein können und sich „Bauch an Bauch“ bekämpfen.
Geschlechtsdimorphismus
Männchen sind schlanker mit eher eckiger Schnauze und rechtwinklig abstehenden Brustflossen. An den vorderen Brustflossenstrahlen bilden geschlechtsreife Männchen erhöhte Reihen feiner Tuberkel. Weibchen erscheinen fülliger mit fließendem Übergang von Schnauze zu Brustflossen und runderer Körperform, besonders bei laichtragenden Tieren.
Haltungstipps / Pflege
Sewellia sp. ist ein Bewohner schnellfließender, flacher Bäche und benötigt im Aquarium entsprechende Bedingungen: starke Strömung, hohe Sauerstoffsättigung und kühle Temperaturen (18-24 °C, pH 6,0-7,5, GH 2-12 °dGH). Das Becken sollte mit flachen Felsflächen, großen runden Kieseln und Bereichen mit feinem Kies eingerichtet werden, auf denen sich Biofilm ansiedeln kann. Eine Filterumwälzung von mindestens 10-15-fach pro Stunde ist empfehlenswert; zusätzliche Strömungspumpen unterstützen die naturnahe Wasserbewegung. Helle Beleuchtung fördert das Algenwachstum, das als Hauptnahrung dient. Regelmäßige Wasserwechsel von 20-30 % wöchentlich sind wichtig, da die Art extrem empfindlich auf Nitrit reagiert. Nur in vollständig eingefahrene Becken einsetzen. Trotz des geringen Sprungrisikos ist ein gut schließender Deckel empfohlen, da Sewellia-Arten an Glasscheiben klettern können. Einzelhaltung führt zu Stress und verkümmertem Verhalten – mindestens 6 Tiere halten.
Eine kurzfristige Absenkung der Temperatur auf 18-20 °C kann natürliches Verhalten und Laichbereitschaft fördern.
Zucht und Fortpflanzung
Sewellia sp. ist ein Substratlaicher. Die Zucht gelingt in der Aquaristik regelmäßig und ist für die Gattung gut dokumentiert. Entscheidend ist ein ausgereiftes Substrat aus grobem, rundem Flusskies (2-4 cm Körnung), in dessen Zwischenräumen die Eier geschützt reifen und die Jungfische Zuflucht finden. Die Paarung erfolgt im freien Wasser, wobei das Männchen das Weibchen mit der Schwanzflosse umschlingt. Zuchtwasser: pH 6,5-7,2, GH bis 10 °dGH, 20-24 °C. Auslöser: großzügiger, kühler Wasserwechsel zur Simulation von Regenfällen, kombiniert mit reichlicher Fütterung und starker Strömung. Die Jungfische ernähren sich zunächst von Mikroorganismen im Substrat und Aufwuchs; Infusorien und feinstes Staubfutter ergänzen die Ernährung in den ersten Wochen.
Ernährung/Futterbedarf
Sewellia sp. ist primär ein Aufwuchsfresser und ernährt sich von Biofilm, Algen und darin lebenden Kleinstorganismen, die von Steinen und harten Oberflächen abgeweidet werden. Im Aquarium ergänzt man das natürliche Abweiden durch sinkende Futtertabletten, Spirulina-Tabs, überbrühtes Gemüse (Spinat, Gurke) sowie hochwertiges Frostfutter (Mückenlarven, Artemia, Daphnien). Aufgrund des kleinen Mauls sind fein zerteilte Partikel wichtig. Starke Beleuchtung im Becken fördert das Algenwachstum, das als permanente Nahrungsgrundlage dient.
Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Natürlicher Lebensraum
Sewellia sp. besiedelt flache, schnellfließende Bäche und Stromschnellen mit klarem, sauerstoffreichem Wasser in Zentral-Vietnam. Typische Fundorte liegen in den Provinzen Quang Nam, Thua Thien-Hue, Quang Ngai und Binh Dinh. Das Habitat wird von Felsgestein, großen runden Kieseln und spaltenreichen Strukturen dominiert, die reichlich Anheftungsflächen für Aufwuchs bieten. Die starke tropische Sonneneinstrahlung in Kombination mit klarem, flachem Wasser erzeugt optimale Bedingungen für üppigen Biofilm.