Simpsonichthys santanae
Beschreibung
Simpsonichthys santanae (Santana-Zwergkillifisch) ist einer der kleinsten Jahresfische Südamerikas aus der Familie Rivulidae (Cynolebiidae) mit einer Totallänge von nur 3 cm. Die Art lebt in temporären Gewässern des brasilianischen Cerrado-Bioms und durchläuft einen vollständigen Jahresrhythmus: Mit der Trockenzeit sterben die Elterntiere, die im Bodensubstrat vergrabenen Eier überleben bis zur nächsten Regenzeit.
Das Männchen ist hellrot gefärbt mit 12-14 vertikalen Reihen leuchtend blauer Punkte. Rücken- und Afterflosse sind rot mit hellblauen Punkten und schmalem hellblauem Saum. Das Weibchen ist hellgelb-bräunlich mit 10-14 dunkelgrauen Querstreifen und transparenten Flossen.
Als Jahresfisch ist die Lebenserwartung begrenzt: Im Aquarium bis 1-1,5 Jahre.
Die Art ist gemäß IUCN als Endangered (EN) eingestuft. Verbreitungsgebiet auf wenige Lokalitäten im Ribeirao Santana (oberes Rio-Corumba-Einzugsgebiet, Zentralbrasilien) beschränkt. Nur Nachzuchten aus seriösen Quellen verwenden.
Besonderheiten
- Jahresfisch (Annual Killifish): Eier überleben im Substrat, Elterntiere sterben mit der Trockenzeit
- Lebenserwartung im Aquarium nur 1-1,5 Jahre
- Springer: lückenloser Deckel notwendig
- Streng weiches, saures Wasser (Cerrado-Art), hartes Leitungswasser nicht geeignet
- IUCN-Status: Endangered (EN), nur Nachzuchten verwenden
- Sehr klein (3 cm TL): Artenbecken oder sorgsam gewählte Vergesellschaftung
- Substratlaicher: Eier werden tief im Torfboden vergraben
- Torf-Inkubation: 2,5-3 Monate bei 25-28 °C
Vergesellschaftungshinweise
Simpsonichthys santanae ist territorial veranlagt. Männchen sind untereinander deutlich aggressiv. Standardhaltung als Paar (1 Männchen, 1 Weibchen) oder kleiner Harem (1 Männchen, 2 Weibchen). Ausreichend Versteckmöglichkeiten und Sichtbarrieren sind erforderlich.
Gegenüber artfremden Fischen weitgehend neutral bis zurückgezogen.
Garnelen: Adulte wahrscheinlich toleriert, Junggarnelen können gefressen werden. Schnecken: In der Regel toleriert.
Geeignete Beifische: Kleine, friedliche Zwergbuntbarsche (Apistogramma), zarte südamerikanische Salmler (Nannostomus, Hyphessobrycon), kleine Panzerwelse. Keine Hartwasserfische, keine Malawi-/Tanganjika-Buntbarsche.
Geschlechtsdimorphismus
Ausgeprägt und auf den ersten Blick erkennbar. Männchen sind deutlich farbenprächtiger (hellrot mit blauen Punkten), größer und besitzen spitz zulaufende, fadenverlängerte Rücken- und Afterflossen. Weibchen sind kleiner, gelblich-bräunlich gefärbt und haben kürzere, abgerundete Flossen. Die Urogenitalpapille des Männchens ist zylindrisch, die des Weibchens taschenförmig.
Haltungstipps / Pflege
Wasserwerte für die Aquarienhaltung: Temperatur 20-23 °C, pH 6,0-6,5, GH 2-10 dGH (optimal 2-6 dGH). Diese engen Parameter sind artspezifisch. Die Art stammt aus extrem weichem, schwach saurem Cerrado-Wasser. Hartes Leitungswasser muss mit Osmosewasser oder Regenwasser verdünnt werden.
Beckengröße: Mindestens 54 Liter (BMEL-Richtwert). Für ein Paar technisch ab 15-20 Liter ausreichend, für Zucht 30-54 Liter mit ausreichend Torfsubstrat-Fläche.
Einrichtung: Dunkler Bodengrund aus Torf oder Torf-Sand-Mischung (Eier werden eingegraben). Wurzeln, Seemandelbaumblätter, schwimmende Pflanzen. Keine starke Filterung, schwacher Schwammfilter genügt. Dezente Beleuchtung.
Deckel: notwendig, lückenlos. Alle Killifische sind bekannte Springer.
Zucht und Fortpflanzung
Fortpflanzungstyp: Substratlaicher (Jahresfisch). Zuchtschwierigkeit: Schwer, erfahrenen Spezialisten vorbehalten.
Artenbecken mit tiefem, weichem Torfsubstrat (mindestens 5-8 cm). Männchen und Weibchen vergraben sich gemeinsam zur Eiablage im Substrat. Torf-Klumpen mit Eiern entnehmen, leicht abpressen und bei 25-28 °C für ca. 2,5-3 Monate in luftdichtem Behälter aufbewahren. Zum Schlüpfen Torf mit weichem Wasser bei 18-20 °C überschwemmen. Jungfische fressen sofort Artemia-Nauplien. Ca. 50-60 Eier pro Laichgang.
Ernährung/Futterbedarf
Simpsonichthys santanae ist ein Karnivor. Bevorzugt: Feines Lebend- und Frostfutter wie Artemia-Nauplien, Cyclops, Daphnien, schwarze und rote Mückenlarven, Tubifex. Trockenfutter wird oft abgelehnt oder nur zögerlich angenommen und sollte nie das einzige Futter sein. Kleine Mengen 1-2x täglich. Als Jahresfisch mit hohem Stoffwechsel ist kontinuierlich gute Ernährung besonders wichtig.
Fütterungshinweis: Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern als eine große Mahlzeit. Was innerhalb von 2–3 Minuten nicht gefressen wird, ist zu viel.
Natürlicher Lebensraum
Simpsonichthys santanae ist ein Endemit Brasiliens und kommt ausschließlich in den Überschwemmungsflächen des Ribeirao Santana im oberen Rio-Corumba-Einzugsgebiet (oberes Paraná-Becken), Zentralbrasilien, vor. Habitat: Temporäre Süßwassertümpel und Sümpfe im Cerrado-Grasland und Galeriewald. Diese Gewässer trocknen jährlich vollständig aus. Wasser: Extrem weich, leicht sauer (pH 6-6,5), 20-23 °C. Boden: Weicher Schlamm, Torf und organischer Detritus.
Anmerkung:
Auch die Arten Simpsonichthys boitonei und Simpsonichthys santanae sind sich sehr ähnlich.
Im Gegensatz zu den Arten Simpsonichthys santanae und Simpsonichthys zonatus fehlt beim Simpsonichthys boitonei die Bauchflosse.
Foto von Simpsonichthys boitonei:
Sehr schöne Fische, die leider viel zu selten gehalten werden.
Bei mir herrscht gerade Unklarheit was die Größe der Tiere angeht. Mehrfach habe ich im Internet eine Angabe von 3cm gefunden. In diesem Artikel gibt es gleich drei unterschiedliche Angaben (3-4 cm, 5cm und 3cm). Ich selber habe gerade ein Trio und würde das Männchen auf knapp 4cm schätzen. Mich würde interessieren wie sich die Größe der Tiere am besten beschreiben läßt und wie sie sich sich im Vergleich zu den anderen kleinen Fächerkärpflingen (z.B. S. punctulatus & S. zonatus) verhält.